Karl und Jenny Marx an Joseph Weydemeyer 
in New York 
London, 13. Februar 1852 


113 Februar 1852. 
28, Deanstreet, Soho. 
Lieber Weydemeyer! 


Anliegend die Fortsetzung meines Artikels. Die Sache spinnt sich mir un- 
ter der Hand aus. Du erhälst jezt noch 2 Artikel darüber. Ausserdem 
schicke ich Dir mit nächster Post einiges über Signore Mazzini. Nun ist es 
aber hohe Zeit, daß bald Exemplare Deiner Zeitung ankommen. Du weißt, 
man muß ein Journal sehn, um dafür zu schreiben und es stachelt den 
Eifer meiner Mitarbeiter, wenn sie ihre Sachen gedruckt sehn. 

Eine Notiz hier über die Lage unsrer gefangnen Freunde in Köln, wor- 
aus Du einen Artikel machen mußt. 

Die Leute sitzen jezt an 10 Monate. 

Im November ging die Sache durch die Rathskammer und ward die Ver- 
weisung durch die Assissen ausgesprochen. Die Sache kam nun vor den 
Anklagesenat. Dieser erließ vor Weihnachten ein Urtheil, in dessen Erwä- 
gungsgründen es heißt: „In Erwägung, daß kein objektiver Thatbestand vor- 
handen, mithin auch kein Grund zur Aufrechterhaltung der Anklage vor- 
liegt" - (daß wir aber bei der Wichtigkeit, welche die Regierung der Sache 
beilegt, für unsre Stellung fürchten, wenn wir die Leute ausser Verfolgung 
setzen) - „aus dem Grunde weisen wir die Sache zur Instruktion über ver- 
schiedne Punkte an den ersten Richter zurück." Der Hauptgrund der Ver- 
schleppung ist die Ueberzeugung der Regierung, daß sie vor einem Ge- 
schwornengericht mit Schmach durchfallen wird. Sie hofft in der 
Zwischenzeit auf Errichtung eines Hochgerichts für Hochverrath oder we- 
nigstens, wozu schon der Antrag in der ersten preussischen Kammer vor- 
liegt, Entziehung der Jurys für alle politischen Verbrechen. Unsere 
Freunde sitzen in Zellen, von einander und der Welt abgeschnitten, dürfen 
weder Briefe noch Besuche empfangen und erhalten nicht einmal Bücher, 
was den ordinären Verbrechern in Preussen nie verweigert wird. 

Das schamlose Urtheil des Anklagesenats wäre unmöglich gewesen, 
wenn die Presse nur im geringsten sich der Sache angenommen hätte. Aber 
die liberalen Blätter, wie die Kölnische schwiegen aus Feigheit und die 
„demokratischen" (auch die lithographirte Correspondenz, die Kinkel für 


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