Friedrich Engels an Karl Marx 
in London 
Manchester, 16. Dezember 1851 

I Lieber Marx 

Inliegend ein Brief von Weydemeyer der mir heute Mittag zukam. Die 
Nachrichten so weit ganz gut, Heinzens Blatt am Crepiren und W. schon jetzt
im Stande mit einer Wochenzeitung aufzutreten. Aber die Forderung, ihm 
bis Freitag Abend einen Artikel zuzuschicken, ist etwas stark — besonders 
unter den jetzigen Umständen. Und doch schmachten die Leute grade jetzt 
dort nach Raisonnements und Anhaltspunkten über die französische Ge- 
schichte und wenn man etwas Eklatantes über die Situation sagen könnte 
so wäre damit der Succeß des Unternehmens in der ersten No zu machen. 
Aber das ist grade der Haken, und wie gewöhnlich überlasse ich Dir wieder 
die Schwierigkeit und was ich auch schreiben mag, jedenfalls ists nicht über 
den Coup de téte von Crapulinski. Du kannst ihm darüber jedenfalls einen 
diplomatisch-rückenfreihaltend-epochemachenden Artikel schreiben. Was 
ich thue weiß ich noch nicht, jedenfalls versuch ich irgend etwas. Den 
Schnapper kann ich nicht schicken erstens ist das erste Capitel matt und 
zweitens ließ ich das Ding ganz sein, seitdem die Geschichte anfängt ko- 
mische Romane zu schreiben — eine etwas zu gefährliche Konkurrenz. Ich 
werde indeß einige komische Scenen mehr in den Plan aufnehmen und dann 
das Ding wieder anfangen — das aber paßt durchaus nicht für dort, und 
ohnehin will W. Sachen haben, worunter unser Name steht. | 

I Schreib mir umgehend was Du zu thun gedenkst, le temps presse; der 
Samstagssteamer kann nicht vor Neujahr in New York eintreffen, und das 
ist schlimm, noch schlimmer ist die uns gelassene kurze Galgenfrist. 

W. soll nur seine Finger solange aus den amerikanischen Geschichten 
herauslassen bis er die Namen dort richtig schreiben kann. Es ist schade daß 
er nicht erst Zeit hat sich zu Orientiren und etwas Englisch zu lernen. Die 
„Abolutionisten" würden für Heinzen ein famoses Fressen sein. Was Weerth 
angeht, so seh ich den morgen oder übermorgen hier und werde sehn was 
er leisten kann. Nächste Woche, vielleicht schon Samstag Abend, bin ichin 
London und wir können dann das Weitere absprechen; inzwischen ist bloß 
die Frage was für die erste N» zu thun ist, damit kann nicht gewartet werden, 
und schreib mir also umgehend, was Du zu thun gedenkst. 

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Weyd. scheint in kommerzieller Beziehung wie nach diesem Brief zu 
schließen, allerdings noch etwas „grün" zu sein, ich werde ihm darüber die 
nöthigen Andeutungen geben. Er kennt sein Publikum noch gar nicht. 

Lupus kann auch sich gleich in Bewegung setzen um zu sehn, was er für 
die erste N» zu Stande bringt, W. wird um Material sehr verlegen sein. | 

|Was sagst Du zu den französischen Fonds die gestern 101,50° standen 
Il% über Pari — das keüt dem L[ouis] N[apoleon] Stimmen die Menge, 
besser als alle bezahlten Zeitungslügen. Auch die Excesse der Bauern im
Süden und Centrum helfen ihm. Ein Theil davon ist gewiß richtig und kann 
von dieser Barbarenrace gar nicht anders erwartet werden. Die Kerls 
kümmern sich um die Regierung pp den Teufel, aber ihr Erstes ist dem 
Steuereinnehmer und Notar das Haus zu demoliren und die Frau zu 
nothzüchtigen, und ihn selbst todtzuschlagen wenn sie ihn fassen. Die Sache 
hat an sich au fond wenig zu bedeuten und geschieht den Herren ganz recht, 
aber dem Napoleon jagt sie Alles zu was irgend etwas zu verlieren hat. In 
der That, die Invasion der einheimischen Barbaren, wenn sie einmal kommt, 
verspricht ein erheiterndes Schauspiel werden zu wollen und wohl denen
unter deren Regierung dergl. angenehme Geschichten vorfallen. 

Das Steigen der Fonds jetzt ist gewiß nicht mehr Regierungsmanöver, 
sondern Ausdruck der in Vertrauen auf L. N. übersetzten Angst der haute 
finance vor dem Lebendiggeschundenwerden das der wahrhaftige Consti- 
tutionnel in so lebhaften Farben schildert. 

Also schreib mir gleich wegen W. 

Dein 

16Dezbr51.| 

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