[„Neue Rheinische Zeitung* 
Nr. 106 vom 19. September 1848] 
* Köln, 18. SEE Gestern fand bei Worringen eine große Volks- 
versammlung statt. Von Köln waren fünf oder sechs große Rheinkähne, jeder 
mit ein paar hundert Menschen, die rote Fahne voraus, den Rhein hinab- 
gefahren. Von Neuß, Düsseldorf, Krefeld, Hitdorf, Frechen und Rheindorf 
waren mehr oder minder zahlreiche Deputationen anwesend. Die Ver- 
sammlung, auf einer Wiese am Rheine abgehalten, zählte mindestens 6000 - 

bis 8000 Menschen. 

Kar! Schapper von Köln wurde zum Präsidenten, Friedrich Engels von 
Köln zum Sekretär ernannt. Auf Anfrage des Vorsitzenden erklärte sich die 
Versammlung mit allen gegen eine Stimme für die Republik, und zwar für 
die demokratisch-soziale, für.die rote Republik. 

Auf den Vorschlag von Ernst Dronke von Köln wurde dieselbe Adresse 
an die Berliner Versammlung, die vorigen Mittwoch auf dem Frankenplatz 
in Köln beschlossen worden (worin die Versammlung aufgefordert wurde, im 
Falle einer Auflösung selbst der Gewalt der Bajonette nicht zu weichen), 
auch von der Worringer Versammlung einstimmig angenommen. 

Auf den Vorschlag von Joseph Moll von Köln wurde der in Köln in 
öffentlicher 'olksversammlung erwählte Sicherheitsausschuß anerkannt und 
auf Antrag eines Mitgliedes der Versammlung demselben ein dreimaliges 
Hoch gebracht. 

Auf den Vorschlag von Friedrich Engels von Köln wurde folgende Adresse 
einstimmig beschlossen: 

An die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt. 

Die hier versammelten deutschen Reichsbürger erklären hiermit, daß 
sie, wenn aus: der Widersetzlichkeit der preußischen Regierung gegen 

2 Wohlfahrtsausschuß — ? siehe vorl. Band, 5. 493/494 

Aufzeichnungen und Dokumente 497 

die Beschlüsse der Nationalversammlung und der Zentralgewalt ein 
Konflikt zwischen Preußen und Deutschland entstehen sollte, sie mit 
Gut und Blut zu Deutschland stehen werden. 

- Worringen, den 17.September 1848 

Auf den Antrag von Schultes aus Hitdorf wurde beschlossen, daß die 
„Kölnische Zeitung“ [104 nicht die Interessen der Rheinprovinz vertritt. 

- Es sprachen außerdem noch W. Wolff von Köln, F. Lassalle von Düssel- 

dorf, Esser von Neuß, Weyll, Wachter, Becker und Reichhelm von Köln, 
Wallraf von Frechen, Müller, Mitglied des Worringer Arbeitervereins, Leven 
von Rheindorf, Imandt von Krefeld. Den Schluß der Sitzung bildete eine 
kurze Ansprache von Henry Brisbane von New York, dem bekannten Re- 
dakteur der demokratisch-sozialistischen „New York Tribune“. 

Im Laufe der Sitzung wurde aus sicherer Quelle mitgeteilt, daß man 
beabsichtige, „am Dienstag die 27 ger wieder nach Köln rücken zu lassen, die 
übrigen Bataillone des Regiments ebenfalls herbeizuziehen, die Soldaten zu 
Streitigkeiten mit den Bürgern zu veranlassen, bei dieser Gelegenheit die 
Stadt in Belagerungszustand zu erklären, die Bürgerwehr zu entwaffnen und 
uns kurz und gut nach Mainzer Manier! zu behandeln“. 

Für den Fall, daß diese Nachricht wirklich begründet sei, daß es zu einem 
Zusammenstoß kommen sollte, haben die anwesenden Bewohner der Um- 
gegend den Kölnern ihre Hülfe zugesagt. In der Tat warten die Worringer 
nur der Aufforderung, zu erscheinen. 

Dies zur Notiz für den Exbürgerwehrkommandanten Herrn Witigen- 
stein. 

17. 

[Beschluß der Volksversammlung in Köln 
im Zusammenhang mit dem Aufstand in Frankfurt] 

[„Neue Rheinische Zeitung“ 
| | Nr. 110 vom 23. September 1848] 
Um Nachdruck wird gebeten! 

PROKLAMATION! 
Die in einer Volksversammlung zu Köln am 20. September zusammen- 
getretenen Reichsbürger 
in Erwägung, 

daß der Beschluß der Frankfurter Nationalversammlung vom 16. 
über Genehmigung des ehrlosen Waffenstillstandes mit Dänemark 

I Siehe vorl. Band, S.18 

498 Beilagen 

ein Verrat an dem deutschen Volke und der Ehre der deutschen 
Waffen ist, 
erklären: 
Art. 1. Die Mitglieder der Frankfurter sogenannten National- 
versammlung, mit Ausnahme derjenigen, welche sich dem Volke 
bereit erklärt haben auszutreten, sind Volksverräter; 

Art. 2. Die Frankfurter Barrikadenkämpfer haben sich um das 
Vaterland wohl verdient gemacht. 

tes AS aan 

Diese Proklamation ist durch Maueranschläge und durch die Presse 
möglichst zu verbreiten. 

Beiträge zur Unterstützung der Insurgenten und deren 
Familien wird die Expedition der „Neuen Rheinischen Zei- 
tung“ in Empfang nehmen. 

18 

[Mitteilung der Geranten der „Neuen Rheinischen Zeitung‘ 
über das Verbot des Blattes] 

I Nasa Rha; in? ischa I aiti ung“ 

mi scluoS Aus v Ku 

Extrablatt vom 28. September a 
AN UNSERE GEEHRTEN ABONNENTEN! 

Durch den für Köln eingetretenen Belagerungszustand, wo die Feder dem 
Säbel untergeordnet sein muß, ist der | 

„NEUEN RHEINISCHEN ZEITUNG“ 

verboten zu erscheinen und kann dieselbe ihren Verpflichtungen den geehrten 
Abonnenten gegenüber vorerst nicht nachkommen. 

Wir dürfen indessen hoffen, daß der exzeptionelle Zustand nur wenige 
Tage noch fortdauern wird, und. werden wir dann im Laufe. des Monats 
"Oktober unser Blatt in vergrößertem Format, von neuen kräftigen Mitteln unter- 
stützt, unsern Abonnenten um so pünktlicher zugehen lassen können, da wir 
binnen kurzem den Druck mittelst einer neuen Schnellpresse besorgen lassen 
werden. 

Köln, den 28.September 1848 
DIE GERANTEN