Friedrich Engels an Karl Marx 
in London 
Manchester, 17. November 1856 

IManchester 17 Novbr 1856. 
Lieber Marx 

Von Tag zu Tag hat mich der verfluchte Commerce vom Schreiben abge- 
halten. Ich habe jetzt drei Bengel in Ordnung zu halten und da ist kein 
Ende des Revidirens, Corrigirens, Rüffeins und Commandirens. Dazu den 
Kampf mit den Fabrikanten wegen schlechter Garne oder langsamer Ablie- 
ferung, und meine eignen Arbeiten. Ich wollte es gefiele dem Herrn Bona- 
parte Frankreich von sich und mich von diesem Trubel zu befreien. 

Dieser Bonaparte sitzt übrigens verdammt tief in der Sauce. Die Ge- 
schichten wegen der Placate und der Aufregung unter den Arbeitern die 
der Times correspondent so haufenweise brachte als in Folge des Moniteur 
Artikels er Befehl erhielt de parler plus haut, haben bei den englischen Phi- 
listern hier einen enormen Eindruck gemacht. Alles glaubt an seinen 
speedy downfall. Die plötzliche Entdeckung daß der Kerl au fond doch ein 
Esel ist, und zwar von einer ganz ordinären Sorte, wird dadurch erklärt: 
früher war er ein Genie, jetzt aber ist er so durch liederlichen Lebenswan- 
del ruinirt daß sein Gehirn angegriffen ist. Es mag auch darin etwas sein, 
aber im Ganzen ist der Kerl sich doch ganz consequent geblieben, und 
bloß die englischen Philister können zwischen dem von sonst und dem von 
jetzt einen qualitativen Unterschied sehn. 

Im Guardian steht heute eine interessante Statistik über Bankerotte in 
Frankreich, ich schick' sie Dir. 

Die Finanzkrisis scheint sich mit einigen Fluctuationen und allmählig 
steigender Schärfe chronisch durch den Winter hinschleppen zu wollen. 
Dies würde sie fürs Frühjahr || bedeutend schlimmer machen als sie bei 
jetzt erfolgtem acutem Ausbruch geworden wäre. Je mehr Einzahlungen in 
die bis jetzt großentheils auf dem Papier bestehenden Gesellschaften ge- 
macht, je mehr flottirendes Capital fixirt wird, desto besser. Solange der 
Disconto nicht unter 7 % kommt - und die letzte Erhöhung ist ein Beweis 
daß er noch mehr erhöht werden muß - ist keine Aussicht da daß drei bis 
vier Einzahlungen auch nur auf die Hälfte der Schwindelkompagnien ge- 
leistet werden können. Der östreichische Credit Mobilier kann schon nicht 

die 2" Einzahlung geleistet bekommen, und dabei macht die Regierung in 
Oestreich Verträge wodurch sie die Bank zwingt Cash Payments zu resümi- 
ren! - Ich möchte das Geld haben was es dem Bonap. gekostet haben mag 
die Rente seit 6 Wochen über 66 % zu halten; eben dieser deßhalb gemach- 
ten großen Anstrengungen wegen halte ich den Tag für einen Wendepunkt 
wenn die Rente unter 66 zu stehen kommt. 

Je länger diese chronische pressure dauert desto mehr Schweinereien der 
bonapartistischen Klique müssen an den Tag kommen, und desto größer 
muß die Wuth der Arbeiter werden, denen die Details bisher nicht bekannt 

sein konnten. Dieser Morny ist wirklich ein Meisterstück von einem sui- 

tier, der Kerl scheint auch keine Lust zu haben wieder nach Paris zu kom- 
men, und die russischen Eisenbahnen und Staatspapiere sind für ihn gewiß 
die geeignetste Manier sein Geld anzulegen. 

So schöne tabula rasa wie diesmal findet die Revolution so leicht nicht 

wieder vor. Alle sozialistischen dodges erschöpft, die forcirte Beschäftigung 

der Arbeiter seit 6 Jahren anticipirt und exploded, keine Möglichkeit neue 
Experimente und Phrasen zu machen. Auf der andern Seite aber auch die 
Schwierigkeiten ganz nackt und unverhüllt; der Stier muß || ganz direct bei 
den Hörnern gefaßt werden, und da möchte ich das nächste französische 
Provisorium wohl einmal sehen wie sie sich die Zähne ausbeißen. Glückli- 
cher Weise ist diesmal nur mit der rücksichtslosesten Courage etwas zu 
machen, denn eine so rasche Ebbe wie 1848 wird man nicht mehr zu fürch- 
ten haben. 

Der Strohn war dieser Tage hier, hatte Diverses vom Kleinen gehört, der 

Mann (entre nous) denkt ernsthaft daran sich auf eigne Rechnung zu eta- 
bliren! Er bildet sich ein er könne seinem jetzigen Prinzipal durch seine 
Phräschen die Kunden abspenstig machen. 
Ich habe jetzt James Naval history of England 1792-1820 vor, haupt- 
sächlich wegen der ships against walls. Daraus geht hervor daß die Englän- 
der sich ihre naval superiority über Franzosen und besonders Spanier sehr 
mühsam erkämpfen mußten. Bei gleichen Kräften sind in den ersten 
Kriegsjahren Franzosen und Spanier den Engländern fast jedesmal ge- 
wachsen und eine Masse Schiffe wurden den letzteren abgenommen. Ich 
bin erst bis '96; aber soviel seh ich schon daß die französische Flotte unter 
Napoleon ihren allertiefsten Stand gehabt hat, und wahrscheinlich nicht 
ohne seine Schuld. - Die Hauptüberlegenheit der Engländer liegt im bes- 
sern Schießen zur See, die Franzosen schössen immer zu hoch, die Spanier 
schon viel besser. Die Geschichte mit dem Vengeur der am 1 Juni 1794 au 
cri de vive la république untergegangen sein soll ist übrigens eine Fabel. 
Der Vengeur ergab sich den Engländern, aber ehe er wirklich in Besitz ge- 
nommen wurde, kamen wieder einige französische Schiffe näher; er zog 

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Engels an Marx « 17. November 1856 

wieder französische Flagge auf, der Suceurs wurde abgeschlagen, die Eng- 
länder kamen heran, aber das Schiff ging unter, und die Mannschaft wurde 
größtentheils gerettet. Es sank 4-6 Stunden nach Ende der Schlacht. 
Grüß Frau und Kinder bestens. 
Dein 
F. E.l 

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