Engels an Laura Lafargue


in Le Perreux


London, 17. April 95
Mein liebes Löhr, 41, Regent’s Park Road, N.W.


Gestern sandte ich Dir einen Scheck über £ 6.9.9, Deinen Anteil am
Honorar für die „Klassenkämpfe“1. Heute schicke ich Dir eingeschrieben
unter Streifband Deine Übersetzung mit Dank und Vorschlägen zurück. 341
In einem Absatz mußte ich eine Änderung vornehmen, Du hattest es selbst
als unverständlich angemerkt, was auf das Auslassen eines Wortes im deutschen Text zurückzuführen war. Die Änderung steht auf der Rückseite des
Blattes und erfordert eine kleine Französierung Deinerseits. Ich hoffe, daß
all Deine Mühe durch das französische Lesepublikum belohnt wird!

Endlich ist es mir geglückt, die alte „Rheinische Zeitung“ von 1842 aufzutreiben. Sie war die ganze Zeit über in der Berliner Bibliothek?, und
unsere Freunde in Berlin, die das längst hätten wissen können, haben das
erst jetzt herausgefunden. Irgendwer in Berlin? war scharfsinniger als sie und
beabsichtigte, Mohrs Artikel !%! daraus zu veröffentlichen; wir haben kein
Recht, das zu verhindern, da nach deutschem Gesetz alle anonymen oder
pseudonymen Arbeiten 30 Jahre nach ihrer Veröffentlichung öffentliches
Eigentum werden, wenn nicht vorher vom Verfasser oder einem anderen
qui de droit“ das Urheberrecht eingetragen worden ist. Diese drohende Konkurrenz machte jedoch alle unsere Freunde plötzlich munter; Fischer, der
jetzt die Verlagsabteilung der Buchhandlung des „Vorwärts“ leitet, hat auf
meine Anregung hin? sofort jemanden darangesetzt, die Hauptartikel von
Mohr zu kopieren, und wird anzeigen, daß sie von mir mit einer Einleitung
usw. herausgegeben werden. Das wird wahrscheinlich die Konkurrenz
aufhalten. Finanziell können wir kaum viel, wenn überhaupt etwas, davon
erwarten, aber auf alle Fälle sind die Artikel gesichert.

Für die Lassalle-Briefe!? und weitere Pläne der Wiederveröffentlichung
alter Sachen werden wir das Schicksal der Umsturzvorlagel?! im Reichstag


1 Karl Marx: „Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“ - ? in der Handschrift




abwarten müssen; wenn sie durchkommt, sehe ich nicht, wie wir die
Arbeit, wenigstens in Berlin, ungestört fortsetzen können. Vielleicht würde
Stuttgart günstiger sein - wie dem auch sei, qui vivra verra.

Ich hoffe, Du schickst den „Devenir social“ auch nach Madrid - unsere
Freunde dort sind bezüglich der ausländischen Lektüre fast gänzlich auf
französische Produktion angewiesen, und mir scheint, sie bekommen mehr
von den Veröffentlichungen anderer Parteien zu Gesicht als von unserer.
Denn wenn die Geschäftsführung des „Socialiste“ als Vorbild dienen soll,
dann wehe uns! Der „Vorwärts“ teilt die völlige Reorganisation dieser
illustren Zeitung mit!#), die „mit Ausschluß der Öffentlichkeit“? herausgegeben wird, und daß Chauvin die Verlagsabteilung umgebildet hat -
wenn das der Fall ist, il est tellement chauvin, daß hier niemand eine Spur
davon gemerkt hat. Aber der „Vorwärts“ scheint von Frankreich ja nur den
Boulevard Bonne Nouvelle’ zu kennen, und wenn die nouvelles ne sont pas
assez bonnes, il les fabrique lui-m&mel.

Vielen Dank für Deine Mitteilungen über Sganarelle, sie reichen völlig
aus für die &clairage de ma t&tel! über den Gegenstand. Ich hatte nur den
Sganarelle aus „Medecin volant“ und „Don Juan“ im Kopf.

Bitte sag Paul, wenn er eine draught!? nötig hat, die sich aus Pfund,
Schilling und Pence zusammensetzt (in welchem Fall der britische Philister
es draft! buchstabiert), so werde ich ihm gern eine verschreiben.

Herzliche Grüße von Louise.

Stets Dein
F. E.