Karl Marx an Ferdinand Lassalle 
in Paris 
Camberwell, 28. Juli 1855 


28. Juli. 1855. 
28, Deanstreet, Soho. London. 


Lieber Lassalle, 


Ich befinde mich seit einigen Wochen auf dem Land, in einer cottage, die 
mir ein Freund, der nach Schottland verreist, abgetreten. So kam es, daß 
Dein Brief mir erst gestern zugestellt wurde. Ich habe jezt übrigens Maßre- 
geln getroffen, daß die Briefe aus der Stadt mir sofort zugesandt werden. 

Ich bin natürlich überrascht, Dich so nah bei London zu wissen, ohne 
daß Du auch nur für einige Tage herüberzukommen denkst. Ich hoffe, Du 
wirst noch in Dich gehn und entdecken, wie kurz und wohlfeil die Reise 
von Paris nach London ist. Wären mir die Thore Frankreichs nicht herme- 
tisch geschlossen, so würde ich Dich in Paris überraschen. 

Freunde habe ich einige in Paris, kann aber (ich schreibe in diesem Au- 
genblick nicht in der Stadt) ihre Adressen erst schicken, wenn ich nach 

Soho fahre, wo sie aufbewahrt liegen. 

Baco sagt, daß wirklich bedeutende Menschen so viel Relationen zur 
Natur und der Welt haben, so viel Gegenstände des Interesses, daß sie je- 
den Verlust leicht verschmerzen. Ich gehöre nicht zu diesen bedeutenden 
Menschen. Der Tod meines Kindes hat mir Herz und Hirn tief erschüttert, 
und ich fühle den Verlust noch so frisch wie am ersten Tag. Meine arme 
Frau ist auch völlig downbroken. 

Siehst Du Heine wieder, so grüsse ihn von mir. 

Dein 
KMI