Marx an Laura Lafargue
in Madrid

| [London] 28.Febr. 72
Mein liebes Kind,

Du kannst die Menge der Arbeit, mit der ich seit dem Dezember
dauernd belastet bin, an der Nachlässigkeit ermessen, mit der ich auf Deine
eigenen und Pauls Briefe antworte. Dennoch war mein Herz immer bei
Euch. In der Tat beschäftigt die Gesundheit des armen kleinen Schnappy
meine Gedanken mehr als alles andere, und ich bin sogar etwas ärgerlich
über Pauls letztes Schreiben, das voll interessanter Einzelheiten in bezug
auf die „Bewegung“ ist, aber kein Wort über diesen lieben kleinen Leidenden enthält.

Infolge ununterbrochenen Lesens und Schreibens ist seit einigen Tagen
mein rechtes Auge entzündet, so daß es augenblicklich versagt und mich
zwingt, selbst diesen Brief auf die allernotwendigsten Mitteilungen von
Tatsachen zu beschränken.

Erstens ist Keller nicht der Übersetzer meines Buches.12! Als ich
endlich seinen Aufenthaltsort ausfindig gemacht hatte, schrieb ich ihm
sofort!!!!. In seiner Antwort teilte er mir mit, daß er bis dahin nur etwa
200 Seiten übersetzt hätte und daß er überdies die Arbeit nicht vor Mai fortsetzen könnte, da er vertraglich gebunden sei, die Übersetzung eines medizinischen Werks zu beenden. Das kommt für mich nicht in Frage. Ich habe
in Roy, dem Übersetzer von Feuerbach, einen für meinen Zweck vollkommen geeigneten Mann gefunden. Seit Ende Dezember erhielt er ven
mir das korrigierte Manuskript der zweiten deutschen Auflage! bis
Seite 280. Heute habe ich ihm geschrieben, daß er alle fertigen Teile des
Manuskripts sofort nach Paris schicken solle.

Wegen der Biographie habe ich mich noch nicht entscheiden können, ob
es überhaupt zweckmäßig ist, sie im Zusammenhang mit dieser Arbeit zu
veröffentlichen. !*%°! |

Was das Vorwort zu Proudhon angeht 2], j’ y penserai!.

l werde ich daran denken

Die Schriften, die Paul haben möchte, werde ich morgen schicken !*,
ich hätte das schon früher erledigt, wenn ich Zeit gefunden hätte, einige
statistische Angaben im „18.Brumaire“ nachzusehen, die, wie ich befürchte,
nicht ganz korrekt sind.

An Liebknecht werde ich schreiben. #2!

Lara, der unserer Partei vollkommen fremd ist, an der Herausgabe
unserer Parteischriften zu beteiligen, kommt gar nicht in Frage.!
Dennoch solltet Ihr nicht alle Beziehungen zu seiner Familie vernachlässigen. Unter gewissen Umständen können sie sich als nützlich erweisen.

Es tut mir leid, daß Du an Woodhull & Co. geschrieben hast. Es sind
Betrüger, die uns kompremittieren. Laß Paul an Charles A.Dana, den
Herausgeber der „Sun“ (New York) schreiben und ihm Spanien-Korrespondenz anbieten, aber gleichzeitig (solche Dinge müssen mit den
Yankees vorher geregelt werden) nach den finanziellen Bedingungen fragen.
Ich füge einige Zeilen an Dana bei.!!! Wenn er nicht annehmen sollte,
werde ich eine andere Zeitung in New York finden (den „Herald“ oder
etwas anderes).

Der „Neue Secial-Demokrat“ ist die Fortsetzung von Schweitzers
Zeitung? unter anderen Herausgebern. Er hat noch ein gewisses Dekorum
gewahrt. Jetzt ist es eine reine Polizeizeitung, Bismarcks Zeitung für die
Lassalleaner, wie er seine feudalen, liberalen und sonstigen Zeitungen aller
Schattierungen hat.

Apropos. Durch einen Eurer Briefe verleitet, hatte ich in den Vertrag
mit Lachätre!! eingesetzt „somme de ... sera remise & Paris ... quinze
jours apres demande“. Ich werde ihm morgen schreiben, daß ich Zahlung
am 1. Juli verziehe. Wenn notwendig, kann ich das Geld aufbringen, aber
ich muß vorher benachrichtigt werden.

End nun Adio, mein hebes Kind, mit tausend Küssen für den kleinen
Schnappy und Dich und Grüßen an Paul

Euer treuer

Old Nick

Das „Zirkular“* gegen die Dissenters werdet Ihr erhalten, sobald es
gedruckt Ist.

2 ‚Der Soctal-Demokrat“ - „der Betrag von ... wird nach Paris Ulerwieses ... fünfzehn
Tage nach Forderung“ - * Karl Marx/Friedrich Engels:. „Die angeblichen Spaltungen in der .

Internationale“

Esel: an Sim Borkheim

in London !%#*1

[London, Anfang März 1872]
...Sorge Ist sehr naiv, wenn er ein Buch über Irland von unserem Standpunkte verlangt! Ich bin seit zwei Jahren drauf aus, eins zu schreiben”,

aber Krieg, Kommune, Internationale haben alles ins Stocken gebracht.
Inzwischen empfehle ich ihm:

l. „Ihe Cromwellian settlement of Ireland“

von Prendergast. London, Longmans, 2. Aufl. 1870771.
2. „Memoir on Ireland“ ven Ö’Connell.

London - Duffey 1869. |

Für das hauptsächlichste Historische
3. „Ihe Irish people and the Irish land“

von Isaac Butt. London - Ridgway.

Dies für die Gegenwart.

Die irische Frage, einfach wie sie ist, ist dech das Produkt eines langen
historischen Kampfes und will eben auch studiert sein; ein Handbuch,
woraus man sie in circa 2 Stunden ergründen könnte, existiert nicht...

an Friedrich Adolph Sorge vom 15.März 1872.