Marx an Max Oppenheim
in Prag


London, 20. Jan. 75

Lieber Freund,

Entschuldigen Sie die Verzögrung meines Schreibens. Ich war sehr
überschäftigt, da ich heute erst mit der Übersetzung (französischen) der
noch nicht erschienenen livraisons! des „Kapitals“ 2061 fertig geworden.
Sobald das Ganze erscheint, schicke ich es Ihnen, da ich viel verändert
und viel zugesetzt, namentlich in den letzten Teilen der französischen
Ausgabe.

Ihre Sendung von Fasanen und Lebern ist rechtzeitig angekommen und
ist hier mit wahrem Enthusiasmus empfangen worden.

Das Berliner Blatt, von dem Sie mir schreiben, kenne ich nicht; doch
mag einer meiner Schüler von hier mir unbekannterweise in selbes korrespondieren. [207]

Nun habe ich noch eine Bitte an Sie. Die Ärzte untersagen mir das
Rauchen ohne Zigarrenspitze. Ich möchte also für mich und hiesige Freunde
200 Stück der Spitzen haben, die ich in Karlsbad [?”] kennenlernte, die man
nach jeder gerauchten Zigarre wegwerfen kann, wenn sie nicht weiter
dienlich scheint, und die hier nicht zu haben sind. Aber merken Sie wohl,
dies ist ein kommerzieller Auftrag, bei dessen etwaiger Erfüllung Sie mir
die Kosten notieren müssen, da ich sonst geniert wäre, mich in ähnlichen
Drängnissen an Sie zu wenden.

Meine Tochter? läßt Sie aufs herzlichste grüßen?. Sie korrespondiert
mit Frau Kugelmann und Tochter, von denen sie kürzlich Briefe erhielt.

Wenn Sie mir nächstens schreiben, lassen Sie mich gefälligst etwas
Näheres über den Stand des Geschäfts in Böhmen wissen.

Ich freue mich sehr auf die Zeit, wo ich Sie hier sehn werde.


Ihr freundschaftlichst ergebner
Karl Marx