Karl Marx an Friedrich Engels 
in Manchester 
London, 29. März 1854 

I 28, Deanstreet, Soho 
29 March, 1854. 

Lieber Engels! 

Ich habe den Empfang der £5 noch nicht angezeigt, auch das Geld noch 
nicht zu dem bestimmten Zweck verwandt, noch geschrieben - alles aus 
demselben Grund. Pieper liegt mir auf dem Hals. Da er vor 10 Tagen aus 
seinem logis herausgeworfen worden ist, mußte ich ihn, ofcourse, in meine 
Wohnung aufnehmen. Er hat einen Wechsel auf die Union gezogen und 
eine der nächsten Posten muß ihm aus America Geld bringen, oder Pro- 
test. Freiligrath hat ihm, besides in dieser Woche eine deutsche Stunde 
verschafft, die ihm 15 sh. per week einbringt. Und eine ähnliche Stunde 
von about 10 sh. sollte er durch Meyer - der heute nach Deutschland zu- 
rückgereist ist und mir Grüsse an Dich aufträgt - erhalten. Aber er ging 
nicht an den verabredeten Ort. Erklärte dem Meyer vielmehr, er sei das 

Stundengeben satt. Fühlt sich zum Schriftsteller berufen. Le malheureux! 

In Lupus' Abentheuer ist mir noch manches unklar. Passirte es auf der 
Straße? Wahrscheinlich doch nach einer Abendkneiperei, die Du und 
Heyse gemeinschaftlich mit ihm machtest? Welche deep impression es in 
meiner family hervorgebracht, wirst Du aus dem beiliegenden Brief von 
Laurachen sehn, worin sie Jenny und Edgar, die in der Schule waren, von 
dem grossen événement unterrichtet. 

Lassalle's diplomatischer Theil - abgesehn von seinen Nachrichten, die 
gut sind, - ist so schlecht wie der militärische. Was er über Palmerston 
sagt, ist das auf dem Continent gang und gebe Geschwätz. 

Hast Du die secret correspondence gelesen? Wenn den Ministern, die sie 
geführt haben, erlaubt wird den Krieg zu führen - wie es allen Anschein 
hat -, so kann die Sache nur mit vollkommner Blamage Englands enden, 
obgleich der Continent, at all instances, in einen erfreulichen Wirrwarr 
hereingeschleudert wird. 

Beiliegend ein Artikel von Urquhart von gestern über den Krieg und aus 
einer frühern Broschüre Ausschnitte über seine militairischen Pläne. Ueber 
beides wünsche ich Dein Urtheil ausführlich. 

Einer der preußischen Instruktoren der Türken, den ich gestern zufällig 

hier sah, erklärt die türkische Artillerie für ausgezeichnet, die ganze Armee 
aber für Dekoration, insofern von Constantinopel aus jede energische Ak- 
tion vereitelt worden sei. 

Du erklärtest in Deinem Aufsatz über den retreat der Russen von Kala- 
fat diese Bewegung aus einem zu Odessa, aus Rücksicht auf Englisch-Fran- 
zösische Armee, aufzuschlagenden Lager. Es scheint aber, nach den lezten 
Nachrichten, daß die Russen an der entgegengesezten Seite die Donau 
überschritten haben oder über||schreiten wollten. Vielleicht ist Morgen 
mehr Detail da, so daß Du mir bis Uebermorgen Einiges darüber zukom- 
men lassen kannst. Ich habe der Tribune, da sie die Sache zu toll machte, 
in meinem Briefe vorgestern untersagt, andere Sachen als die Militaria als 
Leader sich zu annexiren - oder meinen Namen überhaupt wegzulassen, 
da ich nicht nur unter indifferentem stuff figuriren will. Es ist nun nöthig 
durch Militärisches, grade in diesem Augenblick, ihr zu beweisen, daß sie 
mich nicht entbehren kann. 

Wenn der Manchester Handelscorrespondent der Times richtig referirt, 
so muß das Geschäft doch sehr schlecht stehn. Hier sieht man jeden Tag 
bedeutenden failures entgegen. Ebenso in Paris. Es versteht sich, daß 
längst mühsam hingehaltene Bankrutte die Zeit der Kriegserklärung benut- 
zen müssen, um mit Anstand zu fallen. 

In der Daily News habe ich Deinen Artikel nicht bis jezt gesehn und 
wohl nicht übersehn! 

Die Naval and Military Gazette behauptet, die Russen hätten ein in 
Frankreich erfundnes und von der Regierung Louis Philipp's zurückge- 
wiesnes Zerstörungsmittel, das unter dem Wasser fortbrenne, gekauft und 
bei Sinope angewandt, und erklärt daraus die schnelle und radicale Auf- 
zehrung der türkischen Schiffe. 

Nach dem Hamburger Correspondenten, der als halbrussisches Organ zu 
betrachten, wird Nicolas neue Aktenstücke veröffentlichen, darunter Briefe 
des Prinzen Albert. 

Sonst nichts Neues hier. Der „Mader", von dem Herr Heinzen als einem 
Rédacteur der ,,N[euen] Rheinischen] Z[eitung]" spricht, ist ein mir ganz 
unbekanntes Subject. 

Totus tuus 
KM. 

Ich habe jezt im Besitz „Hammer's Geschichte des osmanischen Reichs". Ge- 
hört Geduld zum Durchlesen. Habe es noch etwa mit % zu thun. Steht Dir 
zu Gebot, if wanted. | 

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