Friedrich Engels an Karl Marx 
in London 
Manchester, 7. März 1856 

I Manchr 7 März 56 
Lieber Marx 

Sehr verbunden für den ausführlichen Brief ad Slavica. Eichhoff ist als phi- 
lologischer Schwindler der den Klaproth (der doch noch Etwas wußte) 
noch überschwindelt hat, mir schon früher bekannt gewesen. Die Ge- 
schichte mit den Gothen im Igor werde ich nachsehn wenn ich das Buch 
erhalten, indeß ist etablirt daß eine Anzahl Gothen bis ins 10 und viel- 
leicht 11. Jahrhundert in der Krim sitzen geblieben sind; wenigstens figuri- 
ren sie in den byzantinischen [Quellen] als Gothen. Kannst Du mir Titel 
und Preis der böhmischen Sammlung von Hanka und Svoboda verschaf- 
fen? Sie wird zwar gewiß sehr unkritisch sein, beide sind complette Esel. - 
Polnische Volkslieder sind in den 40° Jahren irgendwo gedruckt worden. - 
Goetze Wladimir pp habe ich in Grimms Übersetzung von Vuk serbische 
Grammatik citirt gefunden, mit der Bemerkung: „leider ohne den russi- 
schen Text". Kapper ist ein prager Jud der die südslavischen Wanderungen 
im Constitut[ionellen] Blatt aus Böhmen Anno 48/49 schrieb, ein Belle- 
trist, ob seine Übersetzungen was taugen kann ich nicht sagen, j'en doute 
cependant. Die serbischen Hochzeitslieder hat die Jacobs alle übersetzt. 
Die von Dir angeführten politischen Schriften über die ungarischen und 
türkischen Serben wären wohl der Mühe werth eben anzusehn wenn sie im 
Museum sind. 

Die N[eue] Preußische] ist nicht in Manchester, doch hab ich die Pfeil- 
sche Geschichte in der Kölner und Augsburger || verfolgt und mein Gau- 
dium dran gehabt. Dagegen war mir der bußfertige leader der N.Pr. natür- 
lich neu; gar zu schön ist die plötzliche Einsicht, daß Adel und 
Bürgerschaft trotz allem feudalen Flitter au fond heute Eins sind. 

Was Du über Ostreich wegen der Slaven und des Protestantismus sagst, 
ist ganz richtig. Glücklicher Weise hat sich in der Slovakei ein sehr starker 
Protestantismus erhalten der sehr zur Unthätigkeit der Slovaken gegen die 
Ungarn beitrug, und in Böhmen wird jede ernsthaft-nationale Bewegung 
außer der proletarischen auch noch eine starke hussitisch reminiscenzliche 
Beimischung erhalten, so daß dadurch das specifisch Nationale geschwächt 

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Engels an Marx « 7. März 1856 

wird. Schade ists um die slovenischen Bauern die sich im 15 Jahrh. so fa- 
mos schlugen. 

Die Karsgeschichte werde ich durchlesen, wie heißt die Schrift von 
Swan? 

Die Seileriade nimmt ja einen allen Menschen nur nicht Liebknecht 
und dem Greengrocer erwünschten H[ergan]g. Einen faulen Blick in den 
Sumpf usw! 

Lassalle. Es wäre schade um den Kerl, seines großen Talents wegen, aber 
diese Sachen sind doch zu arg. Er war immer ein Mensch dem man höl- 
lisch aufpassen mußte, als ächter Jud von der slavischen Gränze war er im- 
mer auf I] dem Sprunge unter Parteivorwänden Jeden für seine Privat- 
zwecke zu exploitiren. Dann diese Sucht sich in die vornehme Welt 
einzudrängen, de parvenir, wenn auch nur zum Schein, den schmirigen 
Breslauer Jud mit allerhand Pomade und Schminke zu übertünchen waren 
immer widerwärtig. Indeß das waren alles bloß Sachen die bloß zum schar- 
fen Aufpassen nöthigten. Wenn er aber solche Historien aufstellt woraus 
direkt eine Parteischwenkung hervorgeht, so kann ichs den Düsseldorfer 
Arbeitern gar nicht verdenken wenn sie diesen Haß gegen ihn fassen. Ich 
geh heute Abend zu Lupus und lege ihm die Sache vor. Getraut hat Keiner 
von uns je dem Lassalle, man hat ihn aber gegen Dummheiten von H Bür- 
gers herrührend natürlich in Schutz genommen. Meine Ansicht ist daß 
man Alles so gehn läßt wie Du es den Düsseldorfern vorgeschrieben. Kann 
er zu einem directen overt fact gegen die Partei gebracht werden, so haben 
wir ihn. Das scheint aber noch zu fehlen, und Scandal wäre ohnehin ganz 
am unrechten Ort. 

Die Geschichte mit der Hatzf[eldt] und den 300000 Th war mir ganz 
neu, ich dachte sie hätte bloß ein Monatliches oder Jährliches. Daß er dem 
Hatzfeldt die schwarz und gelbe || Jacke erspart ist ihm nie zu vergeben. 
Auf die übrigen Geschichten komme ich zurück. 

Dein 
FE. I 

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