Friedrich Engels an Karl Marx 
in London 
Manchester, 30. Juli 1851 


I Lieber Marx, 


Ich wundre mich seit 14 Tagen nichts von Dir gehört zu haben. 

Unsre Voraussagung in der letzten Revue wegen der enormen Ausdehnung 
der oceanischen Dampfschiffahrt hat sich schon jetzt bestätigt. Abgesehn 
von einzelnen kleinen Linien gehn jetzt schon zwei höchst wichtige neue 
große Linien: 1) die Schraubenschiffe von Liverpool nach Philadelphia—alle 
14 Tage — 4 Schiffe auf der Linie — 2) die Dampfer zwischen Liverpool, Rio 
de Janeiro, und Valparaiso pp, alle 7 Wochen, 4 Schiffe auf der Linie. Dazu 
kommen in H Monaten die regelmäßigen Uberlandf ahrten nach Californien 
— New York, nach San Juan, von dort per Steamer nach dem Nicaraguasee 
— über Land nach Leon, von da direkt nach San Francisco — in Gang, die 
Reise nach Californien wenigstens 8 Tage abgekürzt. 

Nächsten Monat kommt ein Zug in Gang zwischen London und Aberdeen 
— 550 englische Meilen oder 8 Breitengrade, in Einem Tage. 

Von Leeds nach London und zurück fährt man jetzt für fünf Schillinge 
auf einer, für vier Sch. und sechs Pence auf einer andern Eisenbahn. 
Nächsten Samstag sollen auch hier die Fahrten herabgesetzt werden. Wenn 
sie ebenso niedrig kommen, geh ich wenigstens alle 14 Tage einmal nach 
London. 

Wenn in den nächsten 6 Wochen nichts Besondres passirt, so wird die 
Baumwollen|[ernte dies Jahr 3000000 Ballen oder 1200Mill. Pfund bis 
1350Mill. Pf. stark. Jamais on n'a vu la plante aussi florissante. Dazu Sym- 
ptome eines abnehmenden Geschäfts: Ostindien ist überladen und schreit 
nach stoppage der Einfuhr von Baumwollwaaren, der hiesige Markt für Garn 

und Gewebe nochimmer derangirt durch die schwankenden Baumwollpreise 
— wenn der Crash im Markt mit einer solchen Riesenernte zusammentrifft 
so wird er heiter. Peter Ermen scheißt schon jetztin die Hosen wenner daran 
denkt, und der kleine Laubfrosch ist ein ganz guter Barometer. 

Voila ein industrielles Potpourri für heut. 

Dein 
F.E. 

30 Juli 51.1 


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