Friedrich Engels an Karl Marx 
in Brüssel 
Paris, 9. März 1847 

ILieber Marx 

Das inliegende Brochürli wurde mir heut Morgen von Junge überbracht; 
Ev[erbeck] habe es vor einigen Tagen zu ihnen gebracht. Ich sah mir das Ding 
an und erklärte es sei von Mosi und setzte dem J. dies Punkt für Punkt 
auseinander. Heut Abend sah ich Ev., er gestand, es gebracht zu haben, und 
nachdem ich das Ding gehörig heruntergerissen, kommt heraus, daß Er 
selbst, E. der Verfasser des säubern Machwerks ist. Er hat es, wie er be- 
hauptet, in den ersten Monaten meiner Anwesenheit hier verfaßt. Der erste 
Rausch, in den ihn die von mir mitgetheilten Neuigkeiten versetzten, hat ihn 
dazu begeistert. So sind diese Jungens. Während er den Heß auslachte, der 
sich mit fremden Federn schmückt die ihm nicht stehen, und den Straubin- 
gern verbot, dem Grün zuzustecken was ich ihnen vortrug, damit der es nicht 
ebenso mache, setzt er sich hin und treibt es — in der besten Absicht von 
der Welt, wie immer — um kein Haar besser. Moses und Grün hätten die 
Sachen nicht mehr verhunzt als dieser volksthümliche Tripperdoktor. Ich 
hab ihn natürlich erst etwas verhöhnt und ihm schließlich verboten je wieder 
solches Zeug zu laxiren. Aber das sitzt dem Volkin den Knochen. Die vorige 
Woche setz' ich mich hin und schreibe, theils aus Unsinn, theils weil ich 
platterdings Geld haben muß, ein anonym herauszugebendes, von Zoten 
wimmelndes Danksagungsschreiben an die Lola Montes. Samstag les' ich 
ihm einiges draus vor, und heut Abend erzählt er mir mit gewöhnlicher 
Bonhommie, daß ihn dies zu einer ähnlichen Produktion inspirirt habe, die 
er bereits den nächsten Tag über denselben Gegenstand gemacht und dem 
Maurer für seine Incognito Zeitschrift (sie erscheint wirklich ganz im Ge- 
heimen und nur für die Redaction, unter Censur von Mad‘ Maurer, die bereits 
ein Gedicht von Heine gestrichen) eingehändigt. Er theile mir dies jetzt schon 
mit, um seine Ehrlichkeit zu salviren und um kein Plagiat zu begehen! Dies 
neue Meisterstück dieses erpichten und verpichten Schriftstellers wird 
natürlich reine Übersetzung meines Witzes in solenn-überschwenglichen 
Stylum sein. Dies letztere Probestück kurzen Gedärms ist zwar im Übrigen 
Wurst, zeigt aber doch wie dringend nöthig es ist daß entweder Dein Buch, 

oder unsre Manuskripte so rasch wie möglich erscheinen. Die Kerle tragen 
sich alle mitdem Kummer, daß so famose Ideen dem Volk so lange verborgen 
bleiben und wissen am Ende kein andres Mittel, sich diesen Stein vom 
Herzen zu wälzen, als daß sie selbst soviel davon ausscheißen als sie pas- 
sablement verdaut zu haben meinen. Laß den Bremer also nicht fahren. 
Wenn er nicht antwortet, schreib nochmals. Acceptire das Möglichst Ge- 
ringe, im Nothfall. Diese Manuskripte verlieren mit jedem Monat, den sie 
auf Lager zubringen, 5—10 fr. per Bogen on exchangeable value. Noch ein 
paar Monate, la diète prussienne en discussion, la querelle bien entamée à 
Berlin, und der Bauer und Stirner sind nicht mehr zu 10fr. p. Bogen ver- 
käuflich. Bei einer solchen Gelegenheitsschrift kommt man allmählig auf 
einen || Punkt wo hohes Honorar als Forderung des schriftstellerischen 
point d'honneur ganz bei Seite gesetzt werden muß. 

Ich war ca 8 Tage bei dem B[ernays] in Sarcelles. Der macht auch Dumm- 
heiten. Schreibt in die Berliner] Z[eilt[un]gshalle und freut sich wie ein Kind 
daß seine soi disant kommunistischen Expektorationen gegen die Bourgeois 
dort gedruckt werden. Natürlich läßt die Redaction und Censur stehen was 
bloß gegen die Bourgeois und streicht die wenigen Andeutungen die auch 
ihnen unangenehm sein könnten. Schimpft über Jury, „bürgerliche Preßfrei- 
heit", Repräsentativsystem usw. Ich setze ihm auseinander daß das buch- 
stäblich pour le roi de Prusse und indirekt gegen unsre Partei arbeiten heißt 
— bekannte Aufwallung des warmen Herzens, Unmöglichkeit etwas aus- 
zurichten; ich erkläre daß die Zeitungshalle von der Regierung bezahlt wird, 
hartnäckiges Läugnen, Berufen auf Symptome, die für alle Welt, nur für die 
gefühlvolle Einwohnerschaft von Sarcelles nicht, gerade für meine Be- 
hauptung sprechen. Resultat: Die biedere Begeisterung, das warme Herz 
kann nicht gegen seine Überzeugung schreiben, kann keine Politik begreifen 
die die Leute schont die es bisher immer bis auf den Tod gehaßt hat. „Is nit 
mei Genre!" ewige ultima ratio. Ich habe x dieser aus Paris datirten Artikel 
gelesen; sie sind on ne peut plus im Interesse der Regierung und im Styl des 
wahren Sozialismus. Ich gebe den Bs ziemlich auf und mische mich nicht 
mehr in den hochherzig-widerlichen Familienjammer, in dem er den Heros 
des Dévouements, der unendlichen Hingebung spielt. Il faut avoir vu cela. 
Das riecht wie fünftausend ungelüftete Federbetten vermehrt durch die — 
von der östreichisch-vegetabilischen Küche herrührenden — zahllosen Fürze 
die dort verführt werden. Und wenn sich der Kerl noch zehnmal von der 
Bagage los risse und nach Paris käme, er liefe zehnmal wieder zurück. Du 
kannst Dir denken was ihm das alles für Moralitätsflausen in den Kopf setzt. 
Die Familie mode composé in der er lebt, macht ihn zum kompleten, engen 
Philister. Er kriegt mich auch nie wieder auf seine Boutique und wird auch 
sobald kein Verlangen nach mir gefühllosem Individuo tragen. 

Engels an Marx : 9. März 1847 

Die Constitutions Brochure bekommst Du baldmöglichst. Ich werde sie 
auf einzelne Blätter schreiben damit Du einlegen und weglassen kannst. 
Wenn Aussicht da ist, daß Vogler einiges zahlt, so frag ihn ob er den Lola 
Montes Witz — circa 17z—2 Bogen — nehmen will, brauchst aber nicht zu 

sagen daß das Ding von mir herrührt. Antworte mir umgehend darüber, sonst 
versuch ich in Bellevue. Du wirst in Débats oder Constit[utionne]l gelesen 
haben daß Schufterle Schlaepfer in Herisau vom großen Rath wegen 
württembergischer Klagen außer Stand gesetzt ist weiter revolutionäres 
Zeug zu drucken, er selbst hat es in Briefen hieher bestätigt und sich alle 

Zusendungen verbeten. Also Grund mehr an dem Bremer zu halten. Ist es 

gar nichts mit dem so bleibt nur die „Verlagsbuchhandlung" || in Bellevue 
bei Constanz. Au reste, wenn das Unterbringen unsrer Manuskripte mit dem 
Unterbringen Deines Buchs collidirt, so foutire in's Teufels Namen die 
Manuskripte in eine Ecke, denn es ist viel wichtiger daß Dein Buch erscheint. 
Wir beide beißen doch bei unsern Arbeiten darin nicht viel heraus. 

Du hast vielleicht in der gestrigen (Montags) Kölner Ztg einen biedermän- 
nischen Artikel über Martin du Nords Scandalgeschichte gelesen. Dieser 
Artikel ist von Bs — er macht von Zeit zu Zeit die Börnst[ein]sche Cor- 
respondenz. 

Die hiesige Polizei ist jetzt sehr bösartig. Es scheint, sie wollen mit aller 
Gewalt eine Emeute oder eine massenhafte Conspiration gelegentlich der 
Hungersnoth herausbeißen. Erst streuen sie allerlei Druckschriften aus und 
heften placats incendiaires an, und jetzt haben sie gar Brandstiftungs- 
maschinen gemacht und ausgestreut, die aber nicht angesteckt waren, damit 

der Epicier die ganze Größe der teuflischen Bosheit erkennen könne. Dazu 
haben sie die schöne Geschichte mit den communistes matérialistes an- 
gefangen, eine Masse Kerls verhaftet, von denen A den B, B den C, C den 
D kennt usw., und nun auf Grund dieser Bekanntschaft und einiger Zeugen- 
behauptungen die ganze Masse unter sich meist unbekannter Kerle in eine 
„Bande" verwandelt. Der Prozeß dieser „Bande" wirdbald vorkommen, und 
wenn zu diesem neuen System die alte complicité morale hinzukommt so 
kann man jedes beliebige Individuum mit der größten Leichtigkeit ver- 
urtheilen. Cela sent son Hébert. Auf diese Art ist nichts leichter als auch den 
pere Cabet ohne Weiteres zu verdonnern. 

Komm doch wenn es irgend möglich, im April einmal hieher. Bis zum 
7 April zieh ich aus — ich weiß noch nicht wohin — und habe um dieselbe 
Zeit auch einiges Geld. Wir könnten dann einige Zeit höchst fidel zusammen 
verkneipen. Da die Polizei jetzt allerdings eklig ist (außer dem Sachsen von 
dem ich schrieb war auch mein alter Gegner Eisermann geschaßt, beide sind 
hier geblieben, vgl. K. Grün in der Kölner Ztg) so ists allerdings am besten 
daß man den Rath des Bstein befolgt. Versuch beim französischen Ge- 

Engels an Marx + 9. März 1847 

sandten auf Deine Auswanderung einen Paß zu kriegen; wenn das nicht geht 
dann wollen wir sehen was hier auszurichten ist — es gibt wohl noch einen 
konservativen Deputierten, der sich durch die sechste Hand rühren läßt. Du 
mußt platterdings mal wieder aus dem ennuyanten Brüssel weg und nach 
Paris, und das Verlangen etwas mit Dir zu kneipen ist auch meinerseits sehr 
groß. Entweder mauvais sujet, oder Schulmeister, das ist Alles was man hier 
sein kann; mauvais sujet unter liederlichen Stricken und cela vous va fort 
mal quand vous n'avez pas d'argent- oder Schulmeister von Ev., Bs und 
Consorten. Oder sich von den Chefs der französischen Radikalen weise 
Rathschläge geben lassen, die man nachher noch gegen die andern Esel 
vertheidigen muß, damit sie nicht gar zu stolz in ihrer schwammigen 
Deutschheit sich brüsten. Hätt ich 5000fr. Renten, || ich thät nichts als 
arbeiten und mich mit den Weibern amüsiren bis ich kaput war. Wenn die 
Französinnen nicht wären, war das Leben überhaupt nicht der Mühe werth. 
Mais tant qu'il y a des grisettes, va ! Cela n'empêche pas daß man nicht gern 
einmal über einen ordentlichen Gegenstand spricht oder das Leben etwas 
mit Raffinement genießt und Beides ist mit der ganzen Bande meiner Be- 
kannten nicht möglich. Du mußt herkommen. 

Hast Du L.Blancs Revolution gesehen? Ein tolles Gemisch richtiger 
Ahnungen und gränzenloser Verrücktheiten. Ich hab erst die Hälfte des 
I. Bandes, in Sarcelles, gelesen. Ca fait un drôle d'effet. Kaum hat er einen 
durch eine nette Anschauung überrascht, so poltert er einem gleich den 
furchtbarsten Wahnsinn über den Kopf. Aber der L. Bl. hat eine ganz gute 
Nase, und ist auf gar keiner üblen Spur, trotz allem Wahnsinn. Er bringt's 
aber doch nicht weiter, als er jetzt schon ist, „ein Zauber bleit ihn nieder", 
die Ideologie. 

Kennst Du Ach. de Vaulabelle, Chute de l'Empire, Hist, des deux 
Restaur.? Voriges Jahr erschienen, ein Republikaner vom National, und in 
der Art der Geschichtsschreibung der alten Schule — vor Thierry, Mignet 
usw. — angehörend. Gränzenloser Mangel an Einsicht in die ordinärsten 
Verhältnisse — selbst der Capefigue in seinen Cent Jours ist darin unendlich 
besser — aber interessant wegen der bourbonischen und alliirten Schmut- 
zereien die er alle zusammenzählt und wegen ziemlich genauer Darstellung 
und Kritik der facta, solange seine nationalen und politischen Interessen ihn 
nicht stören. Im Ganzen jedoch langweilig geschrieben, eben wegen Mangel 
alles Überblicks. Der National ist ein schlechter Historiker und Vaulabelle 
soll Marrasts amicus sein. 

Moses ist ganz verschollen. Bei den „Ouvriers" mit denen ich nicht „um- 
gehe", verspricht er Vorlesungen zu halten, gibt sich für Grüns Gegner und 
meinen Intimus aus! Gott weiß und Moses deßgleichen, daß ich ihn bei unsrer 
zweiten und letzten Entrevue am Passage Vivienne mit offnem Maule stehen 

ließ um mit dem Maler K[Körner] zwei Mädel absehen zu führen die dieser 
aufgegabelt! Seitdem ist er mir nur noch am mardi gras begegnet, wo er sein 
lebensmüdes Ich durch den fürchterlichsten Regen und die ödeste Lange- 
weile nach der Börse zu schleifte. Wir erkannten uns nicht einmal. 

Den Brief an Bak[unin] werde ich besorgen sobald ich seiner Adresse 
sicher bin — bis jetzt ist es noch chanceux. 

Apropos: schreibe doch an den Ev. wegen des Brochürlis und verhöhne 
ihn etwas, er hält demüthigst ambas posaderas dar und wünscht Hiebe drauf 
zu besehen — Du kennst das. 

Also schreib bald und besorge das, daß Du herkommst. 

Dein 

Dienstag 9 März. |