Friedrich Engels an Joseph Weydemeyer 
in Frankfurt am Main 
Lausanne, 23. August 1849 

I Lieber Weydemeyer 

Post tot discrimina rerum — nach so und soviel Arretirungen in Hessen und 
der Pfalz, nach 3 Wochen Schlaraffenleben in Kaiserslautern, nach 4 Wo- 
chen einer glorreichen Campagne bei der ich zur Abwechslung auch einmal 

5 den Säbel umschnallte und als Adjutant von Willich figurirte, nach 4 Wochen 

langweiligen Cantonnirens mit dem Fliichtlingsdetaschement im Canton 
Waadt bin ich endlich wieder soweit, daß ich hier in Lausanne auf meine 
eignen Füße gerathe. Ich werde zu allererst mich hinsetzen und eine heitre 
Geschichte des ganzen pfälzisch badischen Ulks verfassen. Da ich aber gar 
nicht mehr in Verbindung mit Deutschland stehe, auch nicht weiß welche 
Städte in oder außer Belagerungszustand sind, so weiß ich nicht an welchen 
Verleger ich mich wenden soll. Ich kenne das Volk gar nicht mehr. Du bist 
an Ort und Stelle und mußt daher besser wissen welche Buchhändler geeignet 
wären um wegen solch einer Geschichte, die natürlich ganz ungefährlich 
wird, und bei der keine Konfiscation oder Prozesse riskirt werden, zu unter- 
handeln. Vielleicht findet sich einer in Frankfurt. Geld muß er aber haben. 
Sei also so gut und schreib mir darüber möglichst umgehend, damit ich gleich 
meine Schritte thun kann. 
Euern rothen Becker sah ich neulich in Genf || ganz fidel, er kneipte mit 
dem Volksmann Essellen und andern gemüthlichen Diis minorum gentium 
auf dem Lande. 
Grüß Deine Frau und alle Bekannte bestens 
von Deinem 
Engels 

Lausanne 23 Août 49 

8, Place de la Palud.| 

I Herrn J. Weydemeyer 

alte Mainzergasse, Kaffeegassen-Ecke 
Frankfurt a/Main |