Marx an Ferdinand Lassalle


in Zürich


London, 20. August [1862]

Lieber Lassalle,

Ich denke, daß Du trotz der Züge in die Hochalpen und Italien einige
Tage in Zürich verweilst oder doch poste restante! dort Briefe empfängst. Zur
größren Sicherheit habe ich auch Herrn Rüstow mitgeteilt, daß ich an Dich
„poste restante Zürich“ geschrieben!

Trotz meiner „Lage“ würde ich die ganze Transaktion rückgängig machen, wenn sich der Wechsel auf Dich nicht bereits zu Berlin in den Händen
der „Gebrüder Meyer“ befände. Es war dies allerdings einigermaßen gegen
die Verabredung, da Borkheim mir ursprünglich versprach, den Wechsel
bis zu Deiner Rückkehr nach Berlin in Händen zu halten. Jedoch sah ich
kein Arg in der Geschichte, da ich das Auftreten Deines Namens für bloße
Formalität bei diesem ersten Wechsel hielt, keine Ahnung davon hatte, daß
er irgendwie mit Deiner „bürgerlichen Existenz“ in Konnex stehe oder zu
irgendeinem bürgerlichen Drama die Kollision hergeben könne. Ich glaubte
nämlich, Engels Sicherheit für „einen Betrag“ von 400 Taler sei selbst „auf
Lebens- und Sterbefall“ hinreichend, und was „die Verfallzeit“ betraf, so
wußte ich, daß Engfels] in Geld-, speziell Wechselsachen von absoluter
„Pünktlichkeit und Promptheit“ ist. Ich würde Dich sonst nicht in dieses
business involviert? haben.

Da die Sache nun nicht mehr rückgängig zu machen ist, ohne mich und
Engels bei B[orkheim] zu blamieren, werde ich Dir übermorgen den Revers
von Engels? zuschicken. Es dauert nämlich 3 Tage hin und her nach und
von Manchester. Sobald Du denselben hast, wäre es gut, an „Gebrüder Meyer“
(dies der Name der Firma in Berlin, die Engels’ Tratte hat) zu schreiben,
daß Du bei Deiner Rückkunft akzeptieren wirst.

Indem ich nochmals sehr bedaure, Dich in die Sache involviert zu
haben - eine Übereilung, die durch Übersehn verschiedner Prämissen auf
Deiner und meiner Seite verschuldet, verbleibe ich

Dein KM.


1 postlagernd - ? diese Angelegenheit"einbezogen - siehe vorl. Band, S. 634