Karl Marx an Friedrich Engels 
in Manchester 

London, 5. April 1852 

128, Deanstreet, Soho, London 
5 April, 1852. 

Lieber Frederic! 

Einliegend neue Sendung von Cluß, die ich bis Mittwoch (Bundessitzungs- 
abend) zurückhaben muß. 

Dronke hatte gleich den andern Tag, nachdem Du mir sein erstes Schrei- 
ben zurückgeschickt, aus dem Gefängniß geschrieben an Freiligrath, was 
ich Dir mitzutheilen vergaß. F. schickte sofort den Briefan Lassalle, damit 
dieser ihm Geld nach P[aris] spedire, was wahrscheinlich um so rascher ex- 
pedirt werden konnte, als L. mitjenem Briefe alle liberalen Bourgeois von 
Düsseldorf angehn konnte. Leider sagt die Patrie, es seien compromitti- 
rende Briefe bei Dronke gefunden. Sollte er dumm genug gewesen sein, 
von seinem abgeschmackten Lyonser und sonstigen Verbindungen die te- 
stimonia mit sich herumzutragen? 

Louis Blanc, wie ich voraussah, sucht die gemeinsame Erklärung gegen 
Mazzini zu benutzen, um ein neues „reseau d'action" zu bilden und sich 
als Chef der revolutionären Parthei vorzudrängen. Er hat sogar mich zu sei- 
ner Fusion aller „französischen" Socialisten zuziehn wollen und zu einer 
Zusammenkunft einladen lassen. Ich habe natürlich ihn nicht einmal einer 
Antwort gewürdigt, sondern dem intermédiaire blos mein Erstaunen über 
diese Zudringlichkeit zu erkennen gegeben. Da Proudhon herkömmt, wäre 
dem Kleinen eine Allianz mit mir jezt sehr gelegen. 

Dana hat endlich geschrieben und 9 /., die Zahl der gedruckten Artikel, 
gezahlt. Er hat mich zugleich gebeten, da die Präsidentenwahl alle Spalten 
des Blattes in diesem Intervall in Anspruch nehme, den Rest in 5-6 Arti- 
keln zu condensiren und im lezten namentlich die prospects of revolutio- 
nary Germany darzustellen. Es gäbe dieß famosen Anlaß zur Geißlung der 
Emigration und werde ich Dir in einem spätem Briefe ausführlich meine 
Ansichten darüber schreiben. 

Szemere schickt mir nun in 3-4 Lieferungen sein (deutsches) Manu- 
script über „Kossuth, Görgey und Louis Batthyäny". Weydemeyer hat es in 
America zu verlegen, was für ihn ein famoses || Geschäft ist, zumal da hin- 
zukömmt, daß er wahrscheinlich von dieser Seite 500 Dollars für sein Blatt 
erhalten wird. 

Aber ehe die Sache deutsch nach America geht, soll sie hier in England 

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englisch übersezt werden, um hier, nachdem sie in America deutsch er- 
schienen, als Brochure für das hiesige Publicum herausgegeben zu werden. 
Du wirst schwerlich Zeit zu diesem Geschäft haben, selbst wenn Du den 
Dana eine Zeitlang liegen läßt. In diesem Falle müßte ich Jones die Sache 
geben. Es wird 1 I. per Bogen Uebersetzung gezahlt. 

Ich habe hier Oberst Szerelmey kennen gelernt, der sehr gebildet ist. Er 
hat 17 Schlachten in Ungarn mitgemacht. Da er zugleich famoser Mahler 
ist, so giebt er jezt ein Prachtwerk heraus, die Schlachtberichte im Text 
und die Schlachtzeichnungen. Er hat die Skizzen selbst gemacht, die er- 
sten französischen Mahler die Ausführung. Er hat mir ein Exemplar zuge- 
sagt. Stück wird 10 /. kosten. Da erhälst Du also einen Beitrag für Deine 
Kriegsbibliothek. 

Dein 
K.M. 

Du siehst, daß Kinkel noch in ganz andrer Weise octroyirt hat als Louis 
Bonaparte. Erst ernennt er die Mitglieder seiner Deputirtenkammer, den 
Garantencongress. Dann fürchtet er sich vor seiner eignen Schöpfung, hält 
weder anberaumten Tag noch Ort ein, sondern schreibt die Versammlung 
in Zeit und Ort aus, wo nur 7 Leute theilnehmen können. 6 von diesen 7 
geben ihm ein Vertrauensvotum. Mit ihnen entwirft er seine Verfassung. 
Von ihnen läßt er sich zum Repräsentanten Americas ernennen und ihnen 

macht er das von ihm gebildete Comité verantwortlich. | 

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