Friedrich Engels an Karl Marx 
in London 
Ryde, 21. September 1857 

|Ryde 21 Sept. 1857 
Lieber Marx 

Steffen und Pieper waren nebst einem Freunde von P. hier, und diese bei- 
den letzteren sind erst so eben fort, so daß ich vor Postschluß kaum noch 
Zeit habe den beiliegenden Artikel etwas durchzusehn und Dir wegen Ber- 
nad[otte] zu schreiben. 

Austerlitz. Er wurde von Nap[oleon] nach Iglau geschickt um von dort 
aus den Erzherzog Ferdinand in Böhmen zu beobachten, erhielt rechtzei- 
tig von N. den Befehl nach Brünn zu kommen was er auch that, mit seinem 
Corps zwischen Soult und Lannes (ins Centrum) gestellt wurde, und die 
Überflügelung durch den rechten alliirten Flügel zurückwerfen half. Einer 
besonders wichtigen Action von B. bei dieser Gelegenheit erinnere ich 
mich nicht, finde auch nichts im Jomini. 

Jena. Hier steht es fest daß Bern, allerdings von Nap. den Befehl erhielt, 
von Naumburg nach Dornburg abzumarschiren während Davoust der auch 
in Naumburg war, nach Apolda marschiren sollte. Im Befehl an Dfavoust] 
stand daß wenn Bernad. schon mit ihm vereinigt, sie Beide nach Apolda 
zusammen marschiren könnten. D. wollte dies Letztere, nachdem er selbst 
die Marschlinien der Preußen recognoscirt hatte und sich überzeugt daß 
Bern, in der Richtung auf Dornburg keinen Feind treffen werde. Er bot so- 
gar an sich unter Bern's Commando stellen zu wollen. Dieser aber steifte sich 
darauf daß in dem ihm zugekommenen Befehl die Phrase wegen Apolda 
nicht vorkomme, und marschirte ab. Die Folge war daß er den ganzen Tag 
des 14 herummarschirte ohne Feind zu treffen während Davoust allein sich 
bei Auerstädt zu schlagen hatte; wäre B. dort gewesen oder nur am 14 auf 
den Kanonendonner los marschirt, so konnte dieser au fond unentschei- 
dende Sieg ebenso entscheidend werden wie der bei Jena. Das Zusammen- 
treffen der Auerstädter preußischen Armee mit den Flüchtlingen von Jena 
allein, und die strategische Vorbereitung zur Schlacht durch Napol., mach- 
ten dann die Affaire in ihren Folgen doch entscheidend. Warum Bern, das 
gethan dahinter ist man nie gekommen. Jomini nennt es une exactitude 
trop scrupuleuse. Wahrscheinlich freute es ihn durch die buchstäbliche 

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Ausführung den Nap. zu blamiren, da dieser hier allerdings auf falsche 
Voraussetzungen hin gehandelt. 

Eylau. Als Bennigsen] aufbrach die Truppen Neys zu schlagen die sich 
zu weit vorgewagt, und links rückwärts von denen Bernad. stand, legte Nap. 
ihm eine Falle; Ney zog sich südlich, Bern, südwestlich zurück, und hatte 
Ordre den Bennigsen nach der Weichsel hinzulocken, während Nap. aus 
Polen nördlich auf Bennigsen's Communicationen marschirte. Ein Ordon- 
nanzoffizier mit schriftlichen Ordres an Bern, wurde von den Kosaken ge- 
fangen, und Bennigsen erfuhr hierdurch die drohende Gefahr an der er 
noch eben vorbei kam. Bern, dagegen blieb ohne Instruction durch densel- 
ben Zufall und daher hinter der Linie. Ich sehe nicht daß ihm hier etwas 
vorzuwerfen ist. | 

I Wagram. Am ersten Schlachttage Eugene déboucha près de Wagram; 
mais, donnant ici au milieu des réserves ennemies, et n'étant pas soutenu 
par Bernadotte qui ne s'était engagé ni assez tôt ni assez franchement, il 
fut attaqué de front et en flanc et ramené vertement jusqu'à ma garde. Am 
2ten Schlachttage finde ich über Bern, nichts Besondres. 

Jedenfalls war Monsieur Bern, kein sehr großer General, wirklich ausge- 
zeichnet hat er sich nirgends, und auch als Politiker stak der gascon stark 
in ihm - die schöne Idee Kaiser nach Napoleon werden zu wollen! 

Über Bessières kann ich gar nichts anders sagen als daß er meist die 
Garde besonders die Cavallerie commandirte, ein Posten wobei Verstand 
ziemlich überflüssig war. Brav war er, voilä tout. 

Ich will B diese Woche wo möglich fertig machen, wenigstens bis sehr 
tief in den Buchstaben hinein und Dir dann auch über Blücher das Not- 
lüge schreiben. Jetzt ist's Postschluß. 

Viele Grüße an Deine Frau und Kinder. 

Dein 

Wie ist's mit der Reise? 

Havelock scheint der beste Kerl in Indien zu sein, und es ist etwas Enor- 
mes 126 Meilen in 8 Tagen zu marschiren in dem Klima und dabei 
5-6 Gefechte zu bestehn. Daß das mit allgemeiner Cholera enden mußte 
war vorauszusehn. 

Ich sehe hier die Times fast gar nicht, sonst könnte ich Dir über Indien 
ausführlicher schreiben, aber es ist zu arg mit der Schwierigkeit Zeitungen 

zu lesen zu bekommen. | 

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