Engels an Richard Stegemann
“ in Tübingen !
(Entwurf)

[London] 26./3./85

Sehr geehrter Herr,

Ich glaube kaum, daß ich imstande sein werde, Ihrem Wunsche zu entsprechen. Aus der gesamten nicht nur literarischen, sondern auch politischen Tätigkeit von Mlarx] könnten Sie sich allerdings ein ziemlich klares
Bild des Menschen Mlarx] machen; diese Tätigkeit liegt nun zwar der.
Welt offen vor, aber grade nicht der deutschen Welt, da das Material dazu
größtenteils im Ausland erschienen ist. Ändrerseits müßte eine Charakteristik meinerseits notwendig kurz, also nicht nur mangelhaft, sondern
auch +! assertorisch und nebenbei „belletristisch“ ausfallen, also schlimmer
sein als gar keine. Zudem kann ich Ihnen doch nicht zumuten, daß Sie mir
in meiner Beurteilung aufs Wort glauben, und wüßte so schließlich nicht,
was aus dem Geschriebnen würde, selbst bei der unbezweifelten bona fides
Ihrerseits. Wenn Sie aber von der Präsumtion ausgehn, daß Mlarx] in allem
und jedem das grade Gegenteil eines deutschen Philisters war, so können
Sie nicht viel irren.

Ob der Moment für eine Kritik von Mlarx] grade jetzt vorhanden, wo
das Il.Buch des „Kapitals“ in wenigen Monaten erscheint und das Ill. in
Arbeit ist, müssen Sie entscheiden. Jedenfalls haben Sie recht darin, daß:
die Kritik und die sog. „Wissenschaft“ bisher nur eine „allgemeine Urteilslosigkeit“ an den Tag gelegt hat und damit niemand mehr erheitert hat als:
Mlarx] selbst. Ich sehe ihn noch lachen über Herrn Schäffles Notseufzer -
daß er das „Kapital“ nunmehr zehn Jahre studiert und noch nicht begriffen
habe. 92!

1 mehr oder weniger

290 156 : Engels an Johann Philipp Becker - 2. April 1885