Engels an Eduard Bernstein


in Zürich


Ä London, 10. Febr. 83
Lieber Herr Bernstein,
Unter erg. Bestätigung meines Gestrigen schließe ich Ihnen hier einen

Brief für Kfautsky] bei, dessen alte Adresse vielleicht nicht mehr brauchbar

ist.

Um auf die Börsensteuer zurückzukommen, so brauchen wir ja gar
nicht die „Immoralität“ und Spitzbüberei der Börse zu leugnen, können sie
sogar recht drastisch ausmalen als Spitze des kapitalistischen Erwerbs, wo
sich das Eigentum ganz direkt in Diebstahl auflöst; dann aber weiter
schließen, daß es keineswegs im Interesse des Proletariats ist, diese saubere
Spitze der heutigen Wirtschaft abzubrechen, sondern sie vielmehr sich
recht frei entfalten zu lassen, damit auch dem Dummsten klarwerde,
wozu die heutige Wirtschaft führt. Die sittliche Entrüstung lassen wir denen,
die habgierig genug sind, an die Börse zu gehn, ohne selbst Börsianer zu sein,
und dann, wie sich’s gebührt, ausgeplündert werden. Und wenn dann Börse
und „solides Geschäft“ sich einander in die Haare geraten, und wenn der
ebenfalls in Papierches zu machen versuchende und notwendig nackt ausgezogene Landjunker der Dritte wird im gegenseitigen Kampf der drei
Haupitteile der ausbeutenden Klasse, dann sind wir der Vierte, der lacht.

Die Bitte um eine genaue Adresse mit Straße und Nr. geht auch an Sie.
Ich kann sonst kein Geld schicken und muß es doch, u.a. für 6 Ex. der
Schmidt-Broschüre!], die Schorl[emmer] und ich nach Deutschland
schicken wollen, und um die ich bitte.

Jetzt aber muß ich schließen.

Ihr
F.E.