En gels an Marx

in London

Littlehampton, Selborne Cottage
18. Sept. 78

Lieber Mohr,

Ich habe mich, wie gewöhnlich, unklar ausgedrückt. Ich konnte Dir
nicht zumuten, alle Tage herüberzukommen und mir die Briefe zuzuschicken], daher sandte ich den Leuten im Hause einige adressierte
Kuverts, damit sie mir die Briefe alle 2-3 Tage zuschicken könnten. Worum
ich Dich bitten wollte, war, in den ersten Tagen etwas nachzusehn, daß
nicht etwa der erwartete Geldbrief einige Tage liegenbliebe und daß die
Sendung überhaupt in einen regelmäßigen Gang komme, und dann von
Zeit zu Zeit die einlaufenden Zeitungen und andre Papiere (die nach meiner
Instruktion dort bleiben sollen) nachzusehn, ob etwas darunter ist, das
irgendwelche Besorgung erfordert. Hoffentlich verstehn wir uns jetzt.

Der heutige M[orning] „Stand[ard]“ enthält einen guten Artikel voll
verdienter Verachtung über Gesetz und Debatte.”] Ich schick’ ihn nach
Leipzig.?! Die Debatte selbst ist von seiten der Ordnungsleute jammervoll genug. Bl[ismarck], unfähig, die von Bebel ihm vorgeworfnen Tatsachen!!! irgendwie zu entkräften, muß zur elenden Ausflucht greifen, er
habe mit den Sozialdemokraten sympathisiert, bis sie die Kommüne gefeiert — er, der selbst die Kommüne als Nachahmung der preußischen
Städteordnung pries! Und dann nennt er eine im Reichstag repräsentierte
Partei eine Räuberbande und wird der Ordnungsruf verweigert!!

Ich schicke Dir eine „Kölnlische] Zfei]lt{ung]* "5°. Vorn werden russische
Gesetze für die Deutschen gefordert, und hinten sagt der Petersburger Korrespondent, daß in Rußland, da dieselben russischen Gesetze sich als ohnmächtig bewiesen, man das einzige Heil in Konstitution, Volksvertretung,
Preßfreiheit etc. suchen müsse! Das dumme Blatt merkt’s nicht und unsre
Leute leider wohl auch nicht. Auch der Schluß der Moskauer Korrespon-

denz interessant. Streich die Sachen an und schick sie nach Leipzig (Ramm

3 Vgl. vorl. Band, S. 491-500

33 - Engels an Marx - 18.September 1878 8

(Hermann) Färberstraße 121), vjelleicht merken sie’s doch und benutzen’s.

Die vielen und gewaltsamen russischen Manöver in Türkei, Persien,
Afghanistan etc. scheinen einerseits den Zweck zu haben to fish in troubled
waters, where something may be expected to turn up at any moment, und
andrerseits, die öffentliche Meinung im Innern zu täuschen. Aber wer weiß,
was noch daraus wird. Bismarck kann sehr bald in den Fall kommen, in
einem neuen Krieg mit Frankreich die einzige Rettung zu suchen und damit
einen europäischen Krieg des Ostens gegen den Westen zu entzünden, in
dem niemand sicherer untergeht als er. Jedenfalls hat der Türkenkrieg!#'
bewiesen, wie faul ganz Europa ist, und daß der Einbruch näher ist, als wir
erwarten konnten. Einerlei, was auch geschieht, schlägt zu unsern Gunsten
aus.

Sehr froh war ich zu hören, daß der Kleine? besser und damit die wiederholte Panic hoffentlich überwunden ist.

Hier regnet’s seit gestern abend unaufhörlich. Das Nest besteht aus
2 Teilen: dem village? nebst Hafen am Fluß Arne, und der beach? 500 Schritt
südöstlich, ca. 150 Häusern auf einer Düne, wo man meint, in Holland zu
sein. Sands so schön und hart wie in Ostende.

Vielleicht komme ich Ende dieser Woche auf ein paar Stunden nach
London, if so$, schreib’ ich Dir wo möglich.

Dein
F.E.

m 0001

2 im trüben zu fischen, wo jeden Augenblick Aussicht auf Beute besteht - ? Jean-Laurent-
Frederick Longuet - * Dorf - 5 Strand - $ wenn ja

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