Engels an Richard Stegemann
in Tübingen
(Entwurf)


[London] 5. Mai 85

Sehr geehrter Herr,

Ich kann nach reiflicher Überlegung unbedingt nicht auf Ihren Wunsch
eingehn. 9]

Entweder ist die gewünschte Arbeit kurz, und dann kann sie nur Beteuerungen meinerseits enthalten und dann bleibt sie assertorisch und belletristisch.

Oder ich muß Belege bringen, und dann wird’s ein Buch, und das kann
Ihnen nicht dienen, und das kann ich auch nicht so nebenbei und gelegentlich schreiben, dazu ist mein Material viel zu massenhaft.

Außerdem hat es doch auch sein Bedenken, mich zum mehr oder weniger
moralisch verantwortlichen Mitherausgeber eines Werks zu machen, das ich
nur aus Ihrer kurzen Beschreibung kenne.

Zudem wäre die Sache - innerhalb des zulässigen Raums - ganz nutzlos.
Meine stärksten Versicherungen würden den halbgebildeten Biedermeier,
gegen diesen Voreingenommenheit Sie wirken wollen, äußerst kühl lassen.
Die Leute, die sagen, Mlarx] „wäre freundlos gestorben“; niüssen doch vor
allem glauben, ich existiere überhaupt nicht. Und da sollten Beteurungen
meinerseits eine Zauberwirkung ausüben?

Die alten, von der vulgär-demokratischen Emigration von 1850-59 erfundnen und vom bezahlten bonapartistischen Agenten Karl Vogt - il lui a
et& remis en 1859 - frs. 40000, sagen die Tuilerienpapiere!?%! — weiter ausgesponnenen Ammenmärchen sind in Ihrer Gegend vielleicht mehr im
Schwang als sonstwo, weil die schwäbische Volkspartei"! die direkte Erbin
jener Emigrationsdemokratie ist und dieser und jener der Führer ein Intimus des besagten Vogt. Da nun Mlarx] im „Herr Vogt“ das alles schon erledigt, liegt kein Grund für mich vor, grade jetzt noch einmal darauf zurückzukommen. Es ist über Marx so enorm viel gelogen worden, ohne daß er es
der Mühe wert hielt, darauf zu antworten. Die Zeit kommt vielleicht, wo es
für mich nötig wird, dies für ihn zu tun, aber da wird es meine Sache sein,




Zeit, Ort, und Modus operandi zu wählen. Und dann wird’s eben wieder
heißen, ich wäre auch „gemütlos“.

Jedenfalls habe ich in diesem Augenblick nicht die Zeit, in dieser Richtung jetzt etwas zu tun, was dem Zweck entspräche und meinen eignen Anforderungen an eine solche Arbeit genügte. Meine ganze Zeit istin Anspruch
genommen mit der Herausgabe der Manuskripte von Mlarx], und ich
handle unbedingt in seinem Sinn, wenn ich dieser Pflicht gegenüber alles
Philistergekrächze mit Verachtung behandle.

Hochlachtungsvoll] und erg[ebenst]