Das Geld oder die einfache Zirkulation 

In einer Parlamentsdebatte über Sir Robert Peels Bankakte von 1844 und 
1845 13] bemerkte Gladstone, die Liebe selbst habe nicht mehr Menschen zu 
Narren gemacht als das Grübeln über das Wesen des Geldes. Er sprach von 
Briten zu Briten. Holländer dagegen, Leute, die Pettys Zweifel zum Trotz 
von jeher einen „himmlischen Witz“ besaßen für die Geldspekulation, haben 
nie ihren Witz verloren in Spekulation über das Geld. 

Die Hauptschwierigkeit i in der Analyse des Geldes ist Deals: 
sobald sein Ursprung aus der Ware selbst begriffen ist. Unter dieser Voraus- 
setzung handelt es sich nur noch darum, seine eigentümlichen Formbestimmt- 
heiten rein aufzufassen, was einigermaßen erschwert wird, weil alle bürger- 
lichen Verhältnisse vergoldet oder versilbert, als Geldverhältnisse erscheinen, 
und die Geldform daher einen unendlich mannigfaltigen Inhalt zu besitzen 
scheint, der ihr selbst fremd ist. 

In der folgenden Untersuchung ist festzuhalten, daß es sich nur um die 
Formen des Geldes handelt, die unmittelbar aus dem Austausch der Waren 
herauswachsen, nicht aber um seine, einer höhern Stufe des Produktions- 
prozesses angehörigen Formen, wie z.B. Kreditgeld. Der Vereinfachung 
wegen ist Gold überall als die Geldware unterstellt. 

1. Maß der Werte 

Der erste Prozeß der Zirkulation ist sozusagen theoretischer, vorbereiten- 
der Prozeß} für die wirkliche Zirkulation. Die Waren, die als Gebrauchswert 
existieren, schaffen sich zunächst die Form, worin sie einander ideell als 
Tauschwert erscheinen, als bestimmte Quanta vergegenständlichter all- 
gemeiner Arbeitszeit. Der erste notwendige Akt dieses Prozesses ist, wie wir 
sahen, daß die Waren eine spezifische Ware, sage Gold, als unmittelbare 

Materiatur der allgemeinen Arbeitszeit oder allgemeines Äquivalent aus- 
schließen. Kehren wir einen Augenblick zurück zur Form, in welcher die 

Waren Gold in Geld verwandeln. 

1 Tonne Eisen = 2 Unzen Gold, 

1 Quarter Weizen = ] Unze Gold, 

l Zentner Moccakaffee = !/a Unze Gold, 

1 Zentner Pottasche = 1/, Unze Gold, 

1 Tonne brasilisches Holz = 1!/, Unzen Gold, 
Y Ware = X Unze Gold. 

In dieser Reihe von Gleichungen erscheinen Eisen, Weizen, Kaffee, Pottasche 
usw. einander als Materiatur gleichförmiger Arbeit, nämlich in Gold materia- 
lisiierter Arbeit, worin alle Besonderheit der in ihren verschiedenen Ge- 
brauchswerten dargestellten wirklichen Arbeiten völlig ausgelöscht ist. Als 
Wert sind sie identisch, Materiatur derselben Arbeit oder dieselbe Materiatur 
der Arbeit, Gold. Als gleichförmige Materiatur derselben Arbeit zeigen sie 
nur einen Unterschied, quantitativen, oder erscheinen als verschiedene Wert- 
größen, weil in ihren Gebrauchswerten ungleiche Arbeitszeit enthalten ist. Als 
diese einzelnen Waren verhalten sie sich zugleich als Vergegenständlichung 
der allgemeinen Arbeitszeit zueinander, indem sie sich zu der allgemeinen 
Arbeitszeit selbst als einer ausgeschlossenen Ware, Gold, verhalten. Dieselbe 
prozessierende Beziehung, wodurch sie sich füreinander als Tauschwerte dar- 
stellen, stellt die im Gold enthaltene Arbeitszeit als die allgemeine Arbeits- 
zeit dar, wovon ein gegebenes Quantum sich in verschiedenen Quantis Eisen, 
Weizen, Kaffee etc., kurz in den Gebrauchswerten aller Waren ausdrückt oder 
sich unmittelbar in der unendlichen Reihe der Warenäquivalente entfaltet. 
Indem die Waren allseitig ihre Tauschwerte in Gold ausdrücken, drückt 
Gold unmittelbar seinen Tauschwert in allen Waren aus. Indem die Waren 
sich selbst füreinander die Form des Tauschwerts geben, geben sie dem Gold 
die Form des allgemeinen Äquivalents oder Geldes. 

Weil alle Waren ihre Tauschwerte in Gold messen, in dem Verhältnis, 
worin bestimmte Quantität Gold und bestimmte Quantität Ware gleich viel 
Arbeitszeit enthalten, wird das Gold zum Maß der Werte, und zunächst ist 
es nur durch diese Bestimmung als Maß der Werte, als welches sein eigener 
Wert sich unmittelbar in dem Gesamtumkreis der Warenäquivalente mißt, 
daß es allgemeines Äquivalent oder Geld wird. Andrerseits drückt sich nun 
der Tauschwert aller Waren in Gold aus. Ein qualitatives und ein quantitatives 
Moment sind in diesem Ausdruck zu unterscheiden. Der Tauschwert der 
Ware ist vorhanden als Materiatur derselben gleichförmigen Arbeitszeit; die 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 51 

Wertgröße der Ware ist erschöpfend dargestellt, denn in dem Verhältnis, 
worin die Waren dem Gold gleichgesetzt sind, sind sie emander gleichgesetzt. 
Einerseits erscheint der allgemeine Charakter der in ihnen enthaltenen Arbeits- 
zeit, andererseits die Quantität derselben in ihrem goldenen Äquivalent. Der 
Tauschwert der Waren, so als allgemeine Äquivalenz und zugleich als Grad 
dieser Äquivalenz in einer spezifischen Ware, oder in einer einzigen Gleichung 
der Waren mit einer spezifischen Ware ausgedrückt, ist Preis. Der Preis ist die 
verwandelte Form, worin der Tauschwert der Waren innerhalb des Zirku- 
lationsprozesses erscheint. 

Durch denselben Prozeß also, wodurch die Waren ihre Werte als Gold- 
preise darstellen, stellen sie das Gold als Maß der Werte und daher als Geld 
dar. Wenn sie allseitig ihre Werte in Silber oder Weizen oder Kupfer mäßen 
und daher als Silber-, Weizen- oder Kupferpreise darstellten, würden Silber, 
Weizen, Kupfer Maß der Werte und damit allgemeines Äquivalent. Um in 
der Zirkulation als Preise zu erscheinen, sind die Waren der Zirkulation als 
Tauschwerte vorausgesetzt. Maß der Werte wird das Gold nur, weil alle 
Waren ihren Tauschwert in ihm schätzen. Die Allseitigkeit dieser prozes- 
sierenden Beziehung, woraus allein sein Charakter als Maß entspringt, setzt 
aber voraus, daß jede einzelne Ware sich in Gold mißt im Verhältnis der in 
beiden enthaltenen Arbeitszeit, daß also das wirkliche Maß zwischen Ware 
und Gold die Arbeit selbst ist, oder Ware und Gold durch den unmittelbaren 
Tauschhandel einander als 'Tauschwerte gleichgesetzt werden. Wie diese 
Gleichsetzung praktisch vor sich geht, kann nicht in der Sphäre der ein- 
fachen Zirkulation erörtert werden. So viel leuchtet indes ein, daß in Gold 
und Silber produzierenden Ländern bestimmte Arbeitszeit sich unmittelbar 
einem bestimmten Quantum Gold und Silber einverleibt, während in Län- 
dern, die kein Gold und Silber produzieren, dasselbe Resultat auf einem 
Um weg erreicht wird, durch direkten oder indirekten Austausch der Landes- 
waren, d.h. einer bestimmten Portion der nationalen Durchschnittsarbeit 
gegen bestimmtes Quantum der in Gold und Silber materialisierten Arbeits- 
zeit der Minen besitzenden Länder. Um’als Maß der Werte dienen zu können, 
muß Gold der Möglichkeit nach ein veränderlicher Wert sein, weil es nur als 
_ Materiatur der Arbeitszeit zum Äquivalent anderer Waren werden kann, die- 

selbe Arbeitszeit aber mit dem Wechsel der Produktivkräfte der realen Arbeit 
in ungleichen Volumen derselben Gebrauchswerte sich verwirklicht. Wie bei 
der Darstellung des Tauschwertes jeder Ware im Gebrauchswert einer andern 
Ware ist bei der Schätzung aller Waren in Gold nur vorausgesetzt, daß das 
“Gold in einem gegebenen Moment ein gegebenes Quantum Arbeitszeit dar- 
stellt. In bezug auf seinen Wertwechsel gilt das früher entwickelte Gesetz der 
4> 

52 | Karl Marx 

Tauschwerte. Bleibt der Tauschwert der Waren unverändert, so ist ein all- 
gemeines Steigen ihrer Goldpreise nur möglich, wenn der Tauschwert des 
Goldes fällt. Bleibt der Tauschwert des Goldes unverändert, so ist ein all- 
gemeines Steigen der Goldpreise nur möglich, wenn die Tauschwerte aller 
Waren steigen. Umgekehrt im Falle eines allgemeinen Sinkens der Waren- 
preise. Fällt oder steigt der Wert einer Unze Gold infolge eines Wechsels der 
zu ihrer Produktion erheischten Arbeitszeit, so fällt oder steigt er gleichmäßig 
für alle andern Waren, stellt also nach wie vor allen gegenüber Arbeitszeit 
von gegebener Größe dar. Dieselben Tauschwerte schätzen sich nun in grö- 
Bern oder kleinern Goldquantiis als zuvor, aber sie schätzen sich im Verhältnis 
zu ihren Wertgrößen, bewahren also dasselbe Wertverhältnis zueinander. 
Das Verhältnis von 2: 4:8 bleibt dasselbe als 1: 2:4 oder 4: 8: 16. Die ver- 
änderte Goldauantität, worin sich die Tauschwerte schätzen mit wechseln- 
dem Goldwert, verhindert ebensowenig die Funktion des Goldes als Maß der 
Werte, wie der I5mal kleinere Wert des Silbers gegen Gold es verhindert, 
das letztere aus dieser Funktion zu verdrängen. Weil die Arbeitszeit das Maß 
zwischen Gold und Ware ist und das Gold nur Maß der Werte wird, sofern 
alle Waren sich in ihm messen, ist es bloßer Schein des Zirkulationsprozesses, 
als ob das Geld die Waren kommensurabel mache.* Es ist vielmehr nur die 
Kommensurabilität der Waren als vergegenständlichte Arbeitszeit, die das 
Gold zu Geld macht. 

Die reale Gestalt, worin die Waren in den Austauschprozeß eintreten, ist 
die ihrer Gebrauchswerte. Wirkliches allgemeines Äquivalent sollen sie erst 

* Aristoteles sieht zwar ein, daß der Tauschwert der Waren den Warenpreisen 
vorausgesetzt ist: „daß...es den Tausch gab, bevor es das Geld gegeben, ist einleuch- 
tend; denn es macht keinen Unterschied, ob fünf Polster für ein Haus oder für soviel 
Geld, wie fünf Polster wert sind“. Andrerseits, da die Waren erst im Preise die Form 
des Tauschwerts füreinander besitzen, läßt er sie kommensurabel werden durch das 
Geld. „Alles muß einen Preis haben; denn so wird immer Austausch sein und folglich 
Gesellschaft. Das Geld macht, einem Maße gleich, in der Tat die nee kommensurabel 
(söuustga), um sie dann einander gleichzusetzen. Denn es gibt keine Gesellschaft ohne 
Austausch, der Austausch aber kann nicht sein ohne Gleichheit und die Gleichheit 
nicht ohne Kommensurabilität.“ Er verhehlt sich nicht, daß diese verschiedenen vom 
Gelde gemessenen Dinge durchaus inkommensurable Größen sind. Was er sucht, ist 
die Einheit der Waren als Tauschwerte, die er als antiker Grieche nicht finden konnte. 
Er hilft sich aus der Verlegenheit, indem er das an und für sich Inkommensurable 
durch das Geld kommensurabel werden läßt, soweit es für das praktische Bedürfnis 
nötig ist. „Es ist zwar in Wahrheit unmöglich, daß so verschiedenartige Dinge kom- 
mensurabel seien, aber für das praktische Bedürfnis geschieht dies.“ (Aristoteles, 
„Ethica Nicomachea“, L. V, C. 8, edit. Bekkeri, Oxonii 1837.) 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 53 

werden durch ihre Entäußerung. Ihre Preisbestimmung ist ihre nur ideelle 
Verwandlung in das allgemeine Äquivalent, eine Gleichung mit dem Gold, 
die noch zu realisieren bleibt. Weil aber die Waren in ihren Preisen nur ideell 
in Gold oder in nur vorgestelltes Gold verwandelt sind, ihr Geldsein von 
ihrem reellen Sein noch nicht wirklich getrennt ist, ist das Gold nur noch in 
ideelles Geld verwandelt, nur noch Maß der. Werte, und bestimmte Gold- 
quanta funktionieren in der Tat nur noch als Namen für bestimmte Quanta 
Arbeitszeit. Von der bestimmten Weise, worin die Waren füreinander ihren 
eignen Tauschwert darstellen, hängt jedesmal die Formbestimmtheit ab, 
worin das Gold sich als Geld kristallisiert. 

Die Waren treten sich jetzt als Doppelexistenzen gegenüber, wirklich als 
Gebrauchswerte, ideell als Tauschwerte. Die Doppelform. der Arbeit, die in 
ihnen enthalten ist, stellen sie jetzt füreinander dar, indem die besondere 
reale Arbeit als ihr Gebrauchswert wirklich da ist, während die allgemeine 
abstrakte Arbeitszeit in ihrem Preise ein vorgestelltes Dasein erhält, worin sie 
gleichmäßige und nur quantitativ verschiedene Materiatur derselben Wert- 
substanz sind. - 

Der Unterschied von Tauschwert und Preis erscheint einerseits als ein nur 
nomineller, wie Adam Smith sagt, daß die Arbeit der Realpreis, das Geld der 
Nominalpreis der Waren ist. Statt | Quarter Weizen in 30 Arbeitstagen zu 
schätzen, wird er jetzt geschätzt in | Unze Gold, wenn eine Unze Gold das 
Produkt von 30 Arbeitstagen ist. Ändrerseits ist der Unterschied so wenig 
bloßer Namensunterschied, daß in ihm vielmehr alle Ungewitter, die der 
Ware im wirklichen Zirkulationsprozeß drohen, konzentriert sind. 30 Arbeits- 
tage sind im Quarter Weizen enthalten und er ist daher nicht erst in Arbeits- 
zeit darzustellen. Aber Gold ist vom Weizen verschiedene Ware, und nur in 
der Zirkulation kann sich bewähren, ob der Quarter Weizen wirklich zur Unze 
Gold wird, wie in seinem Preis antizipiert ist. Es hängt dies davon ab, ob oder 
‘ob nicht er sich als Gebrauchswert, ob oder ob nicht das in ihm enthaltene 
Quantum Arbeitszeit sich als das von der Gesellschaft zur Produktion eines 
Quarters Weizen notwendig erheischte Quantum Arbeitszeit bewährt. Die 
Ware als solche ist Tauschwert, sie hat einen Preis. In diesem Unterschied 
von Tauschwert und Preis erscheint es, daß die in der Ware enthaltene be- 
sondere individuelle Arbeit erst durch den Prozeß der Entäußerung als ihr 
Gegenteil, individualitätslose, abstrakt allgemeine und nur in dieser Form 
gesellschaftliche Arbeit, d.h. Geld dargestellt werden muß. Es erscheint zu- 
fällig, ob sie dieser Darstellung fähig ist oder nicht. Obgleich daher im Preise 
der Tauschwert der Ware nur ideell von ihr unterschiedene Existenz erhält 
und das Doppeldasein der in ihr enthaltenen Arbeit nur noch als verschiedene 

54 i Karl Marx 

Ausdrucksweise existiert, andrerseits daher die Materiatur der allgemeinen 
Arbeitszeit, das Gold, nur noch als vorgestelltes Wertmaß der wirklichen 
Ware gegenübertritt, ist im Dasein des Tauschwerts als Preis oder des Goldes 
als Wertmaß die Notwendigkeit der Entäußerung der Ware gegen klingendes 
Gold, die Möglichkeit ihrer Nichtveräußerung, kurz der ganze Widerspruch 
_ latent enthalten, der daraus hervorgeht, daß das Produkt Ware ist, oder daß 
die besondere Arbeit des Privatindividuums, um gesellschaftliche Wirkung 
zu haben, sich als ihr unmittelbares Gegenteil, als abstrakt allgemeine Arbeit 
darstellen muß. Die Utopisten, die die Ware wollen, aber nicht das Geld, auf 
Privataustausch beruhende Produktion ohne die notwendigen Bedingungen 
dieser Produktion, sind daher konsequent, wenn sie das Geld nicht erst in 
seiner greifbaren Form, sondern schon in der gasartigen und hirngewebten 
. Form als Maß der Werte „vernichten“. Im unsichtbaren Maß der Werte 
lauert das harte Geld. . 

Den Prozeß vorausgesetzt, wodurch das Gold zum Maß der Werte und 
der Tauschwert zum Preis geworden ist, sind alle Waren in ihren Preisen nur 
noch vorgestellte Goldquanta von verschiedener Größe. Als solche verschie- 
dene Quanta desselben Dings, des Goldes, gleichen, vergleichen und messen 
sie sich untereinander und so entwickelt sich technisch die Notwendigkeit, sie 
auf ein bestimmtes Quantum Gold als Maßeinheit zu beziehen, eine Maß- 
einheit, die dadurch zum Maßstab fortentwickelt wird, daß sie sich in aliquote 
Teile und diese sich ihrerseits wieder in aliquote Teile abteilen.* Goldquanta 
als solche aber messen sich durch Gewicht. Der Maßstab findet sich also 
schon fertig vor in den allgemeinen Gewichtsmaßen der Metalle, die bei aller 
metallischen Zirkulation daher auch ursprünglich als Maßstab der Preise 
dienen. Indem die Waren sich nicht mehr als durch die Arbeitszeit zu mes- 
sende Tauschwerte, sondern als in Gold gemessene gleichnamige Größen 
aufeinander beziehen, verwandelt sich das Gold aus dem Maß der Werte in 
den Maßstab der Preise. Die Vergleichung der Warenpreise unter sich als ver- 
schiedene Goldquanta kristallisiert sich so in den Figurationen, die in ein 
gedachtes Goldquantum eingeschrieben werden und es als Maßstab von 

aliquoten Teilen darstellen. Das Gold als Maß der Werte und als Maßstab 
* Die Sonderbarkeit, daß die Unze Gold in England als Maßeinheit des Geldes 

in nicht aliquote Teile abgeteilt ist, erklärt sich wie folgt: „Unser Münzwesen war ur- 
sprünglich nur der Verwendung von Silber angepaßt - daher kann eine Unze Silber 
immer in eine bestimmte aliquote Änzahl von Geldstücken geteilt werden; da aber 
Gold erst in einer spätern Zeit in ein Münzwesen eingeführt wurde, das nur dem Silber 
angepaßt war, kann eine Unze Gold nicht in eine aligquote Anzahl von Münzen aus- 
geprägt werden.“ (Maclaren, „History of the currency“, p.16, London 1858.) 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 55 

der Preise besitzt ganz verschiedene Formbestimmtheit, und die Verwechs- 
lung der einen mit der andern hat die tollsten Theorien hervorgerufen. Maß 
der Werte ist das Gold als vergegenständlichte Arbeitszeit, Maßstab der 
Preise ist es als ein bestimmtes Metallgewicht. Maß der Werte wird das Gold, 
indem es als Tauschwert auf die Waren als Tauschwert bezogen ist, im Maß- 
stab der Preise dient ein bestimmtes Quantum Gold andern Quantis Gold als 
Einheit. Wertmaß ist das Gold, weil sein Wert veränderlich ist, Maßstab der 
Preise, weil es als unveränderliche Gewichtseimheit fixiert wird. Hier, wie 
in allen Maßbestimmungen gleichnamiger Größen wird Festigkeit und Be- 
stimmtheit der Maßverhältnisse entscheidend. Die Notwendigkeit, ein 
Quantum Gold als Maßeinheit und aliquote Teile als Unterabteilungen dieser 
Einheit festzusetzen, hat die Vorstellung erzeugt, als ob ein bestimmtes Gold- 
quantum, das natürlich veränderlichen Wert hat, in ein fixes Wertverhältnis 
zu den Tauschwerten der Waren gesetzt würde, wobei nur übersehen ward, 
daß die Tauschwerte der Waren in Preise, in Goldquanta verwandelt sind, 
bevgr sich das Gold als Maßstab der Preise entwickelt. Wie auch der Gold- 
wert”wechsle, verschiedene Goldquanta stellen gegeneinander stets dasselbe _ 
Wertverhältnis dar. Fiele der Goldwert um 1000%, so würden nach wie vor 
12Unzen Gold emen I2mal größern Wert besitzen als eine Unze Gold, und 
in den Preisen handelt es sich nur um das Verhältnis verschiedener Gold- 
_ quanta zueinander. Da andrerseits eine Unze Gold mit dem Fallen oder Steigen 
ihres Werts keineswegs ihr Gewicht verändert, verändert sich ebensowenig 
das ihrer aliquoten Teile, und so tut das Gold als fixer Maßstab der Preise 
stets denselben Dienst, wie immer sein Wert wechsle.* 

Ein historischer Prozeß, den wir später aus der Natur der metallischen 
Zirkulation erklären werden, brachte es mit sich, daß derselbe Gewichtsname 
für ein stets wechselndes und abnehmendes Gewicht edler Metalle in ihrer 
Funktion als Maßstab der Preise beibehalten wurde. So bezeichnet das eng- 

* „Geld kann beständig im Wert schwanken und doch ebensogut ein Maß des 
Wertes sein, als wenn es völlig unverändert bliebe. Angenommen z.B., es sei im Wert 
vermindert... Vor der Verminderung würde eine Guinee drei Bushels Weizen kaufen 
oder die Arbeit von 6 Tagen; später würde sie nur 2 Bushels Weizen kaufen oder die 
Arbeit von 4 Tagen. In beiden Fällen, die Verhältnisse von Weizen und Arbeit zu 
Geld gegeben, kann deren gegenseitiges Verhältnis abgeleitet werden; mit andern 
Worten; wir können ermitteln, daß ein Bushel Weizen 2 Arbeitstage wert ist. Das ist . 
alles, was Wertmessen einschließt und wird nach der Verminderung ebenso glatt be- 
sorgt wie vorher. Die Auszeichnung eines Dinges als Wertmaß ist gänzlich unabhängig 
von der Veränderlichkeit seines eignen Werts.“ (p.9, 10. Bailey, „Money and its 
vicissitudes“, London 1837.) 

56 “Karl Marx 

lische Pfund weniger als ein Drittel seines ursprünglichen Gewichts, das 
schottische Pfund vor der Union "*] nur noch !/gs, der französische Livre !/,4, 
der spanische Maravedi weniger als */ioo0, der portugiesische Rei eine noch 
viel kleinere Proportion. So schieden sich historisch die Geldnamen der 
Metallgewichte von ihren allgemeinen Gewichtsnamen.* Da die Bestim- 
mung der Maßeinheit, ihrer aliquoten Teile und deren Namen einerseits rein 
konventionell ist, andererseits innerhalb der Zirkulation den Charakter der 
Allgemeinheit und Notwendigkeit besitzen soll, mußte sie gesetzliche Be- 
stimmung werden. Die rein formelle Operation fiel also den Regierungen an- 
heim.** Das bestimmte Metall, das als Material des Geldes diente, war gesell- 

* „Die Münzen, deren Name heute nur noch ideell ist, sind bei allen Völkern die 
ältesten; aber alle waren eine Zeitlang real“ (letzteres in dieser Ausdehnung unrichtig), 
„und eben weil sie real waren, hat man mit ihnen gerechnet.“ (Galiani, „Della Moneta“, 
l.c. p.153.) 

** Der romantische A. Müller sagt: „Nach unseren Vorstellungen hat jeder unab- 
hängige Souverän das Recht, das Metallgeld zu ernennen, ihm einen gesellschaftlichen 
Nominalwert, Rang, Stand und Titel beizulegen.“ (p. 288, Band II, A. H. Mäller, „Die 
Elemente der Staatskunst“, Berlin 1809.) Was den Titel angeht, hat der Herr Hofrat 
recht; er vergißt nur den Gehalt. Wie konfus seine „Vorstellungen“ waren, zeigt sich 
z.B. in folgender Stelle: „Jedermann sieht ein, wieviel auf die wahre Bestimmung des 
Münzpreises ankommt, vorzüglich in einem Lande wie England, wo die Regierung mit 
großartiger Liberalität unentgeltlich münzt“ (Herr Müller scheint zu glauben, daß das 
englische Regierungspersonal die Münzkosten aus eigener Privattasche bestreitet), „wo 
sie keinen Schlagschatz nimmt usw., und also, wenn diese den Münzpreis des Goldes 
beträchtlich höher ansetzte als den Marktpreis, wenn sie anstatt | Unze Goldes jetzt 
mit 3 Pfd. St. 17 sh. 10%/, d. zu zahlen, 3 Pfd. St. 19 sh. als den Münzpreis einer Unze 
Goldes ansetzte, alles Geld nach der Münze strömen, das dort erhaltene Silber auf 
dem Markte gegen das hier wohlfeilere Gold umgesetzt, und so aufs neue der Münze 
zugebracht und das Münzwesen in Unordnung geraten würde.“ (p. 280, 2811. c.) Um 
die Ordnung auf der englischen Münze zu erhalten, versetzt Müller sich in „Unord- 
nung“. Während Shilling und Pence bloß Namen, durch Silber- und Kupfermarken 
repräsentierte Namen bestimmter "Teile einer Unze Gold sind, bildet er sich ein, die 
Unze Gold sei geschätzt in Gold, Silber und Kupfer, und beglückt so die Engländer 
mit einem dreifachen standard of value!. Silber als Geldmaß neben dem Gold wurde 
zwar erst formell abgeschafft im Jahre 1816 durch 56 George III. c. 68°. Gesetzlich 
war es der Sache nach schon abgeschafft 1734 durch 14 George II. c. 42, und noch viel 
früher durch die Praxis. Es waren zwei Umstände, die A. Müller speziell zu einer so- 
genannten höhern Auffassung der politischen Ökonomie befähigten. Einerseits seine 

t einer dreifachen Währung — ? 68. Gesetz aus dem 56. Regierungsjahr Georgs III. 

Zur Kritik der Polifiächen Ökonomie * Zweites Kapitel 57 

schaftlich gegeben. In verschiedenen Ländern ist der gesetzliche Maßstab der 
Preise natürlich verschieden. In England z.B. wird die Unze als Metall- 
gewicht eingeteilt in Pennyweights, Grains und Carats Troy, aber die Unze 
Gold als Maßeinheit des Geldes in 37/, Sovereigns, der Sovereign in 20 Shil- 
linge, der Shilling in 12 Pence, so daß 100. Pfund 22karätiges Gold (1200 Un- 
zen) gleich 4672 Sovereigns und I0 Shilling. In dem Weltmarkt jedoch, worin 
die Landesgrenzen verschwinden, verschwinden diese nationalen Charaktere 
der Geldmaße wieder und weichen den allgemeinen Gewichtsmaßen der 
Metalle. N 

Der Preis einer Ware oder das Goldquantum, worin sie ideell verwandelt 
ist, drückt sich jetzt also aus in den Geldnamen des Goldmaßstabs. Statt also 
'zu sagen, der Quarter Weizen ist gleich einer Unze Gold, würde man in Eng- 
land sagen, er ist gleich 3 Pfd. St. 17 sh. 10?/, d. Alle Preise drücken sich so 
gleichnamig aus. Die eigentümliche Form, die die Waren ihrem Tauschwert. 
geben, ist verwandelt in Geldnamen, worin sie einander sagen, was sie wert 
sind. Das Geld? seinerseits wird zum Rechengeld.* 

Die Verwandlung der Ware in Rechengeld im Kopfe, auf dem Papier, in 
der Sprache, geht jedesmal vor sich, sobald irgendeine Art des Reichtums 
unter dem Gesichtspunkt des Tauschwerts fixiert wird.** Zu dieser Ver- 
wandlung ist das Material des Goldes nötig, aber nur als vorgestelltes. Um 
den Wert von 1000 Ballen Baumwolle in einer bestimmten Anzahl von Unzen 
Gold zu schätzen und diese Anzahl Unzen selbst wieder in den Rechen- 
namen der Unze, in Pfd.St., sh., d., auszudrücken, wird kein Atom wirk- 
lichen Goldes gebraucht. So zirkulierte in Schottland vor dem Bankakt Sir 
_ Robert Peels von 1845 keine Unze Gold, obgleich die Unze Gold, und zwar 
ausgedrückt als englischer Rechenmaßstab in 3 Pfd. St. 17 sh. 10?/, d. zum 
gesetzlichen Maß der Preise diente. So dient Silber als Maß der Preise in dem 
Warenaustausch zwischen Sibirien und China, obgleich der Handel in der 

ausgebreitete Unbekanntschaft mit ökonomischen Tatsachen, andrerseits sein bloß 
dance Schwärmereiverhältnis zur Philosophie. 

* „Als man den Änarcharsis fragte, wozu die Hellenen das Geld brauchen, ant- 
wortete er: zum Rechnen.“ (Athenaeus, „Deipnosophistai“, L. IV, » v. II [p. 120], ed. 
Schweighäuser 1802.) 
 ## G, Garnier, einer der ältern französischen Übersetzer Adam Smiths, hatte den 
sonderbaren Einfall, eine Proportion festzusetzen zwischen dem Gebrauch von Rechen- 
geld und dem Gebrauch von wirklichem Geld. Die Proportion ist 10 zu 1. (Garnier, G., 
„Histoire de la monnaie depuis les temps de la plus haute antiquite etc.“, t. I, p. 78. 

* (1859) Gold 

Tat bloßer Tauschhandel ist. Für das Gold als Rechengeld ist es daher auch 

gleichgültig, ob oder ob nicht, sei es seine Maßeinheit selbst, seien es ihre Ab- 
schnitte, wirklich gemünzt sind. In England, zur Zeit Wilhelms des Erobe- 
rers, existierten I Pfd.St., damals I Pfund reines Silber, und der Shilling, 
1/n eines Pfundes, nur als Rechengeld, während der Penny, ?/gao Pfund Silber, 
die größte existierende Silbermünze war. Umgekehrt existieren im heutigen 
England keine Shillinge und Pence, obgleich sie gesetzliche Rechennamen 
für bestimmte Teile einer Unze Goldes sind. Das Geld als Rechengeld mag 
überhaupt nur ideal existieren, während das wirklich existierende Geld nach 
ganz anderem Maßstab gemünzt ist. So bestand in vielen englischen Kolonien 
in Nordamerika das zirkulierende Geld bis tief ins 18. Jahrhundert aus spani- 
schen und portugiesischen Münzen, während das Rechengeld überall dasselbe 
war wie in England.* 

Weil das Gold als Maßstab der Preise in. denselben Rechennamen er- 
scheint wie die Warenpreise, also z. B. eine Unze Gold ebensowohl wie eine 
Tonne Eisen in 3Pfd. St. 17 sh. 10!/, d. ausgedrückt wird, hat man diese 
seine Rechennamen seinen Münzpreis genannt. Die wunderliche Vorstellung 
entstand daher, als ob das Gold in seinem eigenen Material geschätzt werde, 
und im Unterschied von allen andern Waren von Staats wegen einen fixen 
Preis erhalte. Man versah die Fixierung von Rechennamen für bestimmte 
Goldgewichte für Fixierung des Werts dieser Gewichte.** Das Gold, wo es 
als Element der Preisbestimmung und daher als Rechengeid dient, hat nicht 
nur keinen fixen, sondern überhaupt keinen Preis. Um einen Preis zu haben, 
d.h. in einer spezifischen Ware sich als allgemeines Äquivalent auszudrücken, 
müßte diese andere Ware dieselbe ausschließliche Rolle im Zirkulations- 
prozeß spielen wie das Gold. Zwei alle andern Waren ausschließende Waren 
schließen sich aber wechselseitig aus. Wo daher Silber und Gold gesetzlich 
als Geld, d. h. als Wertmaß nebeneinander bestehen, ist stets der vergebliche 

* Der Akt von Maryland von 1723, wodurch Tabak zur legalen Münze gemacht, 
sein Wert aber auf englisches Goldgeld reduziert wurde, nämlich ein Penny per Pfund 
Tabak, erinnert an die leges barbarorum!!, worin umgekehrt bestimmte Geldsummen 
wieder Ochsen, Kühen usw. gleichgesetzt werden. In diesem Fall waren weder Gold 
noch Silber, sondern der Ochs und die Kuh das wirkliche Material des Rechengeldes. 

’** So lesen wir zum Beispiel in den „Familiar words“ des Herrn David Urquhart: 
„Der Wert des Goldes soll durch sich selbst gemessen werden; wie kann irgendein Stoff 
‚das Maß seines eignen Wertes in andern Dingen sein? Der Wert des Goldes soll durch 
sein eigenes Gewicht festgestellt werden, unter einer falschen Benennung dieses Ge- 
 wichts - und eine Unze soll so viele Pfund und Bruchteile von Pfund wert sein. Das ist 
Fälschung eines Maßes und nicht Festsetzung eines Maßstabs.“ [p.104/105.] 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 59 

Versuch gemacht worden, sie als eine und dieselbe Materie zu behandeln. Unter- 
stellt man, daß dieselbe Arbeitszeit sich unveränderlich in derselben Pro- 
portion von Silber und Gold vergegenständlicht, so unterstellt man in der 
"Tat, daß Silber und Gold dieselbe Materie, und Silber, das minder wertvolle 
Metall, ein unveränderlicher Bruchteil Gold ist. Von der Regierung 
Edwards III. bis zur Zeit von Georg II. verläuft sich die Geschichte des 
englischen Geldwesens in eine fortlaufende Reihe von Störungen, hervor- 
gehend aus der Kollision zwischen der gesetzlichen Festsetzung des Wert- 
verhältnisses von Gold und Silber und ihren wirklichen Wertschwankungen. 
Bald war Gold zu hoch geschätzt, bald Silber. Das zu niedrig geschätzte Metall 
wurde der Zirkulation entzogen, umgeschmolzen und exportiert. Das Wert- 
verhältnis beider Metalle wurde dann wieder gesetzlich verändert, aber der 
neue Nominalwert trat bald mit dem wirklichen Wertverhältnis in denselben 
Konflikt wie der alte. In unserer eigenen Zeit hat der sehr schwache und 
vorübergehende Fall im Werte des Goldes gegen Silber, infolge der indisch- 
chinesischen Silbernachfrage, dasselbe Phänomencauf der größten Stufen- 
leiter in Frankreich erzeugt, Ausfuhr des Silbers und seine Vertreibung aus 
der Zirkulation durch Gold. Während der Jahre 1855, 1856, 1857 betrug der 
‚Überschuß der Goldeinfuhr in Frankreich über die Goldausfuhr aus Frank- 
reich 41580 000 Pfd. St., während der Überschuß der Silberausfuhr über die 
Silbereinfuhr 34 704 000 Pfd. St. betrug. In der Tat, in Ländern wie in Frank- 
reich, wo beide Metalle gesetzlich. Wertmaße sind, und beide in Zahlung 
angenommen werden müssen, jeder aber beliebig in dem einen oder andern 
zahlen kann, trägt das im Wert steigende Metall ein Agio und mißt wie jede 
andere Ware seinen Preis in dem überschätzten Metall, während letzteres 
allein als Wertmaß dient. Alle geschichtliche Erfahrung in diesem Gebiet 
reduziert sich einfach darauf, daß, wo gesetzlich zwei Waren die Funktion des 
Wertmaßes versehen, faktisch immer nur eine als solches den Platz be- 
hauptet.* 

B. Theorien von der Maßeinheit des Geldes 
Der Umstand, daß die Waren als Preise nur ideell in Gold, das Gold da- 

her nur ideell in Geld verwandelt ist, veranlaßte die Lehre von der idealen 

* „Geld als Maß des Handels sollte wie jedes andere Maß so ständig als möglich 
gehalten werden. Dies ist unmöglich, wenn euer Geld aus zwei Metallen besteht, deren 
:Wertverhältnis beständig wechselt.“ (John Locke, „Some Considerations on the Lower- 
ing of Interest etc.“, 1691; p. 65 in seinen „Works“, 7. ed., London 1768, vol. II.) 

Maßeinheit des Geldes. Weil bei der Preisbestimmung nur vorgestelltes Gold 
:oder Silber, Gold und Silber nur als Rechengeld funktionieren, wurde be- 
hauptet, die Namen Pfund, Shilling, Pence, Taler, Frank usw. statt Gewicht- 
teile von Gold oder Silber oder irgendwie vergegenständlichte Arbeit zu be- 
zeichnen, bezeichneten vielmehr ideale Wertatome. Stiege also z. B. der Wert 
einer Unze Silber, so enthielte sie mehr solcher Atome und müßte daher in 
‘mehr Shillingen berechnet und gemünzt werden. Diese Doktrin, wieder gel- 
tend gemacht während der letzten Handelskrise in England und sogar parla- 
mentarisch vertreten in zwei Sonderberichten, die dem Bericht des 1858 
sitzenden Bankkomitees angehängt sind, datiert vom Ende des 17. Jahr- 
hunderts. Zur Zeit von Wilhelms III. Regierungsantritt betrug der englische 
Münzpreis einer Unze Silber 5 sh. 2 d. oder !/gg Unze Silber wurde Penny, 
12 dieser Pence wurden Shilling genannt. Diesem Maßstab gemäß wurde ein 
Silbergewicht von z.B. 6 Unzen Silber gemünzt in 31 Stücken mit dem 
Namen Shilling. Der Marktpreis der Unze Silber stieg aber über ihren Münz- 
preis, von 5 sh. 2 d. auf 6 sh. 3 d., oder um eine Unze Rohsilber zu kaufen, 
mußten 6 sh. 3 d. aufgewogen werden. Wie könnte der Marktpreis einer Unze 
Silber über ihren Münzpreis steigen, wenn der Münzpreis bloß Rechennamen 
für aliquote Teile einer Unze Silber? Das Rätsel löste sich einfach. Von den 
5 600.000 Pfd. St. Silbergeld, das damals zirkulierte, waren vier Millionen 
‘verschlissen, gekippt und gewippt. Es zeigte sich bei einer Probe, daß 
57 200 Pfd. St. in Silber, die 220 000 Unzen wiegen sollten, nur 141 000 Un- 
zen wogen. Die Münze prägte immer nach demselben Maßstab, aber die 
wirklich zirkulierenden leichten Shillinge stellten kleinere aliquote Teile der 
Unze dar, als ihr Name vorgab. Eine größere Quantität dieser kleiner ge- 
wordenen Shillinge mußte folglich auf dem Markt für die Unze Rohsilber 
gezahlt werden. Als infolge der so entstandenen Störung eine allgemeine Um- 
münzung beschlossen wurde, behauptete Lowndes, der Secretary to the 
treasury,; der Wert der Unze Silber sei gestiegen, sie müsse daher künftig in 
6sh. 3 d. statt wie bisher in 5 sh. 2 d. gemünzt werden. Er behauptete also 
in der Tat, daß, weil der Wert der Unze gestiegen, der Wert ihrer aliquoten 
Teile gefallen sei. Seine falsche Theorie war aber nur Beschönigung eines 
richtigen praktischen Zwecks. Die Staatsschulden waren in leichten Shil- 
lingen kontrahiert, sollten sie in schweren zurückgezahlt werden? Statt zu 
sagen, zahlt 4 Unzen Silber zurück, wo ihr dem Namen nach 5 Unzen, in 
Wirklichkeit aber nur 4 Unzen erhalten habt, sagte er umgekehrt, zahlt dem 
Namen nach 5 Unzen zurück, reduziert sie aber dem Metallgehalt nach auf 
4 Unzen und nennt Shilling was ihr bisher */, Shilling nanntet. Lowndes hielt 
sich also tatsächlich am Metallgehalt, während er in der "Theorie am Rechen- 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 61 

namen festhielt. Seine Gegner, die bloß am Rechennamen festhielten und 
daher einen um 25 bis 50% zu leichten Shilling identisch mit einem voll- 
wichtigen Shilling erklärten, behaupteten umgekehrt, nur am Metallgehalt 
festzuhalten. John Locke, der die neue Bourgeoisie in allen Formen vertrat, 
die Industriellen gegen die Arbeiterklassen und die Paupers, die Kommer- 
ziellen gegen die altmodischen Wucherer, die Finanzaristokraten gegen die 
Staatsschuldner, und in einem eigenen Werk sogar den bürgerlichen Ver- 
stand als menschlichen Normalverstand nachwies, nahm auch den Handschuh 
gegen L.owndes auf. John Locke siegte und Geld, geborgt zu 10 oder 14 Shil- 
“lingen die Guinee, wurde zurückgezahlt in Guineen von 20 Shillingen.* Sir 
James Steuart faßt die ganze Transaktion ironisch so zusammen: 

„Die Regierung gewann bedeutend auf Steuern, die Gläubiger auf Kapital und 
Zinsen, und die Nation, die allein Geprellte, war kreuzfidel, weil ihr Standard“ (der 
Maßstab ihres eigenen Werts) „nicht herabgesetzt worden war.“** 

* [ ocke sagt u.a.: „Nennt eine Krone, was früher eine halbe Krone hieß. Der 
Wert bleibt bestimmt durch den Metallgehalt. Wenn ihr "/3g Silbergewicht von einer 
Münze abschlagen könnt, ohne ihren Wert zu verringern, so könnt ihr ebensogut ??/5o 
von ihrem Silbergewicht abschlagen. Nach dieser Theorie müßte ein farthing, wenn er 
Krone genannt wird, so viel von Gewürz, Seide oder andern Waren kaufen, als ein 
Kronstück, das 60mal so viel Silber enthält. Alles, was ihr tun könnt, ist, einer geringe- 
ren Quantität Silber den Stempel und den Namen einer höhern Quantität geben. Es 
ist aber Silber, nicht Namen, die Schulden zahlen und Waren kaufen. Wenn euer Er- 
höhen des Geldwerts nichts heißt als den aliquoten Teilen eines Silberstücks nach 
Belieben Namen geben, z.B. den achten Teil einer Unze Silber Penny nennen, so 
könnt ihr in der Tat Geld so hoch ansetzen als es euch beliebt.“ Locke antwortete 
Lowndes zugleich, daß das Steigen des Marktpreises über den Münzpreis nicht vom 
„Steigen des Silberwerts, sondern vom Leichterwerden der Silbermünze“ herrühre. 
77 gekippte und gewippte Shillinge wögen keinen Deut mehr als 62 vollwichtige. End- 
lich hob er mit Recht hervor, daß, abgesehen von der Entsilberung der zirkulierenden 
Münze, der Marktpreis des Rohsilbers in England einigermaßen über den Münzpreis 
steigen könne, weil die Ausfuhr von-Rohsilber erlaubt, die von Silbermünze verboten 
sei. (Sieh |. c. p. 54-116 passim.) Locke hütete sich ungemein, den brennenden Punkt 
der Staatsschulden zu berühren, wie er ebenso vorsichtig vermied, auf die delikate 
ökonomische Frage einzugehen. Letztere war diese: Wechselkurs sowohl wie das Ver- 
hältnis von Rohsilber zur Silbermünze bewiesen, daß das zirkulierende Geld bei weitem 
nicht im Verhältnis zu seiner wirklichen Entsilberung depreziiert war. Wir kommen 
auf diese Frage in allgemeiner Form im Abschnitt vom: Zirkulationsmittel zurück. 
Nicholas Barbon in „A discourse concerning coining the new money lighter, in answer 
to Mr. Lock’s considerations etc.“*, London 1696, versuchte vergebens, Locke auf 
schwieriges Terrain zu locken. 

** Steuart, l.c. t. 1], p. 154. 

Steuart meinte, bei weiterer kommerzieller Entwicklung werde die Nation 
sich schlauer zeigen. Er irrte. Ungefähr 120 Jahre später wiederholte sich 
dasselbe quid pro quo!. | 

Es war in der Ordnung, daß Bischof Berkeley, der Vertreter eines mysti- 
schen Idealismus in der englischen Philosophie, der Lehre von der idealen 
Maßeinheit des Geldes eine theoretische Wendung gab, was der Prakteche 
„Decretary to the treasury“ versäumt hatte. Er fragt: 

„Sind die Namen Livre, Pfund Sterling, Krone usw. nicht zu betrachten als bloße 
Verhältnisnamen?“ (nämlich Verhältnis des abstrakten Werts als solchen). „Sind Gold, 
Silber. oder Papier mehr als bloße Billette oder Marken zur Berechnung, Protokollierung 
und Übermachung davon?“ (des Wertverhältnisses). „Ist die Macht, die Industrie 
anderer“ (gesellschaftliche Arbeit) „zu kommandieren, nicht Reichtum? Und ist Geld 
in der Tat etwas anderes als Marke oder Zeichen für Übertragung oder Registrierung 
solcher Macht, und ist es von großer Wichtigkeit, woraus das Material dieser Marken 
besteht?“* 

Hier findet sich Verwechslung einerseits zwischen Maß der Werte und 
Maßstab der Preise, andrerseits zwischen Gold oder Silber als Maß. und als 
Zirkulationsmittel. Weil die edlen Metalle im Akt der Zirkulation durch 
Marken ersetzt werden können, schließt Berkeley, daß diese Marken ihrer- 
seits nichts, nämlich den abstrakten Wertbegriff vorstellen. 

So völlig entwickelt ist die Lehre von der idealen Maßeinheit des Geldes 
bei Sir James Steuart, daß seine Nachfolger - bewußtlose Nachfolger, indem 
sie ihn nicht kennen - weder eine neue Sprachwendung noch selbst ein neues 

Beispiel finden. 

„Rechengeld“, sagt er, „ist nichts als ein willkürlicher Maßstab von sleichen Taler 
erfunden, um den relativen Wert verkäuflicher Dinge zu messen. Rechengeld ist ganz 
verschieden von Münzgeld (money coin), welches Preis ist**, und es könnte existieren, 
obgleich es keine Substanz in der Welt gäbe, die ein proportionelles Äquivalent für alle 
Waren wäre. Rechengeld verrichtet denselben Dienst für den Wert der Dinge wie 
Grade, Minuten, Sekunden usw. für Winkel oder Maßstäbe für geographische Karten 
usw. In allen diesen Erfindungen wird immer dieselbe Denomination als Einheit 

* „The Querist“ l.c. Der Abschnitt „Queries on Money“ ist übrigens geistreich. 
Unter anderm bemerkt Berkeley mit Recht, daß gerade die Entwicklung der nord- 
amerikanischen Kolonien „es so klar macht wie der Tag, daß Gold und Silber nicht so 
notwendig sind zum Reichtum einer Nation, wie es sich die Allgemeinheit vorstellt“. 

#* Preis meint hier reales Äquivalent, wie bei den englischen ökonomischen Schrift- 
stellern des 17. Jahrhunderts. 

? Mißverständnis 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 63 

angenommen. Wie die Nützlichkeitaller solcher Verrichtungen einfach beschränkt ist auf 
die Anzeige von Proportion, so die der Geldeinheit. Sie kann daher keine unveränderlich 
bestimmte Proportion zu irgendeinem Teil des Werts haben, d.h. sie kann nicht fixiert 
sein an irgendein bestimmtes Quantum von Gold, Silber oder irgendeiner andern Ware, 
Ist die Einheit einmal gegeben, so kann man durch Multiplikation zum größten Wert 
aufsteigen. Da der Wert der Waren abhängt von einem allgemeinen Zusammenfluß auf . 
sie einwirkender Umstände und von den Grillen der Menschen, sollte ihr Wert nur als 
in ihrer wechselseitigen Beziehung wechselnd betrachtet werden. Was immer die Ver- 
gewisserung des Proportionswechsels vermittelst eines allgemeinen bestimmten und 
unveränderlichen Maßstabs stört und verwirrt, muß schädlich auf den Handel ein- 
wirken. Geld ist ein nur idealer Maßstab von gleichen Teilen. Wenn gefragt wird, was 
die Maßeinheit des Werts eines Teiles sein solle, antworte ich durch die andere Frage: 
Was ist die Normalgröße eines Grads, einer Minute, einer Sekunde? Sie besitzen keine, 
aber sobald ein Teil bestimmt ist, muß der Natur eines Maßstabs gemäß der ganze Rest 

verhältnismäßig nachfolgen. Beispiele dieses idealen Geldes sind das Bankgeld von 
Amsterdam und das Angolageld der afrikanischen Küste.“ * 

Steuart hält sich einfach an der Erscheinung des Geldes in der Zirkulation 
als Maßstab der Preise und als Rechengeld. Sind verschiedene Waren respek- 
tive zu 15 sh., 20 sh., 36 sh. im Preiskurant notiert, so interessiert mich in der 
Tat für die Vergleichung ihrer Wertgröße weder der silberne Gehalt noch 
der Name des Shillings. Die Zahlenverhältnisse 15, 20, 36 sagen nun alles, 
und die Zahl 1 ist die einzige Maßeinheit geworden. Rein abstrakter Ausdruck 
von Proportion ist überhaupt nur die abstrakte Zahlenproportion selbst. Um 
konsequent zu sein, mußte Steuart daher nicht nur Gold und Silber, sondern 
auch ihre legalen Taufnamen fahren lassen. Da er die Verwandlung des Maßes 
der Werte in Maßstab der Preise nicht versteht, glaubt er natürlich, das be- 
stimmte Quantum Gold, das als Maßeinheit dient, sei als Maß nicht aufandere 
Goldquanta, sondern auf Werte als solche bezogen. Weil die Waren durch 
Verwandlung ihrer Tauschwerte in Preise als gleichnamige Größen er- 
scheinen, leugnet er die Qualität des Maßes, die sie gleichnamig macht, und 
weil in dieser Vergleichung verschiedener Goldquanta die Größe des als 
Maßeinheit dienenden Goldquantums konventionell, leugnet er, daß sie über- 
haupt festgesetzt werden muß. Statt !/3., Teil eines Kreises Grad zu nennen, 
mag er !/iso Teil Grad nennen; der rechte Winkel würde dann gemessen durch 
45 statt durch 90 Grade, spitze und stumpfe Winkel entsprechend. Nichts- 
destoweniger bliebe das Winkelmaß nach wie vor erstens eine qualitativ 
bestimmte mathematische Figur, der Kreis, und zweitens ein quantitativ 
bestimmter Kreisabschnitt. Was Steuarts ökonomische Beispiele betrifft, so 

* Steuart, ].c. t. 1], p. 102-107. 

64 . Karl Marx 

schlägt er sich mit dem einen und beweist nichts mit dem andern. Das Bank- 
geld von Amsterdam war in der Tat nur Rechenname für spanische Du- 
blonen, die ihr vollwichtiges Fett durch träges Lagern im Bankkeller be- 
wahrten, während die betriebsame Kurantmünze in harter Reibung mit der 
Außenwelt abgemagert war. Was aber die afrikanischen Idealisten betrifft, 
müssen wir sie ihrem Schicksal überlassen, bis kritische Reisebeschreiber 
Näheres über sie melden.* Als annähernd ideales Geld im Sinne Steuarts 
könnte der französische Assignat bezeichnet werden: „Nationaleigentum. 
Assignat von 100 Franks.“ Zwar war hier der Gebrauchswert spezifiziert, den 
der Assignat vorstellen sollte, nämlich der konfiszierte Grund und Boden, 
aber die quantitative Bestimmung der Maßeinheit war vergessen und „Frank“ 
daher ein sinnloses Wort. Wie viel oder wenig Land ein Assignatenfrank vor- 
stellte, hing nämlich vom Resultat der öffentlichen Versteigerung ab. In der 
Praxis jedoch zirkulierte der Assignatenfrank als Wertzeichen für Silbergeld, 
und an diesem Silbermaßstab maß sich daher seine Depreziation. 

Die Epoche der Suspension der Barzahlungen der Bank von England war 
kaum fruchtbarer in Schlachtbulletins als in Geldtheorien. Dre Depreziation 
der Banknoten und das Steigen des Marktpreises über den Münzpreis des 
Goldes riefen auf seiten einiger Verteidiger der Bank wieder die Doktrin von 
dem idealen Geldmaß wach. Den klassisch konfusen Ausdruck für die kon- 
fuse Ansicht fand Lord Castlereagh "!, indem er die Maßeinheit des Geldes 
bezeichnete als „a sense of value in reference to currency as compared with 
commodities“!. Als die Umstände einige Jahre nach dem Pariser Frieden 
die Wiederaufnahme der Barzahlungen erlaubten, erhob sich in kaum ver- 
änderter Form dieselbe Frage, die Lowndes unter Wilhelm III. angeregt 
hatte. Eine enorme Staatsschuld und eine während mehr als 20 Jahren auf- 
gesummte Masse von Privatschulden, festen Obligationen usw., waren in 
depreziierten Banknoten kontrahiert. Sollten sie zurückgezahlt werden in 
Banknoten, wovon 4672 Pfd. St. 10 sh. nicht dem Namen, sondern der Sache 
nach 100 Pfund 22karätiges Gold vorstellten? Thomas Attwood, ein Bankier 

* Bei Gelegenheit der jüngsten Handelskrise pries man in England von gewisser 
Seite das afrikanische Idealgeld emphatisch, nachdem sein Wohnsitz diesmal von der 
Küste weg ins Herz der Berberei gerückt war. Man leitete die Freiheit der Berber von 
Handels- und Industriekrisen aus der idealen Maßeinheit ihrer Bars ab. War es nicht 
einfacher, zu sagen, daß Handel und Industrie die conditio sine qua non? für Handels- 
und Industriekrisen sind? 

! „eine Wertempfindung in bezug auf Umlaufsmittel verglichen mit Waren“ -? unerläß- 

liche Voraussetzung 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 65 

von Birmingham, trat auf als Lowndes redivivus. Nominell sollten die Gläubi- 
ger so viel Shillinge zurückerhalten, als nominell kontrahiert waren, aber 
wenn !/zg Unze Gold etwa nach dem alten Münzfuß Shilling hieß, sollte nun 
sage !/go Unze Shilling getauft werden. Attwoods Anhänger sind bekannt als 
die Birminghamer Schule der „little Shillngmen“!. Der Zank über das ideale 
Geldmaß, der 1819 begann, dauerte 1845 immer noch fort zwischen Sir 
Robert Peel und Attwood, dessen eigene Weisheit, soweit sie sich auf die 
Funktion des Geldes als Maß bezieht, in dem folgenden Zitat erschöpfend 

zusammengefaßt ist: 

„Sir Robert Peel in seiner Polemik mit der Birminghamer Handelskammer fragt: 
Was wird eure Pfundnote repräsentieren? Was ist ein Pfund? ... Was dann umgekehrt 
ist zu verstehen unter der gegenwärtigen Maßeinheit des Wertes?... 3 Pfd.St. 17 sh. 

. 10%/, d., bedeuten sie eine Unze Gold oder ihren Wert? Wenn die Unze selbst, warum 
nicht die Dinge bei ihrem Namen benennen und statt Pfd.St., sh., d. nicht vielmehr 
sagen, Unze, Pennyweight und Gran? Dann kehren wir zum System des unmittelbaren 
Tauschhandels zurück... Oder bedeuten sie den Wert? Wenn eine Unze = 3 Pfd.St. 
17 sh. 10%/, d., warum war sie zu verschiedenen Zeiten bald 5 Pfd.St. 4 sh., bald 
3Pfd. St. 17 sh. 9d. wert?... Der Ausdruck Pfund (£) hat Beziehung auf den Wert, 

. aber nicht auf den Wert, fixiert in einem unveränderlichen Gewichtteil Gold. Das 

Pfund ist eine ideale Einheit... Arbeit ist die Substanz, worin sich die Produktions- 

kosten auflösen, und sie erteilt dem Gold seinen relativen Wert wie dem Eisen. 

Welcher besondere Rechenname daher immer gebraucht werde, um die Tages- oder 

Wochenarbeit eines Mannes zu bezeichnen, solcher Name drückt den Wert der produ- 

zierten Ware aus.“ * 

_ In den letzten Worten zerrinnt die nebelhafte Vorstellung vom idealen 
Geldmaß und bricht ihr eigentlicher Gedankeninhalt durch. Die Rechen- 
namen des Goldes, Pfd.St., sh. usw. sollen Namen für bestimmte Quanta 
Arbeitszeit sein. Da die Arbeitszeit Substanz und immanentes Maß der Werte 
ist, würden jene Namen so in der Tat Wertproportionen selbst vorstellen. In 
andern Worten, die Arbeitszeit wirdals wahre Maßeinheit des Geldes behaup- 
tet. Damit treten wir aus der Birminghamer Schule heraus, bemerken aber 
noch im Vorbeigehen, daß die Doktrin vom idealen Geldmaß neue Wichtig- 
keit erhielt in der Streitfrage über Konvertibilität oder Nichtkonvertibilität 
der Banknoten. Wenn Papier seine Denomination von Gold oder Silber er- 

hält, bleibt die Konvertibilität der Note, d.h. ihre Umtauschbarkeit in Gold 

* „The Currency Question, the Gemini Letters“, London 1844, p. 266-272 

passim. 

.  t „Kleinshillingmänner“ 

oder Silber, ökonomisches Gesetz, was immer das juristische Gesetz sagen 
mag. So wäre ein preußischer Papiertaler, obgleich gesetzlich inkonvertibel, 
sofort depreziert, wenn er im gewöhnlichen Verkehr weniger als ein Silber- 
taler gälte, also nicht praktisch konvertibel wäre. Die konsequenten Vertreter 
des inkonvertiblen Papiergeldes in England flüchteten daher zum idealen Geld- 
maß. Wenn die Rechennamen des Geldes, Pfd.St., sh. usw. Namen für eine 

whntamna on nueam aan 

bestimmte Summe, Wertatome sind, deren eine Ware bald mehr, bald weniger 
im Austausch mit anderen Waren einsaugt oder abgibt, ist eine englische 
5-Pfund-Note z.B. ebenso unabhängig von ihrem Verhältnis zu Gold wie von 
dem zu Eisen und Baumwolle. Da ihr Titel aufgehört hätte, sie bestimmtem 
Quantum von Gold oder irgendeiner andern Ware theoretisch gleichzusetzen, 
wäre die Forderung ihrer Konvertibilität, d.h.ihrer praktischen Gleichung mit 
bestimmtem Quantum eines spezifizierten Dings durch ihren Begriff selbst 
ausgeschlossen. 

Die Lehre von der Arbeitszeit als unmittelbarer Maßeinheit des Geldes ist 
zuerst systematisch entwickelt worden von John Gray.* Er läßt eine nationale 
Zentralbank vermittelst ihrer Zweigbanken die Arbeitszeit vergewissern, die 
in der Produktion der verschiedenen Waren verbraucht wird. Im Austausch 
für die Ware erhält der Produzent ein offizielles Zertifikat des Werts, d.h. 
einen Empfarigsschemn für so viel Arbeitszeit, als seine Ware enthält, und 
diese Banknoten von I Arbeitswoche, I Arbeitstag, I Arbeitsstunde usw. 
dienen zugleich als Anweisung auf ein Äquivalent in allen andern in den Bank- 
docks gelagerten Waren.* Das ist das Grundprinzip, sorgfältig durchgeführt 

* John Gray, „Ihe Social System. A Treatise on the Principle of Exchange“, Edin- 
bursh 1831. Vgl. von demselben Schriftsteller: „Lectures on the nature and use of 
money“, Edinburgh 1848. Nach der Februarrevolution sandte Gray der französischen 
provisorischen Regierung eine Denkschrift zu, worin er sie belehrt, daß Frankresch 
nicht einer „organisation of labour“ "bedürfe, sondern einer „organisation of exchange“ 2, 
deren Plan völlig ausgearbeitet vorliege in dem von ihm ausgeheckten Geldsystem. Der. 
brave John ahnte nicht, daß sechzehn Jahre nach Erscheinen des „Social System“ ein 

Patent auf dieselbe Entdeckung ausgelöst worden war von dem erfindungsreichen 
Proudhon. ; 

*# Gray, „Ihe Social System etc.“, p. 63. „Geld sollte lediglich ein Empfangsschein, 
ein Beweis dafür sein, daß sein Inhaber entweder bestimmten Wert zu dem vorhande- 
nen nationalen Reichtum beigetragen hat, oder daß er. auf den erwähnten Wert ein 
Recht erworben von irgend jemand, der ihn beigetragen hat.“ 

**# Man lasse ein Produkt, das vorher einen Schätzungswert erhält, auf eine Bank 

1 „Organisation der Arbeit“ - ? „Organisation des Austausches“ 

. Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 67 

im Detail und überallangelehnt an vorhandene englische Einrichtungen. Unter 
diesem System, sagt Gray, 

„wäre es zu allen Zeiten ebenso leicht gemacht, für Geld zu ee als es nun ist, 
mit Geld zu kaufen; die Produktion würde die gleichförmige und nie versiegende Quelle 
der Nachfrage sein“*. 

Die edeln Metalle würden ihr „Privilegium“ gegen andere Waren serhereh 

und 

„den ihnen gebührenden Platz im Markt einnehmen neben Butter und Eiern und Tuch 

und Kaliko, und ihr Wert würde uns nicht mehr interessieren als der der Diamanten“. ** 
„Sollen wir unser eingebildetes Maß der Werte beibehalten, Gold, und so die 

Produktivkräfte des Landes fesseln, oder sollen wir uns zum natürlichen Maß der 
Werte wenden, zur Arbeit, und die Produktivkräfte des Landes freisetzen?“ *** 

Da die Arbeitszeit das immanente Maß der Werte ist, warum neben ihr ein 
anderes äußerliches Maß? Warum entwickelt sich der Tauschwert zum Preis? 
Warum schätzen alle Waren ihren Wert in einer ausschließlichen Ware, die 
so in das adäquate Dasein des 'Tauschwerts verwandelt wird, in Geld? Dies 
war das Problem, das Gray zu lösen hatte. Statt es zu lösen, bildet er sich ein, 
die Waren könnten sich unmittelbar aufeinander als Produkte der gesell- 
schaftlichen Arbeit beziehen. Sie können sich aber nur aufeinander beziehen 
als das, was sie sind. Die Waren sind unmittelbar Produkte vereinzelter un- 
abhängiger Privatarbeiten, die sich durch ihre Entäußerung im Prozeß des 
Privataustausches als allgemeine gesellschaftliche Arbeit bestätigen müssen, 
oder die Arbeit auf Grundlage der Warenproduktion wird erst gesellschaft- 
‚liche Arbeit durch die allseitige Entäußerung der individuellen Arbeiten. 
Unterstellt Gray aber die in den Waren enthaltene Arbeitszeit als unmittelbar 
sesellschaftliche, so unterstellt er sie als gemeimschaftliche Arbeitszeit oder 
als Arbeitszeit direkt assoziierter Individuen. So könnte in der Tat eine spezi- 
fische Ware, wie Gold und. Silber, den andern Waren nicht als Inkarnation 
der allgemeinen Arbeit gegenübertreten, der 'Tauschwert würde nicht zum 
Preis, aber der Gebrauchswert würde auch nicht zum Tauschwert, das 

legen und wieder herausnehmen, wann immer es benötigt wird, wobei lediglich durch 
allgemeines Übereinkommen festgesetzt wird, daß derjenige, der irgendeine Art von 
Eigentum in die vorgeschlagene Nationalbank einlegt, aus ihr einen gleichen Wert, was 
immer sie enthalten mag, herausnehmen darf, statt gezwungen zu sein, dasselbe Ding 
herauszunehmen, das er eingelegt hat.“ ].c. p. 67/68. 
*1.c. p.16. 
- ## Gray, „Lectures on money etc.“, p. 182. 
**# | c,p.169. 

5* 

Produkt würde nicht zur Ware, und so wäre die Grundlage der bürgerlichen 
Produktion selbst aufgehoben. Das ist aber keineswegs Grays Meinung. Die 
Produkte sollen als Waren produziert, aber nicht als Waren ausgetauscht werden. 
. Gray überträgteiner Nationalbank die Ausführung dieses frommen Wunsches. 
Einerseits macht die Gesellschaft in der Form der Bank die Individuen un- 
abhängig von den Bedingungen des Privataustausches und andererseits läßt 
sie dieselben fortproduzieren auf der Grundlage des Privataustausches. Die 
innere Konsequenz indes treibt Gray, eine bürgerliche Produktionsbedingung 
nach der andern wegzuleugnen, obgleich er bloß das aus dem Warenaustausch 
hervorgehende Geld „reformieren“ will. So verwandelt er Kapital in National- 
kapital*, das Grundeigentum in Nationaleigentum**, und wenn seiner Bank 
auf die Finger gesehen wird, findet sich, daß sie nicht bloß mit der einen 
Hand Waren empfängt und mit der andern Zertifikate gelieferter Arbeit aus- 
gibt, sondern die Produktion selbst reguliert. In seiner letzten Schrift „Lec- 
tures on money“, worin Gray ängstlich sein Arbeitsgeld als rein bürger- 
liche Reform darzustellen sucht, verwickelt er sich in noch schreiendern 
Widersinn. 

Jede Ware ist unmittelbar Geld. Dies war Grays Theorie, abgeleitet aus 
seiner unvollständigen und daher falschen Analyse der Ware. Die „organische“ 
Konstruktion von „Arbeitsgeld“ und „Nationalbank“ und „Warendocks“ ist 
nur Traumgebild, worin das Dogma als weltbeherrschendes Gesetz vor- 
gegaukelt wird. Das Dogma, daß die Ware unmittelbar Geld oder die in ihr 
enthaltene Sonderarbeit des Privatindividuums unmittelbar gesellschaftliche 
Arbeit ist, wird natürlich nicht dadurch wahr, daß eine Bank an es glaubt 
und ihm gemäß operiert. Der Bankerott würde in solchem Falle vielmehr die 
Rolle der praktischen Kritik übernehmen. Was bei Gray verstecktundnament- 
lich ihm selbst verheimlicht bleibt, nämlich daß das Arbeitsgeld eine ökono- 
misch klingende Phrase ist für den frommen Wunsch, das Geld, mit dem 
Geld den Tauschwert, mit dem Tauschwert die Ware, und mit der Ware die 
bürgerliche Form der Produktion loszuwerden, wird geradezu herausgesagt 
von einigen englischen Sozialisten, die teils vor, teils nach Gray schrieben.*** 
Herrn Proudhon aber und seiner Schule blieb es vorbehalten, die Degradation 
des Geldes und die Himmelfahrt der Ware ernsthaft als Kern des Sozialismus 

* „Das Geschäft jedes Landes sollte auf der Grundlage eines nationalen Kapitals 
geführt werden.“ (John Gray, „The Social System etc.“, p.171) i 
** „Der Boden muß in Nationaleigentum umgewandelt werden“ (l.c. p.298). 
#tk Sieh z.B. W. Thompson, „An Inquiry into the distribution of wealth etc.“, London 
1824. Bray, „Labour’s wrongs and labour’s remedy“, Leeds 1839. 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 69 

zu predigen und damit den Sozialismus in ein elementares Mißverständnis 
über den notwendigen Zusammenhang zwischen Ware und Geld aufzu- 
lösen.* 

2. Zirkulationsmittel 

Nachdem die Ware im Prozeß der Preisgebung ihre zirkulationsfähige 
Form und das Gold seinen Geldcharakter erhalten hat, wird die Zirkulation 
die Widersprüche, die der Austauschprozeß der Waren einschloß, zugleich 
darstellen und lösen. Der wirkliche Austausch der Waren, d.h. der gesell- 
schaftliche Stoffwechsel, geht vor in einem Formwechsel, worin sich die 
Doppelnatur der Ware als Gebrauchswert und Tauschwert entfaltet, ihr 
eigener Formwechsel sich aber zugleich in bestimmten Formen des Geldes 
kristallisiert. Die Darstellung dieses Formwechsels ist die Darstellung der 
Zirkulation. Wie wir sahen, daß die Ware nur entwickelter Tauschwert ist, 
wenn eine Welt von Waren und damit tatsächlich entwickelte Teilung der 
Arbeit vorausgesetzt wird, so setzt die Zirkulation allseitige Austauschakte 
und den beständigen Fluß ihrer Erneuerung voraus. Die zweite Voraussetzung 
ist, daß die Waren als preisbestimmte Waren in den Austauschprozeß eingehen 
. oder innerhalb desselben als Doppelexistenzen füreinander erscheinen, reell 
als Gebrauchswerte, ideell - im Preise - als Tauschwerte. 

In den belebtesten Straßen Londons drängt sich Magazin an Magazin, 
hinter deren hohlen Glasaugen alle Reichtümer der Welt prangen, indische 
Shawls, amerikanische Revolver, chinesisches Porzellan, Pariser Korsetten, 
russische Pelzwerke und tropische Spezereien, aber alle diese weltlustigen 
Dinge tragen an der Stirne fatale weißliche Papiermarken, worin arabische 
Ziffern mit den lakonischen Charakteren £, sh., d. eingegraben sind. Dies ist 
das Bild der in der Zirkulation erscheinenden Ware. 

a) Die Metamorphose der Waren 

Bei näherer Betrachtung zeigt der Zirkulationsprozeß zwei verschiedene 
Formen von Kreisläufen. Nennen wir die Ware W, das Geld G, so können 
wir diese beiden Formen ausdrücken als: 

W-G-W 
G-W-G 

* Als Kompendium dieser melodramatischen Geldtheorie kann betrachtet wer- 

den: Alfred Darimon, „De la reforme des banques“, Paris 1856. 

70 | “ Karl Marx 

In diesem Abschnitt beschäftigt uns ausschließlich die erste Form, oder die 
unmittelbare Form der Warenzirkulation. 

Der Kreislauf W-G-W zerlegt sich in die Bewegung W-G, Aus- 
tauschen von Ware gegen Geld oder Verkaufen; in die entgegengesetzte Be- 
wegung GW, Austauschen von Geld gegen Ware oder Kaufen, und in die 
Einheit beider Bewegungen W- G-W, Austauschen von Ware gegen Geld, 
um Geld gegen Ware auszutauschen, oder Verkaufen um zu Kaufen. Als 
Resultat aber, worin der Prozeß erlischt, ergibt sich W-W, Austausch von 
Ware gegen Ware, der wirkliche Stoffwechsel. 

W-G-W, wenn man vom Extrem der ersten Ware ausgeht, stellt ihre 
Verwandlung in Gold und ihre Rückverwandlung aus Gold in Ware dar, oder 
eine Bewegung, worin die Ware zuerst als besonderer Gebrauchswert existiert, 
dann diese Existenz abstreift, eine von allem Zusammenhang mit ihrem natur- 
wüchsigen Dasein losgelöste Existenz als Tauschwert oder allgemeines Äqui- 
valent gewinnt, diese wieder abstreiftundschließlichals wirklicher Gebrauchs- 
wert für einzelne Bedürfnisse zurückbleibt. In dieser letzten Form fällt sie 
aus der Zirkulation in die Konsumtion. Das Ganze der Zirkulation W-G-W 
ist daher zunächst die Gesamtreihe der Metamorphosen, welche jede einzelne 
Ware durchläuft, um unmittelbarer Gebrauchswert für ihren Inhaber zu 
werden. Die erste Metamorphose volizieht sich in der ersten Hälfte der 
Zirkulation W-G, die zweite in der andern Hälfte G-W, und die ganze 
Zirkulation bildet das curriculum.vitae! der Ware. Aber die Zirkulation 
W-G-W ist nur die Gesamtmetamorphose einer einzelnen Ware, indem 
sie zugleich Summe von bestimmten einseitigen Metamorphosen anderer 
Waren ist, denn jede Metamorphose der ersten Ware ist ihre Verwandlung in 
eine andere Ware, also Verwandlung der andern Ware in sie, also doppel- 
seitige Verwandlung, die sich in demselben Stadium der Zirkulation voll- 
zieht. Wir haben zunächst jeden der beiden Austauschprozesse, worin die 
Zirkulation W-G-W zerfällt, isoliert zu betrachten. 

W-G oder Verkauf: W, die Ware, tritt in den Zirkulationsprozeß nicht 
nur als besonderer Gebrauchswert, z.B. als Tonne Eisen, sondern als Ge- 
brauchswert von bestimmtem Preis, sage von 3Pfd.St. 17 sh. 10'/, d. oder 
einer Unze Gold. Dieser Preis, während er einerseits der Exponent des im 
Eisen enthaltenen Quantums Arbeitszeit, d.h. seiner Wertgröße ist, drückt 
zugleich den frommen Wunsch des Eisens aus, Gold zu werden, d.h. der in 
ihm selbst enthaltenen Arbeitszeit die Gestalt der allgemeinen gesellschaft- 
lichen Arbeitszeit zu geben. Gelingt diese Transsubstantiation nicht, so hört 

den Lebenslauf 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 71 

die Tonne Eisen auf, nicht nur Ware, sondern Produkt zu sein, denn sie ist 
“nur. Ware, weil Nicht-Gebrauchswert für ihren Besitzer, oder seine Arbeit ist 
- nur wirkliche Arbeit als nützliche Arbeit für andere, und sie ist nur nützlich 
für ihn als abstrakt allgemeine Arbeit. Es ist daher die Aufgabe des Eisens 
oder seines Besitzers, den Punkt in der Warenwelt aufzufinden, wo Eisen 
Gold anzieht. Diese Schwierigkeit, der salto mortale der Ware, ist aber über- 
wunden, wenn der Verkauf, wie hier in der Analyse der einfachen Zirkula- 
tion unterstellt wird, wirklich vorgeht. Indem die Tonne Eisen durch ihre 
Veräußerung, d.h. ihr Übergehen aus der Hand, wo sie Nicht-Gebrauchs- 
wert, in die Hand, worin sie Gebrauchswert ist, sich als Gebrauchswert ver- 
wirklicht, realisiert sie zugleich ihren Preis und wird aus nur vorgestelltem 
Gold wirkliches Gold. An die Stelle des Namens Unze Gold oder 3Pfd.St. 
17 sh. 10%/.. d. ist nun eine Unze wirklichen Goldes getreten, aber die Tonne 
Eisen hat den Platz geräumt. Durch den Verkauf W-G wird nicht nur die 
Ware, die in ihrem Preise ideell in Gold verwandelt war, reell in Gold ver- 
‘wandelt, sondern durch denselben Prozeß wird das Gold, das als Maß der 
Werte nur ideelles Gold war und in der Tat nur als Geldnamen der Waren 
selbst figurierte, in wirkliches Geld verwandelt.* Wie es ideell allgemeines 
Äquivalent wurde, weil alle Waren ihre Werte in ihm maßen, wird es jetzt 
als Produkt der allseitigen Veräußerung der Waren gegen es, und der Verkauf 
W-G ist der Prozeß dieser allgemeinen Veräußerung, die absolut veräußer- 
liche Ware, reelles Geld. Gold wird aber nur im Verkauf reell Geld, weil die 
Tauschwerte der Waren in den Preisen schon ideell Gold waren. 

Im Verkauf W-G, ebenso wie im Kauf G-W, stehen sich zwei Waren 
gegenüber, Einheiten von Tauschwert und Gebrauchswert, aber an der Ware 
existiert ihr Tauschwert nur ideell als Preis, während am Gold, obgleich es 
selbst ein wirklicher Gebrauchswert ist, sein Gebrauchswert nur als Träger 
des Tauschwerts existiert und daher nur als formaler, auf kein wirkliches 
individuelles Bedürfnis bezogener Gebrauchswert. Der Gegensatz von Ge- 
brauchswert und Tauschwert verteilt sich also polarisch an die beiden Ex- 
treme von W-G, so daß die Ware dem Gold gegenüber Gebrauchswert ist, 
der seinen ideellen Tauschwert, den Preis, erst im Gold realisieren muß, 

* „Das Geld ist von zweierlei Art, ideales und reales; und es wird in zwei ver- 
schiedenen Weisen gebraucht, um die Dinge zu schätzen und um sie zu kaufen. Zum 
Schätzen ist das ideale Geld geeignet, ebenso wie das reale und vielleicht auch besser. 
Der andere Gebrauch des Geldes besteht im Kauf jener Dinge, die es schätzt. . Die 
Preise und die Kontrakte werden in idealen Gelde geschätzt und in realem Gelde ver- 
wirklicht.“ (Galiani, l.c. pag. 112 seq.) 

72 | Karl Marx 

während das Gold der Ware gegenüber Tauschwert ist, der seinen formalen 
Gebrauchswert erst in der Ware maternalisiert. Nur durch diese Verdoppe- 
lung der Ware in Ware und Gold, und durch die wieder doppelte und entgegen- 
gesetzte Beziehung, worin jedes Extrem ideell ist, was sein Gegenteil reell ist, 
und reell ist, was sein Gegenteil ideell ist, also nur durch Darstellung der 
Waren als doppelseitig polarischer Gegensätze lösen sich die in ihrem Aus- 
tauschprozeß enthaltenen Widersprüche. 

Wir haben bisher W-G als Verkauf betrachtet, Verwandlung von Ware 
in Geld. Stellen wir uns aber auf die Seite des andern Extrems, so erscheint 
derselbe Prozeß vielmehr als G-W, als Kauf, als Verwandlung von Geld in 
Ware. Verkauf ist notwendig zugleich sein Gegenteil, Kauf, das eine, wenn 
man den Prozeß von der einen, und das andere, wenn man ihn von der andern 
Seite ansieht. Oder in der Wirklichkeit unterscheidet sich der Prozeß nur, 
weil in W-G die Initiative vom Extrem der Ware oder des Verkäufers, in 
G-W vom Extrem des Geldes oder des Käufers ausgeht. Indem wir also 
die erste Metamorphose der Ware, ihre Verwandlung in Geld als Resultat 
des Durchlaufens des ersten Zirkulationsstadiums W-G darstellen, unter- 
stellen wir gleichzeitig, daß eine andere Ware sich schon in Geld verwandelt 
hat, sich also schon im zweiten Zirkulationsstadium G -W befindet. So ge- 
raten wir in einen fehlerhaften Zirkel der Voraussetzungen. Die Zirkulation 
selbst ist dieser fehlerhafte Zirkel. Betrachten wir G in W-G nicht schon 
als Metamorphose einer andern Ware, so nehmen wir den Austauschakt aus 
dem Zirkulationsprozeß heraus. Außerhalb desselben verschwindet aber die 
Form W-G, und es stehen sich nur noch zwei verschiedene W, sage Eisen 
und Gold gegenüber, deren Austausch kein besonderer Akt der Zirkulation, 
sondern des unmittelbaren Tauschhandels ist. Gold ist Ware wie jede andere 
Ware an der Quelle seiner Produktion. Sein relativer Wert und der des Eisens, 
oder jeder andern Ware, stellt sich hier dar in den Quantitäten, worin sie sich 
wechselseitig austauschen. Aber im Zirkulationsprozeß ist diese Operation 
vorausgesetzt, in den Warenpreisen ist sein eigener Wert bereits gegeben. Es 
kann daher nichts irriger sein, als die Vorstellung, daß innerhalb des Zirkula- 
fionsprozesses Gold und Ware in das Verhältnis des unmittelbaren Tausch- 
handels treten und daher ihr relativer Wert durch ihren Austausch als ein- 
fache Waren ermittelt wird. Wenn es so scheint, als ob im Zirkulationsprozeß 
Gold als bloße Ware gegen Waren ausgetauscht werde, entspringt der Schein 
einfach daher, daß in den Preisen bestimmte Quantität Ware schon bestimm- 
tern Quantum Gold gleichgesetzt, d.h. auf das Gold schon als Geld, all- 
gemeines Äquivalent, bezogen und daher unmittelbar mit ihm austauschbar 
ist. Soweit sich der Preis einer Ware im Gold realisiert, tauscht sie sich gegen 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 73 

es als Ware aus, als besondere Materiatur der Arbeitszeit, aber soweit es ihr 
Preis ist, der sich in ihm realisiert, tauscht sie sich gegen es aus als Geld und 
nicht als Ware, d.h. gegen es als allgemeine Materiatur der Arbeitszeit. In 
beiden Beziehungen aber wird das Quantum Gold, wogegen sich die Ware 
innerhalb des Zirkulationsprozesses austauscht, nicht durch den Austausch 
bestimmt, sondern der Austausch durch den Preis der Ware, d.h. ihren in 
Gold geschätzten Tauschwert.* 

Innerhalb des Zirkulationsprozesses erscheint das Gold in jeder Hand als 
Resultat des Verkaufs W-G. Da aber W-G, der Verkauf, zugleich G-W, 
der Kauf, ist, zeigt sich, daß während W, die Ware, wovon der Prozeß aus- 
geht, ihre erste Metamorphose, die andere Ware, die als Extrem G gegenüber- 
steht, ihre zweite Metamorphose vollzieht und daher die zweite Hälfte der 
Zirkulation durchläuft, während die erste Ware sich noch in der ersten Hälfte 
ihres Kursus befindet. 

Als Resultat des ersten Prozesses der Zirkulation, des Verkaufs, ergibt 
sich der Ausgangspunkt des zweiten, das Geld. An die Stelle der Ware in 
ihrer ersten Form ist ihr goldenes Äquivalent getreten. Dies Resultat kann 
zunächst einen Ruhepunkt bilden, da die Ware in dieser zweiten Form eigene 
ausharrende Existenz besitzt. Die Ware, in der Hand ihres Inhabers kein 
Gebrauchswert, ist jetzt in stets brauchbarer, weil stets austauschbarer Form 
vorhanden, und es hängt von Umständen ab, wann und an welchem Punkte 
auf der Oberfläche der Warenwelt sie wieder in Zirkulation tritt. Ihre Gold- 
verpuppung bildet einen selbständigen Abschnitt in ihrem Leben, worin sie 
kürzer oder länger verweilen kann, Während im Tauschhandel der Aus- 
tausch eines besondern Gebrauchswerts unmittelbar an den Austausch eines 
andern besondern Gebrauchswerts gebunden ist, erscheint der allgemeine 
Charakter der Tauschwert setzenden Arbeit in der Trennung und dem gleich- 
gültigen Auseinanderfallen der Akte des Kaufs und Verkaufs. i 

G-W, der Kauf, ist die umgekehrte Bewegung von W-G und zugleich 
die zweite oder Schlußmetamorphose der Ware. Als Gold oder in ihrem Da- 
sein als allgemeines Äquivalent ist die Ware unmittelbar darstellbar in den 
Gebrauchswerten aller andern Waren, die in ihren Preisen alle das Gold zu- 
gleich als ihr Jenseits anstreben, zugleich aber die Note anzeigen, worin es 
erklingen muß, damit ihre Leiber, die Gebrauchswerte, auf Seite des Geldes, 

* Es verhindert dies natürlich nicht, daß der Marktpreis der Waren über oder 
unter ihrem Wert stehen kann. Diese Rücksicht jedoch ist der einfachen Zirkulation 
fremd und gehört einer ganz andern, später zu betrachtenden Sphäre an, wo wir das 
Verhältnis von Wert und Marktpreis untersuchen werden. 

ihre Seele, der Tauschwert, aber in das Gold selbst springt. Das allgemeine 
Produkt der Veräußerung der Waren ist die absolut veräußerliche Ware. Es 
existiert keine qualitative, sondern nur noch eine quantitative Schranke für _ 
die Verwandlung des Goldes in Ware, die Schranke seiner eigenen Quantität 
oder Wertgröße. „Es ist alles zu haben für bar Geld.“ Während die Ware in 
der Bewegung W-G durch Entäußerung als Gebrauchswert ihren eigenen 
Preis und den Gebrauchswert des fremden Geldes realisiert, realisiert sie in 
der Bewegung G-W durch ihre Entäußerung als Tauschwert ihren eigenen 
Gebrauchswert und den Preis der andern Ware. Wenn die Ware durch Reali- 
‘sierung Ihres Preises zugleich das Gold in wirkliches Geld, verwandelt sie 
durch ihre Rückverwandlung das Gold in ihr eigenes bloß verschwindendes 
Gelddasein. Da die Warenzirkulation entwickelte Teilung der Arbeit voraus- 
setzt, also Vielseitigkeit der Bedürfnisse des einzelnen in umgekehrtem Ver- 
hältnis zur Einseitigkeit seines Produkts, wird der Kauf G-W sich bald in 
einer Gleichung mit einem Warenäquivalent darstellen, bald zersplittern in 
eine Jetzt durch den Kreis der Bedürfnisse des Käufers und die Größe seiner 
Geldsumme umschriebene Reihe von Warenäquivalenten. - Wie der Ver- 
kauf zugleich Kauf, so ist der Kauf zugleich Verkauf, G-W zugleich W-G, 
aber die Initiative gehört hier dem Gold oder dem Käufer. 

Kehren wir nun zur Gesamtzirkulation W-G-W zurück, so zeigt sich, 
“ daß in ihr eine Ware die Gesamtreihe ihrer Metamorphosen durchläuft. 
Gleichzeitig aber, während sie die erste Hälfte der Zirkulation beginnt und die 
erste Metamorphose vollzieht, tritt eine zweite Ware in die zweite Hälfte der 
Zirkulation, vollzieht ihre zweite Metamorphose und fällt aus der Zirkulation 
heraus, und umgekehrt tritt die erste Ware in die zweite Hälfte der Zirkula- 
tion, vollzieht ihre zweite Metamorphose und fällt aus der Zirkulation heraus, 
während eine dritte Ware in die Zirkulation eintritt, die erste Hälfte ihres 
Kursus durchmacht und die erste Metamorphose vollzieht. Die Gesamt- 
zirkulation W- G-W als Gesamtmetamorphose einer Ware ist also stets zu- 
gleich das Ende der Gesamtmetamorphose einer zweiten und der Beginn der 
Gesamtmetamorphose einer dritten Ware, also eine Reihe ohne Änfang und 
Ende. Bezeichnen wir zur Verdeutlichung, um die Waren zu unterscheiden, 
W in beiden Extremen verschieden, z.B. als W-G-W”. In der Tat, das 
erste Glied W’-G unterstellt G als Resultat eines andern W-G, ist also 
selbst nur das letzte Glied von W- G-W’, während das zweite Glied G-W” 
in seinem Resultat W”-G ist, also selbst sich darstellt als erstes Glied von 
W”’-G-W’” usw. Ferner zeigt es sich, daß das letzte Glied G-W, ob- 
gleich G Resultat nur eines Verkaufs ist, sich darstellen kann als G-W+G 
-W”"+G-W’”-+ etc., sich also. in eine Masse Käufe, d.h. eine Masse 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 75 

Verkäufe, d.h. eine Masse erster Glieder von neuen Gesamtmetamorphosen 
von Waren zersplittern kann. Wenn also die Gesamtmetamorphose einer ein- 
zelnen Ware sich nicht nur als Glied einer anfangs- und endlosen Metamor- - 
phosenkette,sondern vieler solcher Ketten darstellt, stelltsich der Zirkulations- 
prozeß der Warenwelt, da jede einzelne Ware die Zirkulation W-G-W 
durchläuft, als ein unendlich verschlungenes Kettengewirr dieser an unend- 
lich verschiedenen Punkten stets endenden und stets neu beginnenden .Be- 
wegung dar. Jeder einzelne Verkauf oder Kauf besteht aber zugleich als ein 
gleich gültiger und isolierter Akt, dessen ergänzender Akt zeitlich und räum- 
lich von ihm getrennt sein kann und sich daher nicht als Fortsetzung un- 
mittelbar an ihn anzuschließen braucht. Indem jeder besondere Zirkulations- 
prozeß W-G oder G-W als Verwandlung einer Ware in Gebrauchswert 
und der andern Ware in Geld, als erstes und zweites Stadium der Zirkulation, 
nach zwei Seiten hin einen selbständigen Ruhepunkt bildet, andererseits aber 
alle Waren in der ihnen gemeinschaftlichen Gestalt des allgemeinen Äqui- 
valents, des Goldes, ihre zweite Metamorphose beginnen und sich an den Aus- 
gangspunkt der zweiten Zirkulationshälfte stellen, reiht sich in der wirklichen 
Zirkulation ein beliebiges G-W an ein beliebiges W-G, das zweite Kapitel 
im Lebenslauf einer Ware an das erste Kapitel im Lebenslauf der andern. 
Az.B. verkauft Eisen für 2 Pfd.St., vollzieht also W- G oder die erste Meta- 
morphose der Ware Eisen, verschiebt aber den Kauf für spätere Zeit. Gleich- 
zeitig kauft B, der 14 Tage früher 2 Quarter Weizen für 6 Pfd.St. verkauft 
hatte, mit denselben 6Pfd.St. Rock und Hose von Moses und Sohn, voll- 
zieht also G-W oder die zweite Metamorphose der Ware Weizen. Diese 
beiden Akte G-W und W-G erscheinen hier nur als Glieder einer Kette, 
weil in G, im Gold, eine Ware aussieht wie die andere und im Gold nicht 
wiederzuerkennen ist, ob es metamorphosiertes Eisen oder metamorphosierter 
Weizen. Im wirklichen Zirkulationsprozeß stellt sich also W-G-W dar als 
unendlich zufälliges Nebeneinander und Nacheinander buntgewürfelter 
Glieder verschiedener Gesamtmetamorphosen. Der wirkliche Zirkulations- 
prozeß erscheint also nicht als Gesamtmetamorphose der Ware, nicht als’ihre 
Bewegung durch entgegengesetzte Phasen, sondern als bloßes Aggregat vieler 
zufällig nebeneinander laufender oder einander folgender Käufe und Ver- 
käufe. Die Formbestimmtheit des Prozesses ist so ausgelöscht, und um so 
vollständiger als jeder einzelne Zirkulationsakt, z.B. der Verkauf, zugleich 
sein Gegenteil, der Kauf, ist und umgekehrt. Andrerseits ist der Zirkulations- 
prozeß die Bewegung der Metamorphosen der Warenwelt und muß sie daher 
auch in seiner Gesamtbewegung widerspiegeln. Wie er sie reflektiert, be- 
trachten wir im folgenden Abschnitt. Hier mag nur noch bemerkt werden, 

daß in W-G-W die beiden Extreme W nicht in derselben Formbeziehung 

zu G stehen. Das erste W verhält sich als besondere Ware zum Geld als der. 
allgemeinen Ware, während Geld als die allgemeine Ware sich zum zweiten 

W als einzelner Ware verhält. W-G-W kann daher abstrakt logisch auf die 

Schlußform B-A-E reduziert werden, worin die Besonderheit das erste 

Extrem, die Allgemeinheit die zusammenschließende Mitte und die Einzel- 

heit das letzte Extrem bildet. 

Die Warenbesitzer traten in den Zirkulationsprozeß einfach als Hüter von 
Waren. Innerhalb desselben treten sie sich in der gegensätzlichen Form von 
Käufer und Verkäufer gegenüber, der eine personifizierter Zuckerhut, der 
andere personifiziertes Gold. Wie nun der Zuckerhut Gold wird, wird der 
Verkäufer Käufer. Diese bestimmten sozialen Charaktere entspringen also 
keineswegs aus der menschlichen Individualität überhaupt, sondern aus den 
Austauschverhältnissen von Menschen, die ihre Produkte in der bestimmten 
Form der Ware produzieren. Es sind.so wenig rein individuelle Verhältnisse, 
die sich im Verhältnis des Käufers und Verkäufers ausdrücken, daß beide nur 
in diese Beziehung treten, soweit ihre individuelle Arbeit verneint, nämlich 
als Arbeit keines Individuums Geld wird. So albern es daher ist, diese ökono- 
misch bürgerlichen Charaktere von Käufer und Verkäufer als ewige gesell- 
schaftliche Formen der menschlichen Individualität aufzufassen, ebenso ver- 
kehrt ist es, sie als Aufhebung der Individualität zu betränen.* Sie sind not- 
wendige Darstellung der Individualität auf Grundlage einer bestimmten Stufe 

* Wie tief selbst die ganz oberflächliche Form des Antagonismus, der sich in Kauf 
und Verkauf darstellt, schöne Seelen verwundet, zeigt der folgende Auszug aus Herin 
Isaac Pereires „Lecons sur l’industrie et les finances“, Paris 1832. Daß derselbe Isaac 
der als Erfinder und Diktator des Credit mobilier!!8] berüchtigte Pariser Börsenwolf ist, 
zeigt zugleich, was es mit der sentimentalen Kritik der Ökonomie auf sich hat. Herr 
Pereire, damals ein Apostel St.Simons, sagt: „Weil die Individuen isoliert sind, die 
einen von den andern getrennt, sei es in ihren Arbeiten, sei es für die Konsumtion, 
darum gibt es unter ihnen Austausch der Produkte ihrer respektiven Gewerbe. Aus 
der Notwendigkeit des Tausches entspringt die Notwendigkeit, den relativen Wert der 
Gegenstände zu bestimmen. Die Ideen vom Wert und vom Tausch sind also eng ver- 
bunden, und alle beide drücken in ihrer wirklichen Form den Individualismus und 
den Antagonismus aus... Man kann den Wert der Produkte nur festsetzen, weil es 
Verkauf und Kauf gibt, mit andern Worten, Antagonismus zwischen den verschiedenen 
Gliedern der Gesellschaft. Man konnte sich nur da mit Preis, mit Wert beschäftigen, 
wo es Verkauf und Kauf gab, das heißt, wo jedes Individuum gezwungen war zu 
kämpfen, um sich die zur Erhaltung der Existenz notwendigen Gegenstände zu ver- 
schaffen.“ (l.c. pag. 2, 3 passim.) 

r 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 77 

des gesellschaftlichen Produktionsprozesses. Im Gegensatz von Käufer und 
Verkäufer drückt sich zudem die antagonistische Natur der bürgerlichen 
Produktion noch so oberflächlich und formell aus ‚daß dieser Gegensatzauch 
vorbürgerlichen Gesellschaftsformen angehört, indem er bloß erheischt, daß 
die Individuen sich aufeinander als Inhaber von Waren beziehen. 

Betrachten wir.nun das Resultat von W-G-W, so sinkt es zusammen in 
den Stoffwechsel W-W. Ware ist gegen Ware, Gebrauchswert gegen Ge- 
brauchswert ausgetauscht worden, und die Geldwerdung der Ware, oder die 
Ware als Geld, dient nur zur Vermittlung dieses Stoffwechsels. Das Geld er- 
scheint so als bloßes Tauschmittel der Waren, aber nicht als Tauschmittel 
überhaupt, sondern durch den Zirkulationsprozeß charakterisiertes Tausch- 
mittel, d.h. Zirkulationsmittel.* 

Daraus, daß der Zirkulationsprozeß der Waren erlischt n W-W und: 
daher bioß durch Geld vermittelter Tauschhandel zu sein scheint, oder daß 
überhaupt W-G-W nicht nur in zwei isolierte Prozesse zerfällt, sondern 
zugleich ihre bewegte Einheit darstellt, schließen wollen, daß nur die Einheit 
und nicht die Trennung zwischen Kauf und Verkauf existiert, ist eine Manier 
des Denkens, deren Kritik in die Logik und nicht in die Ökonomie gehört. 
Wie die Trennung im Austauschprozeß von Kauf und Verkauf lokal-natur- 
wüchsige, angestammt fromme, gemütlich alberne Schranken des gesellschaft- 
lichen Stoffwechsels sprengt, ist sie zugleich die allgemeine Form der Zer- 
reißung seiner zusammengehörigen Momenteundihrer Festsetzung gegenein- 
ander, mit einem Wort, die allgemeine Möglichkeit der Handelskrisen, jedoch 
nur, weil der Gegensatz von Ware und Geld die abstrakte und allgemeine Form 
aller in der bürgerlichen Arbeit enthaltenen Gegensätze ist. Geldzirkulation 
kann daher stattfinden ohne Krisen, aber Krisen können nicht stattfinden 
ohne Geldzirkulation. Dieses heißt jedoch nur, daß da, wo die auf Privat- 
austausch beruhende Arbeit noch richt einmal zur Geldbildung fortgegangen 
ist, sie natürlich noch weniger Phänomene hervorbringen kann, welche die 
volle Entwicklung des bürgerlichen Produktionsprozesses voraussetzen. Man 
kann daher die Tiefe der Kritik messen, die durch Abschaffung des „Privi- 
legiums“ der edeln Metalle und durch ein sogenanntes „rationelles Geld- 
system“ die „Mißstände“ der bürgerlichen Produktion beseitigen will. Als 
Probe ökonomistischer Apologetikandererseitsmag eine Wendung hinreichen, 

* „Das Geld ist nur das Mittel und ie bewegende Kraft, während die dem Leben 
nützlichen Waren das Ziel und der Zweck sind.“ Boisguillebert, „Le detail de la France“, 
1697, in Eugene Daires „Economistes financiers du XVIII. siecle“, vol. I, Paris 1843, 
pag. 210. 

die als außerordentlich scharfsinnig verschrien ist. James Mill, der Vater des 
bekannten englischen Ökonomen John Stuart Mill, sagt: 

„Es kann nie einen Mangel an Käufern für alle Waren geben. Wer immer eine Ware 
zum Verkauf darbietet, verlangt eine Ware im Austausch dafür zu erhalten, und ist daher 
Käufer durch das bloße Faktum, daß er Verkäufer ist. Käufer und Verkäufer aller 
Waren zusammengenommen, müssen sich daher durch eine metaphysische Notwendig- 
keit das Gleichgewicht halten. Wenn daher mehr Verkäufer als Käufer von einer Ware 
da sind, muß es mehr Käufer als Verkäufer von einer andern Ware geben.“ * 

Mill stellt das Gleichgewicht dadurch her, daß er den Zirkulationsprozeß 
in unmittelbaren Tauschhandel verwandelt, in den unmittelbaren Tausch- 
handel aber wieder die dem Zirkulationsprozeß entlehnten Figuren von Käu- 
fer und Verkäufer hineinschmuggelt. In seiner Sprachverwirrung zu reden, 
gibt es in solchen Momenten, wo alle Waren unverkaufbar sind, wie z.B. 
zu London und Hamburg, während bestimmter Momente der Handelskrise 
1857/58, in der Tat mehr Käufer als Verkäufer von einer Ware, dem Geld, 
und mehr Verkäufer als Käufer von allem anderen Geld, den Waren. Das meta- 
physische Gleichgewicht der Käufe und Verkäufe beschränkt sich darauf, 
daß jeder Kauf ein Verkauf und jeder Verkauf ein Kauf ist, was kein sonder- 
licher Trost für die WarenhliE, die es nicht zum Verkauf, also auch nicht 
zum Kauf bringen.** 

* November 1807 erschien in England eine Schrift von William Spence unter dem 
Titel: „Britain independent of commerce“, deren Prinzip William Cobbett in seinem 
„Political Register“ unter der drastischeren Form „Perish commerce“ weiter ausführte. 
Dagegen veröffentlichte James Mill 1808 seine „Defence of commerce“, worin sich das 
im Text aus seinen „Elements of political economy“ entlehnte Argument schon findet. 
In seiner Polemik mit Sismondi und Malthus über die Handelskrisen eignete sich 
J. B. Say den artigen Fund an, und da es unmöglich wäre zu sagen, mit welchem neuen 
Einfall dieser komische. „prince de la science“! die politische Ökonomie bereichert 
hätte - sein Verdienst bestand vielmehr in der Unparteilichkeit, womit er seine Zeit- 
genossen Malthus, Sismondi und Ricardo gleichmäßig mißverstand -, haben seine 
kontinentalen Bewunderer ihn als Heber jenes Schatzes vom metaphysischen Gleich- 
gewicht der Käufe und Verkäufe ausposaunt. 

** Dje Manier, worin die Ökonomen die verschiedenen Formbestimmungen der 
Ware darstellen, mag man aus folgenden Beispielen ersehen: 
„Im Besitze von Geld brauchen wir nur einen Tausch zu machen, um den Gegen- 
stand des Wunsches zu erlangen, während wir mit anderen Surplusprodukten zwei 
machen müssen, von denen der erste (Besorgung des Geldes) unendlich schwieriger 

! „Fürst der Wissenschaft“ 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 79 

Die Trennung zwischen Verkauf und Kauf macht mit dem eigentlichen 
Handel eine Masse Scheintransaktionen vor dem definitiven Austausch zwi- 
schen Warenproduzenten und Warenkonsumenten möglich. Sie befähigt so 
eine Masse Parasiten, sich in den Produktionsprozeß einzudrängen und die 
Scheidung auszubeuten. Dies heißt aber wieder nur, daß mit dem Geld als 
der allgemeinen Form der bürgerlichen Arbeit die Möglichkeit der Entwick- 
lung ihrer Widersprüche gegeben ist. 

b) Der Umlauf des Geldes 

Die wirkliche Zirkulation stellt sich zunächst dar als eine Masse zufällig 
nebeneinanderlaufender Käufe und Verkäufe. Im Kauf wie im Verkauf stehen 
sich Ware und Geld stets in derselben Beziehung gegenüber, der Verkäufer 

“auf Seite der Ware, der Käufer auf Seite des Geldes. Geld als Zirkulations- 
mittel erscheint daher stets als Kaufmittel, womit seine unterschiedenen Be- 
stimmungen in den entgegengesetzten Phasen der Warenmetamorphose un- 

“ erkenntlich geworden sind. 

Das Geld geht in demselben Akt in die Hand des Verkäufers über, worin 
die Ware in die Hand des Käufers übergeht. Ware und Geld laufen also in 
entgegengesetzter Richtung, und dieser Stellenwechsel, worin die Ware auf 
die eine, und das Geld auf die andre Seite tritt, vollzieht sich gleichzeitig an 
unbestimmt vielen Punkten auf der ganzen Oberfläche der bürgerlichen Ge- 
sellschaft. Der erste Schritt aber, den die Ware in die Zirkulation tut, ist zu- 
gleich ihr letzter Schritt.“ Ob sie aus der Stelle rückt, weil Gold von ihr 

ist als der zweite.“ “ Opdyke, G., „A treatise on political economy“, New York, pag. 287 
bis 288. 

„Die höhere Verkaufbarkeit von Geld ist gerade die Wirkung oder natürliche Kon- 
sequenz der geringeren Verkaufbarkeit von Waren.“ (Corbet,Th., „An inquiry into 
the causes and modes of the wealth of individuals etc.“, London 1841, pag. 117.) „Geld 
hat die Eigenschaft, immer gegen das austauschbar zu sein, was es mißt.“ Bosanquet, 
„Metallic, Paper and Credit Currency etc.“, London 1842, p. 100. 

„Geld kann immer andere Waren kaufen, während andere Waren nicht immer 
Geld kaufen können.“ Tooke, Th., „An Inquiry into the Currency Principle“, 2. ed., 
London 1844, p. 10. 
* Dieselbe Ware kann mehrmals gekauft und wieder verkauft werden. Sie zirkuliert 
dann nicht als bloße Ware, sondern in einer Bestimmung, die auf dem Standpunkt der 
einfachen Zirkulation, des einfachen Gegensatzes von Ware und Geld, nicht vorhanden . 
ist, ö 

(W-G), oder weil sie vom Gold angezogen wird (G-W), mit dem einen 
Ruck, dem einen Stellenwechsel, fällt sie aus der Zirkulation in die Kon- 
sumtion. Die Zirkulation ist fortwährende Bewegung von Waren, aber von 
stets andern Waren, und jede Ware bewegt sich nur einmal. Jede Ware be- 
ginnt die zweite Hälfte ihrer Zirkulation nicht als dieselbe Ware, sondern als 
eine andere Ware, als Gold. Die Bewegung der metamorphosierten Ware ist 
also die Bewegung des Goldes. Dasselbe Stück Geld oder das identische Gold- 
individuum, das im Akt W-G einmal die Stelle gewechselt hat mit einer 
Ware, erscheint umgekehrt wieder als Ausgangspunkt von G-W und wech- 
selt so die Stelle zum zweiten Male mit einer andern Ware. Wie es aus der 
Hand des Käufers B in die Hand des Verkäufers A, geht es nun aus der Hand 
des Käufers gewordenen A in die Hand von C über. Die Formbewegung einer 
Ware, ihre Verwandlung in Geld und ihre Rückverwandlung aus Geld, oder 
die Bewegung der Gesamtmetamorphose der Ware stellt sich also dar als die 
äußerliche Bewegung desselben Geldstücks, das zweimal die Stellen mit zwei 
verschiedenen Waren wechselt. So zersplittert und zufällig Käufe und Ver- 
käufe nebeneinanderfallen, stets steht in der wirklichen Zirkulation einem 
Käufer ein Verkäufer gegenüber, und das Geld, das an die Stelle der ver- 
kauften Ware rückt, muß, bevor es in die Hand des Käufers kam, schon ein- 
mal die Stelle mit einer andern Ware gewechselt haben. Ändrerseits geht es 
früher oder später wieder aus der Hand des Käufers gewordenen Verkäufers 
in die eines neuen Verkäufers über, und in dieser öfteren Wiederholung 
seines Stellenwechsels drückt es die Verkettung der Metamorphosen der 
Waren aus. Dieselben Geldstücke rücken also, stets in entgegengesetzter 
Richtung zu den: bewegten Waren, das eine häufiger, das andere minder 
häufig, von einer Stelle der Zirkulation zur andern, und beschreiben daher 
einen längern oder kürzern Zirkulationsbogen. Diese verschiedenen Be- 
wegungen desselben Geldstücks können nur in der Zeit aufeinanderfolgen, 
wie umgekehrt die Vielheit und Zersplitterung der Käufe und Verkäufe in 
dem gleichzeitigen, räumlich nebeneinander laufenden einmaligen Stellen- 
wechsel von Waren und Geld erscheint. 

Die Warenzirkulation W-G-W. in ihrer einfachen Form vollzieht sich 
im Übergang des Geldes aus der Hand des Käufers in die des Verkäufers und 
aus der Hand des Käufers gewordenen Verkäufers in die eines neuen Ver- 
käufers. Damit ist die Metamorphose der Ware beendet und folglich die Be- 
wegung des Geldes, soweit sie ihr Ausdruck. Da aber stets neue Gebrauchs- 
werte als Waren produziert und daher stets von neuem in die Zirkulation ge- 
worfen werden müssen, wiederholt und erneuert sich W-G-W von seiten 
derselben Warenbesitzer. Das Geld, das sie als Käufer ausgegeben, kehrt in 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 81 

ihre Hand zurück, sobald sie von neuem als Verkäufer von Waren erscheinen. 
Die beständige Erneuerung der Warenzirkulation spiegelt sich so darin ab, daß 
das Geld nicht nur beständig rouliert aus einer Hand in die andere, über die 
ganze Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft, sondern zugleich eine Summe » 
verschiedener kleiner Kreisläufe beschreibt, ausgehend von unendlich ver- 
schiedenen Punkten und zurückkehrend zu denselben Punkten, um von 
neuem dieselbe Bewegung zu wiederholen. 

Wenn der Formwechsel der Waren als bloßer Stellenwechsel des Geldes 
erscheint und die Kontinuität der Zirkulationsbewegung ganz auf Seite des ° 
Geldes fällt, indem die Ware immer nur einen Schritt in entgegengesetzter 
Richtung mit dem Geld, das Geld aber stets den zweiten Schritt für die 
Ware tut und B sagt, wo die Ware A gesagt hat, so scheint die ganze Bewegung 
vom Geld auszugehen, obgleich die Ware beim Verkauf das Geld aus seiner 
Stelle zieht, also ebensowohl das Geld zirkuliert, wie sie vom Geld im Kauf 
zirkuliert wird. Da das Geld ihr ferner stets in derselben Beziehung als Kauf- 
mittelgegenübertritt, als solches die Waren aber nur bewegt durch Realisieren 
ihres Preises, erscheint die ganze Bewegung der Zirkulation so, daß Geld den 
Platz mit den Waren wechselt, indem es ihre Preise realisiert, sei es in gleich- 
zeitig nebeneinander vorgehenden, besondern Zirkulationsakten, sei es 
sukzessiv, indem dasselbe Geldstück verschiedene Warenpreise der Reihe 
nach realisiert. Betrachten wir z.B. W- G-W-G-W”-G-W’” etc. ohne 
Rücksicht auf die qualitativen Momente, die im wirklichen Zirkulations- 
prozeß unerkenntlich werden, so zeigt sich nur dieselbe monotone Operation. 
G, nachdem es den Preis von W realisiert hat, realisiert der Reihe nach die 
Preise von W’-W’ usw., und die Waren W-W’”’-\W’” usw. treten stets 
an die Stelle, die das Geld verläßt. Das Geld scheint also die Waren zu zirku- 
lieren, indem es ihre Preise realisiert. In dieser Funktion des Realisierens der 
Preise zirkuliert es selbst beständig, indem es bald bloß eine Stelle wechselt, 
bald einen Zirkulationsbogen durchläuft, bald einen kleinen Kreis beschreibt, 
wo Ausgangspunkt und Punkt der Rückkehr zusammenfallen. Als Zirkula- 
tionsmittel hat es seine eigene Zirkulation. Die Formbewegung der prozes- 
sierenden Waren erscheint daher als seine eigene, den Austausch der an sich 
bewegungslosen Waren vermittelnde Bewegung. Die Bewegung des Zirku- 
lationsprozesses der Waren stellt sich also dar in der Bewegung des Geldes! 
als Zirkulationsmittel - im Geldumlauf. 

Wie die Warenbesitzer die Produkte ihrer Privatarbeiten ak Produkte 
gesellschaftlicher Arbeit darstellten, indem sie ein Ding, Gold, in unmittel- 

1 (1859) Goldes 

82 Karl Marz 

bares Dasein der allgemeinen Arbeitszeit und darum in Geld verwandelten, 
so tritt ihnen jetzt ihre eigene allseitige Bewegung, wodurch sie den Stoff- 
wechsel ihrer Arbeiten vermitteln, als eigentümliche Bewegung eines Dings 
gegenüber, als Umlauf des Goldes. Die gesellschaftliche Bewegung selbst ist 
für die Warenbesitzer einerseits äußerliche Notwendigkeit, andrerseits bloß 
formeller vermittelnder Prozeß, der jedes Individuum befähigt, für den Ge-. 
brauchswert, den es in die Zirkulation wirft,andere Gebrauchswerte von dem- 
selben Wertumfang aus ihr herauszuziehen. Der Gebrauchswert der Ware 
beginnt mit ihrem Herausfallen aus der Zirkulation, während der Gebrauchs- 
wert des Geldes! als Zirkulationsmittel sein Zirkulieren selbst ist. Die Be- 
wegung der Ware in der Zirkulation ist nur ein verschwindendes Moment, 
während rastloses Umhertreiben in ihr zur Funktion des Geldes wird. Diese 
seine eigentümliche Funktion innerhalb des Zirkulationsprozesses gibt dem 
Geld als Zirkulationsmittel neue Formbestimmtheit, die nun näher zu ent- 
wickeln ist. 

Zunächst leuchtet ein, daß der Geldumlauf eine unendlich zersplitterte 
Bewegung ist, da sich in ihm die unendliche Zersplitterung des Zirkulations- 
prozesses in Käufe und Verkäufe und das gleichgültige Auseinanderfallen der 
sich ergänzenden Phasen der Warenmetamorphose widerspiegeln. In den 
kleinen Kreisläufen des Geldes, wo Ausgangspunkt und Punkt der Rückkehr 
zusammenfallen, zeigt sich zwar sich zurückbiegende Bewegung, wirkliche 
Kreisbewegung, aber einmal sind ebenso viele Ausgangspunkte da wie Waren, 
und schon durch ihre unbestimmte Vielheit entziehen sich diese Kreisläufe 
aller Kontrolle, Messung und Berechnung. Ebensowenig ist die Zeit be- 
stimmt zwischen der Entfernung und der Rückkehr zum Ausgangspunkt. 
Auch ist es gleichgültig, ob ein solcher Kreislauf in einem gegebenen Fall 
beschrieben wird oder nicht. Kein ökonomisches Faktum ist allgemeiner be- 
kannt, als daß einer Geld mit der einen Hand ausgeben kann, ohne daß er es 
mit der andern wieder einnimmt. Geld geht von unendlich verschiedenen 
Punkten aus und kehrt an unendlich verschiedenen Punkten zurück, aber das 
Zusammenfallen von Ausgangspunkt und Rückkehrpunkt ist zufällig, weil 
in der Bewegung W-G-W die Rückverwandlung des Käufers in Verkäufer 
nicht notwendig bedingt ist. Noch weniger aber stellt der Geldumlauf eine 
Bewegung dar, die von einem Zentrum nach allen Punkten der Peripherie 
ausstrahlt, und von allen Punkten der Peripherie nach demselben Zentrum 
zurückkehrt. Der sogenannte Zirkellauf des Geldes, wie er als Bild vorschwebt, 
beschränkt sich darauf, daß auf allen Punkten sein Erscheinen und sein 

(1859) Goldes 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 83 

Verschwinden, sein rastloser Stellenwechsel gesehen wird. In einer höhern 
vermittelnden Form der Geldzirkulation, z.B. der Banknotenzirkulation, wer- 
den wir finden, daß die Bedingungen der Ausgabe des Geldes die Bedingungen 
seiner Rückströmung einschließen. Für die einfache Geldzirkulation ist es 
dagegen zufällig, daß derselbe Käufer wieder Verkäufer wird. Wo sich wirk- 
liche Zirkelbewegungen konstant in ihr zeigen, sind sie bloße Widerspiegelung 
tieferer Produktionsprozesse. Z. B. der Fabrikant nimmt am Freitag Geld von 
seinem Bankier, zahlt es am Samstag seinen Arbeitern aus, diese zahlen den 
größten Teil desselben gleich weg an Krämer usw., und letztere bringen es am 
Montag zum Bankier zurück. 

Wir haben gesehn, daß das Geld in den räumlich bunt nebeneinander- 
fallenden Käufen und Verkäufen eine gegebene Masse von Preisen gleich- 
zeitig realisiert und nur einmal die Stelle mit den Waren wechselt. Ändrer- 
seits aber, soweit in seiner Bewegung die Bewegung der Gesamtmetamor- 
phosen der Waren und die Verkettung dieser Metamorphosen erscheint, 
realisiert dasselbe Geldstück die Preise verschiedener Waren und vollzieht 
so eine größere oder geringere Anzahl von Umläufen. Nehmen wir also den 
Zirkulationsprozeß eines Landes in einem gegebenen Zeitabschnitt, einem 
Tag z.B., so wird die zur Realisation der Preise und daher zur Zirkulation 
der Waren erheischte Goldmasse bestimmt sein durch das doppelte Moment 

‚einerseits der Gesamtsumme dieser Preise, andrerseits der Durchschnitts- 
anzahl der Umläufe derselben Goldstücke. Diese Anzahl der Umläufe oder 
die Geschwindigkeit des Geldumlaufs ist ihrerseits wieder bestimmt oder 
drückt nur aus die Durchschnittsgeschwindigkeit, worin die Waren die ver- 
- schiedenen Phasen ihrer Metamorphose durchlaufen, worin diese Meta- 
morphosen sich als Kette fortsetzen und worin die Waren, die ihre Meta- 
morphosen durchlaufen haben, durch neue Waren im Zirkulationsprozeß er- 
setzt werden. Während also in der Preisgebung der Tauschwert aller Waren 
ideell in ein Goldquantum von derselben Wertgröße verwandelt und in den 
beiden isolierten Zirkulationsakten G-W und W-G dieselbe Wertsumme 
doppelt vorhanden war, auf der einen Seite in Ware, auf der andern in Gold, 
ist das Dasein des Goldes als Zirkulationsmittel bestimmt nicht durch seine 
isolierte Beziehung auf die einzelnen ruhenden Waren, sondern durch sein 
bewegtes Dasein in der prozessierenden Warenwelt; durch seine Funktion, in 
seinem Stellenwechsel den Formwechsel der Waren, also durch die Geschwin- 
digkeit seines Stellenwechsels die Geschwindigkeit ihres Formwechsels dar- 
zustellen. Sein wirkliches Vorhandensein im Zirkulationsprozeß, d.h. die 
wirkliche Masse Gold, die zirkuliert, ist also nun bestimmt durch sein funk- 
tionierendes Dasein im Gesamtprozeß selbst. 

6* 

Die Voraussetzung der Geldzirkulation ist die Warenzirkulation, und zwar 
zirkuliert das Geld Waren, die Preise haben, d.h. ideell schon bestimmten 
Goldquantitäten gleichgesetzt sind. In der Preisbestimmung der Waren selbst 
ist die Wertgröße des als Maßeinheit dienenden Goldquantums oder der 
Wert des Goldes als gegeben vorausgesetzt. Unter dieser Voraussetzung also 
ist das für die Zirkulation erheischte Quantum Gold zunächst bestimmt durch 
die Gesamtsumme der zu realisierenden Warenpreise. Diese Gesamtsumme 
selbst aber ist bestimmt I.durch den Preisgrad, die relative Höhe oder 
Niedrigkeit der in Gold geschätzten Tauschwerte der Waren und 2. durch 
die Masse der zu bestimmten Preisen zirkulierenden Waren, also durch die 
Masse der Käufe und Verkäufe zu gegebenen Preisen.* Kostet ein Quarter 
Weizen 60 sh., so istnoch einmal soviel Gold nötig, um ihn zu.zirkulieren oder 
seinen Preis zu realisieren, als wenn er nur 30 sh. kostet. Zur Zirkulation von 
500 Quarter zu 60 sh. ist noch emmal soviel Gold nötig, als zur Zirkula- 
tion von 250 Quarter zu demselben Preis. Endlich zur Zirkulation von 10 
Quarter zu 100 sh. ist nur halb soviel Gold nötig, als zur Zirkulation von 
40 Quarter zu 50sh. Es folgt daher, daß die zur Warenzirkulation er- 
heischte Quantität von Gold fallen kann, trotz dem Steigen der Preise, wenn 
die Masse der zirkulierten Waren in größerem Verhältnis abnimmt, als die 
Gesamtsumme der Preise wächst, und daß umgekehrt die Masse der Zirku- 
lationsmittel steigen kann, wenn die Masse der zirkulierten Waren fällt,aber. 
ihre Preissumme in größerem Verhältnis steigt. Schöne englische Detail- 
untersuchungen haben so z.B. nachgewiesen, daß in England in den ersten 
Stadien einer Getreideteurung die Masse des zirkulierenden Geldes zunimmt, 
weil die Preissumme der verminderten Getreidemasse größer ist, als die 
Preissumme der größern Getreidemasse war, zugleich aber die Zirkulation 
der übrigen Warenmasse zu ihren alten Preisen für einige Zeit ungestört 
fortdauert. In einem späteren Stadium der Getreideteurung fällt dagegen 
die Masse des zirkulierenden Geldes, entweder weil neben dem Getreide 
weniger Waren zu den alten Preisen oder ebensoviel Waren zu niedrigern 
Preisen verkauft werden.. 

* Die Masse des Geldes ist gleichgültig, „vorausgesetzt, daß genug vorhanden ist, 
um die durch die Waren gegebenen Preise aufrechtzuerhalten“. Boisguillebert, „Le detail 
de la France“, l.c. pag. 209. „Wenn die Zirkulation von Waren von 400 Millionen 
Pfd. St. eine Masse Gold von 40 Millionen erheischt und diese Proportion von !/;, das 
adäquate Niveau war, dann, wenn der Wert der zirkulierenden Waren aus natürlichen 
Gründen zu 450 Millionen steigt, müßte die Goldmasse, um auf ihrem Niveau zu 
bleiben, zu 45 Millionen wachsen.“ W.Blake, „Observations on the effects produced 
by the expenditure of Government etc.“, London 1823, pag. 80, 81. 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 85 

Die Quantität des zirkulierenden Geldes ist aber, wie wir sahen, nicht nur 
durch die Gesamtsumme der zu realisierenden Warenpreise bestimmt, son- 
dern zugleich durch die Geschwindigkeit, womit das Geld umläuft oder in 
einen gegebenen Zeitabschnitt das Geschäft dieser Realisation vollbringt. 
Wenn derselbe Sovereign an demselben Tage zehn Käufe macht, jedesmal 
von Ware zum Preis eines Sovereign, also IOmal die Hände wechselt, voll- 
bringt er exakt dasselbe Geschäft wie 10 Sovereigns, deren jeder in einem 
Tag nur einmal umläuft.* Geschwindigkeit im Umlauf des Goldes kann also 
seine Quantität ersetzen, oder das Dasein des Goldes im Zirkulationsprozeß 
ist nicht nur durch sein Dasein als Äquivalent neben der Ware, sondern auch 
durch sein Dasein innerhalb der Bewegung der Warenmetamorphose be- 
stimmt. Die Geschwindigkeit des Geldumlaufs ersetzt jedoch seine Quantität 
nur zu einem bestimmten Grad, da unendlich zersplitterte Käufe und Ver- 
käufe in jedem gegebenen Zeitpunkt räumlich nebeneinanderfallen. 

Steigen die Gesamtpreise der zirkulierenden Waren, aber in kleinerem 
Verhältnis als die Geschwindigkeit des Geldumlaufs wächst, so wird die 
Masse der Zirkulationsmittel fallen. Nimmt umgekehrt die Geschwindigkeit 
der Zirkulation ab in größerem Verhältnis als der Gesamtpreis der zirku- 
lierenden Warenmasse fällt, so wird die Masse der Zirkulationsmittel steigen. 
Wachsende Quantität der Zirkulationsmittel mit allgemein fallenden Preisen, 
abnehmende Quantität der Zirkulationsmittel mit allgemein steigenden Prei- 
sen ist eins der bestkonstatierten Phänomene in der Geschichte der Waren- 
preise. Die Ursachen aber, die Steigen im Grad der Preise und gleichzeitig 
noch höheres Steigen im Grad der Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes 
hervorbringen, sowie die umgekehrte Bewegung, fallen außerhalb der Be- 
trachtung der einfachen Zirkulation. Beispielsweise kann angeführt werden, 

_ daß unter anderm in Epochen vorherrschenden Kredits die Geschwindigkeit 
des Geldumlaufs schneller wächst als die Preise der Waren, während mit ab- 
‘nehmendem Kredit die Preise der Waren langsamer fallen als die Geschwin- 
digkeit der Zirkulation. Der oberflächliche und formelle Charakter der ein- - 
fachen Geldzirkulation zeigt sich eben darin, daß alle die Anzahl der Zirku- 
lationsmittel bestimmenden Momente, wie Masse der zirkulierenden Waren, 
Preise, Steigen oder Fallen der Preise, Anzahl gleichzeitiger Käufe und Ver- 
käufe, Geschwindigkeit des Geldumlaufs, abhängen von dem Prozeß der 
Metamorphose der Warenwelt, der wieder abhängt vom Gesamtcharakter 

* „Es ist die Schnelligkeit des Geldumlaufs and. nicht de Menge des Metalls, 
was macht, daß viel oder wenig Geld vorhanden zu sein scheint.“ (Galiani, l.c. 

pag. 99.) 

der Produktionsweise, Populationsmenge, Verhältnis von Stadt und Land, 
Entwickelung der "Transportmittel, von größerer oder geringerer Teilung der 
Arbeit, Kredit usw., kurz von Umständen, die alle außerhalb der einfachen 
Geldzirkulation liegen und sich in ihr nur abspiegeln. 

Die Geschwindigkeit der Zirkulation vorausgesetzt, ist die Masse der 
Zirkulationsmittel also einfach bestimmt durch die Preise der Waren. Preise 
sind also nicht hoch oder niedrig, weil mehr oder weniger Geld umläuft, son- . 
dern es läuft mehr oder weniger Geld um, weil die Preise hoch oder niedrig 
sind. Es ist dies eins der wichtigsten ökonomischen Gesetze, dessen Nach- 
weisung im Detail durch die Geschichte der Warenpreise vielleicht das 
einzige Verdienst der Nach-Ricardoschen englischen Ökonomie bildet. Zeigt 
nun die Erfahrung, daß das Niveau der metallischen Zirkulation oder die 
Masse des zirkulierenden Goldes oder Silbers in einem bestimmten Lande 
zwar temporären Ebbungen und Flutungen ausgesetzt ist und manchmal 
sehr heftigen Ebbungen und Flutungen*, im ganzen aber für längere Zeit- 
perioden sich gleichbleibt und die Abweichungen vom Durchschnittsniveau 
nur zu schwachen Öszillationen fortgehn, so erklärt sich dies Phänomen ein- 
fach aus der gegensätzlichen Natur der Umstände, die die Masse des zirku- 
lierenden Geldes bestimmen. Ihre gleichzeitige Modifikation paralysiert ihre 
Wirkung und läßt alles beim alten. 

Das Gesetz, daß bei gegebener Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes und 
gegebener Preissumme der Waren die Quantität des zirkulierenden Mediums 
bestimmt ist, läßt sich auch so ausdrücken, daß, wenn die Tauschwerte der 
Waren und die Durchschnittsgeschwindiskeit ihrer Metamorphosen gegeben 
sind, die Quantität des zirkulierenden Goldes von seinem eigenen Wert ab- 

hängt. Nähme daher der Wert des Goldes, d.h. die zu seiner Produktion 

* Ein Beispiel vom außerordentlichen Fallen der metallischen Zirkulation unter ihr 
Durchschnittsniveau bot England im Jahre 1858, wie man aus folgendem Auszug aus 
dem „London Economist“ 9] sehen wird: „Der Natur der Sache Dee hend (näm- 
lich dem zersplitterten Charakter der einfachen Zirkulation) „kann man keine sehr ge- 
nauen Ängaben erhalten über die Menge des Bargeldes, das auf dem Markt und in den 
Händen der Klassen fluktuiert, die nicht Bankgeschäfte treiben. Aber vielleicht ist die 
Aktivität oder Unaktivität der Münzstätten der großen Handelsnationen eins der rich- 
tigsten Anzeichen für die Veränderungen jener Menge. Es wird viel erzeugt werden, 
wenn viel gebraucht wird, und wenig, wenn wenig gebrauchtwird... In der englischen 
Münze betrug die Prägung im Jahre 1855: 9 245 000 Pfd.St., 1856: 6 476 000 Pfd.St., 
1857: 5 293 858 Pfd.St. Während des Jahres 1858 hatte die Münze kaum etwas zu 
tun.“ „Economist“, 10. Juli 1858. Gleichzertig aber lagen im Bankkeller ungefähr 18 Milli- 
onen Pfund Sterling Gold. 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel. 87 

erheischte Arbeitszeit, zu oder ab, so würden die Warenpreise in umgekehrtem 
Verhältnisse steigen oder fallen, und diesem allgemeinen Steigen oder Fallen 
der Preise würde bei gleichbleibender Umlaufsgeschwindigkeit eine größere 
oder geringere Masse des Goldes entsprechen, das zur Zirkulation derselben 
Warenmasse erheischt wäre. Derselbe Wechsel fände statt, wenn das alte 
Wertmaß durch ein wertvolleres oder wertloseres Metall verdrängt würde. 
So bedurfte Holland, als es aus zarter Rücksicht auf die Staatsgläubiger und 
aus Furcht vor den Wirkungen der kalifornischen und australischen Ent- 
deckungen das Goldgeld durch Silbergeld ersetzte, 14- bis I5mal mehr Silber 
als früher Gold, um dieselbe Warenmasse zu zirkulieren. . 

Aus der Abhängigkeit des zirkulierenden Goldquantums von der wechseln- 
den Summe der Warenpreise und von der wechselnden Zirkulationsgeschwin- 
digkeit folgt, daß die Masse der metallischen Zirkulationsmittel der Kon- 
traktion und Expansion fähig sein muß, kurz, daß dem Bedürfnis des Zirku- 
lationsprozesses entsprechend das Gold bald als Zirkulationsmittel in den 
Prozeß eintreten, bald wieder aus ihm ausscheiden muß. Wie der Zirkulations- 
prozeß selbst diese Bedingungen verwirklicht, werden wir später sehn. 

c) Die Münze. Das Wertzeichen 

Das Gold in seiner Funktion als Zirkulationsmittel erhält eigene Fasson, 
es wird Münze. Damit sein Umlauf nicht durch technische Schwierigkeiten 
aufgehalten werde, wird es dem Maßstab des Rechengeldes entsprechend ge- 
münzt. Goldstücke, deren Gepräge und Figur anzeigt, daß sie die in den 
Rechennamen des Geldes, Pfd. St., sh. usw. vorgestellten Gewichtteile Gold 
enthalten, sind Münzen. Wie die Bestimmung des Münzpreises, so fällt das 
technische Geschäft der Münzung dem Staat anheim. Wie als Rechengeld, 
so erhält das Geld als Münze lokalen und politischen Charakter, spricht ver- 
schiedene Landessprachen und trägt verschiedene Nationaluniform. Die 
Sphäre, worin das Geld als Münze umläuft, scheidet sich daher als innere, 
durch die Grenzen eines Gememwesens umschriebene Warenzirkulation von 
der allgemeinen Zirkulation der Warenwelt ab. | 

Indes Gold im Barrenzustande und Gold als Münze unterscheiden sich 
nicht mehr als sein Münzname und sein Gewichtname. Was in dem letzten 
Fall Namensunterschied, erscheint jetzt als bloßer Unterschied der Figur. 
Die Goldmünze kann in den Schmelztiegel geworfen und damit wieder in 
Gold sans phrase verwandelt werden, wie umgekehrt der Goldbarren nur auf 
die Münze geschickt zu werden braucht, um die Münzform zu erhalten. Die 

Verwandlung und Rückverwandlung aus der einen Figur in die andere er- 
scheint als rein technische Operation. 

Für 100 Pfunde oder 1200 Unzen troy 22karätiges Gold erhält man von 
der englischen Münze 4672!/, Pfd. St. oder Goldsovereigns, und legt man 
diese Sovereigns auf die eine Seite der Waagschale, 100 Pfund Barrengold auf 
die andere, so wiegen sie gleich schwer, und so ist der Beweis geliefert, daß 
der Sovereign nichts andres ist, als das mit diesem Namen im englischen 
Münzpreis angezeigte Gewichtteil Gold, mit eigener Figur und eigenem 
Stempel. Die 4672!/, Goldsovereigns werden von verschiedenen Punkten in 
Zirkulation geworfen, und von ihr ergriffen vollziehen sie an einem Tage eine 
bestimmte Anzahl von Umläufen, der eine Sovereign mehr, der andere 
weniger. Wäre die Durchschnittszahl der täglichen Umläufe von je einer 
Unze 10, so würden die 1200 Unzen Gold eine Gesamtsumme von Waren- 
preisen zum Belauf von 12 000 Unzen oder 46 725 Sovereigns realisieren. 
Man mag eine Unze Gold drehen und wenden wie man will, sie wird nie 
10 Unzen Gold wiegen. Hier im Zirkulationsprozeß wiegt aber in der Tat 
I Unze 10 Unzen. Das Dasein der Münze innerhalb des Zirkulationsprozesses 
ist gleich dem in ihr enthaltenen Goldquantum multipliziert mit der Zahl 
ihrer Umläufe. Außer ihrem wirklichen Dasein als einzelnes Goldstück von 
bestimmtem Gewicht erhält die Münze also ein aus ihrer Funktion ent- 
springendes ideelles Dasein. Indes der Sovereign mag einmal oder zehnmal 
umlaufen, in jedem einzelnen Kauf oder Verkauf wirkt er nur als einzelner 
Sovereign. Es ist wie mit einem General, der am Schlachttag durch recht- 
zeitiges Erscheinen an 10 verschiedenen Punkten 10 Generäle ersetzt, aber 
doch auf jedem Punkte derselbe identische General ist. Die Idealisierung 
des Zirkulationsmittels, die im Geldumlauf aus dem Ersetzen von Quantität 
durch Geschwindigkeit entspringt, betrifft nur das funktionelle Dasein der 
Münze innerhalb des Zirkulationsprozesses, ergreift aber nicht das Dasein 
des einzelnen Geldstücks. 

Der Geldumlauf jedoch ist äußere Bewegung, und der Sovereign, obgleich 
er non olet!, treibt sich in gemischter Gesellschaft um. In der Friktion mit 
allen Sorten von Händen, Beuteln, Taschen, Börsen, Katzen, Säckeln, Kisten 
und Kasten reibt sich die Münze auf, läßt hier ein Goldatom hängen, dort 
ein anderes und verliert so durch die Abschleifung im Weltlauf mehr und 
mehr von ihrem innern Gehalt. Indem sie benutzt wird, wird sie abgenutzt. 
Halten wir den Sovereign in einem Momente fest, wo sein naturwüchsig 
gediegener Charakter nur noch schwach angegriffen scheint. | 

3 nicht riecht 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 89 

„Ein Bäcker, der heute einen nagelneuen Sovereign frisch von der Bank erhält und 
ihn morgen an den Müller wegzahlt, zahlt nicht denselben wahrhaften (veritable) 
Sovereign; er ist leichter als zur Zeit, wo er ihn erhielt.“ * 

- „Es ist klar, daß die Münze durch die Natur der Dinge selbst stets Stück für Stück 
in Depreziation fallen muß, infolge der bloßen Wirkung der gewöhnlichen und un- 
vermeidlichen Abschleifung. Es ist eine physische Unmöglichkeit, zu irgendeiner Zeit 
selbst für einen einzigen Tag leichte Münzen ganz vonder Zirkulationauszuschließen.“** 

- Jacob schätzt, daß von den 380 Millionen Pfd.St., die 1809 in Europa 
existierten, 1829, also in einem Zeitraum von 20 Jahren, 19 Millionen Pfd. St. 
durch Abschleifen völlig verschwunden waren.*** Wie also die Ware beim 
ersten Schritt, den sie in die Zirkulation hinein tut, aus ihr herausfällt, so 
stellt die Münze nach ein paar Schritten in der Zirkulation mehr Metallgehalt 
vor als sie hat. Je länger die Münze umläuft bei gleichbleibender Zirkulations- 
geschwindigkeit, oder je lebhafter ihre Zirkulation in demselben Zeitraum 
wird, um so mehr löst sich ihr Dasein als Münze von ihrem goldenen oder 
silbernen Dasein ab. Was übrigbleibt, ist magni nominis umbra!. Der Leib 
der Münze ist nur noch ein Schatten. Während sie ursprünglich durch den 
Prozeß schwerer, wird sie jetzt leichter durch ihn, fährt aber fort, in jedem 
einzelnen Kauf oder Verkauf als das ursprüngliche Goldquantum zu gelten. 
Der Sovereign fährt fort, als Schein-Sovereign, als Schein-Gold, die Funk- 
tion des legitimen Goldstücks zu vollziehen. Während andre Wesen durch 
Reibung mit der Außenwelt ihren Idealismus einbüßen, wird die Münze 
durch die Praxis idealisiert, in bloßes Scheindasein ihres goldenen oder 
silbernen Leibes verwandelt. Diese zweite, durch den Zirkulationsprozeß 
selbst bewirkte Idealisierung des Metallgeldes, oder die Scheidung zwischen 
seinem Nominalgehalt und seinem Realgehalt, wird teils von Regierungen, 
teils von Privatabenteurern in Münzfälschungen buntester Art ausgebeutet. 
Die ganze Geschichte des Münzwesens vom Anfang des Mittelalters bis tief 
ins 18. Jahrhundert löst sich auf in die Geschichte dieser doppelseitigen 

* Dodd, „Curiosities of industry etc.“, London 1854 [p. 16]. 

** The currency theory reviewed etc. by a banker etc.“, Edinburgh 1845, pag.69 
etc. „Wenn ein etwas gebrauchter Taler für etwas weniger wert gälte als ein ganz neuer 
Taler, dann würde sich die Zirkulation beständig aufgehalten finden, und es würde 
keine einzige Zahlung ohne Streitigkeiten vor sich gehen.“ (Garnier, G., „Histoire de 
la monnaie etc.“, tom I, p.24.) 

#*# Iagcob, W., „An historical inquiry into the production and consumption of the 

precious metals“, London 1831, vol. II, ch. XXVI [p. 322]. 

3 der Schatten eines großen Namens (Lucanus, „Pharsalia“) 

00 . Karl Marx 

und antagonistischen Fälschungen, und Custodis vielbändige Sammlung 
der italienischen Ökonomen dreht sich zum großen Teil um diesen 
Punkt. 

Das Scheindasein des Goldes innerhalb seiner Funktion tritt jedoch in 
Konflikt mit seinem wirklichen Dasein. Eine Goldmünze hat mehr, dieandere 
weniger von ihrem Metallgehalt im Umlauf eingebüßt und der eine Sovereign 
ist daher jetzt in der lat mehr wert als der andere. Da sie aber in ihrem 
funktionellen Dasein als Münze gleich viel gelten, der Sovereign, der !/i Unze 
ist, nicht mehr als der Sovereign, der !/, Unze scheint, werden die voll- 
wichtigen Sovereigns teilweise in den Händen gewissenloser Besitzer chirurgi- 
schen Operationen unterworfen, und künstlich an ihnen vollbracht, was der 
Umlauf selbst natürlich an ihren leichten Brüdern vollzog. Sie werden ge- 
kippt und gewippt und ihr überflüssiges Goldfett wandert in den Schmelz- 
tiegel. Wenn 4672"/, Goldsovereigns auf eine Waagschale gelegt, durch- 
- schnittlich nur noch 800° Unzen wiegen statt 1200, werden sie, auf den Gold- 
markt gebracht, nur noch 800! Unzen Gold kaufen oder der Marktpreis des 
Goldes stiege über seinen Münzpreis. Jedes Geldstück, auch wenn voll- 
wichtig, gälte in seiner Münzform weniger als in seiner Barrenform. Die voll- 
wichtigen Sovereigns würden rückverwandelt in ihre Barrenform, worin 
mehr Gold mehr Wert hat als weniger Gold. Sobald dies Fallen unter den 
Metallgehalt die hinreichende Anzahl Sovereigns ergriffen hätte, um an- 
haltendes Steigen des Marktpreises des Goldes über seinen Münzpreis zu 
bewirken, würden die Rechennamen der Münze dieselben bleiben, aber künf- 
tig ein geringeres Quantum Gold anzeigen.In andern Worten, der Maßstab 
des Geldes würde sich ändern und das Gold künftig diesem neuen Maßstab 
entsprechend gemünzt werden. Durch seine Idealisierung als Zirkulations- 
mittel hätte das Gold rückschlagend die gesetzlich festgesetzten Verhältnisse, 
worin es Maßstab der Preise war, verändert. Dieselbe Revolution würde sich 
nach einem gewissen Zeitraum wiederholen, und so wäre das Gold sowohl 
in seiner Funktion als Maßstab der Preise wie als Zirkulationsmittel einem 
beständigen Wechsel unterworfen, so daß der Wechsel in der einen Form 
den in der andern hervorbrächte und umgekehrt. Dies erklärt das früher er- 
wähnte Phänomen, daß in der Geschichte aller modernen Völker derselbe 
Geldname einem sich stets vermindernden Metallgehalt verblieb. Der Wider- 
spruch zwischen dem Gold als Münze und dem Gold als Maßstab der Preise 
wird ebenso zum Widerspruch zwischen dem Gold als Münze und dem Gold 
als allgemeinem Äquivalent, als welches es nicht nur innerhalb der Landes- 

1 (1859) 80 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel * 9 

grenzen, sondern auf dem Weltmarkt zirkuliert. Als Maß der Werte war Gold 
stets vollwichtig, weil es nur als ideelles Gold diente. Als Äquivalent in dem 
isolierten Akt W-G fällt es aus seinem bewegten Dasein sofort in sein ruhen- 
des zurück, aber als Münze tritt seine natürliche Substanz in fortwährenden 
Konflikt mit seiner Funktion. Vollständig ist die Verwandlung des Gold- 
sovereigns in Scheingold nicht zu vermeiden, aber die Gesetzgebung sucht 
seine Festsetzung als Münze zu verhindern, indem er auf einem gewissen 
‘Grad von Substanzmangel abgesetzt wird. Nach englischem Gesetz z.B. ist 
ein Sovereign, der mehr als 0,747 Gran Gewicht verloren hat, kein legaler 
Sovereign mehr. Die Bank von England, die zwischen 1844 und 1848 allein 
. 48 Millionen Goldsovereigns gewogen hat, besitzt in der Goldwaage des 
Herrn Cotton eine Maschine, die nicht nur den Unterschied von !/oo Gran 
zwischen zwei Sovereigns herausfühlt, sondern wie ein verständiges Wesen 
den untergewichtigen fortschnellt auf ein Brett, wo er unter eine andere Ma- 
schine gerät, die ihn mit orientalischer Grausamkeit zersägt. 
Indes könnte die Goldmünze unter diesen Bedingungen überhaupt nicht 
zirkulieren, würde ihr Umlauf nicht auf bestimmte Kreise der Zirkulation 
beschränkt, innerhalb deren Grenzen sie sich weniger schnell abnutzt. So- 
fern eme Goldmünze in der Zirkulation als eine Viertel-Unze gilt, während 
sie nur noch !/, Unze wiegt, ist sie in der Tat zum bloßen Zeichen oder Sym- 
bol für 1/a9 Unze Gold geworden, und so wird alle Goldmünze durch den 
Zirkulationsprozeß selbst mehr oder minder in ein bloßes Zeichen oder Sym- 
bol ihrer Substanz verwandelt. Aber kein Ding kann sein eigenes Symbol 
sein. Gemalte Trauben sind nicht das Symbol wirklicher Trauben, sondern 
Scheintrauben. Noch minder aber kann ein leichter Sovereign das Symbol 
eines vollwichtigen sein, so wenig wie ein abgemagertes Pferd Symbol eines 
fetten Pferdes sein kann. Da also Gold zum Symbol semer selbst wird, aber 
nicht als Symbol seiner selbst dienen kann, erhält es in den Kreisen der 
Zirkulation, worin es sich am schnellsten abnutzt, d.h. in den Kreisen, wo 
Käufe und Verkäufe in den kleinsten Proportionen beständig erneuert wer- 
den, ein von seinem Golddasein getrenntes symbolisches, silbernes oder 
kupfernes Dasein. Obgleich nicht dieselben Goldstücke, würde stets eine 
bestimmte Proportion des gesamten Goldgeldes sich in diesen Kreisen als 
Münze umtreiben. In dieser Proportion wird das Gold durch silberne oder 
kupferne Marken ersetzt. Während also nur eine spezifische Ware als Maß 
der Werte und darum als Geld innerhalb eines Landes funktionieren kann, 
können. verschiedene Waren neben dem Gold als Münze dienen. Diese 
subsidiären Zirkulationsmittel, silberne oder kupferne Marken z. B.,repräsen- 
tieren innerhalb der Zirkulation bestimmte Fraktionen der Goldmünze. Ihr 

9 “ Karl Marx 

eigener Silber- oder Kupfergehalt ist daher nicht bestimmt durch das Wert- 
verhältnis zwischen Silber und Kupfer zu Gold, sondern wird. durch das 
Gesetz willkürlich festgesetzt. Sie dürfen nur in den Quantitäten ausgegeben 
werden, worin die von ihnen repräsentierten diminutiven Fraktionen der 
Goldmünze, sei es zum Äuswechseln höherer Goldmünzen, sei es zum 
Realisieren entsprechend kleiner Warenpreise, beständig umlaufen würden. 
Innerhalb der Detailzirkulation der Waren werden Silbermarken und Kupfer- 
marken wieder besondern Kreisen angehören. Der Natur der Sache nach 
steht ihre Umlaufsgeschwindigkeit in umgekehrtem Verhältnis zum Preise, 
den sie in jedem einzelnen Kauf und Verkauf realisieren, oder zur Größe der _ 
Fraktion der Goldmünze, die sie vorstellen. Erwägt man den ungeheuren 
Umfang des kleinen täglichen Verkehrs in einem Lande wie England, so zeigt 
das relativ unbedeutende Verhältnis der Gesamtquantität der zirkulierenden 
subsidiären Münzen die Geschwindigkeit und Beständigkeit ihres Umlaufs. 
Äus einem vor kurzem ausgegebenen parlamentarischen Bericht!?0! ersehen 
wir z.B., daß 1857 die englische Münze Gold zum Belauf von 4 859 000 Pfd. 
St. münzte, Silber zum Nominalwert von 373 000 Pfd. St. und einem Metall- 
wert von 363 000 Pfd. St. Der Gesamtbetrag des in den zehn am 31. Dezember 
1857 abgelaufenen Jahren gemünzten Goldes war 55 239 000 Pfd. St. und 
nur 2 434 000 Pfd. St. in Silber. Die Kupfermünze belief sich 1857 auf nur 
6720 Pfd. St. Nominalwert mit einem Kupferwert von 3492 Pfd. St., wovon 
3136 Pfd. St. in Pence, 2464 in Halfpence und 1120 in Farthings. Der Gesamt- 
wert der in den letzten zehn Jahren geprägten Kupfermünze war 141 477 Pfd. 
St. Nominalwert mit einem Metallwert von 73 503 Pfd. St. Wie die Gold- 
münze verhindert wird, sich in ihrer Funktion als Münze festzusetzen durch 
gesetzliche Bestimmung des Metallverlustes, der sie demonetisiert, so werden 
umgekehrt die Silber- und Kupfermarken verhindert, aus ihren Zirkulations- 
sphären in die Zirkulationssphäre der Goldmünze überzugehen und sich als 
Geld festzusetzen, indem der Preisgrad bestimmt wird, den sie gesetzlich 
realisieren. So z. B. braucht Kupfer in England nur zum Belauf von 6 Pence, 
Silber nur zum Belauf von 40 sh. in Zahlung angenommen zu werden. 
Würden Silber- und Kupfermarken in größern Quantitäten ausgegeben als 
die Bedürfnisse ihrer Zirkulationssphären erheischen, so würden die Waren- 
preise nicht dadurch steigen, sondern Akkumulation dieser Marken bei den 
Detailverkäufern stattfinden, die schließlich gezwungen wären, sie als Metall 
zu verkaufen. So hatten sich 1798 englische Kupfermünzen, von Privatleuten 
ausgegeben, zum Betrag von 20, 30, 50 Pfd. St.! bei Krämern akkumuliert, 

* (1859) 20350 Pfd. St. 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 93 

die sie vergeblich wieder in Umlauf zu setzen suchten und u als 
Ware auf den Kupfermarkt werfen mußten.* 

Die Silber- und Kupfermarken, die die Goldmünze in en 
Sphären der innern Zirkulation repräsentieren, besitzen einen gesetzlich be- 
stimmten Silber- und Kupfergehalt, aber von der Zirkulation ergriffen, 
schleifen sie ab wie die Goldmünze und idealisieren sich, der Geschwindig- 
_ keit und Beständigkeit ihres Umlaufs entsprechend, noch rascher zu bloßen 
Schattenleibern. Sollte nun wieder eine Grenzlinie der Entmetallung gezogen 
werden, auf der Silber- und Kupfermarken ihren Münzcharakter enbüßten, 
so müßten sie innerhalb bestimmter Kreise ihrer eigenen Zirkulationssphäre 
selbst wieder durch anderes symbolisches Geld, sage Eisen und Blei, ersetzt 
werden, und diese Darstellung von symbolischem Geld durch anderes sym- 
bolisches Geld wäre ein Prozeß ohne Ende. In allen Ländern entwickelter 
Zirkulation zwingt daher die Notwendigkeit des Geldumlaufs selbst den 
Münzcharakter der Silber- und Kupfermarken von jedem Grad ihres Metall- 
verlustes unabhängig zu machen. Es erscheint damit, was in der Natur der 
Sache lag, daß sie Symbole der Goldmünze sind, nicht weil sie aus Silber oder 
Kupfer gemachte Symbole sind, nicht weil sie einen Wert haben, sondern 
soweit sie keinen haben. 

Relativ wertlose Dinge, wie Papier, können also als Symbole des Gold- 
geldes funktionieren. Das Bestehen der subsidiären Münze aus Metallmarken, 
Silber, Kupfer usw., rührt großenteils daher, daß in den meisten Ländern die 
minder wertvollen Metalle als Geld zirkulierten, wie Silber in England, Kup- 
fer in der altrömischen Republik, in Schweden, Schottland usw., bevor der 
Zirkulationsprozeß sie zur Scheidemünze degradierte und edleres Metall 
an ihre Stelle gesetzt hatte. Es liegt übrigens in der Natur der Sache, daß das 
aus der metallischen Zirkulation unmittelbar hervorwachsende Geldsymbol 
zunächst selbst wieder ein Metall ist. Wie die Portion Gold, die stets als 
Scheidemünze zirkulieren müßte, durch Metallmarken ersetzt wird, kann 
die Portion Gold, die stets von der Sphäre der innern Zirkulation als Münze 
absorbiert wird, also beständig umlaufen muß, durch wertlose Marken er- 
setzt werden. Das Niveau, worunter die Masse der umlaufenden Münze nie 
sinkt, ist in jedem Lande erfahrungsmäßig gegeben. Die ursprünglich un- 
scheinbare Differenz zwischen dem Nominalgehalt und dem Metallgehalt 
der Metallmünze kann also bis zur absoluten Scheidung fortgehen. Der 
Münzname des Geldes löst sich ab von seiner Substanz und existiert außer 

* David Buchanan, „Observations on the subjects treated of in Doctor Smith’s 
Inquiry on the wealth of nations etc.“, Edinburgh 1814, pag. 31. 

ihr in wertlosen Papierzetteln. Wie der Tauschwert der Waren durch ihren 
Austauschprozeß sich in Goldgeld kristallisiert, sublimiert sich das Goldgeld 
im Umlauf zu seinem eigenen Symbol, erst in der Form der verschlissenen 
Goldmünze, dann in der Form der subsidiären Metallmünzen und schließlich 
in der Form der wertlosen Marke, des Papiers, des bloßen Wertzeichens. 

Die Goldmünze erzeugte indes nur ihre erst metallnen, dann papiernen 
Stellvertreter, weil sie trotz ihres Metallverlustes fortfuhr, als Münze zu 
funktionieren. Sie zirkulierte nicht, weil sie verschliß, sondern verschliß zum 
Symbol, weil sie fortzirkulierte. Nur soweit innerhalb des Prozesses das Gold- 
geld selbst bloßes Zeichen seines eigenen Werts wird, können bloße Wert- 
zeichen es ersetzen. 

Sofern die Bewegung W-G -W ei Einheit der zweiunmittel- 
bar ineinander umschlagenden Momente W-G, G-W ist, oder soweit die 
Ware den Prozeß ihrer Gesamtmetamorphose durchläuft, entwickelt sie ihren 
Tauschwert im Preis und im Geld, um sofort diese Form wieder aufzuheben, 
wieder Ware zu werden oder vielmehr Gebrauchswert. Sie geht also zu nur 
scheinbarer Verselbständigung ihres Tauschwerts fort. Wir sahen andrerseits, 
daß das Gold, soweit es nur als Münze funktioniert oder sich beständig in 
Umlauf befindet, in der Tat nur die Verkettung der Metamorphosen der 
Waren und ihr nur verschwindendes Geldsein darstellt, den Preis der einen 
Ware nur realisiert, um den der andern zu realisieren, nirgendwo aber als 
ruhendes Dasein des Tauschwertes oder als selbst ruhende Ware erschent. 
Die Realität, die der Tauschwert der Waren in diesem Prozeß erhält und den 
das Gold in semem Umlauf darstellt, ist nur die des elektrischen Funkens. 
Obgleich es wirkliches Gold ist, funktioniert es nur als Scheingold und kann 
daher in dieser Funktion durch Zeichen seiner selbst ersetzt werden. _ 

Das Wertzeichen, sage Papier, das als Münze funktioniert, ist Zeichen des 
in seinem Münznamen ausgedrückten Quantums Gold, also Goldzeichen. So 
wenig ein bestimmtes Quantum Gold an sich ein Wertverhältnis ausdrückt, 
so wenig das Zeichen, das an seine Stelle tritt. Sofern ein bestimmtes Quan- 
tum Goid als vergegenständlichte Arbeitszeit eine bestimmte Wertgröße be- 
sitzt, stellt das Goldzeichen Wert vor. Die von ihm vorgestellte Wertgröße 
hängt aber jedesmal ab von dem Wert des von ihm vorgestellten Gold- 
quantums. Den Waren gegenüber stellt das Wertzeichen die Realität ihres 
Preises vor, ist signum pretu* und Zeichen ihres Werts nur, weil ihr Wert aus- 
gedrückt ist in ihremPreise. In dem Prozeß W- G-W, soweit er als nur pro- 
zessierende Einheit oder unmittelbares Ineinanderumschlagen der beiden 

I Zeichen des Preises 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 05 

Metamorphosen sich darstellt - und so stellt er sich dar in der Zirkulations- 
sphäre, worin das Wertzeichen funktioniert -, erhält der Tauschwert der 
Waren im Preis nur ideelle, im Geld nur vorgestellte, symbolische Existenz. 
Der Tauschwert erscheint so nur als gedachter oder dinglich vorgestellter, 
aber besitzt keine Wirklichkeit außer in den Waren selbst, sofern ein be- 
stimmtes Quantum Arbeitszeit in ihnen vergegenständlicht ist. Es scheint 
daher, als ob das Wertzeichen den Wert der Waren unmittelbar repräsentiere, 
indem es nicht als Zeichen von Gold, sondern als Zeichen des im Preis nur 
ausgedrückten, aber in der Ware allein vorhandenen Tauschwerts sich dar- 
stellt. Dieser Schein ist aber falsch. Das Wertzeichen ist unmittelbar nur 
Preiszeichen, also Goldzeichen, und nur auf einem Umweg Zeichen des Werts 
der Ware. Das Gold hat nicht wie Peter Schlemihl seinen Schatten verkauft, 
sondern kauft mit seinem Schatten. Das Wertzeichen wirkt daher nur, soweit 
es innerhalb des Prozesses den Preis der einen Ware gegenüber der andern 
oder jedem Warenbesitzer gegenüber Gold vorstellt. Ein bestimmtes relativ 
wertloses Ding, Stück Leder, Papierzettel usw., wird zunächst gewohnheits- 
mäßig Zeichen des Geldmaterials, behauptet sich jedoch nur als solches, in- 
dem sein Dasein als Symbol durch den allgemeinen Willen der Warenbesitzer 
garantiert wird, d.h. indem es gesetzlich konventionelles Dasem und daher 
Zwangskurs erhält. Staatspapiergeld mit Zwangskurs ist die vollendete Form 
des Wertzeichens, und die einzige Form des Papiergelds, die unmittelbar aus 
der metallischen Zirkulation oder der einfachen Warenzirkulation selbst 
herauswächst. Kreditgeld gehört einer höhern Sphäre des gesellschaftlichen 
Produktionsprozesses an und wird durch ganz andre Gesetze geregelt. Sym- 
bolisches Papiergeld ist in der Tat durchaus nicht verschieden von der sub- 
sidiären Metallmünze, nur in weiterer Zirkulationssphäre wirkend. Wenn die 
bloß technische Entwicklung des Maßstabs der Preise oder des Münzpreises 
und weiter die äußerliche Umformung des Rohgoldes in Goldmünze schon 
die Einmischung des Staats hervorriefen und damit die innere Zirkulation 
von der allgemeinen Warenzirkulation sich sichtbar schied, so wird diese 
Scheidung vollendet durch die Entwicklung der Münze zum Wertzeichen. 
. Als bloßes Zirkulationsmittel kann sich das Geld überhaupt nur verselb- 
ständigen innerhalb der Sphäre der innern Zirkulation. 

Unsre Darstellung hat gezeigt, daß das Münzdasemn des Goldes als von 
der Goldsubstanz selbst losgelöstes Wertzeichen aus dem Zirkulationsprozeß 
selbst entspringt, nicht aus Übereinkunft oder Staatseinmischung. Rußland 
bietet ein frappantes Beispiel der naturwüchsigen Entstehung des Wert- 
zeichens. Zur Zeit, wo Häute und Pelzwerke dort als Geld dienten, schuf der 
Widerspruch zwischen diesem vergänglich-unbehülflichen Materialund seiner 

Funktion als Zirkulationsmittel die Gewohnheit, es durch kleine Stücke ge- 
stempeltes Leder zu ersetzen, die so Anweisungen wurden, zahlbar in Fellen 
und Pelzwerk. Später wurden sie unter dem Namen Kopeken bloße Zeichen 
für Fraktionen des Silberrubels und erhielten sich stellenweise in diesem 
Gebrauch bis .1700, wo Peter der Große sie gegen kleine vom Staat aus- 
gegebene Kupfermünzen auszulösen befahl.* Antike Schriftsteller, die nur 
die Phänomene der metallischen Zirkulation beobachten konnten, fassen die 
Goldmünze! schon als Symbol oder Wertzeichen auf. So Plato** und Aristo- 
teles***, In Ländern ohnealle Kreditentwicklung wie China findet sich Papier- 

* Henry Storch, „Cours d’economie politique etc.“ avec des notes par J.B.Say, 
Paris 1823, tom IV, pag.79. Storch veröffentlichte sein Werk zu Petersburg in fran- 
zösischer Sprache. J.B.Say veranstaltete sofort einen Pariser Nachdruck, ergänzt mit 
angeblichen „Noten“, die in der Tat nichts als Gemeinplätze enthalten. Storch (siehe 
seine „Considerations sur la nature du revenu national“, Paris 1824) nahm diese An- 
nexation seines Werkes durch den „prince de la science“ keineswegs höflich auf. 

** Plato, „De Republica“, L. II. „Die Münze ist ein Symbol. des Tausches“ (Opera 
omnia etc., ed. G.Stallbaumius, London 1850, pag. 304). Plato entwickelt das Geld 
nur in den beiden Bestimmungen als Wertmaß und als Wertzeichen, verlangt aber 
außer dem für die innere Zirkulation dienenden Wertzeichen ein andres für den Ver- 
kehr Griechenlands mit dem Ausland. (Vgl. auch das 5.Buch seiner „Gesetze“.) 

*** Aristoteles, „Ethica Nicomachea“, L. 5, C. 8, l.c. [p. 98]. „Zum alleinigen 
Tauschmittel des gegenseitigen Bedarfs wurde das Geld zufolge Übereinkunft. Und 
daher hat es den Namen vöu.ioua, daß es nicht von Natur, sondern durch Gesetz besteht 
und es an uns liegt, dieses zu ändern und es nutzlos zu machen.“ Aristoteles hat das 
Geld ungleich vielseitiger und tiefer aufgefaßt als Plato. In der folgenden Stelle ent- 
wickelt er schön, wie aus dem Tauschhandel zwischen verschiedenen Gemeinwesen die 
Notwendigkeit entspringt, einer spezifischen Ware, also selbst wertvollen Substanz, 
den Charakter des Geldes zu geben. „Denn als die gegenseitige Hilfeleistung durch 
Einfuhr des Fehlenden und Ausfuhr des Überschusses sich über größere Entfernungen 
erstreckte, entstand aus Notwendigkeit die Verwendung des Geldes... Man kam über- 
ein, beim gegenseitigen Austausch nichts anderes zu geben und zu nehmen, als was 
selbst etwas wertvolles, den Vorteil handlichen Gebrauchs hätte... wie Eisen und Silber 
oder etwas anderes Derartiges.“ (Aristoteles, „De Republica“, L. I, C. 9 l.c. [p. 14].) 
Diese Stelle zitiert Michel Chevalier, der den Aristoteles entweder nicht gelesen oder 
nicht verstanden hat, um zu beweisen, daß nach Aristoteles’ Ansicht das Zirkulations- 
mittel aus einer selbst wertvollen Substanz bestehen müsse. Aristoteles sagt vielmehr 
ausdrücklich, daß das Geld als bloßes Zirkulationsmittel bloß konventionelles oder 
gesetzliches Dasein zu haben scheine, wie schon sein Name vökiou« anzeige, und wie 
es in der Tat seinen Gebrauchswert als Münze nur von seiner Funktion selbst erhalte, 

1 (1859) Geldmünze 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 97 

geld mit Zwangskurs schon frühzeitig*. Bei ältern Vorrednern des Papier- 
gelds wird auch ausdrücklich auf die im Zirkulationsprozeß selbst entsprin- 
gende Verwandlung der Metallmünze in Wertzeichen hingewiesen. So von 
Benjamin Franklin** und vom Bischof Berkeley***. 

Wieviel Ries Papier können in Zettel zerschnitten als Geld zirkulieren? So 
gestellt wäre die Frage abgeschmackt. Die wertlosen Marken sind Wert- 
zeichen, nur soweit sie das Gold innerhalb des Zirkulationsprozesses ver- 
treten, und sie vertreten es nur, soweit es selbst als Münze in den Zirkulations- 
prozeß eingehen würde, eine Quantität, bestimmt durch seinen eignen Wert, 
wenn die Tauschwerte der Waren und die Geschwindigkeit ihrer Meta- 
morphosen gegeben sind. Zettel von der Denomination von 5Pfd. St. könnten 
nur in 5mal geringerer Anzahl zirkulieren als Zettel von der Denomination 
von IPfd.St., und vollzögen sich alle Zahlungen in Shillingszetteln, so 
müßten 20mal mehr Shillings- als Pfd.-St.-Zettel zirkulieren. Würde die 
Goldmünze durch Zettel von verschiedener Denomination repräsentiert, 

z.B.5-Pfd.-St.-Zettel, I-Pfd.-St.-Zettel, 10-Shilling-Zettel, so wäre die Quan- 

nicht von einem ihm selbst angehörigen Gebrauchswert. „Nichtig scheint das Geld zu 
sein und ganz und gar durch Gesetz, aber nichts von Natur, so daß es außer Umlauf ge- 
setzt keinerlei Werthatund unbrauchbar istzu irgend etwas Notwendigem.“ (l.c. [p. 151.) 
* Mandeville (Sir John), „Voyages and. Travels“, London, ed. 1705, p. 105: 
„Dieser Kaiser (von Cattay oder China) kann so viel ausgeben, wie es ihm beliebt, ohne 
Beschränkung. Denn er ist nicht abhängig und macht Geld nur aus bedrucktern Leder 
“ oder Papier. Und wenn dies Geld so lange umgelaufen ist, daß es anfängt, sich auf- 
zulösen, dann bringt man es in des Kaisers Schatzamt, und dann nimmt man neues 
Geld an Stelle des alten. Und dieses Geld läuft um im ganzen Land und in allen seinen 
Provinzen... man macht Geld weder aus Gold noch aus Silber“, und, meint Mandewville, 
„deshalb kann er immer von neuem und übermäßig viel ausgeben.“ 

** Benjamin Franklin, „Remarks and facts relative to the American paper money“, 
1764, pag.348 l.c.: „Zu eben der Zeit wird sogar das Silbergeld in England zu einem 
Teil seines Werts zwangsmäßig zum gesetzlichen Zahlungsmittel gemacht; dieser Teil 
ist der Unterschied zwischen seinem wirklichen Gewicht und seinem Nennwert. Ein 
großer Teil der jetzt umlaufenden Shilling- und Sechspencestücke.ist durch Abnutzung 
5, 10, 20 und einige der Sechspencestücke sogar 50% zu leicht geworden. Für diesen 
Unterschied zwischen Real- und Nominalwert hat man keinen inneren Wert; man hat 
nicht einmal Papier, man hat nichts. Es ist die gesetzliche Zahlungskraft, verbunden 
mit dem Bewußtsein, daß man es leicht für denselben Wert weitergeben kann, was 
ein Silberstück im Wert von 3 Pence für ein Sechspencestück passieren macht.* 

*#* Berkeley, l.c. [p.3l. „Wenn die Denomination der Münze beibehalten wird, 
nachdem ihr Metall den Weg alles Fleisches gegangen, würde nicht dennoch die Zirku- 
lation des Handels fortbestehn?* 

tität dieser verschiedenen Sorten von Wertzeichen bestimmt nicht nur durch 
das für die Gesamtzirkulation, sondern durch das für den Zirkulationskreis 
jeder besondern Sorte nötige Quantum Gold. Wären 14 Millionen Pfd. St. 
(dies ist die Annahme der englischen Bankgesetzgebung, aber nicht für die 
Münze, sondern für das Kreditgeld) das Niveau, worunter die Zirkulation 
eines Landes nie fiele, so könnten 14.Millionen Papierzettel, jeder das Wert- 
zeichen für I Pfd.St., zirkulieren. Fiele oder stiege der Wert des Goldes, 
weil die zu seiner Produktion erheischte Arbeitszeit gefallen oder gestiegen 
wäre, so würde bei gleichbleibendem Tauschwert derselben Warenmasse die 
Anzahl der zirkulierenden Pfd.-St.-Zettel steigen oder fallen, im umgekehrten 
Verhältnis zum Wertwechsel des Goldes. Würde das Gold als Maß der Werte 
durch Silber ersetzt, wäre das Wertverhältnis von Silber zu Gold wie 1: 15, 
repräsentierte künftig jeder Zettel dasselbe Quantum Silber, das er vorher 
- von Gold repräsentierte, so müßten statt 14 Millionen künftig 210 Millionen 
Pfd.-St.-Zettel zirkulieren. Die Quantität der Papierzettel ist also bestimmt 
durch die Quantität des Goldgeldes, das sie in der Zirkulation vertreten, und 
da sie nur Wertzeichen sind, sofern sie es vertreten, ist ihr Wert einfach durch 
ihre Quantität bestimmt. Während also die Quantität des zirkulierenden Gol- 
des von den Warenpreisen abhängt, hängt umgekehrt der Wert der zirku- 
lierenden Papierzettel ausschließlich von ihrer eigenen Quantität ab. 

Die Einmischung des Staats, der das Papiergeld mit Zwangskurs aus- 
gibt - und wir handeln nur von dieser Art Papiergeld -, scheint das ökono- 
mische Gesetz aufzuheben. Der Staat, der in dem Münzpreis einem be- 
stimmten Goldgewicht nur einen Taufnamen gab, und in der Münzung nur 
seinen Stempel auf das Gold drückte, scheint jetzt durch die Magie seines 
- Stempels Papier in Gold zu verwandeln. Da die Papierzettel Zwangskurs 
haben, kann niemand ihn hindern, beliebig große Anzahl derselben in Zirku- 
lation zu zwängen und beliebige Münznamen, wie IPfd.St., 5Pfd.St., 
20 Pfd. St., ihnen.aufzuprägen. Die einmal in Zirkulation befindlichen Zettel 
iistes unmöglich herauszuwerfen, da sowohl die Grenzpfähle des Landes ihren 
Lauf hemmen, als sie allen Wert, Gebrauchsweri wie Tauschwert, außerhalb 
der Zirkulation verlieren. Von ihrem funktionellen Dasein getrennt, ver- 
wandeln sie sich in nichtswürdige Papierlappen. Indes ist diese Macht des 
Staats bloßer Schein. Er mag beliebige Quantität Papierzettel mit beliebigen 
Münznamen in die Zirkulation hineinschleudern, aber mit diesem mechani- 
schen Akt hört seine Kontrolle auf. Von der Zirkulation ergriffen, fällt das 
 Wertzeichen oder Papiergeld ihren immanenten Gesetzen anheim. 

Wären 14 Millionen Pfd. St. die Summe des zur Warenzirkulation er- 
heischten Goldes und würfe der Staat 210 Millionen Zettel, jeden mit dem 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 99 

Namen 1Pfd.St., in Zirkulation, so würden diese. 210 Millionen in Re- 
präsentanten von Gold zum Belauf von 14 Millionen Pfd. St. umgewandelt. 
Es wäre dasselbe, als hätte der Staat die Pfd.-St.-Zettel zu Repräsentanten 
eines I5mal minder wertvollen Metalls oder eines 15mal kleinern Gewicht- 
teils Goldes als zuvor gemacht. Nichts wäre geändert als die Namengebung 
des Maßstabs der Preise, die natürlich konventionell ist, ob sie nun direkt 
durch Änderung des Münzfußes oder indirekt durch Vermehrung der Papier- 
zettel in einer für einen neuen niedrigern Maßstab erheischten Anzahl ge- 
schieht. Da der Name Pfd.-St. jetzt ein I5mal kleineres Goldquantum an- 
zeigte, würden alle Warenpreise um das I5fache steigen und nun wären in der 
Tat 210 Millionen Pfd.-St.-Zettel ganz ebenso notwendig, wie vorher 
14 Millionen. In demselben Maß, worin sich die Gesamtsumme der Wert- 
zeichen: vermehrt hätte, hätte sich das Quantum Gold, das jedes einzelne 
repräsentiert, vermindert. Das Steigen der Preise wäre nur die Reaktion des 
Zirkulationsprozesses, der die Wertzeichen gewaltsam dem Quantum Gold 
gleichsetzt, an dessen Stelle sie zu zirkulieren vorgeben. 

In der Geschichte der englischen und französischen Geldfälschungen 
durch die Regierungen finden wir wiederholt, daß die Preise nicht in dem 
Verhältnis stiegen, wie die Silbermünze verfälscht wurde. Einfach, weil das 
Verhältnis, worin die Münze vermehrt wurde, nicht dem Verhältnis ent- 
sprach, worin sie verfälscht war, d.h. weil von der niedrigeren Metall- 
komposition nicht die entsprechende Masse ausgegeben war, sollten die 
Tauschwerte der Waren künftig in ihr als Maß der Werte geschätzt und durch 
dieser niedrigern Maßeinheit entsprechende Münzen realisiert werden. Dies 
löst die in dem Duell zwischen Locke und Lowndes ungelöste Schwierigkeit. 
Das Verhältnis, worin das Wertzeichen, sei es Papier oder gefälschtes Gold 
und Silber, dem Münzpreis gemäß berechnete Gold- und Silbergewichte 
vertritt, hängt ab, nicht von seinem eignen Material, sondern von seiner in 
Zirkulation befindlichen Quantität. Die Schwierigkeit im Verständnis dieses 
Verhältnisses entspringt daher, daß das Geld in den beiden Funktionen als 
Maß der Werte und als Zirkulationsmittel nicht nur umgekehrten, sondern 
dem Gegensatz beider Funktionen scheinbar widersprechenden Gesetzen 
‚unterworfen ist. Für seine Funktion! als Maß der Werte, wo das Geld nur 
als Rechengeld dient und das Gold nur als ideelles Gold, kommt alles auf das 
natürliche Material an. In Silber geschätzt oder als Silberpreise stellen sich 
die "Tauschwerte natürlich ganz anders dar als in Gold geschätzt oder als 
Goldpreise. ur: im seiner Funktion als Zirkulationsmittel, wo 0 das 

1 Im Handexemplar eingefügt; (] 859) fehlt: Für:seine Funken 
7F 

100 Karl Marz 

Geld nicht nur vorgestellt ist, sondern als ein wirkliches Ding neben den andern 
Waren vorhanden sein muß, wird sein Material gleichgültig, während alles 
von seiner Quantität abhängt. Für die Maßeinheit ist es entscheidend, ob sie 
ein Pfund Gold, Silber oder Kupfer ist; während bloße Anzahl die Münze 
zur entsprechenden Verwirklichung jeder dieser Maßeinheiten macht, wel- 
ches immer ihr eigenes Material sei. Es widerspricht aber dem gemeinen 
Menschenverstand, daß bei dem nur gedachten Geld alles von seiner ma- 
teriellen Substanz und bei der sinnlich vorhandenen Münze alles von einem 
idealen Zahlenverhältnis abhängt. 

Das Steigen oder Fallen der Warenpreise mit dem Steigen oder Fallen der . 
Papierzettelmasse - letzteres wo die Papierzettel das ausschließliche Zirku- 
lationsmittel bilden - ist also nur durch den Zirkulationsprozeß gewaltsam 
bewirkte Geltendmachung des von außen mechanisch verletzten Gesetzes, 
daß die Quantität des zirkulierenden Goldes durch die Preise der Waren und 
_ die Quantität der zirkulierenden Wertzeichen durch die Quantität der Gold- 
münze bestimmt ist, die sie in der Zirkulation vertreten. Ändrerseits wird 
daher jede beliebige Masse von Papierzetteln vom Zirkulationsprozeß ab- 
sorbiert und gleichsam verdaut, weil das Wertzeichen, mit welchem Gold- 
titel es auch immer in die Zirkulation eintrete, innerhalb derselben zum 
Zeichen des Goldquantums zusammengequetscht wird, das an seiner Stelle 
zirkulieren könnte. 

In der Zirkulation der Wertzeichen erscheinen alle Gesetze der wirk- 
lichen Geldzirkulation umgekehrt und auf den Kopf gestellt. Während das 
Gold zirkuliert, weil es Wert hat, hat das Papier Wert, weil es zirkuliert. 
Während bei gegebenem Tauschwert der Waren die Quantität des zirku- 
lierenden Goldes von seinem eigenen Wert abhängt, hängt der Wert des 
Papiers von seiner zirkulierenden Quantität ab. Während die Quantität des 
zirkulierenden Goldes steigt oder fällt mit dem Steigen oder Fallen der 
Warenpreise, scheinen die Warenpreise zu steigen oder zu fallen mit dem 
Wechsel in der Quantität des zirkulierenden Papiers. Während die Waren- 
zirkulation nur bestimmte Quantität Goldmünze absorbieren kann, daher 
abwechselnde Kontraktion und Expansion des zirkulierenden Geldes sich als 
notwendiges Gesetz darstellt, scheint das Papiergeld in jeder beliebigen Aus- 
dehnung in die Zirkulation einzugehen. Während der Staat die Gold- und 
Silbermünze verfälscht und daher ihre Funktion als Zirkulationsmittel stört, 
sollte er die Münze auch nur "/ioo Gran unter ihrem Nominalgehalt ausgeben, 
vollzieht er eine völlig richtige Operation in der Ausgabe wertloser Papier- 
zettel, die von dem Metall nichts besitzen als den Münznamen. Während die 
Goldmünze augenscheinlich nur den Wert der Waren repräsentiert, soweit 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 101 

dieser selbst in Gold geschätzt oder als Preis dargestellt ist, scheint das Wert- 
zeichen den Wert der Ware unmittelbar zu repräsentieren. Es leuchtet daher 
ein, warum Beobachter, die die Phänomene der Geldzirkulation einseitig an 
der Zirkulation von Papiergeld mit Zwangskurs studierten, alle immanenten 
Gesetze der Geldzirkulation verkennen mußten. In der Tat erscheinen diese 
Gesetze nicht nur verkehrt in der Zirkulation der Wertzeichen, sondern aus- 
gelöscht, da das Papiergeld, wenn in richtiger Quantität ausgegeben, Be- 
wegungen vollzieht, die ihm nicht als Wertzeichen eigentümlich sind, während 
seine eigentümliche Bewegung, statt direkt aus der Metamorphose der Waren 
zu stammen, aus Verletzung seiner richtigen Proportion zum Gold entspringt. 

3. Geld 

Geld im Unterschied von Münze, das Resultat des Zirkulationsprozesses 
in der Form W-G-W, bildet den Ausgangspunkt des Zirkulationsprozesses 
in der Form G-W-G, d.h. Geld gegen Ware austauschen, um Ware gegen 
Geld auszutauschen. In der Form W-G-W bildet die Ware, in der Form 
G-W-G bildet das Geld den Ausgangspunkt und den Endpunkt der Bewe- 
gung. In der ersten Form vermittelt das Geld den Warenaustausch, .in der 
letztern vermittelt die Ware das Werden des Geldes zu Geld. Das Geld, das 
in der ersten Form als bloßes Mittel, erscheint in der letztern als Endzweck 
der Zirkulation; während die Ware, die in der ersten Form als Endzweck, in 
der zweiten als bloßes Mittel erscheint. Da das Geld selbst schon Resultat der _ 
Zirkulation W-G-W, erscheint in der Form G-W-G das Resultat der Zir- 
kulation zugleich als ihr Ausgangspunkt. Während in W-G-W der Stoff- 
wechsel, bildet das aus diesem ersten Prozeß hervorgegangene Formdasein 
der Ware selbst den wirklichen Inhalt des zweiten Prozesses G-W-.G. 

In der Form W-G-W sind beide Extreme Waren von derselben Wert- 
größe, aber zugleich qualitativ verschiedene Gebrauchswerte. Ihr Austausch 
W-W ist wirklicher Stoffwechsel. In der Form G-W-G dagegen sind. 
beide Extreme Gold und zugleich Gold von derselben Wertgröße. Gold gegen 
Ware austauschen, um Ware gegen Gold auszutauschen, oder wenn wir das 
Resultat G-G betrachten, Gold gegen Gold austauschen, scheint abge- 
schmackt. Übersetzt man aber G-W--GG in die Formel: Kaufen um zu Ver- 
kaufen, was nichts heißt als durch eine vermittelnde Bewegung Gold gegen 
Gold austauschen, so erkennt man sofort die herrschende Form der bürger- 
lichen Produktion. In der Praxis wird jedoch nicht gekauft, um zu verkaufen, 
sondern wohlfeil gekauft, um teurer zu verkaufen. Geld wird gegen Ware 

102 “ Karl Marx 

ausgetauscht, um dieselbe Ware wieder gegen größere Quantität Geld aus- 
zutauschen, so daß die Extreme G, G, wenn nicht qualitativ, so quantitativ 
verschieden sind. Solch ein quantitativer Unterschied setzt den Austausch von 
Nichtäguivalenten voraus, während Ware und Geld als solche nur gegensätz- 
liche Formen der Ware selbst sind, also verschiedene Existenzweisen der- 
selben. Wertgröße. Der Kreislauf G-W-G birgt also unter den Formen 
Geld und Ware weiterentwickelte Produktionsverhältnisse und ist innerhalb 
der einfachen Zirkulation nur Reflex einer höheren Bewegung. Wir haben 
daher Geld im Unterschied von Zirkulationsmittel aus der unmittelbaren 
Form der Warenzirkulation W-G-W zu entwickeln. j 

Gold, d.h. die spezifische Ware, die als Maß der Werte und als Zirkula- 
tionsmittel dient, wird ohne weiteres Zutun der Gesellschaft Geld. In Eng- 
land, wo Silber weder Maß der Werte noch herrschendes Zirkulationsmittel 
ist, wird es nicht Geld, ganz wie Gold in Holland, sobald es als Wertmaß ent- 
thront wurde, aufhörte, Geld zu sein. Eine Ware wird also zunächst Geld als 
Einheit von Wertmaß und Zirkulationsmittel, oder die Einheit von Wertmaß 
und Zirkulationsmittel ist Geld. Als solche Einheit besitzt das Gold aber 
wieder selbständige und von seinem Dasein in beiden Funktionen unter- 
schiedene Existenz. Als Maß der Werte ist es nur ideelles Geld und ideelles 
Gold; als bloßes Zirkulationsmittel ist es symbolisches Geld und symbohsches 
Gold; aber in seiner emfachen metallischen Leibhaftigkeit ist Gold Geld oder 
Geld wirkliches Gold. 

Betrachten wir nun einen Augenblick die ruhende Ware Gold, die Geld 
ist, in ihrem Verhältnis zu den andern Waren. Alle Waren stellen in ihren 
Preisen eine bestimmte Summe Gold vor, sind also nur vorgestelltes Gold 
oder vorgestelltes Geld, Repräsentanten des Goldes, wie umgekehrt im Wert- 
zeichen das Geld als bloßer Repräsentant der Warenpreise erschien.* Da alle 
Waren so nur vorgestelltes Geld sind, ist das Geld die einzig wirkliche Ware. 
‚Im Gegensatz zu den Waren, die das selbständige Dasem des Tauschwerts, 
der allgemeinen gesellschaftlichen Arbeit, des abstrakten Reichtums, nur 
vorstellen, ist Gold das materielle Dasein des abstrakten Reichtums. Nach der 
Seite des Gebrauchswerts drückt jede Ware nur ein Moment des stofflichen 
Reichtums aus durch ihre Beziehung auf ein besonderes Bedürfnis, eine nur 
vereinzelte Seite des Reichtums. Das Geld aber befriedigt jedes Bedürfnis, 
sofern es in den Gegenstand jedes Bedürfnisses unmittelbar umsetzbar ist. 

* „Es sind nicht nur die edeln Metalle Zeichen der Dinse; ..; sondern abwechselnd 
sind die Dinge ... Zeichen für Gold und Silber.“ (A. Genovesi, „Lezioni di Economia 
-Civile“ (1765), p. 281 in Custodi, Parte Moderna, t. VIIL) 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 103 

Sein eigener Gebrauchswert ist realisiert in der unendlichen Reihe der Ge- 
brauchswerte, die sein Äquivalent bilden. In seiner gediegenen Metallität ent- 
hält es allen stofflichen Reichtum unaufgeschlossen, der in der Welt der 
Waren entrollt ist. Wenn also die Waren in ihren Preisen das allgemeine 
Äquivalent oder den abstrakten Reichtum, Gold, repräsentieren, repräsen- 
tiert das Gold in seinem Gebrauchswert die Gebrauchswerte aller Waren. 
Gold ist daher der materielle Repräsentant des stofflichen Reichtums. Es ist der 
„precis de toutes les choses“* (Boisguillebert), das Kompendium des gesell- 
schaftlichen Reichtums. Es ist zugleich der Form nach die unmittelbare 
Inkarnation der allgemeinen Arbeit und dem Inhalt nach der. Inbegriff aller 
realen Arbeiten. Es ist der allgemeine Reichtum als Individuum.* In seiner 
Gestalt als Mittler der Zirkulation erlitt es allerlei Unbill, wurde beschnitten 
und sogar zum bloß symbolischen Papierlappen verflacht. Als Geld wird ihm 
seine goldene Herrlichkeit zurückgegeben. Aus dem Knecht wird es der 
- Herr. Aus dem bloßen Handlanger wird es zum Gott der Waren.* 

* Petty: Gold und Silber sind „universal wealth“. „Political Arithmetic”, 1. c. 
p. 242. 
** F, Misselden, „Free Trade or the Means to make Trade florish etc.“, London 
1622. „Die natürliche Materie des Handels ist die merchandize*: which merchants 
from the end of trade have stiled commodities. Die künstliche Materie des Handels 
ist Geld, welches den Titel erhalten hat of sinewes of warre and of state. Geld, obgleich 
es in Natur und Zeit nach der merchandize kommt, yet for as much as it is now'in use 
has become the chiefe?.“ (p. 7.) Er vergleicht Ware und Geld „den beiden Söhnen des 
alten Jakob, der seine rechte Hand auf den jüngern und die linke auf den ältern legte“. 
(l. c.) 

Boisguillebert, „Dissertation sur la nature des richesse etc.“, 1. c. „Hier i ist also der 
Sklave des Handels sein Herr geworden... Das Elend der Völker kommt nur daher, 
daß man einen Herren oder vielmehr e einen Tyrannen aus dem gemacht hat, der ein 
Sklave war.“ (p. 395, 399.) 

##* Boisguillebert, ]. c. „Man hat ein Idol aus diesen Metallen (Gold und Silber) 
gemacht, und indem man nunmehr den Zweck und die Absicht aufgab, warum man 
siein den Handel gerufen hatte, nämlich um hier als Unterpfand in Tausch und wechsel- 
seitiger Übergabe zu dienen, hat man sie fast von diesem Dienst befreit, um sie zu 
Gottheiten zu machen, denen man mehr Güter und wichtige Bedürfnisse und sogar 
Menschen geopfert hat und immer noch opfert, als jemals das blinde Altertum : seinen 
falschen Göttern geopfert hat etc.“ (I. c. p. 39.) 

1 „Sinn aller Dinge“ -  Kaufmannsware - welche Händler aus Geschäftsgründen 
Gebrauchswaren genannt haben - * Nerv des Krieges und des Staates - ? ist dennoch, 
soweit es jetzt in Gebrauch ist, die Hauptsache geworden 

a) Schatzbildung 

Das Gold schied sich zunächst als Geld vom Zirkulationsmittel dadurch, 
daß die Ware den Prozeß ihrer Metamorphose abbrach und in ihrer Gold- 
verpuppung verharrte. Es erfolgt dies jedesmal, sobald der Verkauf nicht in 
Kauf umschlägt. Die Verselbständigung des Goldes als Geld ist also vor allem 
sinnfälliger Ausdruck des Zerfallens des Zirkulationsprozesses oder der Mieta- 
morphose der Ware in zwei getrennte, gleichgültig nebeneinander bestehende 
Akte. Die Münze selbst wird Geld, sobald ihr Lauf unterbrochen wird. In 
der Hand des Verkäufers, der sie für eine Ware einlöst, ist sie Geld, nicht 
Münze; sobald sie seine Hand verläßt, wird sie wieder Münze. Jeder ist Ver- 
käufer der einseitigen Ware, die er produziert, aber Käufer aller andern 
Waren, deren er zur gesellschaftlichen Existenz bedarf. Während sein Auf- 
treten als Verkäufer von der Arbeitszeit abhängt, die seine Ware zu ihrer 
Produktion erheischt, ist sein Auftreten als Käufer durch beständige Er- 
neuerung der Lebensbedürfnisse bedingt. Um kaufen zu können, ohne zu 
verkaufen, muß er verkauft haben, ohne zu kaufen. In der Tat ist die Zirku- 
lation W-G-W. nur die prozessierende Einheit des Verkaufs und Kaufs, 
insofern sie zugleich der beständige Prozeß ihrer Trennung ist. Damit das 
Geld als Münze beständig fließt, muß die Münze beständig zu Geld gerinnen. 
Der beständige Umlauf der Münze ist bedingt durch ihre beständige Stockung 
in größern oder kleinern Portionen, in aliseitig innerhalb der Zirkulation 
ebensowohl entspringenden als sie bedingenden Reservefonds von Münze, 
deren Bildung, Verteilung, Auflösung und Wiederbildung stets wechselt, 
deren Dasein beständig verschwindet, deren Verschwinden beständig da ist. 
Adam Smith hat diese unaufhörliche Verwandlung der Münze in Geld und 
des Geldes in Münze so ausgedrückt, daß jeder Warenbesitzer neben der be- 
sondern Ware, die er verkauft, eine gewisse Summe der allgemeinen Ware, 

womit er kauft, stets vorrätig haben müsse. Wir sahen, daß in der Zirkulation 

W-G-W das zweite Glied G-W sich in eine Reihe Käufe zersplittert, die 

sich nicht auf einmal, sondern sukzessiv in der Zeit vollziehen, so daß eine 
Portion von G als Münze umläuft, während die andere als Geld ruht. Das 
Geld ist hier in der Tat nur suspendierte Münze und die einzelnen Bestand- 
teile der umlaufenden Münzmasse erscheinen stets wechselnd, bald in der 
einen, bald in der andern Form. Diese erste Verwandlung des Zirkulations- 
mittels in Geld stellt daher ein nur technisches Moment des Geldumlaufs 
selbst dar.* 

* Boisguillebert wittert in der ersten Immobilisierung des perpetuum mobile, d.h. 
der Verneinung seines funktionellen Daseins als Zirkulationsmittel, sofort seine Ver- 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 105 

Die erste naturwüchsige Form des Reichtums ist die des Überflusses oder 
des Überschusses, der nicht als Gebrauchswert unmittelbar erheischte Teil 
der Produkte, oder auch der Besitz solcher Produkte, deren Gebrauchswert 
außerhalb des Kreises bloßer Bedürftigkeit fällt. Bei der Betrachtung des 
Übergangs von Ware zu Geld sahen wir, daß dieser Überfluß oder Überschuß 
der Produkte auf unentwickelter Produktionsstufe die eigentliche Sphäre des 
Warenaustausches bildet. Überflüssige Produkte werden austauschbare Pro- 
dukte oder Waren. Die adäquate Existenzform dieses Überflusses ist Gold 
und Silber, die erste Form, worin der Reichtum als abstrakt gesellschaftlicher 
Reichtum festgehalten wird. Die Waren können nicht nur in der Form des 
Goldes oder Silbers, d.h. in dem Material des Geldes, aufbewahrt werden, 
sondern Gold und Silber sind Reichtum in präservierter Form. Jeder Ge- 

. brauchswert als solcher dient, indem er konsumiert, d.h. vernichtet wird. Der 
Gebrauchswert des Goldes als Geld aber ist, Träger des Tauschwerts zu sein, 
als formloser Rohstoff Materiatur der allgemeinen Arbeitszeit. Als formloses 
Metall besitzt der Tauschwert eine unvergängliche Form. Gold oder Silber 
so als Geld immobsilisiert, ist Schatz. Bei Völkern von rein metallischer Zirku- 
lation, wie bei den Alten, zeigt sich Schatzbildung als ein allseitiger Prozeß 
vom einzelnen bis zum Staat, der seinen Staatsschatz hütet. In den ältern 
Zeiten, in Asien und Ägypten, erscheinen diese Schätze in der Hut der Könige 

‚und der Priester mehr als Zeugen ihrer Macht. In Griechenland und Rom 
wird es Politik, Staatsschätze zu bilden, als die stets gesicherte und stets 
schlagfertige Form des Überflusses. Das schnelle Überführen solcher Schätze 
von einem Land in das andere durch Eroberer und ihre teilweise plötzliche 
Ausgießung in die Zirkulation bilden eine Eigentümlichkeit der antiken 
Ökonomie. 

Als vergegenständlichte Arbeitszeit bürgt das Gold für seine eigene Wert- 
größe, und da es Materiatur der allgemeinen Arbeitszeit ist, bürgt ihm der 
Zirkulationsprozeß für seine stete Wirkung als Tauschwert. Durch die bloße 
Tatsache, daß der Warenbesitzer die Ware in ihrer Gestalt als Tauschwert 
oder den Tauschwert selbst als Ware festhalten kann, wird der Austausch 
der Waren, um sie in der verwandelten Gestalt des Goldes zurückzuerhalten, 

selbständigung gegen die Waren. Das Geld, sagt er, soll sein „in einer beständigen 
Bewegung, was es nur sein kann, solange es beweglich ist, aber sobald es unbeweglich 
wird, ist alles verloren“. („Le detail de la France“, p. 213.) Was er übersieht, ist, daß 
dies Stillstehen Bedingung seiner Bewegung ist. Was er in der Tat will, ist, daß der 
Tauschwert* der Waren als bloß verschwindende Form ihres Stoffwechsels erscheine, 
aber nie sich als Selbstzweck befestige. 

* Soll heißen: die Wertform der Waren. /Note im Handexemplar.] 

. 106 Karl Marx 

eigenes Motiv der Zirkulation. Die Metamorphose der Ware W-G findet 
statt um ihrer Metamorphose willen, um sie aus besonderm natürlichen Reich- 
tum in allgemeinen gesellschaftlichen Reichtum zu verwandeln. Statt des 
Stoffwechsels wird der Formwechsel Selbstzweck. Aus der bloßen Form 
schlägt der Tauschwert um in den Inhalt der Bewegung. Als Reichtum, als 
Ware erhält sich die Ware nur, sofern sie sich innerhalb der Sphäre der Zirku- 
lation erhält, und sie erhält sich nur in diesem flüssigen Zustand, soweit sie 
zu Silber und Gold verknöchert. Sie bleibt im Fluß als Kristall des Zirku- 
lationsprozesses. Gold und Silber fixieren sich indes selber nur als Geld, so- 
fern sie nicht Zirkulationsmittel sind. Als Nicht-Zirkulationsmittel werden 
sie Geld." Das Entziehen der Ware aus der Zirkulation in der Form des Gol- 
des ist also das einzige Mittel, sie beständig innerhalb der Zirkulation zu 
halten. 

‘ Der Warenbesitzer kann von der Zirkulation nur als Geld zurückerhalten, 
was er ihr als Ware gibt. Beständiges Verkaufen, fortwährendes Werfen von 
Waren in Zirkulation, istdahererste Bedingung der Schatzbildung vom Stand- 
punkte der Warenzirkulation. Ändrerseits verschwindet das Geld beständig 
als Zirkulationsmittel im Zirkulationsprozeß selbst, indem es sich stets in 
Gebrauchswerten verwirklicht und in vergängliche Genüsse auflöst. Es muß 
also dem verzehrenden Strom der Zirkulation entrissen, oder die Ware muß 
in ihrer ersten Metamorphose festgehalten werden, indem es verhindert wird, 
seine Funktion als Kaufmittei zu vollziehen. Der Warenbesitzer, der nun 
zum Schatzbildner geworden ist, muß möglichst viel verkaufen und möglichst 
wenig kaufen, wie schon der alte Cato lehrte: patrem familias vendacem, non 
emacem esse”. Wie Arbeitsamkeit die positive, ist Sparsamkeit die negative 
Bedingung der Schatzbildung. Je weniger das Äquivalent der Ware in be- 
sondern Waren oder Gebrauchswerten der Zirkulation entzogen wird, um so 
mehr wird es ihr in der Form des Geldes oder Tauschwerts entzogen.* Die 
Aneignung des Reichtums in seiner allgemeinen Form bedingt also die Ent- 
sagung auf den Reichtum in seiner stofflichen Wirklichkeit. Der lebendige 
Trieb der Schatzbildung ist daher der Geiz, für den nicht die Ware als. 
Gebrauchswert, sondern der Tauschwert als Ware Bedürfnis ist. Um sich. 

des Überflusses in seiner allgemeinen Form zu bemächtigen, müssen die 

* „Je mehr der Vorrat in Ward wächst, um so mehr nimmt der als Schatz (in 
treasure) existierende ab.“ E. Misselden, 1. c.p. 23. 

.. + Im Handexemplar unterstrichen; (1859) nicht hervorgehoben —-?2 Der Hausvater soll 
verkaufsbegierig, nicht kauflustig sein 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 107 

besonderen Bedürfnisse: als Luxus: und Überfluß behandelt werden. So 
machten im Jahre 1593 die Cortes Philipp II. eine Vorstellung, worin es unter 
anderm heißt: 

„Die Cortes von Valladolid vom Jahre 1586 baten Ew. Majestät, nicht ferner die 
Einfuhr in das Königreich zu erlauben von Kerzen, Glaswaren, Bijouterien, Messern 

‚ und ähnlichen Dingen, die vom Ausland kommen, um diese dem menschlichen Leben 
so unnützen Dinge auszutauschen gegen Gold, als ob die Spanier Indianer wären.“ !** 

Der Schatzbildner verachtet die weltlichen, zeitlichen und vergänglichen 
Genüsse, um dem ewigen Schatz nachzujagen, den weder die Motten noch 
der Rost fressen, der ganz himmlisch und ganz irdisch ist. 

„Die allgemeine entfernte Ursache unseres Mangels an Gold“, sagt Misselden in 
der angeführten Schrift, „ist der große Exzeß dieses Königreichs im Konsum von 
Waren fremder Länder, die sich uns statt als commodities! als discommodities? er- 
proben, indem sie uns von ebenso:vielem Schatze abschneiden, der sonst an die Stelle 
dieser Spielsachen (toys) importiert würde. Wir konsumieren unter uns einen viel zu 
- großen Überfluß an Weinen von Spanien, Frankreich, Rheinland, Levante; die Rosinen 
von Spanien, die Korinthen der Levante, die Lawns (Sorte feiner Leinwand) und 
Cambrics von Hainaut, die Seidenzeuge von Italien, Zucker und Tabak von West- 
indien, die Gewürze von Ostindien, alles das ist kein absolutes Bedürfnis für uns, und 
dennoch werden diese Dinge gekauft mit hartem Gold.“ * 

Als Gold und Silber ist der Reichtum unvergänglich, sowohl weil der 
Tauschwert in unverwüstlichem Metall existiert, als namentlich weil das Gold 
und Silber verhindert wird, als Zirkulationsmittel zur nur verschwindenden 
Geldform der Ware zu werden. Der vergängliche Gehalt wird so der unver- 
gänglichen Form geopfert. 

„Wird das Geld durch die Steuer von einem genommen, der es ah und ver- 
trinkt und einem gegeben, der es in Verbesserung des Landes, Fischfang, Minen- 
werken, Manufakturen oder selbst in Kleidern verwendet, so ist immer ein Vorteil für 
das Gemeinwesen vorhanden, denn selbst Kleider sind nicht so vergänglich als Mahl- 
zeiten und Getränke. Wird es in Hausmöbeln verwandt, so ist der Vorteil um so größer, 
im Bauen von Häusern noch größer usw., am größten von allem, wenn Gold und Silber 
in das Land gebracht wird, weil diese Dinge allein nicht vergänglich sind, sondern zu 
allen Zeiten und allen Orten als Reichtum geschätzt werden; alles andere ist nur Reich- 
tum pro hic et Amen “.. 

*].c.p. 11-13 passim. 
** Petty, „Political Arithmetic“, 1. c. p. 196. 

2 

1 nötige Waren - ? unnötige Waren — Batiste — * für hier und jetzt 

Das Entreißen des Geldes aus dem Strom der Zirkulation und Retten vor 
dem gesellschaftlichen Stoffwechsel zeigt sich auch äußerlich im Ver- 
graben, so daß der gesellschaftliche Reichtum als unterirdischer unvergäng- 
licher Schatz in ein ganz heimliches Privatverhältnis zum Warenbesitzer ge- 
bracht wird. Doktor Bernier, der sich eine Zeitlang zu Delhi am Hofe 
Aurangzebs aufhielt, erzählt, wie die Kaufleute ihr Geld heimlich und tief 
vergraben, besonders aber die nichtmohammedanischen Heiden, die fast 
allen Handel und alles Geld in der Hand haben, 

„befangen wie sie sind im Glauben, daß das Gold und Silber, welches sie während ihres 
Lebens verbergen, ihnen nach dem Tode in der andern Welt dienen wird“*. 

Der Schatzbildner ist übrigens, soweit sein Asketismus mit tatkräftiger 
Arbeitsamkeit verbunden ist, von Religion wesentlich Protestant und noch 
mehr Puritaner. 

„Das kann man nicht leugnen, daß Kaufen und Verkaufen ein nötig Ding ist, das 
man nicht entbehren, und wohl christlich brauchen kann, sonderlich in Dingen, die 
zur Not und Ehre dienen, denn also haben auch die Patriarchen verkauft und gekauft, 
Vieh, Wolle, Getreide, Butter, Milch und andere Güter. Es sind Gottesgaben, die er 

- aus der Erde gibt und unter.die Menschen teilt. Aber der ausländische Kaufhandel, der 
aus Kalikat und Indien und dergleichen War herbringt, als solch köstlich Seiden und 
Goldwerk und Würze, die nur zur Pracht und keinem Nutzen dient, und Land und 
Leuten das Geld aussaugt, sollte nicht zugelassen werden, so wir ein Regiment und 
Fürsten hätten. Doch hievon wili ich jetzt nicht schreiben; denn ich achte, es werde 
zuletzt, wenn wir nicht mehr Geld haben, von ihm selbst ablassen müssen, wie auch 
der Schmuck und Fraß: es will doch sonst kein Schreiben und Lehren helfen, bis uns 
die Not und Armut zwingt.“ ** 

In Zeiten der Erschütterung des gesellschaftlichen Stoffwechsels Andet 
selbst in der entwickelten bürgerlichen Gesellschaft das Vergraben des Geldes 

* Francois Bernier, „Voyages contenant la description des &tats du Grand Mogol“, 
Pariser Ausgabe 1830, t. I, conf. p. 312-314. 

** Doktor Martin Luther, „Bücher vom Kaufhandel und Wucher“, 1524. An der- 
selben Stelle sagt Luther: „Gott hat uns Deutsche dahin geschleudert, daß wir unser 
Gold und Silber müssen in fremde Länder stoßen, alle Welt reich machen und selbst 
Bettler bleiben. England sollte wohl weniger Goldes haben, wenn Deutschland ihm 
sein Tuch ließe, und der König von Portugal sollte auch weniger haben, wenn wir ihm 
seine Würze ließen. Rechne Du, wie viel Geldes eine Messe zu Frankfurt aus deutschen 
Landen geführt wird, ohne Not und Ursache: so wirst Du Dich wundern, wie es zu- 
gehe, daß noch ein Heller in deutschen Landen sei. Frankfurt ist das Silber- und Gold- 
loch, dadurch aus deutschem Lande fließt, was nur quillet und wächst, gemünzt oder 
geschlagen wird bei uns: wäre das Loch zugestopft, so dürft man itzi der Klage nicht 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zuehes Kapitel 109 

als Schatz statt. Der gesellschaftliche Zusammenhang in seiner kompakten 
Form - für den Warenbesitzer besteht dieser Zusammenhang in der Ware 
und das adäquate Dasein der Ware ist Geld - wird gerettet vor der gesell- 
schaftlichen Bewegung. Der gesellschaftliche nervus rerum! wird bestattet 
neben dem Körper, dessen Nerv er ist. 

Der Schatz wäre nun bloß nutzloses Metall, seine Geldseele wäre aus im 
entflohen und er bliebe als ausgebrannte Asche der Zirkulation, als ihr caput 
mortuum? zurück, stünde er nicht in beständiger Spannung zu ihr. Geld oder 
verselbständigter Tauschwert ist seiner Qualität nach Dasein des abstrakten 

- Reichtums, andererseits aber ist jede gegebene Geldsumme quantitativ be- 
grenzte Wertgröße. Die quantitative Grenze des Tauschwerts widerspricht 
seiner qualitativen Allgemeinheit, und der Schatzbildner empfindet die 
Grenze als Schranke, die in der Tat zugleich in qualitative Schranken um- 
schlägt, oder den Schatz zum bloß beschränkten Repräsentanten des stoff- 
lichen Reichtums macht. Geld, als das allgemeine Äquivalent, stellt sich, wie 
wir sahen, unmittelbar dar in einer Gleichung, worin es selbst die eine Seite, 
die unendliche Reihe der Waren aber die andere Seite bildet. Von der Größe 
des Tauschwerts hängt es ab, wieweit es sich annähernd als solche unendliche 
Reihe realisiert, d.h. seinem Begriff als Tauschwert entspricht. Die Bewegung 
des Tauschwerts als Tauschwert, als Automat, kann überhaupt nur die sein, 
über seine quantitative Grenze hinauszugehen. Indem aber eine quantitative 
Grenze des Schatzes überschritten wird, wird eine neue Schranke geschaffen, 

hören, wie allenthalben eitel Schuld und kein Geld, alle Land und Städte ausgewuchert . 
sind. Aber laß gehen, es will doch also gehen: wir Deutsche müssen Deutsche bleiben! 

wir lassen nicht ab, wir müssen denn.“ [p. 4/5.] 

Misselden in der oben angeführten Schrift will das Gold und Silber wenigstens im 

Kreis der Christenheit halten: „Das Geld wird vermindert durch den Handel jenseits 

der Christenheit mit der Türkei, Persien und Ostindien. Diese Handelszweige werden 

größtenteils mit barem Geld geführt, jedoch ganz anders wie die Handelszweige der 
Christenheit in sich selbst. Denn obgleich der Handel innerhalb der Christenheit mit 

barem Geld getrieben wird, ist doch das Geld fortwährend eingeschlossen innerhalb 

seiner Grenzen. Da ist in der Tat Strömung und Gegenströmung, Flut und Ebbe des 

Geldes in dem innerhalb der Christenheit geführten Handel, denn manchmal ist es 

reichlicher an einem Teil, mangelnder an einem andern, je nachdem ein Land Mangel 

hat und ein anderes Überfluß: es kommt und geht und wirbelt im Kreis der Christen- 

heit, aber bleibt stets von seiner Linie umfangen. Aber das Geld, womit außerhalb der 
Christenheit in die oben angegebenen Länder hinausgehandelt wird, ist beständig 
ausgegeben und kehrt nie zurück.“ [p. 19, 20.] 

! Nerv der Dinge - ? chemischer Rückstand 

110 ee 

die wieder aufgehoben werden muß. Es ist nicht eine bestimmte Grenze des 
Schatzes, die als Schranke erscheint, sondern jede Grenze desselben. Die 
Schatzbildung hat also keine immanentte Grenze, kein Maß in sich, sondern 
ist ein endloser Prozeß, der in seinem jedesmaligen Resultat ein Motiv seines 
Anfangs findet. Wenn der Schatz nür vermehrt wird, indem er konserviert 
wird, so wird er aber auch nur konserviert, indem er vermehrt wird. 

Das Geld ist nicht nur ein Gegenstand der Bereicherungssucht, es ist der 
Gegenstand derselben. Sie ist wesentlich auri sacra fames!. Die Bereicherungs- 
sucht im Unterschied von der Sucht nach besonderm natürlichen Reichtum 
oder Gebrauchswerten, wie Kleider, Schmuck, Herden usw., ist nur möglich, 
sobald der allgemeine Reichtum als solcher in einem besondern Ding indivi- 
dualisiert ist und daher als einzelne Ware festgehalten werden kann. Das 
Geld erscheint also ebensosehr als Gegenstand wie Quelle der Bereicherungs- 
sucht.* Was in der Tat zugrunde liegt, ist, daß der Tauschwert als solcher 
und damit seine Vermehrung zum Zweck wird. Der Geiz hält den Schatz 
fest, indem er dem Geld nicht erlaubt, Zirkulationsmittel zu werden, aber 
die Goldgier erhält seine Geldseele, seine beständige u gegen die 
Zirkulation. 

. Die Tätigkeit nun, wodurch der Schatz gebildet wird, ist einerseits Ent: 
chen des Geldes aus der Zirkulation durch beständig wiederholten Verkauf, 
andrerseits einfaches Aufspeichern, Akkumulieren. Es ist in der Tat nur in der 
Sphäre der einfachen Zirkulation, und zwar in der Form der Schatzbildung, 
daß die Akkumulation des Reichtums als solche stattfindet, während, wie wir 
später sehen werden, die andern sog. Formen der Akkumulation nur miß- 
bräuchlich, nur durch Erinnerung an die einfache Geldakkumulation, als 
Akkumulation gelten. Alle andern Waren werden aufgehäuft entweder als 
Gebrauchswerte, und dann ist die Art ihrer Aufhäufung bestimmt durch 
die Besonderheit ihres Gebrauchswerts. Aufhäufen von Getreide z.B. er- 
fordert besondre Vorrichtungen. Schafe aufhäufen macht mich zum Hirten, 
Sklaven und Land aufhäufen macht Herrschafts- und Knechtschaftsverhält- 
nisse nötig usw. Die Vorratbildung des besondern Reichtums erfordert be- 
sondere Prozesse, unterschieden vom einfachen Akt des Aufhäufens selbst, 
und entwickelt besondre Seiten der Individualität. Oder der Reichtum in der 

. „Im Geld hegt der Ursprung des Geizes ... allmählich entbrennt hier eine Art 
Tollheit, schon nicht mehr Geiz, sondern ee (Plinius, „Historia naturalis“, 
L. XXXIIL C. III, Sect. 14.) 

! verfluchte Gier nach Gold (Virgil „Aeneis“) 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 111 

Form von Waren wird als Tauschwert aufgehäuft, und dann erscheint die 
Aufhäufung als eine kaufmännische oder spezifisch ökonomische Operation. 
Das Subjekt derselben wird Kornhändler, Viehhändler usw. Gold und Silber 
sind. Geld nicht durch irgendeine Tätigkeit des Individuums, das sie auf- 
häuft, sondern als Kristalle des ohne sein Zutun vor sich gehenden Zirkula- 
tionsprozesses. Er hat nichts zu tun, als sie beiseite zu schaffen und Gewicht 
zu Gewicht zu häufen, eine ganz inhaltslose Tätigkeit, die auf alle anderen 
Waren angewandt, sie entwerten würde.* 

Unser Schatzbildner erscheint als Märtyrer des Tauschwerts, heiliger 
Asket auf dem Gipfel der Metallsäule. Es ist ihm nur um den Reichtum in 
seiner gesellschaftlichen Form zu tun, und darum vergräbt er ihn vor der 
Gesellschaft. Er verlangt die Ware in ihrer stets zirkulationsfähigen Form, 
und darum entzieht er sie der Zirkulation. Er schwärmt für den Tauschwert, 
und darum tauscht er nicht aus. Die flüssige Form des Reichtums und sein 
Petrefakt, Elixier des Lebens und Stein der Weisen, spuken alchimistisch toll 
durcheinander. In seiner eingebildeten schrankenlosen Genußsucht entsagt 
er allem Genusse. Weil er alle gesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigen will, 
befriedigt er kaum die natürliche Notdurft. Indem er den Reichtum in seiner 
metallischen Leiblichkeit festhält, verdunstet er ihn zum bloßen Hirn- 
gespinst. In der Tat aber ist das Aufhäufen des Geldes um des Geldes 
willen die barbarische Form der Produktion um der Produktion willen, d.h. 
Entwicklung der Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit hinaus über 
die Schranken herkömmlicher Bedürfnisse. Je unentwickelter. die Waren- 

. * Horaz Be also nichts von der Philosophie der = netzbaldung, wenn er sagt 

-(„Satiren“, L. I], Satire III): 

„Kaufte sich jemand Lauten und häufte den Kin: ärfeinander: 
Während er weder der Laute, noch einer der Musen sich hingab. _ 
Ahlen und Leist, wer nicht Schuhmacher; und Segel zur Schiffahrt, 
"Wer nicht hold dem Verkehre zur See: Wahnwitzig und hirnlos 
Nennte mit Recht ihn jeder. In was ist von diesen verschieden, 

Wer sein Silber und Gold einscharrt, nicht weiß zu gebrauchen, 

‘Und das Gesammelte nicht, gleich Heiligem, wagt zu berühren?“ 

Herr Senior versteht die Sache besser: „Das Geld scheint das einzige-Ding zu sein, 
nach dem das Verlangen allgemein ist, und zwar deshalb, weil das Geld ein abstrakter 
Reichtum ist und weil die Menschen, wenn sie es besitzen, alle ihre Bedürfnisse be- 
friedigen können, welcher Art sie auch seien.“ („Principes fondamentaux de l’economie 

_politique, traduit par le Comte Jean Arrivabene“, Paris 1836, p. 221.) Oder Storch: „Da 
das Geld alle andern Reichtümer repräsentiert, hat man es nur aufzuhäufen, um sich 
alle in der Welt existierenden Arten von Reichtum zu verschaffen.“ (l. c. t. II; p. 135.) 

produktion, um so wichtiger ist die erste Verselbständigung des Tauschwerts 
als Geld, die Schatzbildung, die daher eine große Rolle spielt bei den alten 
Völkern, in Asien bis auf die heutige Stunde, und bei den modernen Bauern- 
völkern, wo der Tauschwert noch nicht alle Produktionsverhältnisse ergriffen 
hat. Die spezifisch ökonomische Funktion der Schatzbildung innerhalb der 
metallischen Zirkulation selbst werden wir sogleich betrachten, erwähnen 
aber noch vorher eine andre Form der Schatzbildung. 

Ganz abgesehn von ihren ästhetischen Eigenschaften sind silberne und 
goldne Waren, sofern das Material, woraus sie bestehen, Material des Geldes 
ist, umwandelbar in Geld, wie Goldgeld oder Goldbarren in sie umwandelbar 
sind. Weil Gold und Silber das Material des abstrakten Reichtums sind, be- 
steht die größte Schaustellung des Reichtums in ihrer Benutzung als konkrete 
Gebrauchswerte, und wenn der Warenbesitzer auf gewissen Stufen der Pro- 
duktion seinen Schatz verbirgt, treibt es ihn überall, wo es mit Sicherheit ge- 
schehn kann, als rico hombre! den andern Warenbesitzern zu erscheinen. Er 
vergoldet sich und sein Haus.* In Asien, namentlich in Indien, wo die Schatz- 
bildung nicht wie in der bürgerlichen Ökonomie als eine untergeordnete 
Funktion des Mechanismus der Gesamtproduktion erscheint, sondern der 
Reichtum in dieser Form als letzter Zweck festgehalten wird, sind Gold- und 
Silberwaren eigentlich nur ästhetische Form der Schätze. Im mittelaltrigen 
England waren Gold- und Silberwaren, da ihr Wert nur wenig durch die zu- 
gefügte rohe Arbeit vermehrt wurde, gesetzlich als bloße Form des Schatzes 
betrachtet. Ihr Zweck war, wieder in Zirkulation geworfen zu werden und ihre 
Feinheit daher ganz ebenso vorgeschrieben, wie die der Münze selbst. Der 
wachsende Gebrauch von Gold und Silber als Luxusgegenstände mit wach- 
sendem Reichtum ist eine so einfache Sache, daß sie den Alten völlig klar 
war**, während die modernen Ökonomen den falschen Satz aufgestellt 
haben, daß der Gebrauch silberner und goldner Waren nicht zunehme im 
Verhältnis zum Steigen des Reichtums, sondern nur im Verhältnis zum Wert- 
fall der edeln Metalle. Ihre sonst genauen Nachweisungen über die Verwen- 

- * Wie sehr der inner man? des Warenindividuums unverändert bleibt, auch wo es 
sich zivilisiert und zum Kapitalisten entwickelt hat, beweist z. B. der Londoner Re- 
präsentant eines kosmopolitischen Bankierhauses, der als passendes Famihenwappen 
eine Banknote von 100 000 Pfd. St. in Glas und Rahmen hängen hat. Die Pointe ist 
hier das spöttisch vornehme Herabsehen der Note auf die Zirkulation. 

** Siehe die später zitierte Stelle von Xenophon. 

1 reicher Mann - ? innere Mensch‘ 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 113. 

dung des kalifornischen und australischen Goldes zeigen daher stets einen 
Ausfall, weil der gestiegne Konsum: des Goldes als Rohmaterial in ihrer Ein- 
bildung nicht gerechtfertigt ist durch entsprechenden Fall in seinem Wert. 
Von 1810 bis 1830, infolge des Kampfs der amerikanischen Kolonien mit 
Spanienl?2] und der Unterbrechung der Minenarbeit durch Revolutionen, hatte 
die jährliche Durchschnittsproduktion der edeln Metalle um mehr als die 
Hälfte abgenommen. Die Abnahme der in Europa zirkulierenden Münze 
betrug beinahe !/,, 1829 verglichen mit 1809. Obgleich also die Quantität der 
Produktion abgenommen hatte und die Produktionskosten gestiegen, wenn 
überhaupt verändert waren, nahm nichtsdestoweniger der Konsum der edeln 
Metalle als Luxusgegenstände außerordentlich zu, in England schon während 
des Krieges, auf dem Kontinent seit dem Pariser Frieden. Er stieg mitdem 
Wachstum des allgemeinen Reichtums.* Als allgemeines Gesetz kann auf- 
gestellt werden, daß die Umwandlung von Gold- und Silbergeld in Luxus- 
gegenstände während des Friedens, ihre Rückverwandlung in Barren oder 
auch Münze aber nur in sturmvollen Zuständen vorwiegt.** Wie bedeutend 
das Verhältnis des in der Form von Luxusware existierenden Gold- und 
‘Silberschatzes zu dem als Geld dienenden edeln Metall ist, mag daraus er- 
sehn werden, daß 1829 das Verhältnis nach Jacob in England wie 2 zu 1 war, 
in ganz Europa und Amerika aber '/, mehr edles Metalli in Kanngegenständen 
als in Geld existierte. 

Wir sahen, daß der Geldumlauf bloß die Erscheinung de sales 
der Waren ist oder des Formwechsels, worin sich der gesellschaftliche Stoft- 
wechsel vollzieht. Mit der wechselnden Preissumme der zirkulierenden Waren 
oder dem Umfang ihrer gleichzeitigen Metamorphosen einerseits, mit der 
jedesmaligen Geschwindigkeit ihres Formwechsels andrerseits, mußte daher 
die Gesamtquantität des zirkulierenden Goldes beständig expandieren oder 
kontrahieren, was nur möglich unter der Bedingung, daß die Gesamtquantität 
des in einem Lande befindlichen Geldes fortwährend in wechselndem Ver- 
hältnis steht zur Quantität des in Zirkulation befindlichen Geldes. Diese 
Bedingung wird durch die Schatzbildung erfüllt. Fallen die Preise oder steigt 
die Zirkulationsgeschwindigkeit, so absorbieren die Schatzreservoirs den aus 
der Zirkulation abgesonderten Teil des Geldes; steigen die Preise oder fällt 

* Jacob, . c.t. II, ch. 25 und 26. 
** „In Zeiten großer Erregung und Unsicherheit, besonders während innerer 
Aufstände oder Invasionen, werden Gold- und Silbergegenstände schnell in Geld ver- 
wandelt; in Perioden der Ruhe und des Wohlstandes hingegen wird Geld in Silber- 
-geschirr und Schmuckgegenstände verwandelt“ (l. c. t. II, p. 357). 

114 | Karl’ Marx 

die Zirklationsgeschwindigkeit, so ns sich die Schätze und strömen teil- 
weise in die Zirkulation zurück. Die Erstarrung des zirkulierenden Geldes 
in Schatz und das Ergießen der Schätze in die Zirkulation ist beständig 
wechselnde oszillatorische Bewegung, worin das Vorwiegen der einen oder der 
“andern Richtung ausschließlich durch die Schwankungen der Warenzirku- 
lation bestimmt ist. Die Schätze erscheinen so als Zufuhr- und Abzugskanäle 
des zirkulierenden Geldes, so daß immer nur das durch die unmittelbaren 
Bedürfnisse der Zirkulation selbst bedingte Quantum Geld als Münze zirku- 
liert. Dehnt sich der Umfang der Gesamtzirkulation plötzlich aus und wiegt 
die flüssige Einheit von Verkauf und Kauf vor, so daß aber die Gesamtsumme 
. der zu realisierenden Preise nioch rascher wächst als die Geschwindigkeit des 
Geldumlaufs, so entleeren sich die Schätze zusehends; sobald die Gesamt- 
- bewegung ungewöhnlich stockt oder die Trennung von Verkauf und Kauf 
sich befestigt, erstarrt das Zirkulationsmittel in auffallenden Proportionen zu 
Geld und füllen sich die Schatzreservoirs weit über ihr Durchschnittsniveau. 
In Ländern rein metallischer Zirkulation oder unentwickelter Produktions- 
stufe sind die Schätze unendlich zersplittert und zerstreut über die ganze 
Oberfläche des Landes, während sie in bürgerlich entwickelten Ländern in 
den Bankreservoirs konzentriert werden. Der Schatz ist nicht zu verwechseln 
mit der Münzreserve, die selbst einen Bestandteil der stets in Zirkulation 
befindlichen Gesamtquantität Geld bildet, während das aktive Verhältnis 
von Schatz und Zirkulationsmittel das Sinken oder Steigen jener Gesamt- 
quantität unterstellt. Gold- und Silberwaren bilden, wie wir gesehn, eben- 
falls sowohl einen Abzugskanal der edlen Metalle, wie latente Zufuhrguelle. 
In gewöhnlichen Zeiten ist nur ihre erstere.Funktion wichtig für die Ökono- 
mie der metallischen Zirkulation. 

“ * In der folgenden Stelle entwickelt Xenophon Geld in seiner spezifischen Form- 
bestimmtheit als Geld’ und Schatz: „In diesem einzigen Gewerbe von allen, die ich 
kenne, erregt niemand der andern damit Beschäftigten Neid... Denn je reicher die 
‚Silberbergwerke erscheinen, und je mehr Silber gefördert wird, desto mehr Leute 
ziehen sie zu dieser Arbeit heran. Wenn man für die Wirtschaft genügend Hausgerät 
erworben hat, wird man wenig mehr kaufen; Silber jedoch besitzt niemand so viel, daß 
er nicht noch mehr zu haben wünscht, und wenn es bei jemand in Fülle, dann vergräbt 
er das Überflüssige und freut sich daran nicht weniger, als wenn er es gebrauchte, 
Wenn nämlich die Städte aufblühn, dann brauchen die Leute das Silber besonders. 
Denn die Männer wollen außer schönen Waffen auch gute Pferde, prächtige Häuser 
und Einrichtungen kaufen, die Frauen aber begehren allerlei Gewänder und goldenen 
Schmuck. Wenn aber die Städte Not leiden durch Mißernte oder Krieg, dann braucht 

man Geld infolge Unfruchtbarkeit des Bodens zum Kauf von Lebensmitteln oder zur 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 115 

b) Zahlungsmittel 

. . Die beiden Formen, worin Geld sich bisher vom Zirkulationsmittel unter- 
schied, waren die der suspendierten Münze und des Schatzes. Die erste Form 
reflektierte in der vorübergehenden Verwandlung der Münze in Geld, daß das 
zweite Glied von W-G-W der Kauf G-W, sich innerhalb einer bestimm- 
ten Zirkulationssphäre zersplittern muß in eine Reihe sukzessiver Käufe. Die 
Schatzbildung aber beruhte einfach auf Isolierung des AktsW-G, der nicht 
zu G-W fortging,.oder war nur selbständige Entwicklung der ersten Meta- 
morphose der Ware, das Geld, entwickelt als das entäußerte Dasein aller 
Waren im Gegensatz zum Zirkulationsmittel als dem Dasein. der Ware in 
ihrer sich stets veräußernden Form. Münzreserve und Schatz waren nur 
Geld als Nichtzirkulationsmittel, Nichtzirkulationsmittel aber nur, weil sie 
nicht zirkulierten. In der Bestimmung, worin wir das Geld jetzt betrachten, 
zirkuliert es oder tritt in die Zirkulation, aber nicht in der Funktion des 
Zirkulationsmittels. Als Zirkulationsmittel war:das Geld stets Kaufmittel, 

jetzt wirkt es als Nichtkaufmittel. 

Sobald das Geld durch die Schatzbildung als Dasein des REITER 
gesellschaftlichen Reichtums und materieller Repräsentant des stofflichen 
Reichtums entwickelt ist, erhält es in dieser seiner Bestimmtheit als Geld 
eigentümliche Funktionen innerhalb des Zirkulationsprozesses. Zirkuliert. das 
Geld als bloßes Zirkulationsmittel und darum als Kaufmittel, so ist unter- 
stellt, daß Ware und Geld sich gleichzeitig gegenüberstehen, also dieselbe 
Wertgröße doppelt vorhanden ist, auf dem einen Pol als Ware in der Hand 
des Verkäufers, auf dem andern Pol als Geld in der Hand des Käufers. Diese 
gleichzeitige Existenz der beiden Äquivalente auf entgegengesetzten Polen 
und ihr gleichzeitiger Stellenwechsel oder ihre wechselseitige Entäußerung 
unterstellt ihrerseits, daß Verkäufer und Käufer sich nur als Besitzer vor- 
handener Äquivalente aufeinander beziehn. Indes der Prozeß der Meta- 
morphose der Waren, der die verschiedenen Formbestimmtheiten des Geldes 
erzeugt, ietamorphosiert auch die Warenbesitzer oder verändert die gesell- 
schaftlichen ‚Charaktere, worin sie einander erscheinen. In dem Prozeß der 

Änwerbung von Eilkerupsn“ (Xenophon, „De Vectigalibus“, c IV) Arsotelsa in 
C.9,L. Ider „Republik“ entwickelt die beiden Bewegungen der Zirkulation W-G -W 
und G-W-G in ihrem Gegensatz unter dem Namen der „Ökonomik“ und „Chrema- 
tistik“. Beide F ormen werden von den griechischen Tragikern, namentlich von Euri- 
pides, gegenübergestellt als ${xn* und xepdos?. 

! Recht - ? Eigennutz 
8* 

116 z KarlMarx 

Metamorphose der Ware wechselt der Warenhüter ebensooft die Haut als die 
Ware wandelt oder das Geld in neuen Formen anschießt. So standen sich die 
Warenbesitzer ursprünglich nur als Warenbesitzer gegenüber, wurden dann 
der eine Verkäufer, der andre Käufer, dann jeder abwechselnd Käufer und 
Verkäufer, dann Schatzbildner, endlich reiche Leute. So kommen die Waren- 
besitzer nicht aus dem Zirkulationsprozeß heraus, wie sie in ihn eingetreten 
sind. In der Tat sind die verschiedenen Formbestimmtheiten, die das Geld 
im Zirkulationsprozeß erhält, nur kristallisierter Formwechsel der Waren 
selbst, der seinerseits nur gegenständlicher Ausdruck der wandelnden gesell- 
schaftlichen Beziehungen ist, worin die Warenbesitzer ihren Stoffwechsel 
vollziehn. Im Zirkulationsprozeß entspringen neue Verkehrsverhältnisse, und 
als Träger dieser veränderten Verhältnisse erhalten die Warenbesitzer neue 
ökonomische Charaktere. Wie innerhalb der innern Zirkulation das Geld sich 
idealisiert und bloßes Papier als Repräsentant des Goldes die Funktion des 
Geldes verrichtet, so gibt derselbe Prozeß dem Käufer oder Verkäufer, der als 
bloßer Repräsentant von Geld oder Ware in ihn eintritt, d.h. zukünftiges 
Geld oder zukünftige Ware repräsentiert, die Wirksamkeit des wirklichen 
Verkäufers oder Käufers. 

Alle Formbestimmtheiten, wozu sich Gold als Geld entwickelt, sind nur 
Entfaltung der in der Metamorphose der Waren eingeschlossenen Bestim- 
mungen, die aber in dem einfachen Geldumlauf, der Erscheinung des Gelds 
als Münze oder der Bewegung W-G-W als prozessierender Einheit, nicht 
zu selbständiger Gestalt ausgeschieden wurden, oder auch, wie z.B. die 
Abbrechung der Metamorphose der Ware, als bloße Möglichkeiten er- 
schienen. Wir sahen, daß im Prozeß W.-G die Ware als wirklicher Gebrauchs- 
wert und ideeller Tauschwert sich auf das Geld als wirklichen Tauschwert 
und nur ideellen Gebrauchswert bezog. Indem der Verkäufer die Ware als 
Gebrauchswert veräußerte, realisierte er ihren eigenen Tauschwert und den 
Gebrauchswert des Geldes. Umgekehrt, indem der Käufer das Geld als 
Tauschwert veräüußerte, realisierte er seinen Gebrauchswert und den Preis 
der Ware. Es fand dementsprechend Stellenwechsel von Ware und Geld statt. 
Der lebendige Prozeß dieses doppelseitig polarischen Gegensatzes wird nun 
wieder in seiner Verwirklichung gespalten. Der Verkäufer veräußert die Ware 
wirklich und realisiert ihren Preis zunächst selbst nur wieder ideell. Er hat sie 
zu ihrem Preis verkauft, der aber erst in einer später festgesetzten Zeit rea- 
lisiert wird. Der Käufer kauft als Repräsentant von künftigem Geld, während 
der Verkäufer als der Besitzer von gegenwärtiger Ware verkauft. Auf der 
Seite des Verkäufers wird die Ware als Gebrauchswert wirklich veräußert, 
ohne daß sie als Preis wirklich realisiert wäre; auf der Seite des Käufers wird 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 117 

das Geld wirklich im Gebrauchswerte der Ware realisiert, ohne daß es als 
Tauschwert wirklich veräußert wäre. Statt daß früher das Wertzeichen, ver- 
tritt hier der Käufer selbst symbolisch das Geld. Wie aber früher die all- 
gemeine Symbolik des Wertzeichens die Garantie und den Zwangskurs des 
Staates, ruft jetzt die persönliche Symbolik des Käufers gesetzlich erzwing- 
bare Privatkontrakte unter den Warenbesitzern hervor. 

Umgekehrt kann im Prozeß G-W. das Geld als wirkliches Kaufmittel ent- 
äußert und der Preis der Ware so realisiert werden, ehe der Gebrauchswert 
des Geldes realisiert oder die Ware veräußert wird. Dies findet z.B. statt in 
der alltäglichen Form der Pränumeration. Oder in der Form, worin die eng- 
lische Regierung das Opium der Ryots in Indien, oder in Rußland ansässige 
fremde Kaufleute großenteils russische Landeserzeugnisse kaufen. So wirkt 
jedoch das Geld nur in der schon bekannten Form des Kaufmittels und er- 
hält daher keine neue Formbestimmtheit.* Wir verweilen daher nicht bei 
dem letztern Fall, bemerken jedoch mit Bezug auf die verwandelte Gestalt, 
worin beide Prozesse G-W und W-G hier auftreten, daß der bloß gemeinte 
Unterschied von Kauf und Verkauf, wie er unmittelbar in der Zirkulation 
erscheint, jetzt zum wirklichen Unterschied wird, indem in der einen Form 
nur die Ware, in der andern nur das Geld vorhanden ist, in beiden aber nur 
das Extrem, von dem die Initiative ausgeht. Zudem haben beide Formen 
gemein, daß in beiden das eine Äquivalent nur in dem gemeinsamen Willen 
des Käufers und Verkäufers vorhanden ist, ein Wille, der beide bindet und 
bestimmte gesetzliche Formen erhält. 

Verkäufer und Käufer werden Gläubiger und Schuldner. Wenn der 
"Warenbesitzer als Hüter des Schatzes eher eine komische Figur spielte, wird 
er nun schrecklich, indem er nicht sich selbst, sondern seinen Nächsten als 
Dasein einer bestimmten Geldsumme auffaßt und nicht sich, sondern ihn 
zum Märtyrer des Tauschwerts macht. Aus einem Gläubigen wird er zum 
‘Gläubiger, aus der Religion fällt er in die Jurisprudenz. 

„I stay here on my bond!“ [22] 

In der veränderten Form W.-G also, worin die Ware vorhanden und das 
Geld nur repräsentiert ist, funktioniert das Geld zunächst als Maß der Werte. 
Der Tauschwert der Ware wird in Geld als seinem Maß geschätzt, aber als 
kontraktlich gemeßner Tauschwert existiert der Preis nicht nur im Kopf des 

“ Kapital wird natürlich auch in der Form des Geldes avanciert und das vor- 
geschoßne Geld mag vorgeschoßnes Kapital sein, dieser Gesichtspunkt fällt aber nicht 
in den Horizont der einfachen Zirkulation. 

118 u Karl Marx 

Verkäufers, sondern zugleich als Maß der Verpflichtung des Käufers. Zwei- 
tens funktioniert das Geld hier als Kaufmittel, obgleich es nur den Schatten 
seines künftigen Daseins vor sich herwirft. Es zieht nämlich die Ware aus 
ihrer Stelle, aus der Hand des Verkäufers in die des Käufers. Wird der 
Termin für Erfüllung des Kontrakts fällig, so tritt das Geld in Zirkulation, 
denn es wechselt die Stelle und geht aus der Hand des vergangnen Käufers 
in die des vergangnen Verkäufers über. Aber es tritt nicht in Zirkulation als 
Zirkulationsmittel oder Kaufmittel. Als solches funktionierte es, ehe. es da 
war, und es erscheint, nachdem es aufgehört hat, als solches zu funktionieren. 
Es tritt vielmehr in Zirkulation als das einzige adäquate Äquivalent für Ware, 
als absolutes Dasein des Tauschwerts ‚als letztes Wort des Austauschprozesses, 
kurz als Geld, und zwar als Geld in der bestimmten Funktion als allgemeines 
Zahlungsmittel. In dieser Funktion als Zahlungsmittel erscheint das Geld als 
die absolute Ware, aber innerhalb der Zirkulation selbst, nicht wie der Schatz 
außerhalb derselben. Der Unterschied von Kaufmittel und Zahlungsmittel 
macht sich sehr unangenehm bemerkbar in den Epochen der Handelskrisen.* 
Ursprünglich erscheint in der Zirkulation die Verwandlung des Produkts 
in Geld nur als individuelle Notwendigkeit für den Warenbesitzer, sofern sein 
Produkt Gebrauchswert nicht für ihn ist, sondern es erst durch seine Ent- 
äußerung werden soll. Um aber zu zahlen am kontraktlichen Termin, muß 
er vorher Ware verkauft haben. Ganz unabhängig von seinen individuellen 
Bedürfnissen ist daher der Verkauf durch die Bewegung des Zirkulations- 
prozesses in eine gesellschaftliche Notwendigkeit für ihn verwandelt. Als 
vergangner Käufer einer Ware wird er zwangsweise Verkäufer einer andern 
Ware, nicht um das Geld als Kaufmittel, sondern um es als Zahlungsmittel 
zu erhalten, als die absolute Form des Tauschwerts. Die Verwandlung von 
Ware in Geld als abschließender Akt, oder die erste Metamorphose der Ware 
als Selbstzweck, die in der Schatzbildumg Laune des Warenbesitzers schien, 
ist jetzt zu einer ökonomischen Funktion geworden. Das Motiv und der 
Inhalt des Verkaufs, um zu zahlen; ist aus der Form des Zirkulationsprozesses 
selbst entspringender Inhalt desselben. 
In dieser Form des. Verkaufs vollzieht die Ware ihren Stellenwechsel, 
zirkuliert, während sie ihre erste Metamorphose, ihre Verwandlung in Geld 
aufschiebt. Auf der Seite des Käufers dagegen wird die zweite Metamorphose 
vollzogen, d.h. Geld in Ware rückverwandelt, ehe die erste Metamorphose 
vollzogen ist, d.h. Ware in Geld verwandelt worden ist. Die erste Meta- 

* Unterschied von Kaufmittel und Zahlungsmittel bei Luther betont. [Note im 
Handexemplar.] 2 r 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 119 

morphose erscheint also hier in der Zeit nach der zweiten. Und damit erhält 
das Geld, die Gestalt der Ware in ihrer ersten Metamorphose, neue Form- 
bestimmtheit. Geld oder die selbständige Entwicklung des Tauschwerts ist 
nicht mehr vermittelnde Form der Warenzirkulation, sondern ihr abschließen- 
des Resultate. . 
Daß solche Zeitverkäufe, worin beide Pole des Verkaufs getrennt in der 
Zeit existieren, naturwüchsig aus der einfachen Warenzirkulation hervor- 
gehn, bedarf keines ausführlichen Beweises. Zunächst bringt es die Entwick- 
lung der Zirkulation mit sich, daß das wechselseitige Auftreten derselben 
Warenbesitzer füreinander als Verkäufer und Käufer sich wiederholt. Die 
wiederholte Erscheinung bleibt nicht bloß zufällig, sondern Ware wird z.B. 
bestellt für einen künftigen Termin, an welchem sie geliefert und bezahlt 
werden soll. In diesem Fall ist der Verkauf ideell, d. h. hier juristisch voll- 
zogen, ohne daß Ware und Geld leiblich erscheinen. Beide Formen des Gel- 
des als Zirkulationsmittel und Zahlungsmittel fallen hier noch zusammen, in- 
- dem einmal Ware und Geld gleichzeitig die Stelle wechseln, andrerseits das 
Geld nicht die Ware kauft, sondern den Preis der früher verkauften Ware 
realisiert. Ferner bringt es die Natur einer Reihe von Gebrauchswerten mit 
sich, daß sie nicht mit tatsächlicher Überlieferung der ‘Ware, sondern nur 
durch Überlassung derselben für eine bestimmte Zeit wirklich veräußert 
werden. Z.B. wenn der Gebrauch eines Hauses verkauft wird für einen 
Monat, ist der Gebrauchswert des Hauses erst nach Ablauf des Monats ge- 
liefert, obgleich es im Anfang des Monats die Hände wechselt. Da .das fak- 
tische Überlassen des Gebrauchswerts und seine wirkliche Entäußerung hier 
der: Zeitnach auseinanderfallen, findet die Realisierung: seinesPreises ebenfalls 
später statt als sein Stellenwechsel. Endlich aber veranlaßt der Unterschied 
der Zeitdauer und Zeitepoche, worin die verschiedenen Waren produziert 
werden, daß der eine als Verkäufer auftritt, während der andere noch nicht 
als Käufer: auftreten kann, und bei der öftern Wiederholung von Kauf und 
Verkauf unter denselben Warenbesitzern fallen so die beiden Momente des 
‚Verkaufs auseinander, entsprechend den Produktionsbedingungen ihrer 
Waren. So entsteht ein Verhältnis von Gläubiger und Schuldner unter den 
Warenbesitzern, das zwar die naturwüchsige Grundlage des Kreditsystems 
bildet, aber vollständig entwickelt sein kann, bevor das letztre existiert. Es ist 
indes klar, daß mit der Ausbildung des Kreditwesens, also der bürgerlichen 
Produktion überhaupt, die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel sich aus- 
dehnen wird auf Kosten seiner Funktion als Kaufmittel und noch mehr als 
Element der Schatzbildung. In England z. B. ist Geld als Münze beinahe aus- 
schließlich in die Sphäre des Detailhandels und des Kleinhandels zwischen 

Produzenten und Konsumenten gebannt, während es als Zahlungsmittel die 
Sphäre der großen Handelstransaktionen beherrscht.* 

Als allgemeines Zahlungsmittel wird Geld die alleine Ware der Kon- 
trakte - zunächst nur innerhalb der Sphäre der Warenzirkulation.** Jedoch 
mit seiner Entwicklung in dieser Funktion lösen sich allmählich alle andern 
Formen der Zahlung in Geldzahlung auf. Der Grad, worin Geld als aus- 
schließliches Zahlungsmittel entwickelt ist, zeigt den Grad an, worin der 
Tauschwert sich der Produktion in ihrer Tiefe und Breite bemächtigt hat.*** 

Zunächst ist die Masse des als Zahlungsmittel zirkulierenden Geldes be- 
stimmt durch den Belauf der Zahlungen, d.h. die Preissumme der veräußer- 
ten Waren, nicht der zu veräußernden, wie im einfachen Geldumlauf. Die so 

* Herr Macleod verkennt, trotz seines doktrinären Definitionsdünkels, so sehr die 
elementarischsten ökonomischen Verhältnisse, daß er das Geld überhaupt entspringen 
läßt aus seiner entwickeltsten Form, der des Zahlungsmittels. Er sagt unter anderm: 
Da die Leute nicht immer gleichzeitig ihre wechselseitigen Dienste bedürfen, und 
nicht: in demselben Wertumfang, „so würde eingewisser Unterschied. oder Betrag des 
Dienstes übrigbleiben, vom Ersten an den Zweiten zahlbar - Schuld“. Der Besitzer 
dieser Schuld braucht die Dienste eines andern, der der seinigen nicht unmittelbar 
bedarf, und „überträgt dem Dritten die Schuld, die der Erste an ihn hat. Der Schuld- 
schein geht so von einer Hand zur andren - Umlaufmittel... Werin jemand eine Schuld- 
verpflichtung empfängt, die in Metallgeld ausgedrückt ist, so kann er nicht nur über die 
Dienste des ursprünglichen Schuldners verfügen, sondern über die der ganzen arbeiten- 
den Gemeinschaft.“ Macleod, „Theory and Practice of Banking etc.“, London 1855, 
v. I. ch. ! [p. 23f., 29]. 

** Bailey, 1. c.p. 3: „Geld ist die allgemeine Ware der Kontrakte, oder diejenige, 
.in der die Mehrzahl der Eigentumsverträge, die in mare Zeit erfüllt werden sollen, 
abgeschlossen werden.“ 

*#* Senior, |. c. p. 221, sagt: „Da der Wert aller Dinge in einem bestimmten Zeit- 
raum wechselt, so nimmt man als Zahlungsmittel die Sache, deren Wert am wenigsten 
wechselt, die am längsten eine gegebene Durchschnittsfähigkeit, Sachen zu kaufen, be- 
wahrt. So wird das Geld Ausdruck oder Repräsentant der Werte.“ Umgekehrt. Weil 
Gold, Silber etc. Geld, d.h. Dasein des verselbständigten Tauschwerts geworden sind, 
werden sie allgemeine Zahlungsmittel. Wo die von Herrn Senior erwähnte Rücksicht auf 
die Dauer der Wertgröße des Geldes eintritt, d. h. in Perioden, wo das Geld durch die 
Gewalt der Umstände sich als allgemeines Zahlungsmittel durchsetzt, wird grade auch 
das Schwanken in der Wertgröße des Geldes entdeckt. Eine solche Periode war in Eng- 
land die Zeit der Elisabeth, und es war zu ihrer Zeit, daß Lord Burleigh und Sir 
"Thomas Smith, mit Rücksicht auf die sichtbar werdende Depreziation der edeln Me- 
talle eine Parlamentsakte durchsetzten, die die Universitäten von Oxford und Cam- 
bridge verpflichtet, ein Drittel ihrer Grundrenten sich in Weizen und Malz zu reser- 
vieren. 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 121 

bestimmte Summe wird jedoch doppelt modifiziert, erstens durch die Ge- 
schwindigkeit, womit dasselbe Geldstück dieselbe Funktion wiederholt oder 
sich die Masse der Zahlungen als prozessierende Kette von Zahlungen dar- 
stellt. A zahlt B, worauf BC zahlt und so fort. Die Geschwindigkeit, womit 
dasselbe Geldstück seine Funktion als Zahlungsmittel wiederholt, hängt. 
einerseits ab von der Verkettung der Verhältnisse von Gläubiger und Schuld- 
ner unter den Warenbesitzern, so daß derselbe Warenbesitzer der Gläubiger 
gegenüber dem einen, Schuldner gegenüber dem andern ist usw., andererseits 
von der Zeitlänge, die die verschiedenen Zahlungstermine trennt. Diese Kette 
von Zahlungen oder nachträglichen ersten Metamorphosen der Waren ist 
qualitativ verschieden von der Kette der Metamorphosen, die sich im Um- 
lauf des Gelds als Zirkulationsmittel darstellt. Letztere erscheint nicht nur 
in zeitlicher Sukzession, sondern wird erst in derselben. Die Ware wird Geld, 
dann wieder Ware und befähigt so die andere Ware, Geld zu werden usw., 
oder der Verkäufer wird Käufer, wodurch ein anderer Warenbesitzer Ver- 
käufer wird. Dieser Zusammenhang entsteht zufällig im Prozeß des Waren-- 
austauschs selbst. Daß aber Geld, womit A den B bezahlt hat, von Ban C, 
von C an D usw. fortgezahlt wird, und zwar in rasch aufeinanderfolgenden 
Zeiträumen - in diesem äußerlichen Zusammenhang tritt nur ein schon 
fertig vorhandener gesellschaftlicher Zusammenhang an den Tag. Dasselbe 
Geld läuft nicht durch verschiedene Hände, weil es als Zahlungsmittel 
auftritt, sondern es läuft als Zahlungsmittel um, weil die verschiedenen Hände 
schon ineinandergeschlagen haben. Die Geschwindigkeit, womit das Geld 
als Zahlungsmittel umläuft, zeigt also ein viel tieferes Hereinziehen der Indi- 
viduen in den Zirkulationsprozeß, als die Geschwindigkeit, womit das Geld 
als Münze oder als Kaufmittel umläuft. 
Die Preissumme gleichzeitiger und daher räumlich nebeneinanderfallen- 
der Käufe und Verkäufe bildet die Grenze für Ersetzen der Münzmasse durch 
Umlaufsgeschwindigkeit. Diese Schranke fällt fort für das als Zahlungsmittel 
funktionierende Geld. Konzentrieren sich gleichzeitig zu leistende Zahlungen 
an einem Platz, was zunächst naturwüchsig nur an den großen Sammel- 
punkten der Warenzirkulation stattfindet, so gleichen sich die Zahlungen als 
negative und positive Größen gegeneinander aus, indem A an B zu zahlen, 
zugleich von C Zahlung zu erhalten hat usw. Die als Zahlungsmittel er- 
_ heischte Summe Geldes wird daher bestimmt sein nicht durch die Preis- 
summe der gleichzeitig zu realisierenden Zahlungen, sondern durch die grö- 
Bere oder geringere Konzentration derselben und die Größe der Bilanz, die 
“ nach ihrem wechselseitigen Aufheben als negative und positive Größen übrig- 
bleibt. Eigne Vorrichtungen zu diesen Ausgleichungen entstehen ohne alle 

122 “Karl Marx 

Entwickelung des Kreditwesens, wie z.B. im alten Rom. Die Betrachtung 
derselben gehört aber ebensowenig hierher, wie die der allgemeinen Zah- 
lungstermine, die sich überall in bestimmten Gesellschaftskreisen festsetzen. 
Hier sei nur noch bemerkt, daß der spezifische Einfluß, den diese Termine 
auf die periodischen Schwankungen in der Quantität des umlaufenden Geldes 
ausüben, erst in neuester Zeit wissenschaftlich untersucht worden ist. 
Soweit sich die Zahlungen ausgleichen als positive und negative Größen, 
findet gar keine Dazwischenkunft von wirklichem Geld statt. Es entwickelt 
sich hier nur in seiner Form als Maß der Werte, einerseits im Preis der Ware, 
andererseits in der Größe der wechselseitigen Obligationen. Außer seinem 
ideellen Dasein erhält der Tauschwert hier also kein selbständiges Dasein, 
nicht einmal das Dasein als Wertzeichen, oder das Geld wird nur zu idealem 
Rechengeld. Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel schließt also den 
Widerspruch ein, daß es einerseits, soweit sich die Zahlungen ausgleichen, 
nur ideell als Maß wirkt, andrerseits, soweit die Zahlung: wirklich. zu ver- 
richten ist, nicht als verschwindendes Zirkulationsmittel, sondern als das 
ruhende Dasein des allgemeinen Äquivalents, als die absolute Ware, mit 
einem Wort, als Geld in die Zirkulation hereintritt. Wo daher die Kette der‘ 
Zahlungen und ein künstliches System ihrer Ausgleichung sich entwickelt 
hat, schlägt bei Erschütterungen, die den Fluß der Zahlungen gewaltsam 
unterbrechen und den Mechanismus ihrer Ausgleichung stören, das Geld 
plötzlich aus seiner gasartigen hirngewebten Gestalt als Maß der Werte in 
hartes Geld oder Zahlungsmittel um. In Zuständen entwickelter bürgerlicher 
Produktion also, worin der Warenbesitzer längst Kapitalist geworden ist, 
seinen Adam Smith kennt, und vornehm über den Aberglauben lächelt, 
daß Gold und Silber allein Geld oder daß Geld überhaupt im Unterschied 
von andern Waren die absolute Ware sei, erscheint Geld plötzlich wieder, 
nicht als. Mittler der Zirkulation, sondern als allein adäquate Form des 
Tauschwerts, als der einzige Reichtum, ganz wie es der Schatzbildner auf- 
faßt. Als solch ausschließliches Dasein des Reichtums offenbart es sich nicht, 
wie etwa im Monetarsystem, in der bloß vorgestellten, sondern in der wirk- 
lichen Entwertung und Wertlosigkeit alles stofflichen Reichtums. Es ist dies 
das besondere Moment der Weltmarktskrisen, das Geldkrise heißt. Das sum- 
mum bonum!, wonach in solchen Momenten als dem einzigen Reichtum ge- 
schrien wird, ist Geld, bares Geld, und daneben erscheinen alle andern 
Waren, eben weil sie Gebrauchswerte sind, als nutzlos, als Tand, Spielzeug, 

oder wie unser Doktor Martin Luther sagt, als bloßer Schmuck und Fraß. 

1 höchste. Gut 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 123 

Dies plötzliche Umschlagen des Kreditsystems in das Monetarsystem fügt 
den theoretischen Schrecken zum praktischen panic, und die Zirkulations- 
ageniten schaudern vor dem undurchdringlichen Geheimnis ihrer eigenen 
Verhältnisse.* 

Die Zahlungen machen ihrerseits einen Reservefönde eine Akkumu- 
lation von Geld als Zahlungsmittel nötig. Die Bildung dieser Reservefonds 
erscheint nicht mehr wie bei der Schatzbildung als der Zirkulation selbst 
äußerliche Tätigkeit, noch wie bei der Münzreserve als bloß technische 
Stockung der Münze, sondern Geld muß allmählich aufgesammelt werden, 
um an bestimmten künftigen Zahlungsterminen vorhanden zu sein. Während 
also die Schatzbildung in der abstrakten Form, worin sie als Bereicherung 
gilt, mit der Entwickelung der bürgerlichen Produktion abnimmt, wächst diese 
durch den Austauschprozeß unmittelbar erheischte Schatzbildung, oder viel- 
mehr ein Teil der Schätze, die sich überhaupt in der Sphäre der Waren- 
zirkulation bilden, wird als Reservefonds von Zahlungsmitteln absorbiert. Je 
entwickelter die bürgerliche Produktion ist, um so mehr werden diese Reserve- 
fonds auf das notwendige Minimum beschränkt. Locke gibt in seiner Schrift 
über die Herabsetzung des Zinsfußes** interessante Aufschlüsse über die 
Größe dieser Reservefonds zu seiner Zeit: Man ersieht daraus, welchen be- 
deutenden Teil des überhaupt umlaufenden Geldes die Reservoirs für 
Zahlungsmittel in England absorbierten grade in 1 der Epoche, wo sich das 
Bankwesen zu entwickeln begann. 

Das Gesetz über die Quantität des zirkulierenden Geldes, wie es sich 
aus der Betrachtung des einfachen Geldumlaufs ergab, wird wesentlich modi- 
fiziert durch den Umlauf des Zahlungsmittels. Bei gegebener Umlaufs- 
geschwindigkeit des Geldes, sei es als Zirkulationsmittel, sei es als Zahlungs- 
mittel, wird die Gesamtsumme des in einem gegebenen Zeitabschnitt zirku- 
lierenden Geldes bestimmt sein durch die Gesamtsumme der zu realisierenden 

* Boisguillebert, der die bürgerlichen Produktionsverhältnisse verhindern möchte, 
sich gegen die Bürger selbst auf die Hinterfüße zu stellen, faßt.mit Vorliebe die Formen 
des Geldes auf, worin es nur ideell oder nur verschwindend erscheint. So früher das 
Zirkulationsmittel. So das Zahlungsmittel. Was er wieder nicht sieht, ist der unver- 
mittelte Umschlag aus der idealen Form des Geldes in seine äußerliche Wirklichkeit, 
daß das harte Geld schon im nur gedachten Maß der Werte latent enthalten. ist.’ Daß, 
sagt er, das Geld bloße Form der Waren selbst ist, zeigt sich bei dem Großhandel, wo 
-der Austausch vor sich geht ohne Intervention des Geldes, nachdem „les’ marchandises 
sont appreciees“". „Le detail de la France“, . c.p. 210. 

.. ** Locke, 1. c. p. 17, 18. 

1 „die Waren  abgeschätzt sind“ 

Warenpreise [plus] der Gesamtsumme der in derselben Epoche fälligen 
Zahlungen minus der durch Ausgleichung sich gegeneinander aufhebenden. 
Zahlungen. Das allgemeine Gesetz, daß die Masse des umlaufenden Geldes. 
von den Warenpreisen abhängt, wird dadurch nicht im geringsten berührt, 
da der Belauf der Zahlungen selbst durch die kontraktlich festgesetzten 
Preise bestimmt ist. Es zeigt sich aber schlagend, daß selbst Geschwindigkeit 
des Umlaufs und Ökonomie der Zahlungen als gleichbleibend vorausgesetzt, 
die Preissumme der in einer bestimmten Periode, z.B. einem Tag, zirku- 
lierenden Warenmassen und die Masse des an demselben Tag zirkulierenden 
Geldes sich keineswegs decken, denn es zirkulieren eine Masse Waren, deren 
Preis erst künftig in Geld realisiert wird, und es zirkuliert eine Masse Geld, 
wofür die entsprechenden Waren längst aus der Zirkulation herausgefallen 
sind. Die letztere Masse selbst wird davon abhängen, wie groß die Wert- 
summe der Zahlungen ist, die an demselben Tag fällig werden, obgleich sie zu 
ganz verschiedenen Perioden kontrahiert sind. 

Wir sahen, daß der Wechsel im Wert des Goldes und Silbers ihre-Funk- . 
tion als Maß der Werte oder Rechengeld nicht affiziert. Dieser Wechsel wird 
jedoch entscheidend wichtig für das Geld als Schatz, denn mit dem Steigen 
oder Fallen des Gold- und Silberwerts steigt oder fällt die Wertgröße des 
goldnen oder silbernen Schatzes. Noch wichtiger für das Geld als Zahlungs- 
mittel. Die Zahlung erfolgt erst später als der Verkauf der Ware oder das 
Geld wirkt zu zwei verschiedenen Zeiträumen in zwei verschiedenen Funk- 
tionen, erst als Maß der Werte, dann als dieser Messung entsprechendes 
Zahlungsmittel. Wechselt in dieser Zwischenzeit der Wert der edeln Metalle, 
oder die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit, so wird dasselbe Quan- 
tum Gold oder Silber, wenn es als Zahlungsmittel erscheint, mehr oder weni- 
ger wert sein als zur Zeit, wo es als Maß der Werte diente oder der Kontrakt 
abgeschlossen wurde. Die Funktion einer besondern Ware wie Gold und 
Silber als Geld oder verselbständigter Tauschwert kommt hier in Kollision 
mit ihrer Natur als besondrer Ware, deren Wertgröße vom Wechsel ihrer 
Produktionskosten abhängt. Die große soziale Revolution, die das Fallen im 
Wert der edlen Metalle in Europa hervorrief, ist ebenso bekannte Tatsache, 
wie die umgekehrte Revolution, die in einer frühen Epoche der altrömischen 
Republik bewirkt wurde durch das Steigen im Wert des Kupfers, worin die 
Schulden der Plebejer kontrahiert waren. Ohne die Wertschwankungen der 
edlen Metalle in ihrem Einfluß auf das Systen der bürgerlichen Ökonomie 
weiter zu verfolgen, ergibt sich schon hier, daß das Fallen im Wert der edeln 
Metalle die Schuldner auf Kosten der Gläubiger, ein Steigen in ihrem Wert 
umgekehrt die Gläubiger auf Kosten der Schuldner begünstigt. 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 125 

c) Weltgeld 

‚Gold wird Geld im Unterschied von Münze, erst indem es sich als 
Schatz aus der Zirkulation zurückzieht, dann als Nichtzirkulationsmittel in 
sie eintritt, endlich aber die Schranken der innern Zirkulation durchbricht, 
um als allgemeines Äquivalent in der Welt der Waren zu funktionieren. So 
wird es Weltgeld. 

Wie die allgemeinen Gewichtsmaße der edeln Metalle als ursprüngliche 
Wertmaße dienten, werden innerhalb des Weltmarkts die Rechennamen des 
Geldes wieder in die entsprechenden Gewichtnamen verwandelt. Wie das 
formlose Rohmetall (aes rude) die ursprüngliche Form des Zirkulationsmittels 
und die Münzform ursprünglich selbst nur offizielles Zeichen des in den 
Metallstücken enthaltenen Gewichts war, so streift das edle Metall als Welt- 
münze Figur und Gepräge wieder ab und fällt in die gleichgültige Barren- 
form zurück, oder wenn nationale Münzen, wie russische Imperialen, mexi- 
kanische Taler und englische Sovereigns im Ausland zirkulieren, wird ihr 
Titel gleichgültig und gilt nur ihr Gehalt. Als internationales Geld endlich 
vollziehn die edeln Metalle wieder ihre ursprüngliche Funktion als Tausch- 
mittel, die, wie der Warenaustausch selbst, nicht im Innern der natur- 
wüchsigen Gemeinwesen, sondern an den Berührungspunkten verschiedner 
Gemeinwesen entsprang. Als Weltgeld erhält also das Geld seine natur- 
wüchsig erste Form zurück. Indem es die innere Zirkulation verläßt, streift 
es die besondern Formen wieder ab, die aus der Entwicklung des Austausch- 
prozesses innerhalb jener besondern Sphäre hervorwuchsen, seine Lokal- 
formen als Maßstab der Preise, Münze, Scheidemünze und Wertzeichen. 

Wir sahen, daß in der innern Zirkulation eines Landes nur eine Ware als 
Maß der Werte dient. Da aber in dem emen Lande Gold, in dem andern 
Silber diese Funktion verrichtet, gilt auf dem Weltmarkt ein doppeltes Maß 
der Werte und verdoppelt das Geld seine Existenz auch in allen andern 
‚Funktionen. Die Übersetzung der Warenwerte aus Goldpreisen in Silber- 
preise und umgekehrt wird jedesmal bestimmt durch den relativen Wert 
beider Metalle, der beständig wechselt und dessen Festsetzung daher als be- 
ständigerProzeß erscheint.Die Wareninhaber jeder innern Zirkulationssphäre 
sind gezwungen, Gold und Silber abwechselnd für die auswärtige Zirkulation 
zu gebrauchen und so das Metall, das im Inland als Geld gilt, gegen das Metall 
auszutauschen, das sie gerade im Ausland als Geld brauchen. Jede Nation 
wendet also beide Metalle, Gold und Silber, als Weltgeld an. 

In der internationalen Warenzirkulation erscheinen Gold und Silber nicht 
als Zirkulationsmittel, sondern als. allgemeine Tauschmittel. Das allgemeine 

126 ; Karl Marx 

Tauschmittel funktioniert aber nur in den beiden entwickelten Formen des 
Kaufmittels und des Zahlungsmittels, deren Verhältnis sich jedoch auf dem 
Weltmarkt umkehrt. In der Sphäre der innern Zirkulation wirkte das Geld, 
soweit es Münze war, den Mittler der. prozessierenden Einheit W-G-W oder 
die nur verschwindende Form des Tauschwerts-im unaufhörlichen Stellen- 
wechsel der Waren darstellte, ausschließlich als Kaufmittel. Auf dem Welt- 
markt umgekehrt. Gold und Silber erscheinen hier als Kaufmittel, wenn 
der Stoffwechsel nur einseitig ist und daher Kauf und Verkauf auseinander- 
fallen. Der Grenzhandel zu Kiachtal! z.B. ist tatsächlich und durch Vertrag 
Tauschhandel, worin Silber nur Wertmaß. Der Krieg von. 1857-1858! be- 
stimmte die Chinesen, zu verkaufen, ohne zu kaufen. Nun erschien Silber 
plötzlich als Kaufmittel. Aus Rücksicht auf den Wortlaut des Vertrags ver- 
arbeiteten die Russen französische Fünffrankenstücke in rohe Silberwaren ; die 
als Tauschmittel dienten. Silber funktioniert fortwährend als Kaufmittel 
zwischen Europa und Amerika auf der einen Seite, Asien auf der andern, wo 
es sich als Schatz. niederschlägt. Ferner funktionieren die edeln Metalle als 
internationale Kaufmittel, sobald das herkömmliche Gleichgewicht des Stoff- 
wechsels zwischen zwei Nationen plötzlich unterbrochen wird, Mißernte 
z.B. die eine derselben in außerordentlichem Maß zu kaufen zwingt. End- 
lich sind die edlen Metalle internationales Kaufmittel in der Hand.der Gold 
und Silber produzierenden Länder, wo sie unmittelbares Produkt und Ware, 
nicht die verwandelte Form der Ware sind. Je mehr der Warenaustausch 
zwischen verschiedenen nationalen Zirkulationssphären sich entwickelt, ent- 
wickelt sich die Funktion des Weltgeldes als Zahlungsmittel zur Ausgleichung 
der internationalen Bilanzen. 

Wie die irinere Zirkulation, so erheischt die internationale Zirkulation 
eine stets wechselnde Quantität von Gold und Silber. Ein Teil der auf- 
gehäuften Schätze dient daher bei jedem Volk als Reservefonds des Welt- 
geldes, der sich bald entleert, bald wieder füllt, entsprechend den Oszil- 
lationen des Warenaustausches.* Außer den besondern Bewegungen, worin 
es zwischen den nationalen! Zirkulationssphären hin und her läuft, besitzt 
das Weltgeld eine allgemeine Bewegung, deren Ausgangspunkte an den 

* „Das angehäufte Geld kommt zu der Summe hinzu, die, um wirklich in Zirku- 
lation zu sein und um den Möglichkeiten des Handels zu genügen, sich enifernt und 
die Sphäre der Zirkulation selbst verläßt.“ (G.R. Carli, Note zu Verri, „Meditazioni sulla 
Economia Politica“, p. 192, t. XV bei Custodi 1. c.) 

- 2: Im Handexemplar korrigiert; (1859) internationalen 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 127 

Produktionsquellen liegen, von denen aus Gold- und Silberströme sich in ver- 
schiedener Richtung über den Weltmarkt wälzen. Als Waren treten Gold 
und Silber hier in die Weltzirkulation und sind als Äquivalente im Ver- 
hältnis zu der in ihnen enthaltenen Arbeitszeit gegen Warenäquivalente aus- 
getauscht, bevor sie in die innern Zirkulationssphären fallen. In denselben 
erscheinen sie daher mit gegebener Wertgröße. Jedes Fallen oder Steigen im 
Wechsel ihrer Produktionskosten affiziert daher gleichmäßig auf dem Welt- 
markt ihren relativen Wert, der dagegen durchaus unabhängig ist von dem 
Grad, worin verschiedne nationale Zirkulationssphären Gold oder Silber 
verschlucken. Der Teil des Metallstroms, der von jeder besondern Sphäre 
der Warenwelt aufgefangen wird, geht teils unmittelbar in den innern Geld- 
umlauf ein, zum Ersatz der. verschlißnen Metallmünzen, wird teils ab- 
gedämmt in den verschiednen Schatzreservoirs von Münze, Zahlungsmittel 
und Weltgeld, teils verwandelt in Luxusartikel, während der Rest endlich 
Schatz schlechthin wird. Auf entwickelter Stufe der bürgerlichen Produktion 
wird die Bildung der Schätze auf das Minimum beschränkt, das die ver- 
schiednen Prozesse der Zirkulation zum freien Spiel ihres Mechanismus 
erheischen. Schatz als solcher wird hier nur der brachliegende Reichtum - 
wenn nicht augenblickliche Form eines Überschusses in der Bilanz der Zah- ° 
lungen, das Resultat unterbrochnen Stoffwechsels und darum Erstarrung 
der Ware in ihrer ersten Metamorphose. 
Wie Gold und Silber als Geld ihrem Begriff nach die allgemeine Ware 
sind, so erhalten sie im Weltgeld die entsprechende Existenzform der uni- 
versellen Ware. Im Verhältnis wie alle Produkte sich gegen sie veräußern, 
werden sie die verwandelte Gestalt aller Waren und daher die allseitig ver- 
äußerliche Ware. Als Materiatur der allgemeinen Arbeitszeit werden sie ver- 
wirklicht, im Maße wie der Stoffwechsel der realen Arbeiten den Erdboden 
umspannt. Sie werden allgemeines Äquivalent in dem Grad, worin sich die 
"Reihe der besondern Äquivalente entwickelt, die ihre Austauschsphäre bilden. 
Weil in der Weltzirkulation die Waren ihren eignen Tauschwert universell 
entfalten, erscheint dessen in Gold und Silber verwandelte Gestalt als Welt- 
geld. Während also die Nationen von Warenbesitzern durch ihre allseitige 
Industrie und allgemeinen Verkehr Gold zu adäquatem Geld umschaffen, er- 
scheinen ihnen Industrie und Verkehr nur als Mittel, um das Geld in der 
Form von Gold und Silber dem Weltmarkt zu entziehn. Gold und Silber als 
Weltgeld sind daher ebensowohl Produkt der allgemeinen Warenzirkulation 
wie Mittel, ihre Kreise weiter zu ziehn. Wie hinter dem Rücken der Alchimi-. 
sten, indem sie Gold machen wollten, die Chemie erwuchs, so springen hinter 
dem Rücken der Warenbesitzer, indem sie der Ware’ in ihrer verzauberten 

Gestalt nachjagen, die Quellen der Weltindustrie und des Welthandels auf. 
Gold und Silber helfen den Weltmarkt schaffen, indem sie in ihrem Geld- 
begriff sein Dasein antizipieren. Daß diese ihre Zauberwirkung keineswegs 
auf die Kinderjahre der bürgerlichen Gesellschaft beschränkt ist, sondern 
notwendig hervorwächst aus der Verkehrung, worin den Trägern der Waren- 
welt ihre eigne gesellschaftliche Arbeit erscheint, beweist der außerordent- 
liche Einfluß, den die Entdeckung neuer Goldländer in der Mitte des 
19. Jahrhunderts auf den Weltverkehr ausübt. 

Wie sich das Geld zum Weltgeld, entwickelt sich der Warenkesitzer zum 
Kosmopoliten. Die kosmopolitische Beziehung der Menschen zueinander 
ist ursprünglich nur ihr Verhältnis als Warenbesitzer. Die Ware ist an und 
für sich über jede religiöse, politische, nationale und sprachliche Schranke 
erhaben. Ihre allgemeine Sprache ist der Preis und ihr Gemeinwesen ist das 
Geld. Aber mit der Entwicklung des Weltgeldes im Gegensatz zur Landes- 
münze entwickelt sich der Kosmopolitismus des Warenbesitzers als Glaube 
der praktischen Vernunft im Gegensatz zu angestammten religiösen, natio- 
nalen und andern Vorurteilen, die den Stoffwechsel der Menschheit hemmen. 
Wie dasselbe Gold, das in der Form amerikanischer eagles in England landet, 
zum Sovereign wird, nach drei Tagen in Paris als Napoleon umläuft, nach 
einigen Wochen sich in Venedig als Dukate wiederfindet, aber stets denselben 
Wert behält, wird dem Warenbesitzer klar, daß die Nationalität „is but the 
guinea’s stamp“!, Die erhabene Idee, worin ihm die ganze Welt aufgeht, ist 
die eines Marktes - des Weltmarkts.* 

4. Die edeln Metalle 

Der bürgerliche Produktionsprozeß bemächtigt sich zunächst der metal- 
lischen Zirkulation als eines fertig überlieferten Organes, das zwar allmählich 
_ umgestaltet wird, jedoch stets seine Grundkonstruktion bewahrt. Die Frage, 

* Montanari, „Della Moneta“ (1683), 1. c. p. 40: „Die Verbindung zwischen allen 
Völkern ist derart über den ganzen Erdball ausgedehnt, daß man beinahe sagen kann, 
die ganze Welt sei eine einzige Stadt geworden, in der ständiger Jahrmarkt aller Waren 
herrscht und jedermann, in seinem Hause sitzend, vermittels des Geldes sich verschaffen 
und genießen kann von all dem, was die Erde, die Tiere und der menschliche Fleiß 
anderswo hervorgebracht haben. Eine wunderbare Erfindung.“ 

I ‚nur die Prägung der Guinee ist“ 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 129 ° 

warum statt andrer Waren Gold und Silber als Material des Geldes dienen, 
fällt jenseits der Grenze des bürgerlichen Systems. Wir fassen daher nur 
summarisch die wesentlichsten Gesichtspunkte zusammen. 

Da die allgemeine Arbeitszeit selbst nur quantitative Unterschiede zuläßt, 
muß der Gegenstand, der als ihre spezifische Inkarnation gelten soll, fähig sein, 
rein quantitative Unterschiede darzustellen, so daß Dieselbigkeit, Gleich- _ 
förmigkeit der Qualität vorausgesetzt ist. Es ist dies die erste Bedingung für 
- die Funktion einer Ware als Wertmaß. Schätze ich z. B. alle Waren in Ochsen, 
Häuten, Getreide usw., so muß ich sie in der Tat in idealem Durchschnitts- 
Ochsen, Durchschnitts-Haut messen, da Ochs von Ochs, Getreide von Ge- 
treide, Haut von Haut qualitativ verschieden ist. Gold und Silber dagegen 
sind als einfache Körper stets sich selbst gleich und gleiche Quanta derselben 
stellen daher gleich große Werte dar.* Die andre, direkt aus der Funktion rein 
quantitative Unterschiede darzustellen, hervorgehende Bedingung für die 
Ware, die als allgemeines Äquivalent dienen soll, ist die Möglichkeit ihrer 
Zerschneidung in beliebige Teile und deren Wiederzusammensetzbarkeit, so 
daß das Rechengeld auch sinnlich dargestellt werden kann. Gold und Silber 
besitzen diese Eigenschaften in vorzüglichem Grad. 

Als Zirkulationsmittel besitzen Gold und Silber vor andern Waren den 
Vorzug, daß ihrem großen spezifischen Gewicht, relativ viel Schwere in 
kleinem Raum darzustellen, ihr ökonomisch spezifisches Gewicht entspricht, 
relativ viel Arbeitszeit, d.h. großen Tauschwert in kleinem Umfang ein- 
zuschließen. Dadurch ist Leichtigkeit des Transports, der Übertragung von 
einer Hand in die andre, und von einem Land in das andre, die Fähigkeit, 
ebenso rasch zu erscheinen wie zu verschwinden - kurz, die materielle Be- 
weglichkeit gewährleistet, das sine qua non! der Ware, die als perpetuum 
mobile des Zirkulationsprozesses dienen soll. 

Der hohe spezifische Wert der edeln Metalle, Dauerbarkeit, relative Unzer- 
störbarkeit, Nichtoxydierbarkeit an der Luft, bei dem Gold speziell seine Un- 
auflösbarkeit in Säuren, außer in Königswasser, alle diese natürlichen Eigen- 
schaften machen die edeln Metalle zum natürlichen Material der Schatzbil- 
dung. Peter Martyr, der ein großer Freund der Schokolade gewesen zu sein 

* „Die Metalle besitzen die Eigentümlichkeit und Besonderheit, daß in ihnen allein 
alle Verhältnisse zurückgeführt sind auf eines, das ist ihre Quantität, daß sie von der 
Natur keine verschiedene Qualität erhalten haben, weder im innern Bau, noch in der 

äußern Form und Bearbeitung.“ (Galiani, 1. c. p. 126/127.) 

1 die unerläßliche Bedingung 

130 = 2. Karl Marx 

scheint, bemerkt. daher von den Kakaosäcken, die eine der mexikanischen 
Geldsorten bildeten: 

. „O glückliches Geld, das dem Menschengeschlecht ein süßes und nahrhaftes Ge- 
tränk bietet und seine unschuldigen Besitzer vor der höllischen Seuche der Habgier 
bewahrt, weil es nicht vergraben noch lange aufbewahrt werden kann.“ („De orbe 
novo“.)!#] ö 7 

Die große Bedeutung von Metallen überhaupt innerhalb des unmittel- 
‚baren Produktionsprozesses hängt zusammen mit ihrer Funktion als Pro- 
duktionsinstrumente. Abgesehen von ihrer Seltenheit macht die große Weich- 
heit des Goldes und des Silbers, verglichen mit Eisen und selbst mit Kupfer 
(in dem gehärteten Zustand, worin die Alten es brauchten), sie unfähig zu 
dieser Nutzanwendung und beraubt sie daher in großem Umfang der Eigen- 
schaft, worauf der Gebrauchswert der Metalle überhaupt beruht. So nutzlos, 
wie sie innerhalb des unmittelbaren Produktionsprozesses sind, so entbehr- 
lich erscheinen sie als Lebensmittel, als Gegenstände der Konsumtion. Jede 
beliebige Quantität derselben kann daher in den gesellschaftlichen Zirku- 
lationsprozeß eingehen, ohne die Prozesse der unmittelbaren Produktion und 
Konsumtion zu beeinträchtigen. Ihr individueller Gebrauchswert gerät nicht 
in Widerstreit mit ihrer ökonomischen Funktion. Andrerseits sind Gold und 
Silber nicht nur negativ überflüssige, d.h. entbehrliche Gegenstände, son- 
dern ihre ästhetischen Eigenschaften machen sie zum naturwüchsigen Ma- 
terial von Pracht, Schmuck, Glanz, sonntäglichen Bedürfnissen, kurz zur 
positiven Form des Überflusses und Reichtums. Sie erscheinen gewisser- 
maßen als gediegenes Licht, das aus der Unterwelt hervorgegraben wird, in- 
dem das Silber alle Lichtstrahlen in ihrer ursprünglichen Mischung, das 
Gold nur die höchste Potenz der Farbe, das Rot, zurückwirft. Farbensinn 
aber ist die populärste Form des ästhetischen Sinnes überhaupt. Der etymo- 
logische Zusammenhang der Namen der edeln Metalle in den verschiedenen 
indogermanischen Sprachen mit Farbenbeziehungen ist von Jakob Grimm 
nachgewiesen worden. (Siehe seine Geschichte der deutschen Sprache.) 

Endlich die Fähigkeit von Gold und Silber, aus der Form der Münze in 
die Barrenform, aus der Barrenform in die Form von Luxusartikeln und um- 
gekehrt verwandelt zu werden, ihr Vorzug als vor andern Waren, nicht in 
einmal gegebene, bestimmte Gebrauchsformen gebannt zu sein, macht sie 

zum natürlichen Material des Geldes, das beständig aus einer Formbestimmt- 
heit in die andre umschlagen muß. 

Die Natur produziert kein Geld, so wenig wie Bankiers oder einen 

Wechselkurs. Da die bürgerliche Produktion aber den Reichtum als Fetisch 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 131 

in der Form eines einzelnen Dings kristallisieren muß, sind Gold und Silber 
seine entsprechende Inkarnation. Gold und Silber sind von Natur nicht Geld, 
aber Geld ist von Natur Gold und Silber. Einerseits ist der silberne oder 
goldne Geldkristall nicht nur Produkt des Zirkulationsprozesses, sondern in 
der Tat sein einziges ruhendes Produkt. Andrerseits sind Gold und Silber 
fertige Naturprodukte, und sie sind das erste unmittelbar, wie sie das zweite 
sind, durch keine Formverschiedenheit getrennt. Das allgemeine Produkt des 
gesellschaftlichen Prozesses oder der gesellschaftliche Prozeß selbst als Pro- 
duktistein besonderes Naturprodukt, in den Eingeweiden der Erde steckendes 
und aus ihr ausgrabbares Metall.* 

Wir haben gesehn, daß Gold und Silber den Anspruch, der a an sie als 
Geld gestellt wird, gleichbleibende Wertgröße zu sein, nicht erfüllen können. 
Indes besitzen sie, wie schon Aristoteles bemerkt, permanentere Wertgröße 
als der Durchschnitt der andern Waren. Abgesehn von der allgemeinen Wir- 
kung einer Appreziation oder Depreziation der edeln Metalle, sind die 
Schwankungen des Wertverhältnisses von Gold und Silber von besondrer 
Wichtigkeit, da beide nebeneinander auf dem Weltmarkt als Materie des 
Geldes dienen. Die rein ökonomischen Gründe dieses Wertwechsels - Er- 
oberungen und andre politische Umwälzungen, die großen Einfluß auf den 
Wert der Metalle in der alten Welt ausübten, wirken nur lokal und vorüber- 
gehend - müssen auf den Wechsel der zur Produktion dieser Metalle er- 
heischten Arbeitszeit zurückgeführt werden. Diese selbst wird abhängen von 
ihrer relativen natürlichen Seltenheit, wie von der größern oder mindern 
Schwierigkeit, die ihre Bemächtigung in rein metallischem Zustand bietet. 
Gold ist in der Tat das erste Metall, das der Mensch entdeckt. Einerseits 
stellt die Natur selbst es in gediegener kristallinischer Form dar, individua- 
lisiert, chemisch unverbunden mit andern Körpern, oder wie die Alchimisten - 
sagten, in jungfräulichem Zustand; andrerseits übernimmt die Natur selbst 
in den großen Goldwäschereien der Flüsse das Werk der Technologie. Auf 
seiten des. Menschen ist so nur die roheste Arbeit erheischt, sei es für Ge- 
winnung des Flußgoldes, s sei es des Goldes i in aufgeschwemmtern Land, 

* Im Jahre 760 wanderte eine € Masse armer Leute aus, um den Flußgoldsand süd- 
lich von Prag auszuwaschen, und drei Mann waren fähig, in einem Tag eine Mark Gold 
zu extrahieren. Infolge davon wurde der Zulauf zu den „diggings** und die Zahl der 
dem Ackerbau entzogenen Hände so groß, daß das Land das nächste Jahr von Hungers- 
not heimgesucht wurde. (Siehe M.G. Körner, „Abhandlung von dem Alterthum des 
böhmischen Bergwerks“, Schneeberg 1758 [p. 37 seq.]) 

2 ‚Goldfundstätten“ 
9% 

während die Darstellung des Silbers Minenarbeit und überhaupt eine relativ 
hohe Entwicklung der Technik voraussetzt. Trotz seiner kleinern absoluten 
Seltenheit ist daher der ursprüngliche Wert des Silbers relativ größer als der 
des Goldes. Strabos Versicherung, daß bei einem Stamme der Araber 
10 Pfund Gold für I Pfund Eisen und 2 Pfund Gold für i Pfund Silber ge- 
geben wurden, erscheint keineswegs unglaublich. Im Verhältnis aber, wie 
sich die Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit entwickeln und sich 
daher das Produkt der einfachen Arbeit verteuert gegen das der kombinierten, 
wie die Rinde der Erde allseitiger aufgebrochen wird, und die ursprüng- 
lichen oberflächlichen Quellen der Goldzufuhr versiegen, wird der Wert des 
Silbers fallen im Verhältnis zum Wert des Goldes. Auf einer gegebenen Ent- 
wicklungsstufe der Technologie und der Kommunikationsmittel wird die Ent- 
deckung neuer Gold- oder Silberländer schließlich in die Waagschale fallen. Im 
alten Asien war das Verhältnis von Gold zu Silber wie 6 zu I oder 8 zu 1, letz- 
teres Verhältnis in China und Japan noch im Anfang des 19. Jahrhunderts; 10 zu 
1, das Verhältnis zu Xenophons Zeit, kann als Durchschnittsverhältnis des mitt- 
lern Altertums betrachtet werden. Die Ausbeutung der spanischen Silber- 
minen durch Karthago und später durch Rom wirkte annähernd im Alter- 
tum wie die Entdeckung der amerikanischen Minen im modernen Europa. 
Für die römische Kaiserzeit kann 15 oder 16 zu I als rauhe Durchschnitts- 
zahl genommen werden, obgleich wir häufig tiefere Depreziation des Silbers 
in Rom finden. Dieselbe Bewegung, beginnend mit der relativen Depreziation 
des Goldes und endend mit dem Fall des Silberwerts, wiederholt sich in der 
folgenden Epoche, die sich vom Mittelalter bis zur neusten Zeit erstreckt. 
Wie zur Zeit Xenophons steht das Durchschnittsverhältnis im Mittelalter wie 
10 zu I-und schlägt infolge der Entdeckung der amerikanischen Minen wieder 
um zu 16 oder 15 zu I. Die Entdeckung der australischen, kalifornischen und 
kolumbischen Goldquellen macht einen abermaligen Fall im Wert des Goldes 
wahrscheinlich.* 

* Bisher haben die australischen usw. Entdeckungen das Wertverhältnis von Gold. 
und Silber noch nicht berührt. Die gegenteiligen Behauptungen Michel Chevaliers sind 
gerade soviel wert wie der Sozialismus dieses Ex-St.-Simonisten. Die Quotationen des 
Silbers auf dem Londoner Markt beweisen allerdings, daß der Durchschnitts-Gold- 
preis des Silbers während 1850 bis 1858 um nicht ganz 3% höher steht als während der 
Periode 1830-1850. Dies Steigen ist aber einfach aus der asiatischen Silbernachfrage 
zu erklären. Während 1852-1858 wechselt der Silberpreis in den einzelnen Jahren und 
Monaten nur mit dieser Nachfrage, keineswegs mit der Goldzufuhr von den neu ent- 
deckten Quellen. Folgendes ist eine Übersicht der Goldpreise des Silbers auf dem 
Londoner Markt: 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie + Zweites Kapitel 133 

C. Theorien über Zirkulationsmittel und Geld 

Wie eine allgemeine Goldgier Völker und Fürsten im 16. und 17. Jahr- 
hundert, der Kindheitsperiode der modernen bürgerlichen Gesellschaft, in 
überseeische Kreuzzüge nach dem goldnen Gral jagte*, so proklamierten die 
ersten Dolmetscher der modernen Welt, die Urheber des Monetarsystems, 
wovon das Merkantilsystem nur eine Variante ist, Gold und Silber, d.h. Geld, 
als den einzigen Reichtum. Richtig sprachen sie den Beruf der bürgerlichen 
Gesellschaft dahin aus, Geld zu machen, also, vom Standpunkt der einfachen 
Warenzirkulation, den ewigen Schatz zu bilden, den weder Motten noch Rost 
fressen. Es wird dem Monetarsystem nicht damit geantwortet, daß eine 
Tonne Eisen vom Preis von 3Pfd.St. eine ebenso große Wertgröße als 
3 Pfd. St. Gold ist. Es handelt sich hier nicht um die Größe des Tauschwerts, 
sondern um seine adäquate Form. Wenn das Monetar- und Merkantil- 
system den Welthandel und die unmittelbar in den Welthandel mündenden 
besondern Zweige der nationalen Arbeit als die einzig wahren Quellen von 
Reichtum oder Geld auszeichnet, ist zu erwägen, daß in jener Epoche der 
größte Teil der nationalen Produktion sich noch in feudalen Formen bewegte 
und als unmittelbare Subsistenzquelle den Produzenten selbst diente. Die 
Produkte verwandelten sich großenteils nicht in Waren und daher nicht in 
Geld, gingen überhaupt nicht in den allgemeinen gesellschaftlichen Stoff- 
wechsel ein, erschienen daher nicht als Vergegenständlichung der allgemeinen 
abstrakten Arbeit und bildeten in der Tat keinen bürgerlichen Reichtum. Geld 
als Zweck der Zirkulation ist der Tauschwert oder der abstrakte Reichtum, 
nicht irgendein stoffliches Element des Reichtums, als bestimmender Zweck 
und treibendes Motiv der Produktion. Wie es der Vorstufe der bürgerlichen 

Preis des Silbers per Unze: 

Jahr März Juli November: 
DD ce 601/, Pence 60%/; Pence 617/, Pence 
Ba en 61°, „ 6, „ 6 
1854...,.84.2. 2 6, » 6l?, » 6, » 
125, NEN 0’, » 6; m 0’ » 

| 1000, EN Ee 60 > 6» - 62! „ 

| 12157 BANNER 6°, » 6, » 6, „ 

| 12», RSPRONOEAERIRE Peer 

* „Gold ist ein wunderbares Ding! Wer dasselbe besitzt, ist Herr von allem, was 
er wünscht. Durch Gold kann man Seelen in das Paradies gelangen lassen.“ (Columbus 
in einem Brief aus Jamaica, 1503.) /Note im Handexemplar.] 

134 Zu *  KorlMarx 

Produktion entsprach, hielten jene verkannten Propheten an der gediegenen, 
handgreiflichen und glänzenden Form des Tauschwerts fest, an seiner Form 
als allgemeine Ware im Gegensatz zu allen besondern Waren. Die eigentlich 
bürgerlich ökonomische Sphäre der damaligen Zeit war die Sphäre der Waren- 
zirkulation. Vom Gesichtspunkt dieser elementarischen Sphäre aus beurteilten 
sie daher den ganzen verwickelten Prozeß.der bürgerlichen Produktion und ver- 
wechselten Geld mit Kapital. Der unauslöschliche Kampf der modernen Öko- 
nomen gegen das Monetar- und Merkantilsystem rührt großenteils daher, daß 
diesesSystemin brutal-naiver Form das Geheimnis der bürgerlichenProduktion 
ausplaudert, ihr Beherrschtsein durch den Tauschwert. Ricardo, wenn auch 
zum Behuf falscher Nutzanwendung, bemerkt irgendwo, daß selbst in Zeiten 
der Hungersnot Getreide eingeführt wird, nicht weil die Nation hungert, son- 
dern weil der Kornhändler Geld macht. In ihrer Kritik desMonetar- und Mer- 
kantilsystems fehlt die politische Ökonomie also, indem sie dieses System. als 
bloße Illusion, als nür falsche Theorie befeindet, nicht als barbarische Form 
ihrer eigenen Grundvoraussetzung wiedererkennt. Zudem behält dieses Sy- 
stem nicht nur ein historisches Recht, sondern innerhalb bestimmter Sphären 
der modernen Ökonomie volles Bürgerrecht. Auf allen Stufen des bürgerlichen 
Produktionsprozesses, wo der Reichtum die elementarische Form der Ware 
annimmt, nimmt der Tauschwert die elementarische Form des Geldes an, 
und in allen Phasen des Produktionsprozesses fällt der Reichtum immer wieder 
für einen Augenblick in die allgemeine elementarische Form der Ware zurück. 
Selbst in der entwickeltsten bürgerlichen Ökonomie werden die spezifischen 
Funktionen des Goldes und Silbers als Geld im Unterschied von ihrer Funk- 
tion als Zirkulationsmittel und im Gegensatz zu allen übrigen Waren nicht 
aufgehoben, sondern nur beschränkt, behalten also Monetar- und Merkantil- 
system ihr Recht. Die katholische Tatsache, daß Gold und Silber als un- 
mittelbare Inkarnation der gesellschaftlichen Arbeit, daher als Dasein des 
abstrakten Reichtums, den andern profanen Waren gegenübertreten, verletzt 
natürlich das protestantische point d’honneur! der bürgerlichen Ökonomie, 
“ und aus Ängst vor den Vorurteilen des Monetarsystems büßte sie für lange 
Zeit das Urteil über die Phänomene der Geldzirkulation ein, wie die folgende 
Darstellung zeigen wird. 
Im Gegensatz zum Monetar- und Merkantilsystem, die das Geld nur in 
seiner Formbestimmtheit als kristallisches Produkt der Zirkulation kennen, 
war es ganz in der Ordnung, daß die klassische Ökonomie es zunächst in 
seiner flüssigen Form auffaßte, als innerhalb der Warenmetamorphose selbst 

! Ehrgefühl 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie : Zweites Kapitel 135 

erzeugte und wieder verschwindende Form des Tauschwerts. Wie daher die 
Warenzirkulation ausschließlich in der Form W-G-W unddiese wieder aus- 
schließlich in der Bestimmtheit der prozessierenden Einheit von Verkauf und 
Kauf aufgefaßt wird, wird das Geld in seiner Formbestimmtheit als Zirku- 
lationsmittel gegen seine Formbestimmtheit als Geld behauptet. Wird das 
Zirkulationsmittel selbst in seiner Funktion als Münze isoliert, so verwandelt 
es sich, wie wir sahen, in Wertzeichen. Da aber der klassischen Ökonomie 
zunächst die metallische Zirkulation als herrschende Form der Zirkulation 
gegenüberstand, faßt sie das metallische Geld als Münze, die metallische 
Münze als bloßes Wertzeichen. Dem Gesetz der Zirkulation der Wertzeichen. 
entsprechend, wird so der Satz aufgestellt, daß die Preise der Waren ab- 
hängen von der Masse des zirkulierenden Geldes, nicht umgekehrt die Masse 
des zirkulierenden Geldes von den Preisen der Waren. Wir finden diese An- 
- sicht bei italienischen Ökonomen des 17. Jahrhunderts mehr oder minder an- 
gedeutet, bald bejaht, bald verneint von Locke, bestimmt entwickelt vom 
„Spectator“ (in Nummer vom 19. Oktober 1711), ven Montesquieu und Hume. 
Da Hume bei weitem der bedeutendste Repräsentant dieser ‘Theorie im 
18. Jahrhundert ist, eröffnen wir mit ihm unsre Rundschau. - 

- Unter bestimmten Voraussetzungen scheint eine Vermehrung oder Ver- 
minderung in der Quantität, sei es des zirkulierenden Metallgeldes, sei es der 
zirkulierenden Wertzeichen, gleichmäßig auf die Warenpreise zu wirken. Fällt 
oder steigt. der Wert des Goldes oder Silbers, worin die Tauschwerte .der 
Waren als Preise geschätzt sind, so steigen oder fallen die Preise, weil ihr 
Wertmaß sich geändert hat, und mehr oder minder Gold und Silber zirku- 
lieren als Münze, weil die Preise gestiegen oder gefallen sind. Das sichtbare 
Phänomen aber ist Veränderung der Preise, bei gleichbleibendem Tausch- 

wert der Waren, mit vermehrter oder verminderter Quantität der Zirku- 
lationsmittel. Fällt oder steigt andrerseits die Quantität der zirkulierenden 
Wertzeichen über oder unter ihr notwendiges Niveau, so werden sie gewalt- 
sam auf dasselbe reduziert durch Fallen oder Steigen: der Warenpreise. In 
beiden Fällen scheint dieselbe Wirkung durch dieselbe Ursache hervor- 
gebracht, und.an diesem Schein hielt Hume fest. 

'. Jede wissenschaftliche Untersuchung über das Verhältnis von Anzahl der 
Zukultisnsniitel und Preisbewegung der Waren muß den Wert des Geld- 
materials als gegeben voraussetzen. Hume dagegen betrachtet ausschließlich 
Epochen der Revolution im Wert der edeln Metalle selbst, also Revolutionen 
im Maß der Werte. Das Steigen der Warenpreise gleichzeitig mit der Zu- 
nahme.'des Metallgelds seit der Entdeckung der amerikanischen Minen bildet 

den geschichtlichen Hintergrund seiner Theorie, wie die Polemik gegen das 

Monetar- und Merkantilsystem ihr praktisches Motiv abgab. Die Zufuhr der 
edeln Metalle kann natürlich vermehrt werden bei gleichbleibenden Pro- 
duktionskosten derselben. Ändrerseits wird die Verminderung in ihrem 
Wert, d.h. in der zu ihrer Produktion erheischten Arbeitszeit, sich zunächst 
nur zeigen in der Vermehrung ihrer Zufuhr. Also, sagten später Schüler von 
Hume, zeigt sich der verminderte Wert der edeln Metalle in der wachsenden 
Masse der Zirkulationsmittel und die wachsende Masse der Zirkulations- 
mittel im Steigen der Warenpreise. In der Tat aber wächst nur der Preis der . 
exportierten Waren, die sich mit Gold und Silber als Ware und nicht als 
Zirkulationsmittel austauschen. So steigt der Preis dieser Waren, die in Gold 
und Silber von gesunkenem Wert geschätzt sind, gegenüber allen übrigen 
Waren, deren Tauschwert fortfährt, in Gold oder Silber nach dem Maßstab 
ihrer alten Produktionskosten geschätzt zu werden. Diese doppelte Schätzung 
der Tauschwerte der Waren in demselben Lande kann natürlich nur tem- 
porär sein, und die Gold- oder Silberpreise müssen sich ausgleichen in den 
durch die Tauschwerte selbst bestimmten Proportionen, so daß schließlich 
die Tauschwertealler Waren dem neuen Wert des Geldmaterialsentsprechend 
geschätzt werden. Die Entwickelung dieses Prozesses gehört ebensowenig 
hierher wie die Art und Weise, worin überhaupt innerhalb der Schwankungen 
der Marktpreise der Tauschwert der Waren sich durchsetzt. Daß aber diese 
Ausgleichung in minder entwickelten Epochen der bürgerlichen Produktion 
sehr allmählich ist und sich über lange Perioden verteilt, jedenfalls aber nicht 
gleichen Schritt hält mit der Vermehrung der umlaufenden Barschaften, ist 
durch neue kritische Untersuchungen über die Bewegung der Warenpreise 
im 16. Jahrhundert schlagend bewiesen worden.* Ganz ungehörig sind die 
von Humes Schülern beliebten Beziehungen auf das Steigen der Preise im 
antiken Rom infolge der Eroberung von Makedonien, Ägypten und Klein- 
asien. Die der alten. Welt eigentümliche, plötzliche und gewaltsame Über- 
tragung aufgespeicherter Geldschätze von einem Lande in das andere, die . 
temporäre Reduktion der Produktionskosten der edeln Metalle für ein be- 
stimmtes Land durch den einfachen Prozeß der Plünderung, berühren ebenso- 
wenig die immanenten Gesetze der Geldzirkulation, wie etwa die Gratis- 
verteilung von ägyptischem und sizilischem Getreide in Rom das allgemeine 
Gesetz, das den Getreidepreis regelt. Das zur Detailbeobachtung des Geld- 
umlaufs erheischte Material, einerseits gesichtete Geschichte der Waren- 

* Diese Allmählichkeit gibt Hume übrigens zu, so wenig sie seinem Prinzip ent- 
spricht. Siehe David Hume, „Essays and treatises on several subjects“, ed. London 1777, 
vol. I, p.. 300. " 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 137 

preise, andererseits offizielle und fortlaufende Statistik über Expansion und 
Kontraktion des zirkulierenden Mediums, Zufluß und Abfluß der edeln Me- 
talle usw., ein Material, das überhaupt erst mit völlig entwickeltem Bank- 
wesen entsteht, mangelte Hume wie allen andern Schriftstellern des 18. Jahr- 
hunderts. Humes Zirkulationstheorie faßt sich in folgenden Sätzen zu- 
sammen: I. Die Preise der Waren in einem Lande sind bestimmt durch die in 
ihm befindliche Geldmasse (realem Geld oder symbolischem). 2. Das in 
‘einem Lande zirkulierende Geld repräsentiert alle in ihm befindlichen Waren. 
Im Verhältnis wie die Anzahl der Repräsentanten wächst, d.h. des Geldes, 
kommt mehr oder minder von der repräsentierten Sache auf den einzelnen 
Repräsentanten. 3. Werden die Waren vermehrt, so fällt ihr Preis oder der 
Wert des Geldes steigt. Wird das Geld vermehrt, so wächst umgekehrt der 
‘Preis der Waren und der Wert des Geldes fällt.* 

„Die Teuerkeit aller Dinge“, sagt Hume, „infolge von Geldüberfluß ist ein Nach- 
teil für jeden bestehenden Handel, indem er den ärmern Ländern erlaubt, reichere zu 
unterkaufen auf allen fremden Märkten.** Es kann keine Wirkung, gute oder schlechte, 
ausüben, wenn wir eine Nation für sich selbst betrachten, ob viel oder wenig Münze 
zum Zählen oder Repräsentieren der Waren vorhanden ist, so wenig wie die Bilanz 
eines Kaufmanns alteriert würde, wenn er in der Buchführung, statt der arabischen 
Rechenweise, die wenig Ziffern erheischt, die römische anwendete, die einer größeren 
Anzahl bedarf. Ja, die größere Quantität des Geldes, gleich den römischen Rechen- 
charakteren, ist vielmehr unbequem und kostet mehr Mühe sowohl für Aufbewahrung 
als Transport.“ *** 

Um überhaupt etwas zu beweisen, hätte Hume zeigen müssen, daß in 
einem gegebenen System von Rechencharakteren die Masse der angewandten 
Ziffern nicht von der Größe des Zahlenwerts, sondern die Größe des Zahlen- 
werts umgekehrt von der Masse der angewandten Charaktere abhängt. Es ist 
sehr richtig, daß es kein Vorteil ist, die Warenwerte in Gold oder Silber von 
gesunkenem Wert zu schätzen oder zu „zählen“, und daher fanden es die 
Völker mit dem Wachstum der Wertsumme der zirkulierenden Waren stets 
bequemer, in Silber zu zählen als in Kupfer, und in Gold als in Silber. Im 
Maß wie sie reicher wurden, verwandelten sie die minder wertvollen Metalle 
in subsidiäre Münze und die wertvollern in Geld. Andrerseits vergißt Hume, 
daß zum Zählen der Werte in Gold und Silber weder Gold noch Silber „vor- 
handen“ zu sein braucht. Rechengeld und Zirkulationsmittel fallen ihm 

* Conf. Steuart, 1. c. t. I, p. 394-400. 
** David Hume, ]. c. p. 300. 
*** David Hume, |. c. p. 303. 

zusammen und beide sind Münze (coin). Weil eine Wertveränderung im Maße 
der Werte oder den edeln Metallen, die als Rechengeld funktionieren, die 
Warenpreise steigen oder fallen macht, also auch die Masse des zirkulierenden 
Geldes bei gleichbleibender Umlaufsgeschwindigkeit, schließt Hume, daß das 
Steigen oder Fallen der Warenpreise von der Quantität des zirkulierenden 
Geldes abhängt. Daß im 16. und 17. Jahrhundert nicht nur die Quantität von 
“Gold und Silber sich vermehrte, sondern gleichzeitig ihre Produktionskosten 
sich verminderten, konnte Hume aus dem Schließen der europäischen Minen 
sehn. Im 16. und 17. Jahrhundert stiegen die Warenpreise in Europa mit der 
Masse .des importierten amerikanischen Goldes und Silbers; also sind die 
Warenpreise in jedem Lande bestimmt durch die Masse des in ihm befind- 
lichen Goldes und Silbers. Dies war Humes erste „notwendige Konsequenz“ *. 
Im 16. und 17. Jahrhundert stiegen die Preise nicht gleichmäßig mit der Zu- 
nahme der edeln Metalle; mehr als ein halbes Jahrhundert verfloß, bevor 
irgendein Wechsel in den Warenpreisen sich zeigte, und selbst dann währte es 
noch lange, bevor die Tauschwerte der Waren allgemein dem gesunkenen 
Wert des Golds und Silbers gemäß geschätzt wurden, also bevor die Revo- 
lution die allgemeinen Warenpreise ergriff. Also, schließt Hume, der ganz im 
Widerspruch mit den Grundsätzen seiner Philosophie einseitig beobachtete 
Tatsachen unkritisch in allgemeine Sätze verwandelt, also ist der Preis der 
Waren oder der Wert des Geldes bestimmt nicht durch die absolute Masse des 
in einem Lande befindlichen Geldes, sondern vielmehr durch die Quantität 
von Gold und Silber, die wirklich in die Zirkulation eingeht, aber schließlich 
muß alles in einem Lande befmdliche Gold und Silber als Münze von der 
Zirkulation absorbiert werden.** Es ist klar, daß, wenn Gold und Silber 
einen eignen Wert besitzen, von allen andern Gesetzen des Umlaufs ab- 
gesehen, nur eine bestimmte Quantität Gold und Silber als Äquivalent für 
eine gegebene Wertsumme von Waren zirkulieren kann. Muß also jede zu- 

fällig in einem Lande befindliche Quantität Gold und Silber ohne Rücksicht 

* David Flume, 1. c. p. 303. 

** „Es ist klar, daß die Preise nicht so sehr abhängen von der Beide Menge der 
Waren, und der des Geldes, die in einem Lande vorhanden sind, als von der Menge der 
Waren, die auf den Markt kommt oder kommen kann, und von dem Gelde, welches 
zirkuliert. Wenn das gemünzte Geld in Truhen verschlossen wird, so ist dies für die 
Preise dasselbe, als ob es vernichtet wäre; wenn die Waren in Magazinen und Korn- 
speichern aufgehäuft werden, so folgt die gleiche Wirkung. Da das Geld und die 
Waren in solchen Fällen nie zusammentreffen, können sie auch nicht aufeinander wir- 
ken. Das Ganze (der Preise) erreicht schließlich ein richtiges Verhältnis zu der neuen 

Menge des Metallgeldes, die im Lande ist.“ (l. c. p. 303, 307, 308.) - 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 139 

auf die Summe der Warenwerte als Zirkulationsmittel in den Warenaustausch 
eingehn, so besitzen Gold und Silber keinen immanenten Wert und sind da- 
her in der Tat keine wirklichen Waren. Dies ist Humes dritte „notwendige 
Konsequenz“. Waren ohne Preis und Gold und Silber ohne Wert läßt er in 
den Zirkulationsprozeß eingehn. Er spricht daher auch nie von Wert der 
Waren und Wert des Goldes, sondern nur von ihrer wechselseitigen Quanti- 
tät. Schon Locke hatte gesagt, Gold und Silber hätten einen bloß eingebilde- 
ten oder konventionellen Wert; die erste brutale Form des Gegensatzes zur 
Behauptung des Monetarsystems, daß Gold und Silber allein wahren Wert 
haben.-Daß das Gelddasein von Gold und Silber bloß aus ihrer Funktion im 
gesellschaftlichen Austauschprozeß entspringt, wird dahin ausgelegt, daß 
sie ihren! eignen Wert und daher ihre Wertgröße einer gesellschaftlichen 
Funktion verdanken.* Gold und Silber sind also wertlose Dinge, aber inner- 
halb des Zirkulationsprozesses erhalten sie eine fiktive Wertgröße als Re- 
präsentanten der Waren. Sie werden durch den Prozeß nicht in Geld, son- 
dern in Wert verwandelt. Dieser ihr Wert wird bestimmt durch die Proportion 
zwischen ihrer eignen Masse und der Warenmasse, indem sich beide Massen 
decken müssen. Während also Hume Gold und Silber als Nichtwaren in die 
Welt der Waren eintreten läßt, verwandelt er sie umgekehrt, sobald sie in der 
Formbestimmtheit der Münze erscheinen, in bloße Waren, die sich durch 
einfachen Tauschhandel mit andren Waren austauschen. Bestände nun die 
Warenwelt aus einer einzigen Ware, z.B. einer Million Quarter Getreide, so 
wäre die Vorstellung sehr einfach, daß ein Quarter sich gegen zwei Unzen 
Gold austauscht, wenn zwei Millionen Unzen Gold vorhanden sind und 
gegen 20 Unzen Gold, wenn 20 Millionen Unzen Gold vorhanden sind, Preis 
der Ware und Wert des Geldes also in umgekehrtem Verhältnis zur vor- 
handenen Quantität Geld steigen oder fallen.** Aber die Warenwelt be- 
steht aus unendlich verschiedenen Gebrauchswerten, deren relativer Wert 
keineswegs durch ihre relative Quantität bestimmt ist. Wie also denkt sich 
Hume diesen Austausch zwischen der Masse der Waren und der Masse des 
Goldes? Er begnügt sich mit der begriffslos dumpfen Vorstellung, daß 
jede Ware als aliquoter Teil der gesamten Warenmasse sich gegen einen 
entsprechend aliquoten Teil der Goldmasse austauscht. Die prozessierende 

* Siehe Law und Franklin über den Surpluswert, den Gold und Silber aus Funk- 
“tion als Geld erhalten sollen. Auch Forbonnais. [Note im Handexemplar.] 
** Diese Fiktion kommt wörtlich vor bei Montesguieu. [Note im Handexemplar.] 

1! Im Handexemplar eingefügt; (1859) fehlt: ihren 

140 | Karl Marx 

Bewegung der Waren, die aus dem in ihnen enthaltenen Gegensatz von Tausch- 
wert und Gebrauchswert entspringt, in dem Umlauf des Geldes erscheint 
und in den verschiedenen Formbestimmtheiten des letztern sich kristallisiert, 
ist also ausgelöscht, und an ihre Stelle tritt die eingebildete mechanische 
Gleichsetzung zwischen der Gewichtmasse der in einem Land befindlichen 
edeln Metalle und der gleichzeitig vorhandenen Warenmasse. 

Sir James Steuart eröffnet seine Untersuchung über Münze und Geld 
mit einer ausführlichen Kritik von Hume und Montesquieu.* Er ist in der 
Tat der erste, der die Frage stellt: Ist die Quantität des umlaufenden Geldes 
durch die Warenpreise oder sind die Warenpreise durch die Quantität des 
umlaufenden Geldes bestimmt? Obgleich seine Darstellung getrübt ist durch 
phantastische Ansicht vom Maß der Werte, durch schwankende Darstellung 
von Tauschwert überhaupt und durch Reminiszenzen des Merkantilsystems, 
entdeckt er die wesentlichen Formbestimmtheiten des Geldes und all- 
gemeinen Gesetze des Geldumlaufs, weil er nicht mechanisch die Waren auf 
die eine und das Geld auf die andre Seite stellt, sondern tatsächlich aus den 
verschiednen Momenten des Warenaustausches selbst die verschiednen 
Funktionen entwickelt. 

„Der Gebrauch von Geld für inländische Zirkulation läßt sich zusammenfassen 
unter zwei Hauptpunkte, Zahlung dessen, was einer schuldet, Kaufen dessen, was 
einer braucht; beides zusammengefaßt bildet die Nachfrage für bares Geld (ready 
money demands)... Der Stand von Handel, Manufaktur, Lebensweise und herkömm- 
lichen Ausgaben der Einwohner, wenn alle zuammengenommen, regeln und bestim- 
men die Masse der Nachfrage für bares Geld, d. h. die Masse der Veräußerungen. Um 
diese Mamnigfaltigkeit der Zahlungen ins Werk zu setzen, ist eine gewisse Proportion 
Geld nötig. Diese Proportion ihrerseits kann zunehmen oder abnehmen, je nach Um- 
ständen, obgleich die Quantität der Veräußerung dieselbe bleibt... Jedenfalls kann die 
Zirkulation eines Landes nur eine bestimmte Quantität von Geld absorbieren.“** „Der 
Marktpreis der Ware wird bestimmt durch die verwickelte Operation von Nachfrage 
und Konkurrenz (demand and competition), die durchaus von der in einem Land be- 
findlichen Gold- und Silbermasse unabhängig sind. Was wird nun aus dem nicht als 
Münze erheischten Gold und Silber? Es wird als Schatz aufgehäuft oder als Material 
von Luxusartikeln verarbeitet. Fiele die Gold- und Silbermasse unter das für die Zirku- 
lation erheischte Niveau, so ersetzt man sie durch symbolisches Geld oder andre Aus- 
- kunftsmittel. Bringt ein günstiger Wechselkurs Überfluß von Geld ins Land und 
schneidet zugleich die Nachfrage für seine Versendung ins Ausland ab, so fällt es 
häufig in Koffer, wo es so nutzlos wird, als ob es in Minen läge.“ *** 

* Steuart, 1. c.t. I, p. 394 seq. 
** Tqmes Steuart, 1. c.t. II, p. 377-379 passim. 
*** |, c. p. 379-380 passim. 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 141 

Das zweite von Sieuart entdeckte Gesetz ist der Reflux der auf Kredit 
gegründeten Zirkulation zu ihrem Ausgangspunkt. Endlich entwickelt er die 
Wirkungen, die die Verschiedenheit des Zinsfußes in verschiedenen Ländern 
auf die internationale Aus- und Einwandrung der edeln Metalle hervorbringt. . 
Die beiden letztern Bestimmungen deuten wir hier nur der Vollständigkeit 
wegen an, da sie unserm Thema der einfachen Zirkulation fernliegen.* 

* „Die zusätzlichen Münzen werden eingeschlossen werden, oder in Silbergeschirr 
verwandelt... Was das Papiergeld angeht, so wird es, sobald es den ersten Zweck er- 
füllt, das Bedürfnis dessen zu befriedigen, der es geborgt hat, zu dem Schuldner zurück- 
kehren und realisiert werden... Laß das Metallgeld eines Landes deshalb in noch so 
großer Proportion vermehrt oder vermindert werden, die Waren werden doch steigen 
oder fallen gemäß den Prinzipien der Nachfrage und der Konkurrenz, und diese wer- 
den beständig von den Neigungen jener abhängen, die Eigentum oder irgendwelche 
Art von Gegenwert zu geben haben, aber niemals von der Menge der Münzen, die sie 
besitzen... Laß sie“ (nämlich die Menge des Metallgeldes in einem Lande) „noch so 
klein sein, solange es wirkliches Eigentum irgendeiner Art im Lande gibt, und eine 
Konkurrenz des Konsumierens unter denen, die es besitzen, so werden die Preise hoch 
sein vermittels Tauschhandels, symbolischen Geldes, wechselseitiger Zahlungen und 
tausend anderer Erfindungen... Wenn dies Land Verkehr mit andern Nationen hat, so 
muß eine Proportion zwischen den Preisen von mancherlei Waren dort und anderswo 
bestehen, und eine plötzliche Vermehrung oder Verminderung des Metallgeldes, an- 
genommen, es könnte von sich aus die Wirkung der Erhöhung oder Senkung von Preisen 
hervorrufen, würde durch ausländische Konkurrenz in ihrer Wirkung beschränkt 
werden.“ Steuart, 1. c. t. I, p. 400-401. „Die Zirkulation jedes Landes muß der gewerb- 
lichen Tätigkeit der Einwohner angepaßt sein, welche die auf den Markt kommenden 
Waren produzieren... Wenn das Hartgeld eines Landes unter die Proportion zu dem 
Preise der zum Verkauf angebotenen Gewerbetätigkeit sinkt, dann wird man zu Er- 
findungen, wie symbolischem Geld, seine Zuflucht nehmen, um ein Äquivalent dafür 
zu schaffen. Wenn sich aber herausstellt, daß das Metallgeld über der Proportion zu 
der Gewerbetätigkeit steht, wird es keine Wirkung der Preiserhöhung haben, noch wird 
es in die Zirkulation eintreten: es wird in Schätzen aufgehäuft werden... Wie groß 
immer die Menge des Geldes in einem Lande sein mag, im Verhältnis zu der übrigen 
Welt, so kann niemals etwas in Zirkulation bleiben als die Menge, die der Konsumtion 
der reichen und der Arbeit und Gewerbetätigkeit der armen Einwohner nahezu pro- 
portional ist“, und diese Proportion ist nicht bestimmt „durch die tatsächlich im Lande 
befindliche Menge Geldes“ (l. c. p. 407-408 passim.). „Alle Länder werden sich be- 
mühen, ihr bares Geld, das nicht für ihre eigne Zirkulation nötig ist, in jenes Land zu 
werfen, in dem der Geldzins im Verhältnis zu ihrem eignen hoch ist.“ 1. c. t. II, p. 5. 

. „Das reichste Land in Europa kann das ärmste sein an zirkulierendem Metallgeld.“ 
l.c.t. II, p. 6. - Sieh Polemik gegen Steuart bei Arthur Young. [Zusatz im Hand- 

‚exemplar.] u 0 

142 - Karl Marx 

Symbolisches Geld oder Kreditgeld - Steuart unterscheidet diese beiden For- 
men des Geldes noch nicht - können die edeln Metalle als Kaufmittel oder 
Zahlungsmittel in der innern Zirkulation ersetzen, aber nicht auf dem Welt- 
markt. Papiernoten sind daher das Geld der Gesellschaft (money of the 
society), während Gold und Silber das Geld der Welt sind (money of the 
world).* 

Es ist Eigentümlichkeit der Nationen von „historischer“ Entwicklung ; im 
Sinn der historischen Rechtsschule [?7), ihre eigne Geschichte beständig zu ver- 
gessen. Obgleich daher die Streitfrage über das Verhältnis der Warenpreise 
zur Quantität der Zirkulationsmittel während dieses halben Jahrhunderts fort- 
während das Parlament bewegt, und "Tausende von Pamphleten, großen und 
kleinen, in England hervorgerufen hat, blieb Steuart mehr noch „toter Hund“ 
als Spinoza dem Moses Mendelssohn zu Lessings Zeit schien. Selbst der 
neueste Geschichtsschreiber der „currency“, Maclaren, verwandelt Adam 
Smith in den Erfinder der Steuartschen Theorie, wie Ricardo in den der 
Humeschen.** Während Ricardo Humes Theorie verfeinerte, registriert 
Adam Smith die Resultate der Steuartschen Forschungen als tote Tatsachen. 
Adam Smith hat seinen schottischen Weisheitsspruch, daß, „wenn ihr ein 
wenig gewonnen habt, es oft leicht wird, viel zu gewinnen, die Schwierigkeit 
aber darin liegt, das wenige zu gewinnen“, auch auf geistigen Reichtum an- 
gewandt und daher mit kleinlicher Sorgfalt die Quellen verheimlicht, denen 
er das Wenige verdankt, woraus er in der Tat viel macht. Mehr als einmal 
zieht er vor, der Frage die Pointe abzubrechen, wo scharfe Formulierung ihn 
zwingen würde, mit seinen Vorgängern abzurechnen. So in der Geldtheorie. 
Er nimmt Steuarts Theorie stillschweigend an, indem er erzählt, das in einem 
Lande befindliche Gold und Silber werde teils als Münze verwandt, teils als 
Reservefonds aufgehäuft für Kaufleute in Ländern ohne Banken und als 
Bankreserve in Ländern mit Kreditzirkulation, teils diene es als Schatz zur 
Ausgleichung internationaler Zahlungen, teils werde es zu Luxusartikeln 
_ verarbeitet. Die Frage über die Quantität der zirkulierenden Münze beseitigt 

* Steuart, ]. c. t. Il, p. 370. Louis Blanc verwandelt das „money of the society“, 
was nichts heißt als inländisches, nationales Geld, in sozialistisches Geld, was gar nichts 
_ heißt, und macht folgerecht Jean Law zum Sozialisten. (Sieh seinen ersten Band der 
Geschichte der französischen Revolution.) 

*%* Maclaren, ]. c. p. 43 seq. Patriotismus hat einen zu früh verstorbenen deutschen 
Schriftsteller (Gustav Julius) verleitet, den alten Büsch als Autorität der Ricardoschen 
Schule gegenüberzusteilen. Ehren-Büsch übertrug Steuarts geniales Englisch in Ham- 
burger Platt und verballhornte sein Original so oft als möglich. 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 143 

er stillschweigend, indem er das Geld ganz falsch als bloße Ware behandelt.* 
Sein Vulgarisateur, der fade J. B.Say, den die Franzosen zum prince de la 
science! ernannt haben, wie Johann Christoph Gottsched seinen Schönaich 
zum Homer und Pietro Aretino sich selbst zum terror principum? und lux 
mundi? ernannte, hat dies nicht ganz naive Versehn Adam Smiths mit großer 
Wichtigkeit zum Dogma zugeritten.** Polemische Spannung gegen die 
Illusionen des Merkantilsystems verhinderte übrigens Adam Smith, die 
‚Phänomene der metallischen Zirkulation objektiv aufzufassen, während seine 
Anschauungen vom Kreditgeld originell und tief sind. Wie in den Verstei- 
nerungstheorien des 18. Jahrhunderts stets eine Unterströmung durchläuft, 
entspringend aus kritischer. oder apologetischer Rücksicht auf die biblische 
Tradition von der Sündflut, so versteckt sich hinter allen Geldtheorien des 
18. Jahrhunderts ein heimliches Ringen mit dem Monetarsystem, dem Ge- 
spenst, das die Wiege der bürgerlichen Ökonomie gehütet hatte und stets 
noch seinen Schlagschatten auf die Gesetzgebung warf. 

Die Forschungen über das Geldwesen wurden im 19. Jahrhundert un- 
mittelbar angeregt, nicht durch die Phänomene der metallischen, sondern 
vielmehr durch die der Banknotenzirkulation. Auf die erstere wurde nur 
zurückgegangen, um die Gesetze der letztern zu entdecken. Die Suspension 
der Barzahlungen der Bank von England seit 1797, das später erfolgende 
Steigen im Preise vieler Waren, der Fall des Münzpreises des Goldes unter 
seinen Marktpreis, die Depreziation der Banknoten besonders seit 1809, boten 
die unmittelbar praktischen Anlässe eines Parteikampfs im Parlament, eines 
theoretischen Turniers außerhalb desselben, beide gleich leidenschaftlich. 
Als historischer Hintergrund der Debatte diente die Geschichte des Papier- 
gelds im 18. Jahrhundert, das Fiasko der Lawschen Bank!?], die mit der 
wachsenden Quantität der Wertzeichen Hand in Hand gehende Depreziation 
der Provinzial-Banknoten der englischen Kolonien in Nordamerika vom 

* Dies nicht exakt. Spricht vielmehr an einigen Stellen das Gesetz richtig aus. 
'[Note im Handexemplar.] 

** Dier Unterschied von „currency“ und „money“, d.h. von Zirkulationsmittel 
und Geld findet sich daher nicht im „Wealth of Nations“. Getäuscht von der schein- 
baren Unbefangenheit Adam Smiths, der seinen Hume und Steuart sehr genau kannte, 
bemerkt der ehrliche Maclaren: „Die Theorie von der Abhängigkeit der Preise von der 
Menge der Zirkulationsmittel hat bisher noch nicht die Aufmerksamkeit auf sich ge- 
zogen; und Doktor Smith betrachtet gleich Hermm Locke“ (Locke wechselt in seiner 
Ansicht) „das Metallgeld als nichts andres denn eine Ware.“ (Maclaren, 1. c. p. 44.) 

1 Fürsten der Wissenschaft - ? Schrecken der Fürsten - Licht der Welt 

1 44 j Karl Marx 

Anfang bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts; dann später das von der ameri- 
kanischen Zentralregierung während des Unabhängigkeitskrieges gesetzlich 
'aufgezwungene Papiergeld (Continental bills), endlich das auf noch größerer 
Stufenleiter ausgeführte Experiment der französischen Assignaten. Die mei- 
sten englischen Schriftsteller der damaligen Zeit verwechseln die Banknoten- 
zirkulation, dienach ganz andern Gesetzen bestimmt wird, mit der Zirkulation 
von Wertzeichen oder von Staatspapieren mit Zwangskurs und, während 
sie die Phänomene dieser Zwangszirkulation aus den Gesetzen der metal- 
lischen Zirkulation zu erklären vorgeben, abstrahieren sie in der Tat um- 
gekehrt die Gesetze der letztern aus den Phänomenen der erstern. Wir über- 
springen alle die zahlreichen Schriftsteller während der Periode von 1800 bis 
1809 und wenden uns sogleich zu Ricardo, sowohl weil er seine Vorgänger 
zusammenfaßt und ihre Ansichten schärfer formuliert, als weil die Gestalt, 
die er der Geldtheorie gab, bis zu diesem Augenblick die englische Bankgesetz- 
gebung beherrscht. Ricardo, wie seine Vorgänger, wirft die Zirkulation von 
Banknoten oder von Kreditgeld mit der Zirkulation von bloßen Wertzeichen 
zusammen. Die ihn beherrschende Tatsache ist die Depreziation des Papier- 
gelds und das gleichzeitige Steigen der Warenpreise. Was die amerikanischen 
Minen für Hume, waren die Papierzettelpressen in Threadneedle Street [2° 
für Ricardo und er selbst identifiziert an einer Stelle ausdrücklich beide 
Agentien. Seine ersten Schriften, die sich nur mit der Geldfrage beschäftigen, 
fallen in die Zeit der heftigsten Polemik zwischen der Bank von England, auf 
deren Seite die Minister und die Kriegspartei standen, und ihren Gegnern, 
um die sich die parlamentarische Opposition, die Whigs und die Friedens- 
partei gruppierten. Sie erschienen als direkte Vorläufer des berühmten 
Berichts des Bullionkomitees von 1810, worin Ricardos Ansichten akzeptiert 
sind.* Die Sonderbarkeit, daß Ricardo und seine Anhänger, die das Geld für 
bloßes Wertzeichen erklären, Bullionists (Goldbarrenmänner) heißen, rührt 
her nicht allein vom Namen dieses Komitees, sondern vom Inhalt seiner 
Lehre selbst. In seinem Werke über politische Ökonomie hat Ricardo die- 
selben Ansichten wiederholt und weiter entwickelt, nirgendwo aber das Geld- 
wesen an sich untersucht, wie er mit Tauschwert, Profit, Rente usw. tat. 
Ricardo bestimmt zunächst den Wert des Goldes und Silbers wie den 
aller andern Waren, durch das Quantum der in ihnen vergegenständlichten 

* David Ricardo, „Ihe high price of Bullion, a proof of the depreciation of Bank- 
notes“, 4. Edition, London 1811. (Die erste Ausgabe erschien 1809.) Ferner: „Reply 

to Mr. Bosanquet’s practical observations on the report of the bullion committee“, 

London 1811. 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie - Zweites Kapitel 145 

Arbeitszeit.“ In ihnen, als Waren von gegebenem Wert, werden die Werte 
der andern Waren gemessen.** Die Quantität der Zirkulationsmittel in 
einem Lande ist nun bestimmt durch den Wert der Maßeinheit des Geldes auf 
der einen Seite, durch die Summe der Tauschwerte der Waren auf der andern. 
Seite. Modifiziert wird diese Quantität durch die Ökonomie in der Zahlungs- 
weise.*”* Da so die Quantität, worin Geld von gegebenem Wert zirkulieren 
kann, sich bestimmt findet und sein Wert innerhalb der Zirkulation nur in 
seiner Quantität erscheint, können bloße Wertzeichen desselben, wenn aus- 
gegeben in der durch seinen Wert bestimmten Proportion, es in der Zirku- 
lation ersetzen, und zwar 

„befindet sich das umlaufende Geld in seinem vollendetsten Zustand, wenn es aus- - 
schließlich aus Papier besteht, das von gleichem Wert ist mit dem Gold, welches es zu 
repräsentieren vorgibt“ T. 

Bisher also bestimmt Ricardo, den Wert des Geldes als gegeben voraus- 
gesetzt, die Quantität der Zirkulationsmittel durch die Preise der Waren, und 
das Geld als Wertzeichen bedeutet ihm Zeichen eines bestimmten Gold- 
quantums, nicht wie bei Hume wertlosen Repräsentanten der Waren. 

Wo Ricardo plötzlich abbricht vom ebenen Gang seiner Darstellung und 
in die umgekehrte Ansicht umschlägt, wendet er sich sofort zur internationa- 
len Zirkulation der edeln Metalle und verwirrt so das Problem durch das 
Hereinbringen fremder Gesichtspunkte. Indem wir seinen innern Gedanken- 
sprecher verfolgen, schieben wir zunächst alle künstlichen Inzidenzpunkte 
beiseite und verlegen daher die Gold- und Silberminen in das Innere der Län- 
der, wo die edeln Metalle als Geld zirkulieren. Der einzige Satz, der aus 
_Ricardos bisheriger Entwicklung folgt, ist, daß bei gegebenem Wert des 
Goldes die Quantität des zirkulierenden Geldes sich durch die Warenpreise 

bestimmt findet. In einem gegebenen Moment also ist die Masse des in einem 

* David. Ricardo, „On the principles of political economy etc.“, p. 77. „Der Wert 
der edeln Metalle hängt schließlich ab, wie der aller andern Waren, von der Total- 
quantität der Arbeit, nötig, um sie zu erhalten und auf den Markt zu bringen.“ 

** 1, c.p.77, 180, 181. 

*** Ricardo, ]. c. P- 421. „Die Quantität Geld, diei in einem Lande angewandt werden. 
kann, hängt von seinem Wert ab. Zirkulierte Gold allein, so-wäre fünfzehnmal weniger - 
davon nötig, als wenn Silber allein angewandt würde.“ Siehe auch Ricardo, „Propasals 
for an economical and secure currency“, London 1816, p. 8, wo er sagt: „Die Quantität 
der zirkulierenden Noten hängt ab von dem Betrag, der für die Zirkulation des Landes 
erheischt ist, und dieser ist geregelt durch den Wert der Maßeinheit des Geldes, den 
Belauf der Zahlungen und die Ökonomie in ihrer Realisierung.“ 

T Ricardo, „Principles of political economy“, p. 432, 433. 

Lande zirkulierenden Goldes einfach bestimmt durch den 'Tauschwert der 
zirkulierenden Waren. Gesetzt nun, die Summe dieser Tauschwerte nehme 
ab, entweder weil weniger Waren zu den alten Tauschwerten produziert wer- 
den, oder weil infolge vermehrter Produktivkraft der Arbeit dieselbe Waren- 
masse verminderten Tauschwert erhält. Oder unterstellen wir umgekehrt, 
die Summe der Tauschwerte vermehre sich, weil sich die Masse der Waren 
bei gleichbleibenden Produktionskosten vermehrt, oder weil der Wert, sei es 
derselben, sei es einer kleinern Warenmasse, infolge verminderter Produktiv- 
“ kraft der Arbeit wächst. Was wird in beiden Fällen aus der gegebenen Quanti- 
tät des zirkulierenden Metalls? Wenn das Gold nur Geld ist, weil es als 
Zirkulationsmittel umläuft, wenn es gezwungen ist, in der Zirkulation zu ver- 
harren, wie vom Staat ausgegebenes Papiergeld mit Zwangskurs (und dies 
liegt Ricardo im Sinn), dann wird die Quantität des zirkulierenden Geldes im 
ersten Fall überschwellen im Verhältnis zum Tauschwert des Metalls; im 
zweiten würde sie unter ihrem normalen Niveau stehen. Obgleich also mit 
eisnem Wert begabt, wird das Gold im ersten Fall zu einem Zeichen von 
Metall von niedrigerem Tauschwert als seinem eignien, im letztern zum Zei- 
chen eines Metalls von höherm Wert. Im ersten Fall wird es als Wertzeichen 
unter, im zweiten über seinem wirklichen Wert stehn (wieder eine Abstrak- 
tion vom Papiergeld mit Zwangskurs). Im ersten Fall wäre es dasselbe, als 
wenn die Waren in Metall von niedrigerem Wert, im zweiten, als wenn sie in 
Metall von höherm Wert als Gold geschätzt würden. Im ersten Fall würden 
die Warenpreise daher steigen, im zweiten würden sie sinken. In beiden Fällen 
wäre die Bewegung der Warenpreise, ihr Steigen oder Fallen, Wirkung der 
relativen! Expansion oder Kontraktion der Masse des zirkulierenden Goldes 
über oder unter das seinem eignen Wert entsprechende Niveau, d.h. die 
normale Quantität, die durch das Verhältnis zwischen seinem eignen Wert 
und dem Wert der ‚zu zirkulierenden Waren bestimmt ist. 

Derselbe Prozeß würde stattfinden, wenn die Preissumme der zirkulieren- 
den Waren unverändert bliebe, aber die Masse des zirkulierenden Goldes 
unter oder über das richtige Niveau zu stehen käme, das erste, wenn die in 
der Zirkulation abgenutzte Goldmünze nicht durch eine entsprechende neue 
Produktion der Minen ersetzt würde, das zweite, wenn die neue Zufuhr von 
den Minen die Bedürfnisse der Zirkulation überholt hätte. In beiden Fällen 
ist vorausgesetzt, daß die Produktionskosten des Goldes oder sein Wert der- 
selbe bleibt. 

Um zu resümieren: Das zirkulierende Geld steht auf dem normalen 

1 Im Handexemplar eingefügt; (1859) fehlt: relativen 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 147 

Niveau, wenn seine Quantität, bei gegebenem Tauschwert der Waren, durch 
seinen eignen Metallwert bestimmt ist. Es schwillt über, das Gold sinkt 
unter seinen eignen Metallwert und die Preise der Waren steigen, weil die 
Summe der "Tauschwerte der Warenmasse sich vermindert oder die Zufuhr 
des Goldes von den Minen sich vermehrt. Es kontrahiert sich unter sein rich- 
tiges Niveau, das Gold steigt über seinen eignen Metallwert und die Waren- 
preise sinken, weil die Summe der Tauschwerte der Warenmasse sich ver- 
mehrt oder die Zufuhr des Goldes von den Minen nicht die Masse des ab- 
genutzten Goldes ersetzt. In beiden Fällen ist das zirkulierende Gold Wert- 
zeichen von größerm oder kleinerm Wert, als den es wirklich enthält. Es kann 
zu einem appreziierten und deprezilerten Zeichen seiner selbst werden. So- 
bald die Waren sich allgemein in diesem neuen Wert des Geldes geschätzt 
hätten und die allgemeinen Warenpreise entsprechend gestiegen odergefallen 
wären, würde die Quantität des zirkulierenden Goldes den Bedürfnissen der 
Zirkulation wieder entsprechen (eine Konsequenz, die Ricardo mit beson- 
derm Vergnügen hervorhebt), aber den Produktionskosten der edeln Metalle 
und daher ihrem Verhältnis als Ware zu den übrigen Waren widersprechen. 
Entsprechend der Ricardoschen Theorie von den Tauschwerten überhaupt, 
würde das Steigen des Goldes über seinen Tauschwert, d.h. den durch die 
in ihm enthaltene Arbeitszeit bestimmten Wert, eine Vermehrung der Pro- 
duktion des Goldes veranlassen, bis seine vermehrte Zufuhr es wieder auf 
seine richtige Wertgröße herabgesetzt hätte. Umgekehrt würde ein Sinken 
“ des Goldes unter seinen Wert eine Verminderung seiner Produktion ver- 
anlassen, bis es wieder zu seiner richtigen Wertgröße gestiegen wäre. Durch 
diese umgekehrten Bewegungen würde der Widerspruch zwischen dem 
Metallwert des Goldes und seinem Wert als Zirkulationsmittel sich aus- 
gleichen, das richtige Niveau der zirkulierenden Goldmasse sich herstellen 
und die Höhe der Warenpreise wieder dem Maß der Werte entsprechen. 
Diese Fluktuationen im Wert des zirkulierenden Goldes würden ebensosehr 
das Gold in Barrenform ergreifen, da nach der Voraussetzung alles Gold, 
das nicht als Luxusartikel verbraucht wird, zirkuliert. Da das Gold selbst, 
sei es als Münze, sei es als Barre, Wertzeichen von größerm oder geringerm 
Metallwert als seinem eignen werden kann, so versteht es sich, daß etwa 
zirkulierende konvertible Banknoten dasselbe Schicksal teilen. Obgleich die 
Banknoten konvertibel sind, also ihr Realwert ihrem Nominalwert entspricht, 
kann die Gesamtmasse des zirkulierenden Geldes, Gold und Noten (the 
aggregate currency consisting of metal and of convertible notes) apprezüert 
oder depreziiert werden, je nachdem ihre Gesamtquantität, aus den vorher 
entwickelten Gründen, über oder unter das Niveau steigt oder fällt, das durch 
10° 

den Tauschwert der zirkulierenden Waren und den Metallwert des Goldes 
bestimmt ist. Inkonvertibles Papiergeld, von diesem Gesichtspunkt aus, be- 
sitzt nur den Vorzug vor konvertiblem Papiergeld, daß es doppelt depreziiert 
werden kann. Es mag fallen unter den Wert des Metalls, das es zu repräsen- 
tieren vorgibt, weil es in zu großer Anzahl ausgegeben wird, oder es magfallen, 
weil das von ihm repräsentierte Metall unter seinen eigenen Wert gefallen 
ist. Diese Depreziation, nicht des Papiers gegen Gold, sondern des Goldes 
und Papiers zusammengenommen;, oder der gesamten Masse der Zirkulations- 
mittel eines Landes, ist eine der Haupterfindungen Ricardos, die Lord Over- 
stone et Co. in ihren Dienst preßten und zu einem Fundamentalprinzip von 
Sir Robert Peels Bankgesetzgebung von 1844 und 1845 machten. 

Was bewiesen werden sollte, war, daß der Preis der Waren oder der Wert 
des Goldes von der Masse des zirkulierenden Goldes abhängt. Der Beweis 
besteht in der Voraussetzung des zu Beweisenden, daß jede Quantität des 
edeln Metalls, das als Geld dient, in welchem Verhältnis immer zu seinem 
innern Wert, Zirkulationsmittel, Münze, und so Wertzeichen für die zirku- 
lierenden Waren, welches immer die Gesamtsumme ihres Wertes, werden 
muß. In andern Worten, der Beweis besteht in der Abstraktion von allen 
andern Funktionen, die das Geld außer seiner Funktion als Zirkulationsmittel 
[vollzieht].! Wenn hart gedrängt, wie z.B. in seiner Polemik mit Bosanquet, 
flüchtet Ricardo, ganz unter der Herrschaft des Phänomens der durch ihre 
Quantität deprezuerten Wertzeichen, zu dogmatischer Versicherung.* 

Hätte Ricardo nun diese Theorie in der Art, wie wir es getan, abstrakt auf- 
gestellt, ohne Hereinbringen konkreter Verhältnisse und von der Frage selbst 
ablenkender Inzidenzpunkte, so trat ihre Hohlheit schlagend hervor. Er 
streicht aber die ganze Entwicklung international an. Es wird sich aber leicht 
nachweisen lassen, daß die scheinbare Größe des Maßstabs an der Kleinheit 
der Grundideen nichts ändert. 

Der erste Satz war also: Die Quantität des zirkulierenden Metallgelds ist 
normal, wenn sie bestimmt ist durch die in seinem Metallwert geschätzte 
Wertsumme der zirkulierenden Waren. International ausgedrückt lautet 
dies: Im normalen Zustand der Zirkulation besitzt jedes Land eine seinem 
Reichtum und seiner Industrieentsprechende Masse Geld. Geld zirkuliert in 

* David Ricardo, „Reply to Mr. Bosanquet’s practical observations etc.“, p. 49, 
„Daß die Waren im Preis steigen oder fallen würden, im Verhältnis zur Vermehrung 
oder Verminderung des Geldes, seize ich als eine unbestreilbare Tatsache voraus.“ 

3 Im Handexemplar korrigiert; (1859) von allen anderen Formbestimmtheiten, die das 
Geld außer seiner Form als Zirkulationsmittel besitzt 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 149 

einem seinem wirklichen Wert oder seinen Produktionskosten entsprechenden 
Wert; d.h. es hat in allen Ländern denselben Wert.* Es würde daher nie 
Geld von einem Lande ins andre exportiert oder importiert werden.** Es 
fände also ein Gleichgewicht zwischen den currencies (den Gesamtmassen 
des zirkulierenden Geldes) der verschiedenen Länder statt. Das richtige! 
Niveau der nationalen currency ist nun ausgedrückt als internationales 
Gleichgewicht der currencies, und in der Tat nichts gesagt, als daß die 
Nationalität nichts ändert an dem allgemeinen ökonomischen Gesetz. Wir sind 
jetzt wieder bei demselben fatalen Punkt angelangt wie vorher. Wie wird das 
richtige Niveau gestört, was nun lautet, wie wird das internationale Gleich- 
gewicht der currencies gestört, oder wie hört das Geld auf, denselben Wert in 
allen Ländern zu haben, oder endlich, wie hört es auf, in jedem Lande seinen 
eignen Wert zu haben? Wie vorhin das richtige Niveau gestört wurde, weil 
die Masse des zirkulierenden Goldes zu- oder abnahm, bei gleichbleibender 
Wertsumme der Waren, oder weil die Quantität des zirkulierenden Geldes 
dieselbe blieb, während die Tauschwerte der Waren zu- oder abnahmen, so 
wird jetzt das internationale durch den Wert des Metalls selbst bestimmte 
Niveau gestört, weil die Masse des in einem Lande befindlichen Goldes wächst 
infolge neuer in ihm entdeckter Metallminen***, oder weil die Summe der 
Tauschwerte der zirkulierenden Waren in einem besondern Lande zu- oder 
abgenommen hat. Wie vorhin die Produktion der edlen Metalle sich ver- 
minderte oder vermehrte, je nachdem es nötig war, die currency zu kon- 
trahieren oder zu expandieren und die Warenpreise entsprechend zu senken 
oder zu erhöhen, ebenso wirken jetzt Export und Import aus einem Lande 
in das andre. In dem Land, worin die Preise gestiegen und der Wert des 
Goldes, infolge der aufgeschwollenen Zirkulation, unter seinen Metallwert 
gefallen wäre, wäre das Gold deprezüert im Verhältnis zu den andern Län- 
dern, und folglich wären die Preise der Waren, verglichen mit den andern 
Ländern, erhöht. Gold würde also ausgeführt, Waren eingeführt werden. 
Wenn umgekehrt, umgekehrt. Wie vorhin die Produktion von Gold, würden 
jetzt Import oder Export von Gold und mit ihnen Steigen oder Fallen der 
Warenpreise fortdauern, bis, wie vorher das richtige Wertverhältnis zwischen 

* Ricardo, „Ihe high price of Bullion etc.“ „Geld würde in allen Ländern den- 
selben Wert haben.“ (p. 4.) In seiner politischen Ökonomie hat Ricardo diesen Satz 
modifiziert, aber nicht in einer Weise, die hier ins Gewicht fällt. 

*]),c.p.34 

"+ c.p.4. 

1 Im Handexemplar eingefügt; (1859) fehlt: richtige 

150° Karl Marx 

- Metall und Ware, nun das Gleichgewicht zwischen den internationalen 
_ currencies wiederhergestellt wäre. Wie im ersten Fall die Produktion des 
Goldes sich nur vermehrte oder verminderte, weil das Gold über oder unter 
seinem Werte stand, so würde die internationale Wanderung des Goldes nur 
aus diesem Grund stattfinden. Wie im ersten Fall jede Veränderung in seiner 
Produktion die Quantität des zirkulierenden Metalls und damit [die] Preise 
affizieren würde, so nun der internationale Import und Export. Sobald der 
relative Wert zwischen Gold und Ware oder die normale Quantität der 
Zirkulationsmittel hergestellt wäre, würde im ersten Fall keine fernere Pro- 
duktion, im zweiten kein fernerer Export oder Import, außer zum Ersatz der 
abgenutzten Münze und zum Konsum der Luxusindustrie stattfinden. Es 
folgt daher, 
„daß die Versuchung, Gold: auszuführen als Äquivalent für Waren, oder eine un- 
günstige Hande!sbilanz nie stattfinden kann, außer infolge einer überschwellenden 
Quantität der Zirkulationsmittel“*. 
Es wäre stets nur die Entwertung oder Überwertung des Metalls infolge 
der Expansion oder Kontraktion der Masse der Zirkulationsmittel über oder 
unter ihr richtiges Niveau, wodurch seine Einfuhr oder Ausfuhr bewirkt 
würden.** Es ergäbe sich ferner: da im ersten Fall die Produktion des Goldes 
nur vermehrt oder vermindert, im zweiten Falle Gold nur importiert oder ex- 
portiert wird, weil seine Quantität über oder unter ihrem richtigen Niveau 
steht, weil es über oder unter seinen Metallwert apprezuert oder deprezüert 
ist, also die Warenpreise zu hoch oder zu niedrig sind, so wirkt jede solche 
Bewegung als Korrektivmittel***, indem sie durch Expansion oder Kontrak- 
tion des zirkulierenden Geldes die Preise wieder auf ihr wahres Niveau zu- 
rückführt, im ersten Fall das Niveau zwischen Wert des Goldes und Wert 
der Waren, im zweiten Falle das internationale Niveau der currencies.In andern 
Worten: Das Geld zirkuliert in verschiedenen Ländern nur insofern es in - 
jedem Lande als Münze zirkuliert. Das Geld ist nur Münze, und die Quanti- 
tät des in einem Lande befindlichen Goldes muß daher in die Zirkulation ein- 
gehn, kann also als Wertzeichen seiner selbst über oder unter seinen Wert 
steigen oder fallen. Damit sind wir auf dem Umweg dieser internationalen 
Verwickelung wieder glücklich bei dem einfachen Dogma angelangt, das den 
Ausgangspunkt bildet. 

* „Eine ungünstige Handelsbilanz kann nie anders als durch eine Überfülle von 
Zirkulationsmitteln entstehen.“ (Ricardo, ]. c. p. 11, 12.) 
** „Der Export des Hartgelds wird durch seine Billigkeit hervorgerufen und ist 
nicht die Wirkung, sondern die Ursache einer ungünstigen Bilanz“ (I. c. p. 14). 
+] 60:19: 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel  - %,15] 

Wie Ricardo die wirklichen Phänomene im Sinne seiner abstrakten T'heorie 
gewaltsam zurechtkonstruiert!, werden einige Beispiele zeigen. Er behauptet 
z.B., in Zeiten von Mißernten, häufig in England während der Perioden von 
1800 bis 1820, werde Gold exportiert, nicht weil Korn bedurft und Gold Geld 

‚ist, also auf dem Weltmarkt stets wirksames? Kaufmittel und Zahlungsmittel, 
sondern weil das Gold in seinem Wert deprezüert sei gegen die andern Waren 
und folglich die currency des Landes, worin die Mißernte stattfindet, de- 
preziiert sei im Verhältnis zu den andern nationalen currencies: Weil näm- 
lich der Mißwachs die Masse der zirkulierenden Waren vermindert habe, sei 
die gegebene Quantität des zirkulierenden Geldes über ihr normales Niveau 
hinausgetreten und seien folglich alle Warenpreise gestiegen.* Im Gegensatz 
zu dieser paradoxen Auslegung wurde statistisch nachgewiesen, daß seit 1793 
bis zur neuesten Zeit, im Fall von Mißernten in England, nicht die vorhandene 
Quantität der Zirkulationsmittel überschwoll, sondern ungenügend wurde, 
und daher mehr Geld als früher zirkulierte und zirkulieren mußte.** 

Ebenso behauptete Ricardo zur Zeit der napoleonischen Kontinental- 
sperrel?0] und der englischen Blockade-Dekretel!, daß die Engländer Gold 
statt Ware nach dem Kontinent exportierten, weil ihr Geld deprezüert sei im 
Verhältnis zu dem Geld der kontinentalen Länder, ihre Waren daher im Preis 

* Ricardo, 1. c. p. 74, 75. „Infolge einer schlechten Ernte würde England in die Lage 
eines Landes kommen, das eines Teils seiner Waren beraubt worden ist, und deshalb 
eines verringerten Betrags des zirkulierenden Mediums bedarf. Die Zirkulationsmittel, . 
die vorher den Zahlungen gleich waren, würden jetzt überflüssig und verhältnismäßig 
billig werden seiner verringerten Produktion gegenüber. Die Ausfuhr dieser Summe 
würde deshalb den Wert des Zirkulationsmittels dem Wert der Zirkulationsmitiel 
anderer Länder gegenüber wiederherstellen.“ Seine Konfusion zwischen Geld und 
Ware, und zwischen Geld und Münze zeigt sich lächerlich in folgendem Satz: „Wenn 
wir annehmen können, daß nach einer ungünstigen Ernte, wenn England Gelegenheit 
für eine ungewöhnliche Einfuhr von Korn hat, ein andres Land einen Überfluß jener 
Artikel besitzt, aber kein Bedürfnis für irgendwelche Waren, so würde unzweifelhaft 
folgen, daß solch ein Land sein Korn nicht ausführen würde im Tausch gegen Waren: 
aber es würde Korn auch nicht ‘gegen Geld ausführen, da dies eine Ware ist, die kein Land 
jemals absolut benötigt, sondern relativ.“ (l. c. p. 75.) Puschkin in seinem Helden- 
gedicht läßt den Vater seines Helden nie begreifen, daß Ware Geld sei. Daß Geld aber 
Ware ist, haben die Russen von jeher begriffen, wie nicht nur der englische Korn- 
import von 1838 bis 1842 beweist, sondern ihre ganze Handelsgeschichte. . 

_** Conf. Thomas Tooke, „History of prices“ und James Wilson, „Capital, currency 
and banking“. (Letzteres Buch ist der Abdruck einer Reihe von Artikeln, die 1844, 
1845 und 1847 im „London Economist“ 9] erschienen.) 

fl 859) zurechtkonstatiert - ? im Handexemplar korrigiert; (1859) wirkendes- 

relativ höher ständen und es so eine vorteilhaftere Handelsspekulation sei, 
Gold statt Waren auszuführen. Nach ihm war England der Markt, wo die 
Waren teuer und das Geld wohlfeil war, während auf dem Kontinent die _ 
Waren wohlfeil waren und das Geld teuer. 

„Die Tatsache“, sagt ein englischer Schriftsteller, „war der ruinierend niedrige 
Preis unserer Fabrikate und Kolonialprodukte unter der Wirkung des Kontinental- 
systerms während der letzten 6 Jahre des Krieges. Die Preise von Zucker und Kaffee 
z.B. waren in Gold geschätzt vier- oder fünfmal höher auf dem Kontinent als die- 
. selben Preise in England geschätzt in Banknoten. Es war die Zeit, wo die französischen 
Chemiker den Runkelrübenzucker entdeckten und Kaffee durch Zichorien ersetzten, 
während gleichzeitig englische Pächter im Mästen der Ochsen mit Sirup und Melassen 
Experimente machten, wo England Besitz von Helgoland nahm, um hier ein Waren- 
depot zu bilden zur Erleichterung des Schmuggels nach dem Norden von Europa, und 
wo die leichteren Sorten britischer Fabrikate ihren Weg nach Deutschland durch die 
Türkei suchten... Fast alle Waren der Welt waren in unsern Warenhäusern akkumu- 
liert und lagen daselbst festgebannt, außer wenn eine kleine Quantität erlöst wurde 
durch eine französische Lizenz, wofür die Hamburger und Amsterdamer Kaufleute 
Napoleon eine Summe von 40-50 Tausend Pfd. St. bezahlt hatten. Komische Kauf- 
leute mußten es sein, die solche Summen zahlten für die Freiheit, eine Ladung Waren 
von einem teuren Markt nach einem wohlfeilen zu bringen. Was war die klare Alter- 
native für einen Kaufmann? Entweder Kaffee zu kaufen für 6 Pence in Banknoten und 
ihn nach einem Platz zu senden, wo er das Pfund unmittelbar verkaufen konnte für 
3 oder 4 sh. in Gold, oder Gold zu kaufen mit Banknoten zu 5 Pfd. St. eine Unze und 
es nach einem Platz zu senden, wo es zu 3 Pfd. St. 17 sh. 10?/, d. geschätzt wurde. Es 
ist also abgeschmackt zu sagen, daß man Gold statt Kaffee remittierte als vorziehbare 
merkantilische Operation... Es gab kein Land in der Welt, wo eine so große Quantität 
wünschenswerter Waren damals erhalten werden konnte als in England. Bonaparte 
examinierte stets genau die englischen Preiskurante. Solange er fand, daß in England 
Gold teuer und Kaffee wohlfeil war, zeigte er sich mit dem Wirken seines Kontinental- 
systems zufrieden.“ * 

Gerade zur Zeit, wo Ricardo seine Geldtheorie zuerst aufstellte, und das 
Bullionkomitee sie seinem parlamentarischen Bericht einverleibte, im Jahre 

1810, fand ein ruinierender Fall in den Preisen aller englischen Waren statt, 

verglichen mit 1808 und 1809, während das Gold"! verhältnismäßig im Wert 
stieg. Agrikulturprodukte bildeten eine Ausnahme, weil ihre Einfuhr von 
außen auf Hindernisse stieß und ihre im Inland vorhandene Masse durch 
Mißernten dezimiert war.** Ricardo verkannte so gänzlich die Rolle der 

* James Deacon Hume, „Leiters on the Cornlaws“, London 1834, p. 29-31. 
** Thomas Tooke, „History of prices etc.“, London 1848, p. 110. 

1 {m Handexemplar korrigiert; (1859) Geld ° 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie » Zweites Kapitel 153 

edeln Metalle als internationaler Zahlungsmittel, daß er in seiner Aussage 

vor dem Komitee des Hauses der Lords (1819) erklären konnte: 
„Daß Goldabflüsse für Ausfuhr gänzlich aufhören würden, sobald die Barzahlungen 

wiederaufgenommen und der Geldumlauf auf sein metallisches Niveau zurückgeführt 
wäre.“ 

Er starb rechtzeitig gerade vor je Ausbruch der Krise von 1825, die 
seine Prophezeiung Lügen strafte. Die Periode, worin Ricardos schriftstelleri- 
sche Tätigkeit fällt, war überhaupt wenig geeignet, um die Funktion der 
edeln Metalle als Weltgeld zu beobachten. Vor der Einführung des Kon- 
tinentalsystems war die Handelsbilanz fast immer zugunsten Englands und 
während desselben waren die Transaktionen mit dem europäischen Kontinent . 
zu unbedeutend, um den englischen Wechselkurs zu affizieren. Die Geld- 
sendungen waren hauptsächlich politischer Natur, und Ricardo scheint die 
Rolle, die die Subsidiengelder im englischen Goldexport spielten, gänzlich 
verkannt zu haben.* 

Unter den Zeitgenossen Ricardos, welche die Schule für die Prinzipien 
seiner politischen Ökonomie bildeten, ist James Mill der bedeutendste. Er 
hat versucht, Ricardos Geldtheorie auf Grundlage der einfachen metallischen. 
Zirkulation darzustellen,ohne dieungehörigen internationalen Verwicklungen, 
wohinter Ricardo die Dürftigkeit seiner Ansicht versteckt, und ohne alle . 
polemische Rücksicht auf die Operationen der Bank von England. Seine 
Hauptsätze sind folgende**: 

„Der Wert des Geldes ist gleich der Proportion, worin man es austauscht gegen 
‚andre Artikel, oder der Quantität Geld, die man im Austausch für eine bestimmte 
Quantität andrer Sachen gibt. Dies Verhältnis ist bestimmt durch die Totalquantität 
des in einem Lande befindlichen Geldes. Unterstellt man auf der einen Seite alle 
Waren eines Landes, und auf der andern all sein Geld, so ist es evident, daß beim Aus- 
. tausch der beiden Seiten der Wert des Geldes, d. h. die Quantität von Waren, für die 
es ausgetauscht wird, ganz von seiner eignen Quantität abhängt. Der Fall ist ganz der- 
selbe im wirklichen Verlauf der Dinge. Die Totalmasse der Waren eines Landes tauscht 
sich nicht auf einmal gegen die Totalmasse des Geldes aus, sondern die Waren tauschen 
sich in Portionen, und oft in sehr kleinen Portionen, zu verschiedenen Epochen im 
Laufe des Jahres aus. Dasselbe Stück Geld, das heute zu diesem Austausch gedient 
hat, kann morgen zu einem andern dienen. Ein Teil des Geldes wird zu einer größern 
Anzahl von Austauschakten, ein andrer zu einer sehr kleinen angewandt, ein dritter 
wird aufgehäuft und dient gar keinem Austausch. Unter diesen Variationen wird es 

* Vgl. W. Blake, die oben zitierten „Observations etc.“ 
** James Mill, „Elements of political economy.“ Im Text übersetzt aus der fran- 
zösischen Übersetzung von J.T. Parisot, Paris 1823. 

154 ; Karl Marx 

einen Durchschnitt geben, begründet auf die Anzahl von Austauschakten, wozu jedes 
Goldstück verwandt worden wäre, wenn jedes dieselbe Anzahl von Austauschakten 
realisierte. Man fixiere diese Durchschnittszahl beliebig, z. B. auf 10. Hat jedes im 
Land befindliche Geldstück zu 10 Einkäufen gedient, so ist dies dasselbe, als ob sich 
die T'otalmasse der Geldstücke verzehnfacht, und jedes nur zu einem einzigen Einkauf 
gedient hätte. In diesem Fall ist der Wert aller Waren gleich IOmal dem Wert des 
Geldes usw. Wenn umgekehrt, statt daß jedes Geldstück im Jahre zu 10 Einkäufen 
diente, die Totalmasse des Geldes verzehnfacht wäre und jedes Geldstück nur einen 
Austausch vollzöge, so ist klar, daß jede Vermehrung dieser Masse eine verhältnis- 
mäßige Verminderung im Werte jedes der Goldstücke für sich genommen verursachen 
würde. Da man unterstellt, daß die Masse aller Waren, wogegen sich das Geld aus- 
tauschen kann, dieselbe bleibt, so ist der Wert der Gesamtmasse des Geldes nicht 
größer geworden nach Vermehrung seiner Quantität, als er vorher war. Unterstellt man 
Vermehrung um ein Zehnteil, so muß der Wert jedes aliquoten Teils der Gesamtmasse, 
z.B. einer Unze, sich um ein Zehnteil vermindert haben. Welches also auch immer der 
- Grad der Verminderung oder Vermehrung der Totalmasse des Geldes sei, wenn die 
Quantität der andern Sachen dieselbe bleibt, so erfährt diese Gesamtmasse und jeder 
ihrer Teile wechselseitig eine verhältnismäßige Verminderung oder Vermehrung. Es 
ist klar, daß dieser Satz von absoluter Wahrheit ist. So oft der Geldwert ein Steigen 
oder Fallen erfahren hat, und so oft die Quantität der Waren, wogegen man es aus- 
tauschen konnte, und die Bewegung der Zirkulation dieselben bleiben, muß dieser 
Wechsel eine verhältnismäßige Vermehrung oder Verminderung des Geldes zur Ur- 
sache gehabt haben und kann keiner andern Ursache zugeschrieben werden. Ver- 
mindert sich die Masse der Waren, während die Quantität des Geldes dieselbe bieibt, 
so ist es, als ob sich die Gesamtsumme des Geldes vermehrt hätte und umgekehrt. 
Ähnliche Wechsel sind das Resultat jedes Wechsels in der Bewegung der Zirkulation. 
Jede Vermehrung der Anzahl der Umläufe produziert denselben Effekt, wie eine Total- 
vermehrung des Geldes; eine Verminderung in jener Anzahl bringt unmittelbar die 
umgekehrte Wirkung hervor... Wenn ein Teil der jährlichen Produktion gar nicht 
ausgetauscht wird, wie das, was die Produzenten selbst konsumieren, so kommt dieser 
Teil nicht in Rechnung. Da er sich nicht gegen Geld austauscht, ist er in bezug auf 
das Geld, als ob er überhaupt nicht existierte... So oft die Vermehrung und Ver- 
minderung des Geldes frei stattfinden kann, ist die in einem Lande befindliche Gesamt- 
quantität desselben geregelt durch den Wert der edeln Metalle ... Gold und Silber aber 
sind Waren, deren Wert, wie der aller übrigen Waren durch ihre Produktionskosten, 
das Quantum in ihnen enthaltener Arbeit bestimmt wird.“* 

Der ganze Scharfsinn Mills löst sich in eine Reihe ebenso willkürlicher 
als abgeschmackter Unterstellungen auf. Er will beweisen, daß der Preis der 
Waren oder der Wert des Geldes bestimmt ist „durch die Totalquantität des 
in einem Lande existierenden Geldes“. Unterstellt man, daß die Masse und 

*].c. p. 128-136 passim. 

Zur Kritik der Politischen Ökonomie * Zweites Kapitel 155 

der Tauschwert der zirkulierenden Waren dieselben bleiben, nicht minder 
die Zirkulationsgeschwindigkeit, und der durch die Produktionskosten be- 
stimmte Wert der edeln Metalle, und unterstellt man zugleich, daß dennoch 
die Quantität des zirkulierenden Metallgelds sich vermehrt oder vermindert, 
im Verhältnis zu der Masse des im Lande existierenden Geldes, so wird es 
in der Tat „evident“, daß man unterstellt hat, was man zu beweisen vorgab. 
Mill fällt übrigens in denselben Fehler wie Hume, Gebrauchswerte, nicht 
Waren von gegebenem Tauschwert, zirkulieren zu lassen, und daher wird 
sein Satz falsch, selbst wenn man alle seine „Unterstellungen“ zugibt. Die 
Zirkulationsgeschwindigkeit mag dieselbe bleiben, ebenso der Wert der edeln 
Metalle, ebenso die Quantität der zirkulierenden Waren, und dennoch mag 
mit dem Wechsel ihres Tauschwerts bald eine größere, bald eine geringere 
Geldmasse zu ihrer Zirkulation erheischt sein. Mill sieht die Tatsache, daß 
ein Teil des im Lande existierenden Geldes zirkuliert, während der andere 
stagniert. Mit Hilfe einer höchst komischen Durchschnittsrechnung unter- 
stellt er, daß, obgleich es in Wirklichkeit anders scheint, in der Wahrheit alles 
in einem Lande befindliche Geld zirkuliert. Unterstelle, es liefen 10 Millionen 
Silbertaler zweimal während des Jahres in einem Lande um, so könnten 
20 Millionen umlaufen, wenn jeder Taler nur einen Einkauf vollzöge. Und 
wenn die Gesamtsumme des in dem Lande in allen Formen befindlichen 
Silbers 100 Millionen Taler beträgt, so kann man unterstellen, daß die 
100 Millionen umlaufen können, wenn jedes Geldstück in fünf Jahren einen 
Einkauf bewirkt. Man könnte auch unterstellen, daß alles Geld der Welt in 
Hampstead umläuft, aber jeder aliquote Teil desselben, statt etwa drei Um- 
läufe in einem Jahr, einen Umlauf in 3000000 Jahren vollzieht. Die eine 
Unterstellung ist gerade so wichtig wie die andre für die Bestimmung des 
Verhältnisses zwischen Summe der Warenpreise und Quantität der Umlaufs- 
mittel. Mill fühlt, daß es für ihn entscheidend wichtig ist, die Waren unmittel- 
bar zusammenzubringen, nicht mit dem in Zirkulation befindlichen Quantum 
Geld, sondern mit dem Gesamtvorrat des jedesmal in einem Lande existieren- 
den Geldes. Er gibt zu, daß die Totalmasse der Waren eines Landes sich „nicht 

auf einmal“ gegen die Totalmasse des Geldes austauscht, sondern verschiedene 

Portionen Waren zu verschiedenen Epochen des Jahresgegen verschiedenePor- 

tionen Geld. Um dies Mißverhältnis zu beseitigen, unterstellt er, daß es nicht 

existiere. Übrigens ist diese ganze Vorstellung von dem unmittelbaren Gegen- 

übertreten von Waren und Geld und ihrem unmittelbaren Austausch abstra- 
hiert aus der Bewegung der einfachen Käufe und Verkäufe oder der Funktion 

des Geldes als Kaufmittel. Schon in der Bewegung des Geldes als Zahlungs- 

mittel verschwindet diese gleichzeitige Erscheinung von Ware und Geld. 

Die Handelskrisen während des 19. Jahrhunderts, namentlich die großen 
Krisen von 1825 und 1836, riefen keine Fortentwicklung, wohl aber neue 
Nutzanwendung der Ricardoschen Geldtheorie hervor. Es waren nicht mehr 
einzelne ökonomische Phänomene, wie bei Hume die Depreziation der edeln 
Metalle im 16. und 17. Jahrhundert, oder wie bei Ricardo die Depreziation 
des Papiergeldes während des 18. und anfangs des 19. Jahrhunderts, sondern 
die großen Weltmarktsungewitter, worin der Widerstreit aller Elemente des 
bürgerlichen Produktionsprozesses sich entladet, deren Ursprung und Abwehr 
innerhalb der oberflächlichsten und abstraktesten Sphäre dieses Prozesses, 
der Sphäre der Geldzirkulation, gesucht wurden. Die eigentlich theoretische 
‚Voraussetzung, wovon die Schule der ökonomischen Wetterkünstler ausgeht, 
besteht in der Tat in nichts anderm als dem Dogma, daß Ricardo die Gesetze 
der rein metallischen Zirkulation entdeckt hat. Was ihnen zu tun übrigblieb, 
war die Unterwerfung der Kredit- oder Banknotenzirkulation unter diese 
Gesetze. . 

Das allgemeinste und sinnfälligste Phänomen der Handelskrisen ist plötz- 
licher, allgemeiner Fall der Warenpreise, folgend auf ein längeres, allgemeines 
Steigen derselben. Allgemeiner Fall der Warenpreise kann ausgedrückt wer- 
den als Steigen im relativen Wert des Geldes, verglichen mit allen Waren, 
und allgemeines Steigen der Preise umgekehrt als Fallen des relativen Werts 
des Geldes. In beiden Ausdrucksweisen ist das Phänomen ausgesprochen, 
nicht erklärt. Ob ich die Aufgabe stelle: zu erklären das allgemeine periodi- 
sche Steigen der Preise, wechselnd mit allgemeinem Fall derselben, oder die- 
selbe Aufgabe so formuliere: zu erklären das periodische Fallen und Steigen 
des relativen Werts des Geldes, verglichen mit den Waren, die verschiedene 
Phraseologie läßt die Aufgabe ebenso unverändert, wie es ihre Übersetzung 
aus der deutschen in die englische Sprache tun würde. Ricardos Geldtheorie 
kam daher ungemein gelegen, da sie einer Tautologie den Schein eines Kausal- 
verhältnisses gibt. Woher das periodische allgemeine Fallen der Warenpreise? 
Vom periodischen Steigen des relativen Werts des Geldes. Woher umgekehrt 
das allgemeine, periodische Steigen der Warenpreise? Von einem periodischen 
Fall im relativen Wert des Geldes. Es könnte ebenso richtig gesagt werden, 
daß das periodische Steigen und Fallen der Preise von ihrem periodischen 

"Steigen und Fallen herrührt. Die Aufgabe selbst ist gestellt unter der Vor- 
aussetzung, daß der immanente Wert des Geldes, d.h. sein durch die Produk- : 
tionskosten der edeln Metalle bestimmter Wert unverändert bleibt. Soll die 
Tautologie mehr als Tautologie sein, so beruht sie auf Verkennung der ele- 
mentarischsten Begriffe. Wenn der Tauschwert von A gemessen in B fällt, so 
wissen wir, daß dies ebensogut von einem Fallen des Werts von A wie von 

Zur Kritik der Poliäches Ökonomie - Zweites Kapitel - 157 

einem Steigen des Werts von.B herrühren kann. Ebenso umgekehrt, wenn 
der’Tauschwert von A gemessen in B steigt. Die Verwandlung der Tautologie 
in ein Kausalverhältnis einmal zugegeben, ergibt sich alles andre mit Leich- 
tigkeit. Das Steigen der Warenpreise entspringt aus dem Fallen des Werts 
des Geldes, das Fallen des Geldwerts aber, wie wir von Ricardo wissen, aus - 
übervoller Zirkulation, d.h. daher, daß die Masse des zirkulierenden Geldes 
über das durch seinen eignen immanenten Wert und die immanenten Werte 
der Waren bestimmte Niveau steigt. Ebenso umgekehrt das allgemeine Fallen 
der Warenpreise aus dem Steigen des Geldwerts über seinen immanenten 
Wert infolge einer untervollen Zirkulation. Die Preise steigen und fallen also 
periodisch, weil periodisch zu viel oder zu wenig Geld zirkuliert. Wird nun 
etwa nachgewiesen, daß das Steigen der Preise mit einer verminderten Geld- 
zirkulation, und das Fallen der Preise mit einer vermehrten Zirkulation zu- 
sarnmenfiel, so kann trotzdem behauptet werden, infolge irgendeiner, wenn 
auch statistisch durchaus unnachweisbaren Verminderung oder Vermehrung 
der zirkulierenden Warenmasse sei die Quantität des zirkulierenden Geldes, 
obgleich nicht absolut, doch relativ vermehrt oder vermindert worden. Wir 
sahen nun, daß nach Ricardo diese allgemeinen Schwankungen der Preise 
auch bei einer rein metallischen Zirkulation stattfinden müssen, sich aber 
durch ihre Abwechslung ausgleichen, indem z.B. untervolle Zirkulation 
Fallen der Warenpreise, das Fallen der Warenpreise Ausfuhr der Waren ins 
Ausland, diese Ausfuhr aber Einfluß von Geld ins Inland, dieser Einfluß von 
Geld aber wieder Steigen der Warenpreise hervorruft. Umgekehrt bei einer 
übervollen Zirkulation, wo Waren importiert und Geld exportiert werden. 
Da nun trotz dieser aus der Natur der Ricardoschen Metallzirkulation selbst 
entspringenden allgemeinen Preisschwankungen ihre heftige und gewaltsame 
Form, ihre Krisenform, den Perioden entwickelten Kreditwesens angehört, 
so wird es sonnenklar, daß die Ausgabe von Banknoten nicht exakt nach den 
Gesetzen der metallischen Zirkulation reguliert wird. Die metallische Zirku- 
lation besitzt ihr Heilmittel im Import und Export der edeln Metalle, die 
sofort als Münze in Umlauf treten und so durch ihren Einfluß oder Ausfluß 
die Warenpreise fallen oder steigen machen. Dieselbe Wirkung auf die Waren- 
preise muß nun künstlich durch Nachahmung der Gesetze der Metallzirkula- 
tion von den Banken hervorgebracht werden. Fließt Gold vom Ausland ein, 
- soist dasein Beweis,daß die Zirkulation untervoll ist, der Geldwertzu hochund 
die Warenpreise zu niedrig stehn und folglich Banknoten im Verhältnis zu 
dem neu importierten Gold in Zirkulation geworfen werden müssen. Sie 
müssen umgekehrt der Zirkulation entzogen werden, im Verhältnis wie Gold 
. aus dem Land ausströmt. In andern Worten, die Ausgabe der Banknoten 

muß reguliert werden nach dem Import und Export der edeln Metalle oder 
nach dem Wechselkurs. Ricardos falsche Voraussetzung, daß Gold!nur Münze 
ist, daher alles importierte Gold das umlaufende Geld vermehrt, und darum 
die Preise steigen macht, alles exportierte Gold die Münze vermindert und 
darum die Preise fallen macht, diese theoretische Voraussetzung wird hier 
zum praktischen Experiment, so viel Münze zirkulieren zu machen, als jedesmal 
Gold vorhanden ist. Lord Overstone (Bankier Jones Loyd), Oberst Torrens, 
Norman, Clay, Arbuthnot und eine Unzahl andrer Schriftsteller, in England 
bekannt unter dem Namen der Schule des „currency principle“?, haben 
diese Doktrin nicht nur gepredigt, sondern vermittelst Sir Robert Peels Bank- 
akte von 1844 und 1845 zur Grundlage der bestehenden englischen und 
schottischen Bankgesetzgebung gemacht. Ihr schmähliches Fiasko, theoretisch 
wie praktisch, nach Experimenten auf der größten nationalen Stufenleiter, 
kann erst in der Lehre vom Kredit dargestellt werden.* Soviel aber sieht man, 
wie Ricardos Theorie, die das Geld in seiner flüssigen Form als Zirkulations- 
mittel isoliert, damit endet, der Zu- und Abnahme der edeln Metalle eine 
absolute Einwirkung auf die bürgerliche Ökonomie zuzuschreiben, wie sie 
der Aberglaube des Monetarsystems nie geträumt hatte. So wurde Ricardo, 
der das Papiergeld für die vollendetste Form des Geldes erklärt, zum Pro- 
pheten der Bullionisten. 

* Einige Monate vor dem Ausbruch der allgemeinen Handelskrise von 1857 saß 
ein Komitee des Hauses der Gemeinen, um Untersuchungen über die Wirkungen der 
Bankgesetze von 1844 und 1845 anzustellen. Lord Overstone, der theoretische Vater 
dieser Gesetze, erging sich in seiner Aussage vor dem Komitee in folgender Renom- 
mage: „Durch strenge und prompte Einhaltung der Grundsätze des Akts von 1844 
ist alles mit Regelmäßigkeit und Leichtigkeit verlaufen, das Geldsystem ist sicher und 
üunerschüttert, die Prosperität des Landes ist unbestritten, das öffentliche Vertrauen in 
den Akt von 1844 gewinnt täglich an Stärke. Wünscht der Ausschuß noch weitere 
praktische Belege für die Gesundheit der Prinzipien, auf denen dieser Akt beruht, und 
der wohltätigen Folgen, die er sichergestellt hat, so ist die wahre und hinreichende 
Äntwort diese: Schauen Sie um sich; betrachten Sie die gegenwärtige Geschäftslage 
unseres Landes, betrachten Sie die Zufriedenheit des Volks; betrachten Sie den Reich- 
tum und die Prosperität aller Klassen der Gesellschaft; und dann, nachdem dies ge- 
schehen, wird der Ausschuß imstande sein zu entscheiden, ob er die Fortdauer eines 
Akts verhindern will, unter dem solche Erfolge erreicht worden sind.“ So stieß Over- 
stone in seine eigene Posaune am 14. Juli 1857; am 12.November desselben Jahres 
hatte das Ministerium das wundertätige Gesetz von 1844 auf seine eigne Verantwort- 
lichkeit zu suspendieren. 

Im Handexemplar korrigiert; (] 859) Geld -? „Geldumlaufgesetzes“ 

Zur Kritik der Politischen ‚Ökonomie * Zweites Kapitel 159 

Nachdem Humes "Theorie oder der abstrakte Gegensatz gegen das Mone- 
tarsystem so bis zur letzten Konsequenz entwickelt war, wurde Steuarts kon- 
krete Auffassung des Geldes schließlich wieder in ihr Recht eingesetzt durch 
Thomas Tooke.* 'Tooke leitet seine Prinzipien nicht aus irgendeiner Theorie 
her, sondern aus gewissenhafter Analyse der Geschichte der Warenpreise von 
1793 bis 1856. In der ersten Ausgabe seiner Geschichte der Preise, die 1823 
erschien, ist Tooke noch ganz befangen von der Ricardoschen Theorie und 
müht sich vergebens, die Tatsachen mit dieser Theorie auszugleichen. Sein 
Pamphlet „On the currency“, das nach der Krisis von 1825 erschien, könnte 
sogar als erste konsequente Aufstellung der später von Overstone geltend ge- 
machten Ansichten betrachtet werden. Fortgesetzte Forschungen in der Ge- 
schichte der Warenpreise zwangen ihn jedoch zur Einsicht, daß jener direkte 
Zusammenhang zwischen Preisen und Quantität der Umlaufsmittel, wie ihn 
die Theorie voraussetzt, ein bloßes Hirngespinst ist, daß die Expansion und 
Kontraktion der Umlaufsmittel, bei gleichbleibendem Wert der edeln Metalle, 
stets Wirkung, nie Ursache der Preisschwankungen, daß die Geldzirkulation 
überhaupt nur eine sekundäre Bewegung ist, und daß das Geld im wirklichen 
Produktionsprozeß noch ganz andre Formbestimmtheiten erhält, als die des 
Zirkulationsmittels. Seine Detailuntersuchungen gehören einer andern Sphäre 
als der der einfachen Metallzirkulation an, und können daher hiernochnichter- 
örtert. werden, so wenig wie die derselben Richtung angehörigen Unter- 
suchungen von Wilson und Fullarton.** Alle diese Schriftsteller fassen das 
Geld nicht einseitig, sondern in seinen verschiedenen Momenten auf, aber 
nur stofflich, ohne irgendemen lebendigen Zusammenhang, sei es dieser 
Momente untereinander, sei es mit dem Gesamtsystem der ökonomischen 
Kategorien. Geld im Unterschied von Zirkulationsmittel. werfen sie daher 
fälschlich mit Kapital zusammen oder gar mit Ware, obgleich sie andererseits 
- wieder gezwungen sind, seinen Unterschied von beiden gelegentlich geltend 
zu machen.*** Wenn Gold z.B. ins Ausland geschickt wird, so wird in der 

* 'Tooke war gänzlich unbekannt mit Steuarts Schrift, wie sich aus seiner „History 
of prices from 1839 to 1847“, London 1848, ergibt, worin er die Geschichte der Geld- 
theorien zusammenfaßt. 

** Tookes bedeutendste Schrift, außer der „History of prices“, die sein Mit- 
arbeiter Newmarch in sechs Bänden herausgegeben hat, ist „An Inquiry into the 
currency principle, the connection of currency with prices etc.“, 2.Edition, London 
1844. Wilsons Schrift haben wir bereits zitiert. Es ist schließlich noch zu erwähnen 
John Fullarton, „On the regulation of currencies“, 2. Edition, London 1845. 

 Es ist zu unterscheiden zwischen Geld als Ware, das heißt Kapital, und Geld 
als Zirkulationsmittel.“ (Tooke, „An Inquiry into the currency principle etc.“, p. 10.) 

Tat Kapital ins Ausland geschickt, aber dasselbe findet statt, wenn Eisen, 
Baumwolle, Getreide, kurz jede Ware exportiert wird. Beide sind Kapital und 
unterscheiden sich daher nicht als Kapital, sondern als Geld und Ware. Die 
Rolle des Goldes als internationales Tauschmittel entspringt also nicht aus 
seiner Formbestimmtheit als Kapital, sondern aus seiner spezifischen Funk- 
tion als Geld. Ebenso wenn Gold oder an seiner Stelle Banknoten als Zah- 
lungsmittel im innern Handel funktionieren, sind sie zugleich Kapital. Aber 
Kapital in der Form von Ware, wie die Krisen z.B. sehr handgreiflich zeigen, 
könnte nicht an ihre Stelle treten. Es ist also wieder der Unterschied des 
Goldes als Geld von der Ware, nicht sein Dasein als Kapital, wodurch es zum 
Zahlungsmittel wird. Selbst wo Kapital direkt als Kapital exportiert wird, um 
eine bestimmte Wertsumme, z.B. auf Zinsen im Ausland zu verleihen, hängt 
es von Konjunkturen ab, ob es in der Form von Ware oder von Gold expor- 
tiert wird, und wird es in der letztern Form exportiert, so geschieht es wegen 
der spezifischen Formbestimmtheit der edeln Metalle als Geld gegenüber 
der Ware. Überhaupt betrachten jene Schriftsteller das Geld nicht zuerst in 
der abstrakten Gestalt, wie es innerhalb der einfachen Warenzirkulation ent- 
wickelt wird und aus der Beziehung der prozessierenden Waren selbst hervor- 
wächst. Sie schwanken daher beständig hin und her zwischen den abstrakten 
Formbestimmtheiten, die Geld im Gegensatz zur Ware erhält, und den Be- 
stimmtheiten desselben, worin sich konkretere Verhältnisse, wie Kapital, 
revenue u. dergl. verstecken.* 

„Man kann sich darauf verlassen, daß Gold und Silber bei ihrer Zufuhr fast genau die 
benötigte Summe realisieren... Gold und Silber besitzen einen unendlichen Vorteil 
vor allen anderen Arten von Waren... durch den Umstand, daß sie allgemein als Geld 
im Gebrauch sind... Nicht in Tee, Kaffee, Zucker oder Indigo sind Schulden, aus- 
ländische oder einheimische, gewöhnlich vertragsgemäß zu zahlen, sondern in 
Münzen; und die Geldsendung, entweder in eben der bezeichneten Münze oder in 
Barren, die sofort in jene Münze verwandelt werden können, durch die Münzstätte . 
oder den Markt des Landes, in das sie geschickt werden, muß dem Absender stets die 
sichersten, unmittelbarsten und genauesten Mittel bieten, um diesen Zweck zu erreichen 
ohne Gefahr eines Fehlschlags wegen Mangels an Nachfrage oder Schwanken des 
Preises.“ (Fullarton, l.c. p.132, 133.) „Jeder andre Artikel“ (außer Gold und Silber) 
„kann in Menge oder Art außerhalb der gewöhnlichen Nachfrage des Landes stehn, in 
das er gesandt wird.“ (Tooke, „An Inquiry etc.“ [p. 10].) 

* Die Verwandlung des Gelds in Kapital werden wir betrachten im 3. Kapitel, das 
vom Kapital handelt und den Schluß dieses ersten Abschnitts bildet.