Engels an Karl Kautsky


in Zürich


i London, 20. Okt. 84
Lieber Kautsky,


Registriert an Dich gesandt: Korrektur und Ms. S.49-96 „Misere“ 20%,
Ich habe sie nur rasch durchlesen und nicht mit dem Ms. vergleichen können, bitte dies dort rasch zu besorgen. Dietz bitte ich, den Rest an Euch zu
schicken, und an mich nur die Abzüge der Vorrede!, die ich heute angefangen hätte, wenn mich nicht eben wieder diese Korrektur um die besten
Arbeitsstunden gebracht. Morgen geht’s aber los; ich denke, zuerst kommt
meine Vorrede, dann der Artikel von Mlarx] aus dem alten „Slocial]-
Df[emokrat]“? als locum tenens? seiner Vorrede.

Ich wollte grade wegen Nonne bei Euch anfragen, da Frau Laflargue]
gern Bescheid wissen wollte über diesen ihnen verdächtigen Nachbar. Da
kommt die „Exekution“ in der Pariser Presse.'*?}! Man wundert sich allgemein, daß die Preußen ein so unbeholfnes Vieh anstellen und bezahlen (?)
konnten.

Eben war Joynes von „To-Day“ bei mir. Sie wollen seit einiger Zeit die
„Entwicklung“ englisch herausgeben, und ich habe Aveling das Übersetzungsrecht längst gegeben. Den wollen sie aber nicht, da er und Hyndman -+° Gegner, und so sollte mir Shaw aufoktroyiert werden, der kein
mir aber verbeten und ihn an Aveling gewiesen, der mir überhaupt jeden
Tag besser gefällt. Diese kleinen Literatenränke machen den größten Teil
der innern Geschichte der hiesigen Bewegung aus. Sonst passiert ihnen
auch Pech. Dienstag vor 8 Tagen war Frau Laflargue] mit in der Sitzung
des Council der Social Democratic Federation!"!, und da zankten sie sich
um irgendeinen Dreck, aber so, daß die damned liars? zu Dutzenden in der
Luft herumflogen. Es soll schön gewesen sein. Die einzigen Leute, in die


1 „Vorwort zur ersten deutschen Ausgabe von Karl Marx’ Schrift ‚Das Elend der Philoso-
Lügner j




ich Vertrauen habe, sind Bax und Aveling, beide durchaus brav, intelligent
und aufrichtig, wenn auch starker Nachhülfe bedürftig; auf die andern,
soweit ich Gelegenheit hatte, sie zu beurteilen, gebe ich sehr wenig.

Herrn Mommsen habe ich jetzt auch schön fest. Er hat wegen enuptio
gentis eine Masse Blödsinn in den „Römischen Forschungen“ verübt, ich
habe die Sache verfolgt und jetzt alle Stellen beisammen.?2! Sollte mir von
Seite der Mommsenschen Schule etwas angehängt werden über römische
Geschichte (was formell sehr möglich, inhaltlich nicht), so kann ich dienen.

Hirsch schickt mir „Flrankfurter] Ztg.“ mit Feuilleton über Lippert
„Geschichte der Familie“. #23! Das Buch ist offenbar schamloses Plagiat
aus Morgan und Bachofen, mit einigen Verbrämungen aus andern, leicht
aufzutreibenden Quellen.

Besten Gruß an Ede.

Dein
F.E.


Dein Feuilleton in der „Flrankfurter]“ 82@! habe ich auch noch nicht
gesehn, hast Du’s noch? ich retourniere’s,


8 des Heiratens außerhalb der Gens