in London

Manchester, Donnerstag, 4. März 1858

Lieber Mohr,

Also richtig wieder von der Aufmerksamkeit des schwarzen Kabinets beehrt. Ich hatte es wohl erwartet, aber daß Briefe positiv unterschlagen werden ist doch stark. Ich glaube Du thuest besser eine andre Hand adressiren zu lassen, dann werden sie wohl nur die Briefe an Dich öffnen. Da ich die Anzeige von Dir erwartete war ich particular unsren Ausläufer jeden Tag expreß zu fragen ob keine Briefe für mich da seien - stets verneint. Und dabei schreibt der Esel Félix Pyat in die Welt qu'il n'y a pas de police politique proprement dite, en Angleterre. Solch ein Saumachwerk, Sprache & alles ist mir selten vorgekommen. Immer noch der alte Glauben an die Constitution von 48; man glaubt unsre Reichsverfassungsesel vor sich zu haben. Und welche horrible Sprache! Apres tout, die Affen haben ihren Zweck erreicht & werden sich vielleicht einen wohlfeilen Märtyrerruhm erwerben. Cette béte de Derby sich sogleich fangen zu lassen & dem Pack seinen Willen zu thun.

Über die Maschinerie-Frage ist es schwer etwas Positives zu sagen, jedenfalls ist Babbage sehr wrong. Das sicherste Kriterium ist die Percentage die jeder Fabrikant jährlich auf seine Maschinerie für Verschleiß & Reparatur abschreibt also in einer bestimmten Zeit seine Maschinen ganz heraus verdient hat. Diese Percentage ist gewöhnlich 7%%,  wonach die Maschinerie in 13% Jahren durch das vom Nutzen jährlich Abgeschriebne gedeckt wird, also ohne Schaden ganz erneuert werden kann. Z.B. ich habe für £ 10000 Maschinerie. Nach Ablauf eines Jahrs wo ich Bilanz mache, schreibe ich ab von £ 10000.-
7V,% Verschleiß £ 750.-
£ 9250.-
gebe aus für Reparaturen £ 100.-
kostet mich die Maschinerie £ 9350.-
Am Ende des 2. Jahrs schreibe ich ab 7⁄2% £ 10000.-
100.- £ 757.10
£ 8593.10
zahle für Reparaturen £ 307.10
kostet jetzt die gesammte Masch. £ 8900.-

usw. Nun ist 13% Jahr allerdings eine lange Zeit in der viel Bankerotte & Veränderungen vorkommen, man wirft sich auf andre Branchen & verkauft alte Maschinerie, führt neue Verbesserungen ein, aber wenn diese Rechnung nicht im ganzen richtig wäre so würde die Praxis sie längst geändert haben. Die alte verkaufte Maschinerie wird auch nicht gleich altes Eisen, sie findet an kleinen Spinnern pp Abnehmer die sie noch verwenden. Wir haben Maschinerie laufen, die gewiß 20 Jahre alt ist; & wenn man hier manchmal einen Blick in alte rapplige Concerns thun kann, so sieht man altfränkisches Zeug das mindestens 30 Jahre alt ist. Da bei den meisten Maschinen nur wenige Theile so verschleißen daß sie nach 5-6 Jahren erneuert werden müssen, & selbst nach 15 Jahren wenn im Hauptprinzip der Maschine keine Verdrängung durch neue Erfindungen stattgefunden hat, das Verschlissene ziemlich leicht erneuert werden kann (ich spreche hier speciell von Spinn & Vorspinn-Maschinen) so ist der Lebensfähigkeit solcher Maschinen schwer eine positive Gränze zu setzen. Nun sind die Verbesserungen der letzten 20 Jahre in Spinnmaschinen nicht der Art gewesen daß sie nicht fast alle dem bestehenden Rahmen der Maschinen eingereiht werden könnten, sie bestehn meist in einzelnen Kleinigkeiten. (Beim Cardiren freilich war die Vergrößerung des Cardircylinders eine Hauptverbesserung, die für gute Qualitäten die alte Maschinerie verdrängte, aber für ord. Sorten ist die alte Maschinerie noch lange gut genug.)

Die Versicherung von Babbage ist so absurd daß wenn sie wahr wäre, das industrielle Kapital in England fortwährend abnehmen & Geld rein weggeworfen werden müßte. Ein Fabrikant der in 4 Jahren sein Gesammtcapital 5 mal umschlägt, also in 5 Jahren 6% mal, müßte also außer dem Durchschnittsprofit von 10% jährlich noch 20% auf cc' 'A seines Capitals (die Maschinerie) verdienen um seinen Abgang an alter Maschinerie schadlos ersetzen zu können - also 25% machen. Dadurch würde ja der Kostpreis aller Artikel enorm erhöht, fast mehr als durch den Arbeitslohn, & wo wäre dann der Vortheil der Maschinerie? Die jährlich bezahlten wages machen vielleicht 'h des Preises der Maschinerie aus - bei einfachen Spinnereien & Webereien gewiß weniger, & der Verschleiß soll /5 ausmachen - es ist lächerlich. Es gibt gewiß nicht ein einziges Etablissement in England in der regelmäßigen line der großen Industrie, das in 5 Jahren seine Maschinerie erneuert. Wer so dumm wäre, müßte beim ersten change kaput gehn; die alte Maschinerie, selbst wenn viel schlechter, erhielte ja den Vortheil über die neue & könnte viel wohlfeiler produziren, da der Markt sich nicht nach denen richtet die 15% für Verschleiß auf jedes Pfund Twist schlagen sondern nach denen die nur 6% CA ca des Jahresverschleißes von 7%%) draufschlagen also wohlfeiler verkaufen.

Zehn bis zwölf Jahre reichen hin dem bulk der Maschinerie einen andern Charakter zu geben, ihn also mehr oder weniger zu erneuern. Die Periode von 13Vi J. wird natürlich durch Bankerotte, Zusammenbrechen wesentlicher Stücke die eine Reparatur zu kostspielig machen, usw. & dergl. Zufälligkeiten so afficirt daß man sie etwas kürzer nehmen kann. Aber unter 10 Jahre gewiß nicht.

Ich hatte Burmah fertig, als ich aus einer andern Quelle diverse nöthige Additions machen mußte. Damit noch nicht fertig, muß der Dreck bis Dienstag bleiben. Er wird beinahe 3 Seiten füllen. Für Bomarsund ist noch Detail nachzusehn. Dazu muß ich die Momente abpassen, die Bibliothekstunden fallen mit den Geschäftsstunden so zusammen, daß ich nicht immer hin kann. Sobald ich über diese Lausereien nebst Bülow & Beresf. die an denselben Haken laboriren, weg bin, hab ich wieder a fair galloping country vor mir & kann mit Cavalry &c rasch ins Geschirr gehn.

Viele Grüße an Frau & Kinder

Dein
F.E.