Engels an Nikolai Franzewitsch Danielson

in Petersburg

London, 5. März 1895
Were Harn 41, Regent’s Park Road, N.W.

Es tut mir sehr leid, Ihnen als Antwort auf Ihren freundlichen Brief
vom 29. Jan. mitteilen zu müssen, daß unser Autor! keine für den russischen
Übersetzer brauchbaren Manuskripte hinterlassen hat, in denen er seine
Ansichten über die Lage des Grundeigentums in Rußland und die sich
daraus ergebenden Schlußfolgerungen entwickelt.'#! Alles, was ich finden
konnte, waren einfache und sehr umfangreiche Auszüge aus russischen statistischen und allgemeinen ökonomischen Quellen, die aber, mehr oder
weniger entgegen seiner Gewohnheit, nicht mit eigenen Bemerkungen durchflochten sind.

Ich lege Ihnen einen aus Berlin für Sie erhaltenen Brief bei. Der darin
erwähnte Herr E[ngels] hat mich gebeten, diesen Brief durch folgende Information zu ergänzen. Herr Engels] erhielt vor einiger Zeit von einem
Dr. Lux, der über ökonomische Fragen schreibt, eine Anfrage: ob Ihre
„Ouepekn“ 186] eine Übersetzung wert seien, und wenn ja, ob er die Veröffentlichung einer deutschen Übersetzung unterstützen würde? worauf er
antwortete, er würde es sehr begrüßen, wenn eine deutsche Übersetzung
herausgebracht würde, und würde sie nicht nur Dietz zur Publikation empfehlen, sondern auch nach dem Erscheinen sehr gern einen Artikel darüber
in der „N[euen] Zleit]“ schreiben, in dem er auf die Bedeutung Ihrer Untersuchungen hinweisen, gleichzeitig aber betonen würde, daß er mit einigen
Ihrer Schlußfolgerungen nicht übereinstimmt. Zugleich stellte er fest, daß
er, Elngels], keinerlei Recht habe, eine Übersetzung zu autorisieren, und
daß der Übersetzer, ein Freund von Dr. Lux, besser direkt bei Ihnen um
Ihre Erlaubnis nachsuche. Um Indiskretionen zu vermeiden, bestand e er
darauf, daß der Brief durch ihn an Sie gesandt wird.

Der Übersetzer, ein junger Russe in Berlin, soll angeblich fähig sein, die

Arbeit zu übernehmen (Dr. L[ux}’s Frau ist eine Russin), und Dr. Lux] hat

versprochen, den deutschen Text durchzusehen, damit Genauigkeit gewährleistet ist. Der Übersetzer soll sich auch mit ökonomischen Fragen beschäftigt haben, so daß ihm der Inhalt Ihres Buches nicht fremd ist.

Der beigefügte Brief scheint vorauszusetzen, daß Ihre Zustimmung bereits vorliegt, ich zumindest finde darin diesbezüglich keine Spur einer
formellen Anfrage an Sie. Ich weiß, daß einige junge Russen sarpanuisi?
der Meinung sind, dies sei eine überflüssige Formalität, aber ich teile diese
Meinung nicht, und sollten Sie überhaupt dazu neigen, auf Herrn K[onow]s
Angebot einzugehen, so könnte, glaube ich, eine kleine Anspielung in dieser
Beziehung dem jungen Mann nichts schaden.

Ich selbst weiß gar nichts über den in Aussicht genommenen Übersetzer.

Wenn Sie Ihre Antwort für Herrn Kf[onow] freundlicherweise an mich
senden wollen, will ich datür sorgen, daß sie sofort weitergeleitet wird.

Ihr sehr ergebener

L.K 26