Karl Marx an Friedrich Engels 
in Manchester 
London, Dienstag, 15. Februar 1859 

I 15 Feb. '59. 

Lieber Engels, 

Einliegend, 

1) Briefv. meinem Schwager (dem Cape man), [woraus Du silehst, daß 
der Bursche Morgen in London landen wird. Da ich sans [sou] bin (ich 
habe noch Sonnabend den lezten „freien" Rock meiner Frau versetzen 
lassen, um dem Eccarius some comforts zukommen zu lassen) u. den 
Mann, der nach Trier geht u. wichtig für die Transactions m. meiner 
Mutter ist, anständig empfangen muß, muß ich Dich wieder treten, mir 
at least 1 1. zuzuschicken per Post. Zum Glück hab ich den s.g. Momm's 
u. damit brauche ich den Mann nur im Haus zu empfangen, während ich 
alles Herumtreiben als Kranker abweisen kann. 

2) Brief v. Eccarius. Ich hatte lezterm (der mir etwas sich zu bessern 
scheint) gesagt, wenn er Wein brauche, solle er mich es wissen lassen. Du 
mußt also about 2 bottles of Portwein ihm zukommen lassen. 

3) 2 Einlagen aus der Free Press (die eine um so wichtiger, weil aus 
dem New York Herald abgedruckt) werden Dir eine Einsicht in den chi- 
nes. Krieg u. die Politik des Herrn Palmerston gewähren. 

Ad vocem Freiligrath. Ich kam ihm sehr gelegen grade am Tag als er 
Deinen Brief erhalten. Er gab ihn mir zu lesen. Entschuldigte sich, wenn 
das Gedicht unpolitisch gewesen, damit daß er „Dichter" sei. Zweitens 
aber habe er von wegen des Hermann nur einen „Witz" Dir geschrieben. 
Well, after these very meagre explanations sagte er, er werde Dir schrei- 
ben, daß er mit mir die Sache all right gesezt habe. Dein Brief hatte ihn 
übrigens tief „gekitzelt". Ich sagte ihm, der Brief sei „sehr gut geschrie- 
ben" u. er mußte natürlich darüber lachen, daß ich on such an occasion 
zuallererst auf „die Form" sähe. Das fact ist dieß: F. sieht ein, daß Kin- 
kel ihn gebraucht hat u. sogar, nachdem er ihn gebraucht, etwas frech 
gegen ihn wird. (So zum tiefen Aerger von Freiligr. steht im Hermann 
m. grossen Buchstaben unter den Annoncen: „Schriften von Gottfried 
u. Johanna Kinkel" u. unter dieser II Rubrik mit kleinen Buchsta- 

316 

SE) 

ben: F. Freiligrath's Gedichte, so daß F. F's Gedichte annexirt sind 
zu den Schriften v. Gott. u. Joh. Dieß wurmt unsern Biedermannsehre.) 
Andrerseits ist Freiligrath dem Kinkel sehr verpflichtet, daß er ihm, 
wie es scheint wider alles Erwarten, wieder zu einer politischen Leibes- 
öffnung verholfen, die, by the by, wenn ich nicht irre, grosse Elogen u., 
wie es heißt, sogar Présente von Philistern aus Deutschland bewirkt hat. 
Notabene: Die Frau Daniels schreibt an Lina (in Antwort auf einige Wit- 
ze, die leztre über den Kinkelcase geschrieben): ,, Wir (sie u. Heinrich, der 

Stille) sind entzückt u. schwärmen über F's Gedicht" u. der spintisirende 
Heinrich, der „noch selbstbewußter u. noch energischer geworden", hat 
sogar herausgewittert, daß „die perfide" Kölnische Zeitung die nur in 
Heinrich's olympischem Haupt existirenden „bedeutendsten Strophen" 
unterdrückt hat. 

Was ist das mit Blind? 

A Propos. Hast Du u. Lupus aus den Zeitungen (es ist vielleicht 
4-6 Wochen her) ersehn, daß Madame Bangya in Paris wegen Loret- 
tenstreichen auf 6 Monate ins Zuchthaus gesperrt worden ist? 

Salut 
D 
KM. 

Ich habe dem Lupus seine Adresse wieder verloren. Ist es nicht 
59 Boundarystreet? Greenteys. Wenigstens habe ich unter dieser Adr. ei- 
nen Brief ihm zukommen lassen. 

Schapper's Frau hat einen Jungen gemacht u. der alte Ochs, der jezt 
Schädelwissenschaft treibt, hat entdeckt, daß der Ttägige imp sangui- 
nisch-cholerisch ist. I 

317 

187