Friedrich Engels an Karl Marx 
in Zalt-Bommel 
Brüssel, 28.-30. September 1847 

IDienstag 28 Septbr. 
Lieber Marx 

Es ist hier dieser Tage eine höchst curiose Geschichte vorgekommen. 
Sämmtliche mit uns und unsrem Auftreten unzufriedenen Elemente unter 
den hiesigen Deutschen haben nämlich eine Coalition gebildet um Dich, mich 
und überhaupt die Kommunisten zu stürzen und dem Arbeiterverein eine 
Konkurrenz zu machen. Bornstedt ist im höchsten Grade malkontent; die 
von Otterberg ausgegangne, von Sandkuhl überbrachte und bestärkte, von 
Crüger und Moras benutzte Redensart, wir benutzten ihn, B., bloß, hat ihn 
gegen uns Alle wüthend gemacht; Moras und Crüger, die da herumjammern, 
sie würden von uns von oben herab behandelt, haben ihn noch mehr auf- 
gehetzt. Seiler ist ärgerlich wegen der ihm widerfahrnen unverzeihlichen 
Vernachlässigungen bei Gründung des Arbeitervereins und wegen des guten 
Fortgangs des Vereins, der allen seinen Prophezeiungen widerspricht. 
Heilberg sucht für die ihm zu Theil gewordenen und noch täglich werdenden 
Grobheiten eine éclatante, wenn auch unblutige Rache. Bornstedt schäumt 
ebenfalls daß er sich vermittelst der geschenkten Bücher und Karten nicht 
die Stellung eines einflußreichen Demokraten, die Ehrenmitgliedschaft und 
Aufstellung seiner Büste im Verein erkaufen konnte, sondern daß im Gegen- 
theil sein Setzer morgen Abend über ihn wie über einen ganz gewöhnlichen 
Menschen abstimmen lassen wird. Es ärgert ihn auch daß er, der aristokrati- 
sche homme d'esprit, bei den Arbeitern viel weniger Gelegenheit sich zu 
moquiren findet, als er sich versprochen hatte. Dann ist Moras ärgerlich daß 
er die Brüsseler] Zeitg nicht für Hein[zen] gewonnen. Enfin, alle diese 
heterogenen Elemente vereinigten sich zu einem Coup der uns sämmtlich 
zu einer sekundären Rolle gegenüber Imbert und den belgischen Demokraten 
herabdrücken und eine viel großartigere, universellere Gesellschaft ins 
Leben rufen sollte als unsren lumpigen Arbeiterverein. Sämmtliche Herren 
brannten danach, auch einmal in irgend Etwas die Initiative zu haben, und 
die feigen Canaillen hatten dazu den Moment Deiner Abwesenheit für aus- 
gezeichnet passend gefunden. Sie hatten || sich aber schändlich verrech- 

net. 

Engels an Marx « 28—30.September 1847 

Sie beschlossen also ganz im Stillen ein kosmopolitisch-demokratisches 
Souper zu arrangiren und dort ganz unvorbereitet eine Gesellschaft à la 
Fraternal Democrats nebst Arbeitermeetings ppp zu proponiren. Sie bildeten 
eine Art Comité wozu sie pro forma den, ihnen ganz unschädlichen Imbert 
zuzogen. Nach allerlei vagen Gerüchten erfuhr ich erst Sonntag Abend im 
Verein von B. etwas Positives darüber und Montag war schon das Essen. 
Details waren aus Bornst. nicht herauszuziehen, außer daß Jottrand, General 
Mellinet, Adolf Bartels, Kats pp. hinkommen würden, Polen, Italiäner pp. 
Obwohl ich von der ganzen Coalition nichts ahnte (erst Montag Morgen 
erfuhr ich daß Bornst. etwas pikirt seiund Moras und Crüger jammerten und 
intriguirten; von Seil, und Heilberg ahnte ich nichts) so kam mir die Sache 
doch verdächtig vor. Hingehen mußte man aber, wegen der Belgier, und um 
in dem kleinen Brüssel nichts Demokratisches geschehen zu lassen wobei 
wir nicht betheiligt seien. Aber für eine Partei mußte gesorgt werden. Wallau 
und ich brachten also die Sache vor, unterstützten sie stark, und gleich 
fanden sich an die dreißig die hingehen wollten. Am Montag Morgen sagte 
mir Lupus, außer dem président d'honneur, dem alten Mellinet und dem 
wirklichen Präsidenten Jottrand müßten sie zwei Vicepräsidenten haben, von 
denen Einer Imbert, der andre ein Deutscher, wo möglich ein Arbeiter. 
Wallau sei leider unmöglich weil er kein Französisch spreche. So habe ihm 
Bornstedt gesagt. Er, Lupus, habe geantwortet, dann müsse ich es werden. 
Ich sagte dem Lupus nun, er solle es sein aber er wollte absolut nicht. Ich 
wollte es auch nicht, weil ich so schrecklich jung aussehe, aber am Ende 
dacht' ich es sei doch für alle Vorkommenheiten am besten, wenn ich es 

acceptirte. 

Wir kommen Abends hin. Bornst. that sehr || unwissend, als ob noch 
nichts arrangirt, bloß die Beamten (toujours à l'exception de l'Allemand) und 
einige inscribirte Redner, von denen ich außer Crüger und Moras keine 
Namen erfahren konnte; er drückte sich jeden Augenblick wegen Arrangi- 
rung des Lokals, lief zu Diesem und Jenem, mogelte, intriguirte, fuchs- 
schwänzelte aus Leibeskräften. Ich sah indeß noch kein Symptom von 
besondrer Intrigue, das stellte sich erst später heraus. Wir waren im Estami- 
net Liégeois, Place du Palais de justice. Als es zur Beamtenwahlkam, schlug 
Bstdt gegen alle Absprache Wallau vor. Dieser ließ sich durch Wolff (Lup.) 
recüsiren und mich vorschlagen, was auch mit Glanz durchging. Hiermit war 
die ganze Intrigue aus einander gefallen und Klatsch. Jetzt verloren sie + die 
Besinnung und verriethen sich. Nach Imbert, der die martyrs de la liberté 
leben ließ, brachte ich einen französischen Toast au souvenir de larévolution 
de 1792 und nachträgliches anniversaire du I” vendémiaire an I de la répu- 
blique aus. Nach mir Crüger eine lächerliche Rede in derer stecken blieb und 
sein Manuscript hervorziehen mußte. Dann Moras der eine Pauke ablas in 

Bibliothek 

der es sich fast nur von seiner Wenigkeithandelte. Beide deutsch. Ihre Toaste 
waren so confus daß ich sie gar nicht mehr weiß. Dann Pellering, flämisch, 
Advokat Spilthoorn von Gent, französisch au peuple anglais, dann zu mei- 
nem größten Erstaunen die pucklige Spinne Heilberg mit einer langen schul- 
meisterlichen abgeschmackten französischen Rede, worin er 1) sich als 
Rédacteur des Atellier] d&m[ocratique] in die Brust warf, 2) erklärte, Er, 
maximus Heilbg, verfolge seit mehreren Monaten — mais cela doit se dire 
en français : L'association des ouvriers belges, voilà le but que Je poursuis 
depuis quelques mois (c. a. d. depuis le moment où J'ai daigné prendre con- 

naissance du dernier chapitre de la Mis. d. 1. phil). Also, Er, und nicht Kats 
und die Andern Belgier. « Nous entrerons dans la carrière || quand nos aînés 
n'y seront plus» pp. Er wird das vollbringen was Kats und Jottrand nicht 
konnten. 3) vorschlug eine fraternal democracy zu stiften und die Meetings 
zu reorganisiren, 4) das erwählte Bureau mit der Organisation Beider zu 
beauftragen. — Also welche Confusion! Erstens die kosmopolitische Ge- 
schichte mit belgischen Meetings über belgische Angelegenheiten zusam- 
menzuwerfen, und 2) diesen Vorschlag, statt ihn ganz fallen zu lassen weil 
ihnen doch alles verbrockt, dem bestehenden Bureau zu übertragen! Und 
wenn er dachte, ich ginge weg, mußte er nicht wissen daß gar nicht daran 
zu denken war irgend Jemand anders ins Bureau zu bringen als Dich? Aber 
der Schafskopf hatte seine Rede mal fertig und geschrieben und seine Eitel- 
keit erlaubte ihm nicht, etwas fallen zu lassen wobei er die Initiative in irgend 
etwas ergreifen konnte. Die Geschichte ging natürlich durch und bei dem 
zwar sehr factice gewordenen, aber doch lauten Enthusiasmus war nicht 
daran zu denken, den confusen Vorschlag besser zu arrangiren. Dann sprach 
A.Bartels (Jules war nicht da), und dann verlangte Wallau das Wort. Wie 
groß aber war mein Erstaunen, als plötzlich Bstdt vorsprang und mit großem 
Eifer das Wort für Seiler als früher schon eingeschriebnen Redner verlangte. 
S. erhielt es und hielt eine unendlich lange, schwatzhafte, alberne, lächerlich 
abgeschmackte, wirklich blamable Rede, (französisch) worin er von den 
pouvoirs législatif, administratif er executif schauderhaften Unsinn sprach, 
den Demokraten allerhand weise Rathschläge gab (wie auch Heilberg der von 
instruction et question de l'enseignement die wunderbarsten Dinge gefabelt), 
worin S. ferner sich en grand homme posirte, von demokratischen Gesell- 

Schäften sprach auxquelles j'ai participé et que j'ai peut-être même dirigées 
(littéralement) und schließlich auch || richtig sein edles Bureau, mit den 
dernières nouvelles arrivées de Paris pp. hereinbrachte. Kurz es war 
scheußlich. Nachher sprachen noch Mehrere, ein schwyzer Esel, Pellering, 
Kats (sehr gut) pp. und um zehn Uhr schloß Jottrand (der sich zu Tode 
schämte für die Deutschen) die Sitzung. Plötzlich reklamirte Heilberg 
Schweigen und annoncirte: die Rede von Weerth auf dem freetrade Congreß 

ifylocher Bandesla 

erscheine morgen in einem Supplement des Atelier, qui se vendra séparé- 
ment!!! Auch hat der Zalewski noch etwas gegreint sur l'union de cette 
malheureuse Pologne et de cette grande, noble et poétique Allemagne — enfin 
Alle gingen sehr ruhig aber sehr malkontent nach Hause. — 

Donnerstag 30 Sept. Seit Obiges geschrieben, ist allerlei Neues vorgefallen 
und Mancherlei entschieden. Am Dienstag Morgen, wo mir die ganze Intrigue 
klar war, lief ich herum und contercarrirte; noch in der Nacht um 2 Uhr lief 
ich zu Lupus aufs Bureau: ob Bstdt nicht im Arbeiterverein auszuballotiren 
sei? Mittwoch überall herumgelaufen, aber Alle meinten wir setzten es nicht 
durch. Ich kam Mittwoch Abend in den Verein, Bst war schon da; er war 
zweideutig, endlich brachte Thomis die neue Zeitung, mein Artikel gegen 
Heinzen, den ich Montag schon zu ihm und als er (Mittags 2 Uhr) nicht da 
war, in die Druckerei gebracht, stand nicht drin. Ich frug ihn, er sagte es sei 
kein Platz gewesen. Ich erinnerte an was Du mit ihm abgesprochen. Er 
läugnete das; ich wartete bis Wallau da war, der mir sagte Platz genug sei 
dagewesen aber am Dienstag habe Bst den Artikel aus der Druckerei holen 
lassen, und nicht wieder geschickt. Ich ging zu Bst und erzählte ihm das sehr 
grob. Er suchte sich heraus zu lügen. Ich kam wieder auf die Absprache, die 
er, bis auf ganz allgemeines Geschwätz, wieder läugnete. Ich sagte ihm einige 
Grobheiten — Crüger, Gigot, Imbert pp. saßen dabei — und frug: Wollen Sie 
den Artikel am Sonntag geben, oui ou non ? — Darüber müssen wir erst 
sprechen. — Ich spreche mit Ihnen darüber gar nicht. — Damit ließ ich ihn 
sitzen. Die Sitzung begann. Bst stützte seinen Kopf auf seinen || Ellenbogen 
und sah mich mit merkwürdiger Siegsgewißheit an. Ich sah ihn wieder an 
und wartete. Auf trat Herr Thomis, der wie Du weißt das Wort verlangt hatte. 
Er zog eine geschriebne Rede aus der Tasche und las eine Reihe der sonder- 
barsten Ausfälle gegen unser Scheingefecht ab. Eine Zeitlang ging das fort, 
aber als cela ne finissait pas, entstand allgemeines Murren, eine Masse 
verlangten das Wort, und Wallau rief Th. zur Ordnung. Dieser, Th., las dann 
sechs verrückte Worte über die Frage und trat ab. Dann trat Heß auf, und 
vertheidigte uns ganz gut. Dann Junge. Dann der Pariser Wolff, der zwar 3mal 
stecken blieb, aber sehr applaudirt wurde. Dann noch Mehrere. Wolff hatte 
verrathen daß wir bloß pro forma opponirt. Ich mußte also auftreten. Ich 
sprach — à la grande déconfiture de Bst, der geglaubt hatte ich wäre zu sehr 
mit persönlichem Krakeel beschäftigt — ich sprach also über die revolutio- 
näre Seite des Schutzsystems, den pp. Thomis natürlich gänzlich ignorirend, 
und schlug eine neue Frage vor. Angenommen. — Pause. — Bst., durch meine 
Heftigkeit ihm gegenüber, durch Thomis gänzliches Abfallen (il y avait du 
Bstdt dans son discours) und durch die Heftigkeit mit der ich schließlich noch 
gesprochen, sehr erschüttert, Bst kam zu mir: Aber liebes Kind, Sie sind aber 
schrecklich leidenschaftlich pp. Kurz ich sollte den Artikel unterschreiben. — 

Nein. — Dann sollten wir uns wenigstens über eine kurze Redactionsein- 
leitung verständigen. — Bien, à demain, à onze heures au café Suisse. — Dann 
kam die Aufnahme von Bst, Crüger, Wolff. Heß stand zuerst auf und richtete 
2 Fragen an Bst. wegen der Montagsversammlung. Bst. log sich heraus, und 
Heß war schwach genug sich für satisfait zu erklären. Junge packte Bst. 
persönlich, wegen seines Auftretens in der Gesellschaft und weil er den 
Sandkuhl unter falschem Namen eingeführt. Fischer trat sehr energisch 
gegen Bst. auf, ohne alle Verabredung, aber sehr gut. Sonoch Mehrere. Kurz, 
der siegestrunkne || Herr von Bornstedt mußte förmlich zwischen den 

Arbeitern Spießruthen laufen. Er wurde schändlich mißhandelt, und war so 
foudroyirt — er der natürlich durch seine Büchergeschenke komplet ein- 
gekauft zu sein glaubte — daß er nur evasiv, schwach, concedirend antworten 
konnte — trotzdem daß Wallau fanatisch für ihn war, miserabel präsidirte 
und ihn jeden Augenblick die Redner unterbrechen ließ. Noch stand Alles 

zweifelhaft, als Wall, die Vorgeschlagnen abtreten ließ und zur Abstimmung 
brachte. Crüger, von mir als höchst unschuldiger Mensch vorgeschlagen, der 
der Gesellschaft nicht schaden kann, und von Wolff purement et simplement 
unterstützt, ging durch. Bei Bst. trat Wall, in einer langen heftigen Rede für 
ihn auf. Jetzt trat ich auf, setzte die ganze Intrigue, soweit die Gesellschaft 
dabei betheiligt, auseinander, vernichtete die Evasionen des Bst. eine durch 
die andre und erklärte schließlich: der B. hat gegen uns intriguirt, uns Con- 
currenz machen wollen, aber wir haben gesiegt und darum können wir ihn 
jetzt in der Gesellschaft zulassen. Während der Rede — es war die beste die 
ich je gehalten — wurde ich sehr häufig durch Applaus unterbrochen; na- 
mentlich als ich sagte: diese Herren glaubten noch Alles gewonnen zuhaben, 
weil ich, ihr Vicepräsident, weggehe, aber sie dachten nicht daran, daß Einer 
unter uns ist, dem der Platz von Rechts wegen gebührt, Einer, der allein die 
deutschen Demokraten hier in Brüssel vertreten kann, und das ist Marx — 
da wurde fürchterlich applaudirt. Genug, nach mir sprach keiner mehr, und 

so wurde dem Bst. nicht die Ehre angethan ihn herauszuschmeißen. Er stand 
vor der Thüre und hörte Alles an. Ich hätte es lieber gesagt wo er noch im 
Saal gegenwärtig war, mais il n'y avait pas moyen, weil ich mich für den 
letzten Coup aufsparen mußte und Wall, die Discussion abbrach. Aber er, 
wie Wolff und Crüger hat jedes Wort gehört. Ihm gegenüber wurde Wolff 
fast glänzend adoptirt. — Genug, in der gestrigen Sitzung hat Bst, Crüger pp. 
einen solchen Schimpf erlitten || daß sie honoriger Weise gar nicht in die 
Gesellschaft kommen können und für lange Zeit genug haben. Aber sie 
werden doch kommen; der unverschämte Bst. ist durch unsre noch größre 
Frechheit, durch das gänzliche Fehlschlagen aller seiner Calculationen, 

durchunsre Leidenschaftlichkeit so caduc geworden daß er nichts mehr kann 
als — in Brüssel herumlaufen und seine Schande überall herumjammern — 

le dernier degré de l'abaissement. Er kam wüthend in den Saal zurück, aber 
ohnmächtig, und als ich nun von der Gesellschaft Abschied nahm und mit 
allen nur möglichen Ehren entlassen wurde, ging er schäumend weg. Wäh- 
rend der Discussion über ihn war Bürgers gegenwärtig der seit vorgestern 
Abend hier ist. — Unsre Arbeiter haben sich bei der ganzen Sache ganz famos 

benommen; die geschenkten 26 Bücher und 27 Landkarten wurden mit 
keinem Worte erwähnt, Bst. wurde von ihnen mit der größten Kälte und 
Rücksichtslosigkeit behandelt, und als ich sprach und zur Conclusion kam, 
hatte ich es in meiner Hand, ihn mit enormer Majorität durchfallen zu lassen. 
Das gibt selbst Wall. zu. Aber wir haben ihn schlimmer behandelt, wir haben 

ihn mit Schimpf und Schande aufgenommen. Auf die Gesellschaft hat die 
Sache einen ausgezeichneten Eindruck gemacht; zum Erstenmal haben sie 
eine Rolle gespielt, ein Meeting, trotz aller Intriguen, beherrscht und einen 
Kerl der sich ihnen gegenüber eine Position machen wollte, in seine Schran- 
ken zurückgewiesen. Nur einige Commis pp. sind malkontent, die Masse ist 
enthusiastisch für uns. Sie haben gefühlt was sie sind, wenn sie associirt 
sind. 

Heut Morgen ging ich aufs Café Suisse, und wer nicht kam war Bst.— Aber 
Weerth und Seiler begegneten mir, sie hatten den Bst. eben gesprochen, und 
Seiler war die Unterwürfigkeit und Insinuation selbst. Ich ließ ihn natürlich 
links liegen. Die gestrige Sitzung war übrigens so dramatisch, sie arrangirte 
und steigerte sich so famos, daß der Pariser Wolff aus reinem ästhetischen 
Gefühl darüber momentan zum Parteimann geworden ist. Heut war ich auch 
bei A. Bartels und erklärte ihm daß die deutsche Gesellschaft für Nichts 
verantwortlich sei was am Montag vorgefallen, daß Crüger, Bst, Moras, 
Seiler, || Heilberg pp. nicht einmal Mitglieder waren, und daß die ganze à 
l'insu der deutschen Gesellschaft veranstaltete Geschichte vielmehr die 
Errichtung einer Concurrenz gegen sie bezweckte. Ein Brief gleichen Inhalts, 
von allen Comitémitgliedern unterzeichnet, geht morgen ebenfalls an Jott- 
rand ab. Zu Imbert geh' ich morgen mit Lupus. Ferner hab ich folgendes an 
Jottrand wegen der durch meine Abreise leer werdenden Stelle im Organisa- 
tionscomité der Brüssler Fraternal Democrats geschrieben: 

Monsieur — Obligé de quitter Bruxelles pour quelques mois, je me trouve 
dans l'impossibilité de remplir les fonctions dont la réunion du 27 de ce mois 
a bien voulu m'investir. — Je vous prie donc d'appeler un démocrate allemand 
résidant à Bruxelles à assister aux travaux de la commission chargée d'orga- 
niser une société démocratique universelle. — Je me permettrai de vous 
proposer celui parmi les démocrates allemands de Bruxelles, que la réunion, 
s'il avait pu y assister, aurait nommé à la charge qu'en son absence on m'a 
fait l'honneur de me conférer. Je parle de Mr. Marx qui, dans mon intime 
conviction, a le droit le plus fondé de représenter à la commission la démo- 

cratie allemande. Ce ne serait donc pas M. Marx qui m'y remplacerait, c'était 
plutôt moi qui à la réunion ai remplacé M. Marx. Agréez pp. pp. 

Ich hatte nämlich vorher schon mit Jottrand abgesprochen, daß ich ihm 
meine Abreise schriftlich anzeigen und Dich in die Commission vorschlagen 
würde. Jott. ist auch verreist, und kommt in 14 Tagen wieder. Wird nichts 
aus der ganzen Geschichte, was ich glaube, so ist es Heilbergs Vorschlag der 
durchfällt; wird was draus, so sind wir es die die Sache zu Stande gebracht 
haben. Jedenfalls haben wir das gewonnen daß Du, und nach Dir ich, als 
Repräsentanten der deutschen Demokraten in Brüssel anerkannt sind und 

sonst die ganze Intrigue schrecklich in den Dreck gefallen ist. 

Heut Abend war Gemeindesitzung. Ich präsidirte. Mit Ausnahme Walk's, 
der sich übrigens bekehren ließ und dessen gestriges Auftreten allerdings 
diverse Entschuldigungs||gründe findet, die ich ihm auch zu Gute kommen 
ließ, mit dieser Ausnahme also war der Enthusiasmus über die Geschichte 
mit Bst. einstimmig. Die Kerls fangen an sich zu fühlen. Sie sind endlich 
einmal als Gesellschaft, als Macht gegenüber andern Leuten aufgetreten, und 
daß Alles so famos flott ging, daß sie so complet gesiegt haben, macht sie 
ungeheuer stolz. Junge schwimmt im siebenten Himmel, Riedel weiß sich 
vor Freude nicht zu lassen, selbst der kleine Ohnemans triumphirt wie ein 
fighting cock. Übrigens wiederhole ich, daß diese Geschichte der Gesell- 
schaft nach innen und nach Außen einen famosen Aufschwung gegeben hat 
und ferner geben wird. Kerle die sonst das Maul nicht aufthun, haben den 
Bst. attackirt. Und selbst die Intrigue hat uns geholfen: erstens hat Bst. 
überall verbreitet die deutsche demokratische Arbeitergesellschaft habe das 
Meeting gemacht, und zweitens haben wir das Alles desavouirt und durch 
Beides ist die Gesellschaft bei den Belgischen Demokraten überall ins 
Gespräch gekommen und gilt als eine höchst bedeutende, plus ou moins 
mysteriöse Macht. La démocratie allemande devient très forte à Bruxelles, 
sagte Bartels heut Morgen. 

Übrigens kommst Du auch in den Brief des Comités an Jottrand. Gigot 
wird zeichnen: Secretär während der Abwesenheit von Marx. 

Mach nun Deine Geldgeschichten so rasch wie möglich ab und komm 
wieder her. Mir brennts unter den Füßen, ich möchte fort und muß erst den 
Verlauf dieser Intriguen abwarten. Ich kann jetzt absolut nicht fort. Je eher 
Du also kommst, desto besser. Nur regle zuerst Deine Geldgeschichten. Ich 
bleibe jedenfalls solange auf meinem Posten wie irgend möglich; si c'est 
possible, bis Du kommst. Aber eben deßwegen ists Wünschens werth daß 
Du bald kommst. 

Dein 

Engels. I