Friedrich Engels an Ferdinand Lassalle 
in Berlin 
Manchester, Montag, 14. März 1859 

I 6 Thorncliffe Grove, Oxford Street 
Manchester, 14 Marz 1859. 

Lieber Lassalle 

Vor allen Dingen meinen Dank für Ihre bons offices bei Dunker die mit 

5 so gutem Erfolg gekrént worden sind & mir seit beinahe zehn Jahren 
wieder die erste Gelegenheit geben vor dem deutschen Publikum aufzu- 
treten. Das Ms. habe ich an Marx vorigen Mittwoch geschickt & er wird 
es Donnerstag weiter spedirt haben. Der Titel ist einfach: ,,Po und 
Rhein". Berlin Verlag &c &c. Marx & ich halten es beide für besser das 

10 Ding vorab anonym erscheinen zu lassen, wegen der Specialität, der 
Name eines Civilisten könnte einer milit. Schrift vorerst nur schaden. Hat 
die Sache Erfolg wie ich hoffe, kommt der Name noch immer früh genug. 
Inhaltsregister ist keins nöthig, die Abschnitte sind einfach numerirt. 
Auch Vorwort hab' ich keins gemacht. 

15 M. meint es würden 4 Bogen geben, ich zweifle daran, doch kommt es 
natürlich auf den Druck an. 

Wegen der Conditionen hab' ich mich für halben Netto-Gewinn ent- 
schieden; es versteht sich indeß dabei natürlich die übliche Anzahl Frei- 
Exemplare, wovon Sie sich natürlich vorab || eins beilegen werden. Sie 

20 können auf dem Buchhändlerwege hergehn, eins (oder die Aushängebo- 
gen) hätte ich indeß gern per Post sogleich. Ich lasse es vielleicht englisch 
herauskommen. Zu einer franz. Übersetzung paßt der Inhalt weniger, 
dazu wäre sie auch schwer unterzubringen; indeß ich werde sehen. 

Wie geht es mit dem Druck von M's Manuscript? Ich weiß bis jetzt 

25 bloß von Einem Bogen der gedruckt ist, & das Ms. ist doch schon über 
1 Monat in Berlin. Dies scheint mir sehr langsam. Zur Leipziger Messe 
sollten doch 1-2 Hefte wenigstens ausgegeben sein, & dazu drängt die 
Zeit. 

Ihren Heraklit hat mir M. trotz aller oftwiederholten Versprechungen 

30 noch nicht geschickt, ich bin sehr begierig darauf, obgleich mir Grie- 
chisch & der speculative Begriff bedeutend abhanden gekommen sind. 
Ebenso auf Ihr Drama das ich angezeigt gesehen habe. Daß Sie sich auch 

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auf dies Fach geworfen haben hätte ich trotz Ihrer Vielseitigkeit nicht 
erwartet. 

Ich habe seit ich hier bin hauptsächlich Militaria getrieben & dazwi- 
sehen von Zeit zu Zeit einer alten Liebe, der vergleichenden Philologie 
gehuldigt. Wenn man aber den ganzen Tag über || im edlen Commerce 
gearbeitet hat, so bringt man es in einer so colossal weitläuftigen Wis- 
senschaft nicht über den reinsten Dilettantismus, & wenn ich auch einmal 
den kühnen Gedanken hegte eine vergleichende Grammatik der slavi- 
sehen Sprachen auszuarbeiten, so hab' ich das doch längst fallen lassen, 
besonders seit Miklosich dies mit so glänzendem Erfolg unternommen 
hat. 

Also nochmals meinen besten Dank, & viele Grüße von Ihrem 

F. E.I 

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