Engels an Marx


'in Ventnor


- London, 22. Dez. 1882

Lieber Mohr,

Um nochmals auf den Podolinski zu kommen it}, _berichtige ich, daß
Energieaufspeicherung durch Arbeit eigentlich nur im Feldbau vor sich
geht; in der Viehzucht wird im ganzen die in Pflanzen aufgespeicherte
Energie nur in das Tier umgelagert, von Äufspeicherung kann da nur insofern die Rede sein, als ohne Viehzucht Nährpflanzen sonst nutzlos verwelken, so aber verwandt werden. Dagegen in allen Industriezweigen wird
Energie bloß ausgegeben. Höchstens kommt in Betracht, daß Pflanzenprodukte, Holz, Stroh, Flachs etc., und Tierprodukte, in denen Pflanzenenergie aufgespeichert, durch die Bearbeitung nutzbar gemacht, also länger
erhalten werden, als wenn sie der natürlichen Zersetzung überlassen. Die
alte ökonomische Tatsache also, daß alle Industrieproduzenten leben müssen
von den Produkten des Landbaus, der Viehzucht, Jagd und Fischerei, kann
man also, wenn's beliebt, auch ins Physikalische übersetzen, wobei aber
kaum viel herauskommt.

Inl. Brief von Laural!#2], die Sache mit Jenny ist in der Tat gar nicht so
schlimm, wenn sie sich nur ordentlich und konsequent behandeln läßt, aber
das ist nötig - nicht wegen unmittelbarer Gefahr, sondern wegen höchst unangenehmer Folgen, die bei Vernachlässigung sich festsetzen können.

Hartmlann]! hat seine ganze Geschichte hier aufgegeben und geht morgen wieder über den Ozean. Es ist das beste. Er hat sich hier mit seinen
Kontrakten eine solche Masse rechtlicher Verbindlichkeiten aufgeladen
(und sie stellenweise nicht gehalten), daß er selbst nicht mehr weiß, woran
er ist. Ich erzähle Dir die Geschichten mündlich, ich bin froh, daß er fort
ist. Während er mich in einem fort anpumpte, stellt sich jetzt heraus, daß
er fünf bis sechs £ die Woche einsteckte.

Mit dem wenigen Nachdenken, das sich Bernstein manchmal erlaubt,
hast Du recht. Er aber steht nicht allein. Sieh mal Lafargues neue Ent-


1 1L.N. Hartmann




deckungen in „Pretres et commercants“ („Eglalite]“, 20.Dez.) an und in
selber Nr. Devilles neuste Rekonstruktion des keineswegs verbesserten
Weitlingianismus!!#3],

Ich freue mich, daß wir in Beziehung auf die Geschichte der Leibeigenschaft” „einig gehn“, wie der Geschäftsstil sagt. Sicher ist die Leibeigenschaft und Hörigkeit keine spezifisch mittelalterlich-feudale Form, wir
haben sie überall oder fast überall, wo Eroberer das Land durch die alten Einwohner für sichbebauen lassen -in Thessalien z.B. sehr früh. Diese Tatsache
hat sogar mir und manchem andern den Blick getrübt für die Mittelaltersknechtschaft; man wollte sie gar zu gern auf bloße Eroberung gründen, das
‘machte die Sache so nett und glatt ab. Sieh u.a. Thierry. !6*

Auch die Stellung der Christen in der Türkei zur Blütezeit des alttürkischen Halbfeudalismus hatte etwas Ähnliches.

Jetzt aber kommt Pumps zum Essen, es ist 5 Uhr, und damit wirkt force
'majeure auf mich. Das brillante Wetter hat Dich hoffentlich wieder herumgebracht.
| Dein

Fred