Engels an Wilhelm Liebknecht

in Berlin

Lieber Liebknecht; | a

„Volksblatt“ I-4 und 7 Ex. von 5 dankend erhalten!**), ditto Brief.

Mitarbeiterschaft am „Volksbl[att]“ geschieht gern, wenn Zeit erlaubt
und Gelegenheit sich findet. Ich muß aber jetzt wieder alle Journalistik auf
eine Weile einstellen, der III. Band! muß endlich fertig werden.

Wiebei der „N[euen] Zleit]“ und anderswo stelle ich zwei Bedingungen:
l. daß an von mir unterschriebnen Artikeln nichts geändert wird ohne
meine Zustimmung, 2. daß die Honorare, if any?, als mein Beitrag an die
Parteikasse bezahlt werden.

Was am „Volksblfatt]" zuerst zu beseitigen ist, ist der ertötend längweilige Ton, der da eingerissen ist. Das „Hamburger Echo“ ist ein’ ‘Weltblatt
daneben, da sind nur die Leitartikel trocken, sonst herrscht ein großstädtischer, weltmännischer Ton, aber das „Volksbl[att]* wird größtenteils
im Schlaf geschrieben, und Lenchen behauptet, die „Sankt Johann-Saarbrücker Zeitung“ sei interessanter. Diesen Eindruck der Einschläferung hat
das Blatt von jeher auf uns gemacht. Det wollen die witzigen Berliner sind?
nanu!! Also, bring etwas Leben in die Bude, sonst macht unser Staatsanzeiger dem preußisch-deutschen? eine gar zu unbillige' Konkurrenz -
den dürfen wir uns doch nicht zum Vorbild nehmen.

Ich schicke Dir außer fraglichen Blättern noch ein „Daily Chronicle“
mit dem wahren Zusammenhang des letzten gas scares?, wo einige diensteifrige Generale 700 Mann Truppen nach Becton (östlich von East End an
der Themse) schicken wollten. #75] Du kannst daraus ersehn, wie das Blatt ist.

Es freut mich, daß Ihr Euch in Berlin so rasch einwohnt.

Tussy wird wohl von Lille mit Guesde zu Euch kommen.

nr
Herzliche Grüße an Frau und Kinder.

1 des „Kapitals“ -? wenn überhaupt welche gezahlt werden - „Deutscher Re
und Königlich Preußischer Staats-Anzeiger“ — * Gasschrecks

482 232 - Engels an Friedrich Adolph Sorge - 18. Oktober 1890