Engels an Marx


in Ramsgatel!$?)


London, 9.Sept. 1879

Lieber Mohr,

Inl. einiges von Liebknfecht] nebst Beilagen, aus denen nicht viel
Neues zu ersehn, weswegen ich mich nicht beeilt habe, sie zu schicken.
Aus naheliegenden Gründen habe ich Hirsch von dieser ganzen Sendung
nichts mitgeteilt, unnützer Krakeel ist besser vermieden.

Höchberg hat von Scheveningen an Hirsch geschrieben, um sich von
ihm quasi hieher einladen und guten Empfang garantieren zu lassen,
worauf Hirsch] gar nicht geantwortet. Auf eine weitere Postkarte HJöchber]gs hat Hirsch ihm eine ditto geschickt: Du seist noch nicht zurück und
er selbst, Hirsch, sei auch im Begriff, an die Seeküste zu gehn. Damit werden wir wohl Ruhe vor dem Mann haben.

Inzwischen wär’ es doch gut, wenn Du mir die Akten zurückschicktest.
Ich werde doch endlich Bebel antworten müssen!"#”' |. wegen Hirschs, der
gern seine persönliche Angelegenheit gegenüber Bebel klargestellt sehn
möchte und etwas ungeduldig wird, und 2., weil das „Jahrbuch“, das Kowfalewski] Dir mitgebracht, uns glücklicherweise gestattet, den Leuten
einfach die Gründe bestimmt anzugeben, weshalb wir absolut nicht an
einem Organ mitarbeiten können, an dem Höchberg auch nur ein Wort
mitzusprechen hat.!!77! Die betreffenden Artikel sind:

1. „Rückblicke auf die sozialistische} Bewegung in Deutschland“,
von #*; (Höchberg und wahrscheinlich Bernstein und Lübeck),

2. die Kritiken von C.L. (Lübeck) besonders über Cohn, „Was ist
Sozialismus“, Schluß,

3. Bericht aus Deutschland Nr. I von M.Sch. (Max Schlesinger in
Breslau).

Höchblerg] erklärt gradezu, die Deutschen hätten einen Fehler begangen, indem sie die sozialistische Bewegung in eine bloße Arbeiterbewegung verwandelt und durch unnötiges Herausfordern der Bourgeoisie
sich das Sozialistengesetz?!} selbst zugezogen! Die Bewegung soll unter




die Leitung der bürgerlichen und gebildeten Elemente gebracht werden,
einen durchaus friedlichen Reformcharakter tragen usw. Du kannst Dir
denken, mit welchem gusto Most über diese Jämmerlichkeiten herfällt und
sich wieder als der unverfälschte Vertreter der deutschen Bewegung
geriert. 1°)

Enfin!, ich glaube, Du wirst auch der Meinung sein, daß wir nach dieser
Geschichte gut tun, den Leipzigern wenigstens gegenüber, unsern Standpunkt festzustellen. Wenn das neue Parteiorgan aus Höchberg]s Loch
tutet, dann können wir genötigt werden, dies auch öffentlich zu tun.

Wenn Du mir die Sachen schickst (von dem „Jahrbuch“ hab’ ich noch
ein Ex. hier), will ich einen Brief an Bfebel] entwerfen und Dir einschicken, Du brauchst Dich natürlich dieser Lappalie wegen in Deinen
Ferien nicht unterbrechen zu lassen. Aber es muß bald etwas geschehn,
sonst schreibt Hirsch wieder Privatbriefe nach allen Ecken und Enden
und gibt der Sache einen viel zu ausschließlich persönlichen Charakter.

Seitdem die russische Diplomatie sich ihre Ziele durch innere russische
Ereignisse muß vorschreiben lassen, geht ihr alles schief. In demselben
Augenblick, wo ihr Nihilisten und Panslawisten die deutsche Allianz so
in Stücke brechen?, daß sie höchstens noch auf kurze Zeit scheinbar geflickt werden kann, in demselben Augenblick treiben ihre afghanischen
Agenten England, für den Kriegsfall mit Deutschland, in Bismarcks Arme,
Ich bin sicher, Bism[arck] arbeitet mit Händen und Füßen, um den Krieg
mit Rußland zustande zu bringen. Mit Östreich und England vereint
kann er’s schon wagen; England sichert ihm die Neutralität Dänemarks,
wahrscheinlich die Italiens, vielleicht selbst Frankreichs. Es wäre aber
besser, die Sache in Rußland ginge rasch zur Krisis voran und beseitigte
die Kriegsaussichten durch inneren Umsturz. Die Lage wird zu günstig
für Bismarck. Ein gleichzeitiger Krieg gegen Rußland und Frankreich
würde ein Kampf um die nationale Existenz, und in dem dabei entflammten Chauvinismus ginge unsre Bewegung auf Jahre zugrunde. Und dabei
ständen die Chancen, sobald England beitritt, für Bismarck sehr günstig:
ein langer, harter Kampf, aber 3:2 für endlichen Ausgang etwa wie der
Tjährige Krieg.

Sam Moore schreibt, daß der Verkauf des estates soweit recht gut abgelaufen ist, der größte Teil verkauft zum 39- 40fachen Betrag der Großrente; nur das Moor- und Waldland, das sie auf £ 11600 inkl. Holzbestand


taxieren, ist unverkauft, und das glauben sie, halten zu können, bis das






Sheffhielder Geschäft sich bessert und dann einen noch bessern Preis herausschlagen.

Was ist aus den Lafargues geworden? Seit Pumps Freitag vor 8 Tagen
dort war, haben wir von Paul nichts gesehn noch gehört.

Jollymeier flickt noch immer an seinem Rheumatismus herum, der nicht
weichen will. Gumpert hat ihm Buxton empfohlen, und er sagte gestern,
wenn’s nicht bald besser würde, ging’ er Ende der Woche hin. Er, Pumps
und ich grüßen Euch alle herzlich und hoffen, daß das Seeleben Euch gut
bekommt. Was hast Du für Pläne wegen Rückkehr? Mach’s, so lang es
irgend angeht, bist Du erst wieder hier, so weiß ich, wie’s geht bei dem
wackligen Wetter, es is nix zu wolle.

Dein
F.E.