Friedrich Engels an Karl Marx 
in London 
Manchester, Montag, 25. Juli 1859 

I Manchester 25 Juli 59 
Lieber Mohr 

An Duncker ist geschrieben. Auch wegen der bis jetzt gänzlich mangeln- 
den Anzeige Deines Buchs in der A. A. Z. & Köln. Ztg. Diese Woche kann 
ich den Art. über das letztere keinenfalls machen, das ist eine Arbeit, & 
dazu hätte ich etwas eher notice haben müssen. Außerdem hab ich den 
milit. Art. angefangen & will ihn rasch abmachen. Für nächste Woche 
dagegen verpflichte ich mich den Art. zu machen. 

In meinen vorigen Art. ist mir einiger Unsinn hineinredigirt. Ich sagte 
das 5 Corps aufdem Marsch von Pavia strengte seine Kräfte am 3 & 4 so 
an daß auch die durch den Halt verlornen 4% Stunden, wären sie be- 
nutzt worden, kein größeres Resultat herbeigeführt, & das Corps nicht 
merklich früher aufs Schlachtfeld geführt hätten. Im Druck heißt es, der 
Halt allein hätte ihm diese Anstrengung möglich gemacht, was 1) das 
Gegen theil & 2) Unsinn ist. Erstens waren die Truppen um 6 Uhr Mor- 
gens des 3. gar nicht ermüdet, da sie eben erst aufbrachen, der Halt konn- 
te ihnen also nicht nützen, & zweitens nahm ihnen der Halt die kühlen 
Morgenstunden weg & zwang sie in der größten Mittagshitze zu mar- 
schiren. Für jeden Militär ist der Satz wie er dasteht, höchst blamabel. 
Übrigens, was nützen mir alle Stylverschönerungen, solange mir vermit- 
telst Druckfehlern der kolossalste Blödsinn hineingesetzt wird, ¢. B. Rest 
statt: Stop! u. dgl. Meine Art. zeichnen sich besonders durch solchen 
Blödsinn aus, der Rest ist ganz leidlich korrigirt. 

Wie kannst Du übrigens zugeben daß das Lausegedicht von Herwegh 
hineingesetzt wird! 

Quanto al danaro so kommt Dronke in 14 Tagen wieder her (d.h. jetzt 
in c’ 10 Tagen) ich muß also alles bis dahin aufschieben. Von Lupus hör 
ich auch nichts. Woher in der Zwischenzeit Geld auftreiben ist schwer zu 
sagen. Bei Heckscher versuch ichs, ich habe aber jetzt alle Hände voll zu 
thun, der Art. über Dein Buch nimmt mir sehr viel Zeit weg. Wenn der 
Strohn nur da wäre! Gumpert liegt krank zu Haus, Kehlkopfentzündung, 

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ist stumm. Indeß ich will sehn; wenn irgend möglich || muß Heckscher 
diese Woche das Blatt am Leben halten. Den Filz Freiligrath sollte man 
aber doch zwingen zu blechen. 

Es ist heiter, daß Du bei Herrn Liebknecht auch solch ein hübsches 
Urtheil erzielst. Das sind die wahren Leute. Die Herren sind so daran 
gewöhnt daß wir für sie denken, daß sie auch immer & überall die Sachen 
nicht nur auf dem Präsentirteller sondern auch fertig gekäut, & im klein- 
sten Umfang nicht nur die Quintessenz, sondern auch die Detailausfüh- 
rung ready cooked & dried haben wollen. Wunder soll man thun, ni plus 
ni moins. Was verlangt denn solch ein Esel eigentlich? Als wenn er sich 
nicht schon aus den ersten 3 Zeilen der Vorrede abklariren könnte daß 
auf dies erste Heft noch mindestens 15 folgen müssen ehe er an die 
Schlußresultate kommt. Natürlich sind die Lösungen der kitzlichen Geld- 
fragen &c. reiner Dreck für Liebknecht da diese Fragen gar nicht für ihn 
existiren. Aber das sollte man doch wenigstens verlangen daß ein solches 
Rindvieh sich wenigstens diejenigen Pointen merkt die ihm in sein Bis- 
chen Kram passen. Indessen was versteht die Kuh vom Sonntag. 

Das russ. Actenstück sollte nicht in so kleinen bits abgedruckt werden, 
da versteht kein Mensch den Zusammenhang. Herrn Petersens Lucu- 
brationen werden auch mit der Zeit langweilig. Indeß freilich letzte Wo- 
che war Holland in Noth. 

Die Reden des Herrn Bonaparte werden immer komischer. Die vor 
dem dipl. Corps ist gar zu heiter. Dabei hat sich der Kerl stets an den 
Degen gegriffen! Der Narr scheint sich jetzt aber auch ganz ernsthaft der 
Welt als der „Alte" aufdrängen zu wollen, wenigstens was die dehors 

angeht. 
Kossuth hatte verbreiten lassen er wäre nach Lussin Piccolo abgereist 
gewesen! 
Viele Grüße 
Dein 
F.E.I 

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