Karl Marx an Friedrich Engels 
in Manchester 
London, 13. Juni 1854 

I 13. Juni, 1854. 
28, Deanstreet, Soho, London. 
Lieber Frederic, 

Einliegend Briefe von Cluß, die Du mir nicht zurückzuschicken brauchst, 
da sie schon dem competenten Publicum mitgetheilt und beantwortet 
sind. 

Der Artikel über Silistria famos. Die Aufforderung durch Oestreich an 
Rußland zu versprechen die Donaufürstenthümer zu räumen, (um auf dieß 
Versprechen hin Waffenstillstand zu schliessen und Congreß nach Wien 
zu berufen), war von Rußland selbst inspirirt. Voraus gesetzt war dabei, 
daß Silistria rasch in russische Hände fallen würde. Das englische Publi- 
cum wurde durch die ganze ministerielle Presse aufdieß Ereigniß vorberei- 
tet. Hence die Hast von Paskewitsch. Der Widerstand der Türken bei Sili- 
stria hat diesen Calcul gekreuzt, ganz wie einen ähnlichen Plan, der 
vorigen Herbst reif war. 

Der colonel Grach ist ein Bekannter von mir, aus Trier, keiner der preus- 
sischen Instructoren, sondern ein talentvoller adventurer, der schon seit 
19 Jahren oder so sein Glück in der Türkei versuchen ging. 

Boichot, der in Paris abgefaßt, war, wie ich von einem der initiirten cra- 
pauds weiß, wirklich als politischer Emissär nach Frankreich geschickt von 
der Clique Pyat, und nicht, wie Pyat in sehr schlechtem Englisch im Adver- 
tiser erklärt, um seiner alten Mutter, die ihn seit 5 Jahren nicht gesehn, 
eine Visite zu machen. Es ist doch widrig, daß die crapauds stets aus der 
Rolle fallen und diese „melodramatischen", an das Herz des Kleinbürgers 
appellirenden Lügen nicht lassen können. C'est degoütant. 

In kurzem wirst Du eine neue Lieferung Pioniers erhalten. Heinzen 
schimpft und poltert natürlich furchtbar über die hingeschiedne „Reform" 
und hat es, sogar dabei zu einem Citat aus Catull gebracht, das er vielleicht 
aus einem mit Eselsbrücke versehnen Schulbuch aufgeschnappt hat. Ent- 
hält sonst drollige Schimpfereien über Dulon. Der grosse Rüge schreibt an 
beide, an Freund „Dulon" und an Freund „Heinzen". Leztrem theilt er sei- 
nen Gesammtplan zur Stiftung einer freien Universität in Cincinnati mit, | 
I wo Rüge als rector magnificus in Partibus den Rest seiner Tage angenehm 

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zu versummen gedenkt. Es läßt ihn nicht ruhn, schließlich doch noch Pro- 
fessor zu werden, was er mit aller Servilität von dem sächsischen Minister 
Lindenau und früher von dem preußischen Minister Aldenstein nicht zu 
„erfechten" vermochte. In dieser verklärten Contrefaçon der deutschen 
Universitäten wird auch „doktorirt". Es sind blos Dollars zum Belang von 
1000 000 nöthig und 6 Bürger in Cincinnati sollen die finanzielle Verwal- 
tung übernehmen. Dazu Prospectus „aller Wissenschaften". Tolles Sam- 
melsurium, mixtum compositum der Ueberschriften von Hegels Encyclo- 
pädie und des Inhaltsregisters von Ersch und Gruber. Z. B.: „Allgemeine 
Sprachlehre. (Sieh Ersch und Gruber, Pott's Artikel über Sprachenverbrei- 
tung.)" Ausgeschlossen sollen sein von Lehrstühlen: 1) Strauß und Bruno 
Bauer; 2) die „Sophisten", die aus der Philosophie ein Larifari machen; 
3) nicht die Doctrin des Communismus, aber die „niederträchtigen Persön- 
lichkeiten, die die Republik und die Freiheit verrathen haben". 

In einem seiner Lausebriefe lobt Rüge 2 anonyme Pamphlets über Pal- 
merston, von denen er natürlich nicht ahnt, daß eins von mir herrührt. 

Meine Frau liegt zu Bette. Ich sezte es endlich durch den Dr. Freund Cu ci- 
tiren. Sobald sie irgendwie dazu capabel ist, will er, daß sie nach Deutsch- 
land reist, was mit dem Verlangen meiner Schwiegermutter übereinstimmt, 
und bisher nur an Finanzverhältnissen gescheitert ist, aber doch in Werk 
gesezt werden muß. Die Kinder sind heute wieder zur Schule. 

Dronke's Pech ist tragi-komisch. Die Kerls scheinen schlimm in Brad- 
ford zu hausen. 

Dein 
KMI 

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