Karl Marx an Friedrich Engels 
in Ryde 
London, 25. September 1857 

125 Sept. '57 
Lieber Engels, 

Meinen Brief von vorgestern mit der Anzeige der 5 £ wirst Du heute wohl 
erhalten haben. Ich begreife die Verzögerung nicht, da ich den Brief selbst 
rechtzeitig auf die Post legte. 

Deine Army ist sehr schön; nur wirkt die Masse auf mich wie ein Schlag 
auf den Kopf, da dieß viele Arbeiten Dir schädlich sein muß. Namentlich, 
wenn ich gewußt hätte, daß Du bis in die Nacht arbeiten würdest, würde 
ich lieber die ganze Sache haben zum Teufel gehn lassen. 

Die Geschichte der army hebt anschaulicher als irgend etwas die Rich- 
tigkeit unsrer Anschauung von dem Zusammenhang der Productivkräfte 
und der socialen Verhältnisse hervor. Überhaupt ist die Army wichtig für 
die ökonomische Entwicklung. Z.B. Salair zuerst völlig in der Armee ent- 
wickelt bei den Alten. Ebenso bei den Römern das peculium castrense er- 
ste Rechtsform, worin das bewegliche Eigenthum der Nichtfamilienväter 
anerkannt. Ebenso das Zunftwesen bei der Corporation der fabri. Ebenso 
hier erste Anwendung der Maschinerie im großen. Selbst der besondre 
Werth der Metalle, und ihr use als Geld, scheint ursprünglich - sobald 
Grimm's Steinalter vorbei war - auf ihrer kriegerischen Bedeutung zu be- 
ruhn. Auch die Theilung der Arbeit innerhalb einer Branche zuerst in den 
Armeen ausgeführt. Die ganze Geschichte der bürgerlichen Gesellschaften 
ferner sehr schlagend darin resümirt. Wenn Du einmal Zeit hast, mußt Du 
einmal die Sache von diesem Standpunkt ausarbeiten. | 

I Die einzigen Punkte in Deiner Darstellung, die nach meiner Ansicht 
übergangen, sind 1) das erste fertige Auftreten des Söldnerwesens im Gros- 
sen and at once bei den Carthaginiensern; (ich werde zu unsrem private 
use eine mir erst später bekannt gewordne Schrift eines Berliners über die 
Carthaginienser Heere nachsehn); 2) die Entwicklung des Heerwesens in 
Italien im 15' und Anfang des 16' Jahrhunderts* Jedenfalls taktische Pfiffe 

hier ausgebildet. Zugleich höchst humoristisch Machiavelli's Beschreibung 
(die ich Dir ausziehn werde) in seiner Geschichte von Florenz der Art wie 
die condottieri sich schlugen. (Doch wenn ich zu Dir nach Brighton 

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komme (wann?) bringe ich Dir lieber den Band M. mit.) Die Geschichte 
von Florenz ist Meisterwerk. Endlich 3) das asiatische Kriegswesen, wie es 
zuerst bei den Persern erscheint, aber dann doch sehr verschieden modifi- 
cirt bei Mongolen und Türken u.a. auftritt. 

Bei meinen Biographien etc. war ich natürlich gezwungen allerlei Cyclo- 
pädies, u.a. auch die Deutschen nachzusehn. Bei der Gelegenheit fand ich 
denn, daß unter den Rubriken ,,Arbeit", „Klassen", „Production" etc. wir 
redlich abgeschrieben werden, aber dumm. Dagegen vermeiden alle uns zu 
erwähnen, selbst wenn sie Herrn Edgar Bauer und ähnlichen Grössen Spal- 
ten widmen. Tant mieux pour nous. Die Biographien in den deutschen Cy- 
clopädies für Kinder unter 8 Jahren geschrieben. Die französischen par- 
theiisch, aber wenigstens weltmännisch. Die englischen Cyclopädies 
schreiben redlich die französischen und deutschen aus. In den Deutschen 
selbst scheinen dieselben Kerls bei den verschiedensten Buchhändlern die- 
selbe Seiche abzulagern. Ersch und Gruber nur gut in den spätem Bänden, 
wo viele gelehrte Arbeiten. 

Salut. 

Dein 
KM| 

I Die Realencyclopädie des Alterthums von Pauly ist solid. | 

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