Engels an Paul Lafargue
in Le Perreux


London, den 11.Mai 89

Mein lieber ae

Wir haben Euch niemals anders genannt als „the en Marzists“!,
und ich wüßte nicht, wie man Euch anders nennen sollte. Habt Ihr einen
anderen, ebenso kurzen Namen, dann macht ihn bekannt, und wir werden
ihn mit Vergnügen und ohne Umstände anwenden. Aber wir können nicht
sagen: agglom6ration!??), was hier niemand versteht, noch Anti-Possibilisten, was Euch ebensosehr mißfallen würde und auch nicht exakt wäre, da
es zuviel umfaßt.

Tussy hat Ihnen gestern Ihren Brief an den „Star“ zurückschicken
müssen. Da der „Star“ schon am Abend vorher im Besitz der von Tussy
übersetzten Einladung war, hatte Ihre Auslegung dieses Dokuments nicht
die geringste Chance, gebracht zu werden.

Wir brauchen Briefe aus Paris, direkt an den „Star“ gerichtet, mit Pariser


Poststempel, in denen die Verleumdungen der Possibilisten in den Nrn. vom


Samstag und Dienstag!! widerlegt werden: daß die Wahl Boules'!*! mit
Bars] SS 7 EREEPT DD sintareliitet anne den sort AaR Vaillant als Verbündeter d der


Boulangistengeldern unterstützt WOorGei Sei, Gay 7 GILaNE Gi

Boulangisten gehandelt habe usw. Mir scheint, Ihr könntet dies sehr gut
machen, ohne Eurer neuen Würde als alleinseliigmachende Kirche des
französischen Sozialismus etwas zu vergeben.

Der „Star“ ist die von den Arbeitern am meisten gelesene Tageszeitung,
die einzige, die uns hin und wieder ihre Spalten offenhält. Massingham
hatte in Paris A.Smith als Bärenführer und Dolmetscher, der ihn den
Brousse und Co. zugeführt hat. Diese haben sich seiner bemächtigt, ihn
nicht mehr losgelassen, ihn mit Absinth und Wermut benebelt; und auf
diese Weise ist es ihnen gelungen, den „Star“ für ihren Kongreß zu gewinnen
und ihn ihre Lügen schlucken zu lassen. Wenn wir Euch hier von Nutzen
sein sollen, so helft uns, etwas Einfluß auf den „Star“ zurückzuerobern,
indem Ihr ihm beweist, daß man ihn auf einen gefährlichen Weg gebracht


1 „die sogenannten Marxisten“




hat, daß die Brousse und Co. ihn in Wirklichkeit Lügen drucken ließen.
Und dafür gibt es keinen anderen Weg, als direkt aus Paris Protestbriefe
gegen diese Artikel zu schicken. Andernfalls wird er uns immer vorhalten:
Niemand in Paris hat protestiert, es muß also doch wahr sein.

Außer dem „Star“ haben wir nur den „Labour Elector“, eine sehr unbekannte und sehr zweifelhafte Zeitung, von Geldern aus verborgenen
Quellen lebend und daher sehr verdächtig. Sicherlich ist Euch an ein wenig
Publizität hier in England gelegen, bombardiert also den „Star“ mit Protesten - Sie, Vaillant, Longuet, Deville, Guesde und tutti quanti°. Laßt Ihr
uns aber ohne Unterstützung, so beklagt Euch nicht, wenn keine Zeitung
von Eurem Kongreß spricht und wenn die Possibilisten!"”! hier als die
einzigen französischen Sozialisten angesehn werden und Ihr als eine unbedeutende Clique von Intriganten und Einfaltspinseln.

Seit drei Monaten haben Tussy und ich fast nichts anderes getan, als in
: Eurem Interesse gearbeitet. Wir hatten bereits die erste Schlacht mit dem
Pamphlet von Bernstein!!##] gewonnen, als wir alle eroberten Positionen
durch das Nichtstun und das Zögern Liebknechts eine nach der anderen
verloren. Jetzt, da wir auf die Verteidigung beschränkt und in Gefahr sind,
selbst die Positionen zu verlieren, die wir vorher hatten, ist es sehr hart, uns
auch von den Franzosen im Stich gelassen zu sehen, wo einige Briefe mit
jeweils einigen Zeilen im richtigen Moment eine so große Wirkung haben
könnten. Aber wenn Ihr jede Möglichkeit der Publizität hier in England
gerade in dem Augenblick verlieren möchtet, wo diese für Euch von größter
Wichtigkeit wäre, können wir nichts machen; das wird mir bestimmt eine
Lehre sein, ich werde zu meinem 3.Band* zurückkehren, den ich seit drei
Monaten im Stich gelassen habe, und ich werde es verwinden, wenn der
Kongreß zu nichts führt.

Es ist sehr gut, daß man sich mit der Unterbringung und den Restaurants für die Delegierten befaßt - Bebel hat mir diesbezüglich geschrieben,
und da Paris im Juli ein wahrer Ameisenhaufen sein wird, ist das von
höchster Wichtigkeit.

Wir werden Lauras englische Übersetzung drucken lassen. Was die
deutsche Übersetzung angeht, so gibt es eine im „S[ozialdemokrat]“, in der
Bernstein am Ende einen für die Deutschen zu gefährlichen Satz (die Nr.3
Eurer Einladung) abgeändert hat.!21*! Schickt den französischen Text der
Einberufung, der von allen unterschrieben werden soll, an Bl[ebel] und
LJiebknecht], damit sie Euch die Stellen angeben, die sie nicht unter-






schreiben können, ohne sich strafbar zu machen - sonst riskiert Ihr, die
deutschen Unterschriften nicht zu bekommen. Ich werde auf Nachrichten
von Bebel warten, bevor wir hier eine deutsche Übersetzung drucken, und
Ihnen werde ich vorher die Änderungen, die er vorschlägt, mitteilen.

Seit einiger Zeit taucht der Name Labusquitre in den possibilistischen
Zeitungen nicht mehr auf - sollte er auch zu den Unzufriedenen!??*! gehören? Die beginnende Desorganisation unter den Possibilisten ist für uns
sicher eine angenehme Tatsache, aber unsere Angriffe und der Kongreß
könnten die Rückkehr zur Einigung wohl begünstigen. Auf jeden Fall ist
die Auflösung noch nicht weit genug fortgeschritten, um auf die ausländischen Verbündeten der Possibilisten zu wirken.

Inliegend Scheck über £ 20. Was den Staatsstreich Ferrys!???! angeht,
so könnte er wohl fehlschlagen, denn der einfache Soldat ist 1889 viel mehr
Boulangist, als er bei dem Staatsstreich Mac-Mahonsl??], den er zum
Scheitern brachte, Republikaner war. Der gute Boulanger ist nicht so
dumm, wegen der Sache mit dem obersten Gericht einen Ruf zu den
Waffen zu provozieren, das besagt aber nichts für den Fall einer direkten
Verletzung der Verfassung. Daß Ferry die direkte oder indirekte Macht
nicht ohne Kampf aus den Händen lassen wird, glaube ich gern. Aber das ist
gewagt.
Freundschaftlichst Ihr

F.E.