Friedrich Engels an Joseph Weydemeyer 
in New York 
Manchester, 16. April 1852 

I Lieber Weydemeyer 

Gestern Deinen Brief erhalten vom 30 (?) März nebst Bericht über die Re- 
volutionsversammlung. Ich bemerke daß Du anfängst Deine Briefe zu fran- 
kiren, das ist Unsinn, der Concern hier, id est Messieurs Ermen & Engels, 
können das Porto zahlen. Die Sachen sind an Marx weiterbefördert. 

Ich bin vorgestern von London wo ich die Ostertage zubrachte, wieder 
hier angekommen. Marx jüngstes Kind war sehr krank und ist wie er mir 
jetzt schreibt, seitdem gestorben; schon das zweite in London. Du kannst 
Dir denken daß seine Frau dabei sehr leidet. Auch in Freiligraths Familie 
war Krankheit, doch gehts dort besser. 

Dronke war wie Du wissen wirst in Paris auf seiner Durchreise theils 
durch eigne Schuld arretirt worden, der Kleine hatte dort trotz seiner frü- 
heren Ausweisung sich 3 Wochen aufgehalten. Nun schrieb er er sei aus 
dem Mazas Gefängniß nach der Polizeipräfektur zurückgebracht worden 
um Charfreitag Abend nach Boulogne und England spedirt zu werden. 
Aber bis jetzt haben wir weiter noch nichts von ihm gehört. Der Kleine hat 
ein merkwürdiges Talent immer in mischief zu gerathen, wird aber wohl 
dieser Tage einspringen. Dann ist die ganze N. Rh. Ztg in England, denn 
obwohl Weerth momentan wieder in Hamburg ist, so hängt er doch noch 
immer mit Bradford zusammen || und wird trotz alles Widerstrebens immer 
wieder dorthin zurückgeschleudert. 

Unsre Kölner Freunde werden nun wohl im Mai vor die Assisen kom- 
men, da der Anklagesenat Montag 5 April über ihre Sache entscheiden 
sollte und sie gewiß nicht freigelassen hat. Es ist auch so besser; der Staats- 
prokurator würde gegen ein freisprechendes Urtheil sofort appellirt haben. 
Sollte in New York ein gewisser Hansen aus Köln, Arbeiter, ankommen, so 
behandle ihn nach Verdienst. Der Kerl, B[un]d[e]smitgl[ied] seit 1848, hat 
die für die Gefangnen gesammelten Gelder verwaltet, id est verkneipt und 
ist dann nach Amerika durchgebrannt. 

Im Lager der Nationalanleiher herrscht große Unzufriedenheit mit dem 
Cassirer Reichenbach, der den Beutel fest verschlossen hält da ohnehin 

Engels an Joseph Weydemeyer + 16. April 1852 

schon mehr Geld ausgegeben ist als sich anständiger Weise verrechnen 
läßt, und ihm als vermögenden und respectabeln Bürger die bevorstehende 
Rechnungsablage sehr fatal entgegendroht. Kinkel und Willich sind daher 
wüthend, aber es hilft nichts; Kinkel muß wieder Stunden geben, und Wil- 
lieh pumpt und bettelt nach wie vor mit der Unverschämtheit die früher 
nur bei polnischen Patrioten zu finden war. Somit ist nun die ganze edle 
Emigrations-Vereinigung wieder nach allen Seiten hin in der schönsten 
Confusion und wenn der Garantencongreß zu Stande kommt oder gekom- 
men ist, so wird das Ding bald sehr schön werden. Auch Löwe vom Kalbe 
und die andern Frankfurter sind jetzt definitiv in Feindschaft mit Kinkel 
„einem Kerl mit dem man sich bloß || blamiren könne". 

Hat Tellering seine Erklärung in irgend ein Blatt gebracht? Voila ce qu'il 
nous importe de savoir, Marx kann dann dagegen auftreten. Was übrigens 
sehr zu wünschen wäre, daß Dana Exemplare vom Abdruck der 
Marx'schen Artikel herschickte, wir haben nur die 6 ersten erhalten und es 
wäre doch zu wünschen daß wir auch die folgenden bekämen. Wenn D. zu 
viel Arbeit vorschützen sollte, so wäre es am besten wenn Du sie Dir zu 
verschaffen suchtest und herschicktest. Marx wollte Dir schon längst dar- 
über schreiben, ist aber jetzt wahrscheinlich nicht in der Verfassung, daran 
zu denken. Sieh was Du darin thun kannst, die Collection müßte doch voll- 
ständig hier sein, sowas ist auch später als Dokument wichtig. 

Mein strategischer Artikel ist jetzt nichts mehr werth und für eine Col- 
lektion um soweniger zu gebrauchen als die Hauptsachen eigentlich nicht 
darin, sondern in meinem Brief an Dich standen. Leg ihn also ruhig ad 
acta. Sobald ich Ruhe und Zeit habe und einige Aussicht auf Druck vor- 
handen ist, werde ich Dir Artikel über die commercielle Entwicklung und 
über die gegenwärtige Stellung der englischen industriellen Bourgeoisie 
schicken. Für jetzt muß ich ein 14 Tage 4 3 Wochen rein auf das Russische 
und Sanskrit verwenden womit ich mich jetzt beschäftige, später, wenn ich 
mein Material aus Deutschland || bekomme, auf Militaria, das hat aber 
noch Zeit und ist leichtere Arbeit. 

Die Postzeit drängt - viele Grüße an Deine Frau und Cluß 

Dein 
F. E. 
Mchstr 16 April 1852. | 

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