Friedrich Engels an Karl Marx 
in Brüssel 
Paris, um den 18. Oktober 1846 

Lieber M. 

Ich habe mich endlich nach langem Widerstreben drangemacht den Dreck 
von Feuerb[ach] durchzulesen und finde daß wir in unsrer Kritik darauf nicht 
eingehen können. Weßhalb, wirst Du sehen, nachdem ich Dir den Haupt- 
inhalt mitgetheilt. 

Das Wesen der Religion. Epigonen, Bd. I, p. 117—178. — „Das Abhängig- 
keitsgefühl des Menschen ist der Grund der Religion." p. 117. Da der Mensch 
zuerst von der Natur abhängig, so „ist die Natur der erste ursprüngliche 
Gegenstand der Religion". 118. („Natur ist nur ein allgemeines Wort zur 
Bezeichnung der Wesen, Dinge pp., die der Mensch von sich und seinen 
Produkten unterscheidet.") Die ersten religiösen Äußerungen sind Feste in 
denen Naturprozesse, Wechsel der Jahrszeiten pp. dargestellt. Die speciellen 
Naturverhältnisse und Produkte, in deren Umgebung ein Stamm oder Volk 
lebt, gehen in seine Religion über. —Der Mensch wurde in seiner Entwicklung 
von andern Wesen unterstützt, die aber nicht Wesen höherer Art, Engel 
waren, sondern Wesen niederer Art, Thiere. Daher Thierkultus. (Folgt eine 
Apologie der Heiden gegen die Angriffe der Juden und Christen, trivial.) — 
Die Natur bleibt fortwährend, auch bei den Christen, der verborgne Hinter- 
grund der Religion. Die den Unterschied Gottes vom Menschen begründen- 
den Eigenschaften sind Eigenschaften der Natur (ursprünglich, der Grund- 
läge nach). So Allmacht, Ewigkeit, Universalität pp. Der wirkliche Inhalt 
Gottes ist nur die Natur; d.h. insofern Gott nur als Urheber der Natur, nicht 
als politischer und moralischer Gesetzgeber vorgestellt wird. — Polemik 
gegen die Schöpfung der Natur durch ein verständiges Wesen, gegen die 
Schöpfung aus Nichts usw. — meist „vermenschlichter", d.h. in gemüthli- 
ches, Bürgerherzen-ergreifendes Deutsch übersetzter materialismus vul- 
garis. — Die Natur in der Naturreligion ist nicht Gegenstand als Natur, 
sondern „als persönliches, lebendiges, empfindendes Wesen... als 
Gemüthswesen, d.i. subjektives, menschliches Wesen", p. 138. Daher betet 
man sie an, sucht sie durch menschliche Beweggründe pp. zu bestimmen. 
Dies kommt hauptsächlich daher daß die Natur veränderlich ist. „Das Gefühl 
der Abhängigkeit von der Natur in Verbindung mit der Vorstellung der Natur 
als eines willkührlich thätigen, persönlichen Wesens ist der Grund des 
Opfers, des wesentlichsten Aktes der Naturreligion." p. 140. Da aber der 
Zweck des Opfers ein selbstsüchtiger ist, so ist der Mensch doch das Endziel 
der Religion, die Gottheit des Menschen ihr Endzweck. — Folgen triviale 
Glossen und feierliche Auseinandersetzungen darüber, daß rohes Volk, das 
noch Naturreligion hat, auch Dinge zu Göttern macht die ihm unangenehm 
sind, Pest, Fieber usw. „So wie der Mensch aus einem nur physikalischen 
Wesen ein politisches, überhaupt von der Natur sich unterscheidendes und 
sich auf sich selbst konzentrirendes Wesen" (!!!) wird, so wird auch sein Gott 
zu einem politischen von der Natur unterschiedenen Wesen. ,,Daher" 
kommt „der Mensch zur Unterscheidung seines Wesens von der Natur und 
folglich zu einem von der Natur unterschiednen Gott zunächst nur durch 
seine Vereinigung mit andern Menschen zu einem Gemeinwesen, wo ihm von 
der Natur unterschiedene, nur in Gedanken oder in der Vor- 
Stellung existirende Mächte (!!!) die Macht des Gesetzes, der 
Meinung, der Ehre, der Tugend Gegenstand seines Abhängigkeits- 
gefühles ... wird." (Dieser scheußlich stylisirte Satz steht p. 149) E>je Na- 
turmacht, die Macht über Leben und Tod, wird herabge|| setzt zu einem 
Attribut und Werkzeug der politischen und moralischen Macht. Intermezzo 
p. 151 über Orientalen-Conservative und Occidentalen-Progressisten. „Im 
Orient vergißt der Mensch nicht über dem Menschen die Natur ... Der König 
selbst ist ihm nicht als ein irdisches sondern als ein himmlisches, göttliches 
Wesen Gegenstand. Neben einem Gotte aber verschwindet der Mensch, erst 
wo die Erde sich entgöttert... erst da haben die Menschen Raum und Platz 
für sich." (schöne Erklärung weßhalb die Orientalen stabil. Wegen der vielen 
Götzenbilder, die den Raum wegnehmen) „Der Orientale verhält sich zum 
Occidentalen wie der Landmann zum Städter, jener ist abhängig von der 
Natur, dieser vom Menschen" pp. „nur die Städter machen darum Ge- 
schichte", (hier der einzige leise aber etwas übelriechende Anhauch von 
Materialismus). „Nur wer die Macht der Natur der Macht der Meinung, sein 
Leben seinem Namen, seine Existenz im Leibe seiner Existenz im Munde 
und Sinne der Nachwelt aufzuopfern vermag, nur der ist fähig zu geschicht- 
lichen Thaten." Voilä. Alles was nicht Natur ist, ist Vorstellung, Meinung, 
Flause. Daher ist auch „nur die menschliche ‚Eitelkeit' das Prinzip der 
Geschichte"! — p. 152: „So wie der Mensch zum Bewußtsein kommt, daß ... 
Laster und Thorheit Unglück pp., Tugend und Weisheit dagegen ... Glück 
zur Folge haben, folglich die das Schicksal der Menschen bestimmenden 
Mächte Verstand und Wille sind ... so ist ihm auch die Natur ein von 
Verstand und Wille abhängiges Wesen." (Übergang zum Monotheismus — 
F. theilt das obige illusorische „Bewußtsein" von der Macht des Verstandes 
und Willens.) Mit der Herrschaft von Verstand und Willen über die Welt 
kommt dann der Supernaturalismus, die Schöpfung aus Nichts, und der 
Monotheismus, der noch speciell aus der „Einheit des menschlichen 
Bewußtseins" erklärt wird. Daß der Eine Gott ohne den Einen König nie zu 
Stande gekommen wäre, die Einheit des die vielen Naturerscheinungen 
kontrollirenden, die widerstreitenden Naturkräfte zusammenhaltenden 
Gottes nur das Abbild des Einen die widerstreitenden, in ihren Interessen 
kollidirenden Individuen scheinbar oder wirklich zusammenhaltenden orien- 
talischen Despoten ist, hat F. für überflüssig gehalten zu sagen, — Langer 
Kohl gegen die Teleologie, Copie der alten Materialisten. Dabei begeht F. 
denselben Schnitzer gegenüber der wirklichen Welt, den er den Theologen 
vorwirft, gegen die Natur zu begehen. Er reißt schlechte Witze darüber daß 
die Theologen behaupten, ohne Gott müsse sich die Natur in Anarchie 
auflösen (d. h. ohne den Glauben an Gott fiele sie in Fetzen) Gottes Wille, 
Verstand, Meinung sei das Band der Welt; und er selbst glaubt ja; die 
Meinung, die Furcht vor der öffentlichen Meinung, vor Gesetzen und andern 
Ideen hielte jetzt die Welt zusammen. — Bei einem Argument gegen die 
Teleologie tritt F. ganz als laudator temporis praesentis auf: die enorme 
Sterblichkeit der Kinder in den ersten Lebensjahren kommt daher, weil „die 
Natur bei ihrem Reichthum ohne Bedenken Tausende der einzelnen Glieder 
aufopfert"; ... „esisteine Folge natürlicher Ursachen, daß ... €. B. im ersten 
Jahre ein Kind von 3—4, im fünften Eins von 25 pp. stirbt". 

Mit Ausnahme der wenigen, hier specificirten Sätze ist nichts zu be- 
merken. Über die geschichtliche Entwicklung der verschiedenen Religionen 
erfährt man Nichts. Höchstens werden Beispiele aus ihnen zu geben um die 
obigen Trivialitäten zubeweisen. Die Hauptmasse || des Artikels besteht aus 
Polemik gegen Gott und die Christen, ganz in der Weise wie ers bisher 
gemacht, nur daß jetzt, wo er sich erschöpft hat, trotz aller Wiederholungen 
des alten Kohls die Abhängigkeit von den Materialisten viel frecher hervor- 
tritt. Wenn man über die Trivialitäten über Naturreligion, Polytheismus, 
Monotheismus etwas sagen wollte, müßte man die wirkliche Entwicklung 
dieser Religionsformen dagegen stellen, wozu man sie erst studiren müßte. 
Das geht uns aber für unsre Arbeit ebensowenig an wie seine Erklärung des 
Christenthums. Für F's positiv-philosophischen Standpunkt gibt der Aufsatz 
nichts Neues, die paar zu kritisirenden Sätze die ich oben excerpirt habe, 
bestätigen nur, was wir schon gesagt haben. Sieh doch, wenn Dich der Kerl 
weiter interessirt, daß Du von Kießling direkt oder indirekt den I. Band seiner 
gesammelten Werke einmal in die Finger bekommst, da hat er noch eine Art 
Vorwort geschrieben, worin noch was sein könnte. Ich habe Auszüge ge- 
sehen wo F. von „Übeln des Kopfes" und „Übeln des Magens" spricht, so 
eine schwache Art Apologie, warum er nicht sich um wirkliche Interessen 
bekümmert. Gerade wie er mir vor IV2 Jahren schrieb. 

Eben erhalt' ich Deinen Brief, der wegen meines Wohnungswechsels ein 
paar Tage in der alten Wohnung liegen blieb. Die Versuche mit den Schweizer 
Buchhändlern werde ich machen. Ich glaube aber schwerlich daß ich unter- 
komme. Die Kerls haben alle kein Geld um 50 Bogen zu drucken. Ich bin 
der Ansicht, daß wir nichts gedruckt kriegen, wenn wir die Sachen nicht 
trennen und die Bände einzeln unterzubringen suchen, zuerst die philosophi- 
sche Geschichte, die pressirt am meisten, und dann das Andre. 50 Bogen auf 
Einmal ist so gefährlich groß, daß viele Buchhändler es schon deßwegen 
nicht nehmen, weil sie es nicht können. — Da war ja auch noch der Bremer 

Kühtmann oder wie er hieß denuns Moses und Weitling abspenstig machten; 
der Kerl wollte verbietenswürdige Bücher drucken aber nicht viel bezahlen; 
Wir können uns mit diesem Manuskript an ihn wenden, ganz gut. Was meinst 
Du wenn man die Geschichte theilte, und dem Einen den 1, dem andern den 
2 Band anböte? Der Vogler weiß die Adresse des K. in Bremen. Der List 
ist so gut wie fertig. 

Die Geschichten im Volkstribunen hab ich gesehen, vor ungefähr 3 Wo- 
chen. Mir ist sowas lächerlich Dummes noch nicht vorgekommen. Die In- 
famie des Bruder Weitling erreicht ihre Spitze in diesem Brief an Kriege. 
Was übrigens das Detail angeht, so ist es mir nicht mehr erinnerlich genug 

um darüber etwas sagen zu können. Ich bin aber ebenfalls der Meinung daß 
man sowohl auf Krieges wie der Straubinger Proklamation replicirt, sie mit 
der Nase drauf stößt wie sie läugnen gesagt zu haben, was wir ihnen vor- 
werfen, während sie zugleich dieselben geläugneten Dummheiten wieder in 
ihrer Antwort proklamiren; und daß namentlich der Kriege mit seinem 

hochmoralischen Pathos und seiner Entrüstung über unsren Spott gehörig 

was aufs Dach krigt. Da die No eben jetzt unter den hiesigen Straubingern 
cirkuliren, so kann ich sie mir nicht verschaffen, ohne 4—5 Tage warten zu 
müssen. 

Die hiesigen Straubinger bellen fürchterlich gegen mich. Namentlich 3—4 

„gebildete" Arbeiter die E[werbec]k und Grün in die Geheimnisse des 
wahren Menschenthums eingeweiht. Aber ich bin vermöge einiger Geduld 
und etwas Terrorismus durchgedrungen, die große Menge geht mit mir. Der 
Grün hat sich vom Kommunismus losgesagt, und diese „Gebildeten" hatten 
große Lust mitzugehen. Dahab ich grade durchgehauen, den alten Eisermann 

so eingeschüchtert, daß er nicht mehr kommt, und den Kommunismus oder 
Nicht-Kommunismus kontradiktorisch diskutiren lassen. Heut Abend wird 
abgestimmt, ob die Versammlung kommunistisch ist oder, wie die Gebildeten 
sagen, „für das Wohl der Menschheit". Die Majorität ist mir sicher. Ich hab 
erklärt, wenn sie nicht Kommunisten wären, könnten sie mir gestohlen wer- 
den, da kam ich nicht mehr. Heut Abend werden die Schüler Grüns de- 
finitiv gestürzt, und dann werd ich ganz aus dem Rohen anzufangen haben. — 

Von den Forderungen, die diese jebildeten Straubinger an mich machten, 
hast Du gar keine Vorstellung. „Milde", „Sanftmuth", „warme Brüderlich- 
keit". Ich hab sie aber gehörig gerüffelt, jeden Abend bracht ich ihre ganze 
Opposition von 5, 6, 7 Kerls (denn im Anfang hatt ich die ganze Boutique 
gegen mich) zum Schweigen. Nächstens mehrüber diese ganze Historie, die 
allerlei Lichter auf Herrn Grün wirft. 

Proudhon soll in 14 Tagen herkommen. Das wird schön werden. 

Hier ist sowas im Werke von einer Zeitschrift. Das Cigarrenmännlein 
Maurer behauptet Geld dazu bekommen zu können. Ich glaub dem Kerl aber 
nicht bis das Geld da ist. Wird was draus so ist schon Alles so eingerichtet 
daß das Ding uns ganz in die Hände kommt. Maurern, dem ostensiblen 
Redakteur, hab ich das Recht gelassen, seinen eignen Unsinn drin zu druk- 
kën, das ging nicht anders. Alles übrige geht durch meine Hände, ich hab 
absolutes Veto. Was ich schreibe, natürlichpseudonym oder anonym. Jeden- 
falls wird das Ding, wenn es zu Stande kommt, weder dem Heß, noch dem 
Grün, noch sonst einer wüsten Richtung in die Hände gerathen. Es wäre ganz 
gut um etwas zu fegen. Sprich aber Niemanden davon eh es zu Stande ist, 
es muß sich noch diese Woche entscheiden. Leb wohl und schreib bald. 

E. 
23, rue de Lille, 
Fbg. S’Germain. 

Friedrich Engels 
an das Kommunistische Korrespondenzkomitee 
in Brüssel 
Paris, 23. Oktober 1846 

(Comitebrief (Nr 3.) - 

Über die hiesigen Straubingergeschichten ist wenig zu sagen. Die Haupt- 
sache ist, daß die verschiedenen Streitpunkte die ich bisher mit den Jungens 
auszufechten hatte, jetzt entschieden sind: der Hauptanhänger und Schüler 
Grüns, Papa Eisermann, ist herausgeschmissen, die übrigen sind in ihrem 
Einfluß auf die Masse vollständig gestürzt, und ich habe einen Beschluß 
einstimmig gegen sie durchgesetzt. 
Der kurze Verlauf ist der: 
Über den Proudhonschen Associationsplan wurde 3 Abende diskutirt. 
Anfangs hatte ich beinah die ganze Clique, zuletzt nur noch Eis. und die 
übrigen 3 Grünianer gegen mich. Die Hauptsache dabei war, die Nothwen- 
digkeit der gewaltsamen Revolution zurückzuweisen und überhaupt den 
Grünschen wahren Sozialismus, der in der Proudhonschen Panacée neue 
Lebenskräfte gefunden, als antiproletarisch, kleinbürgerlich, straubingerisch 
nachzuweisen. Zuletzt wurd' ich wüthend über die ewige Wiederholung 
derselben Argumente von Seiten meiner Gegner und attakirte die Straubinger 
geradezu, was bei den Grünianern große Entrüstung erregte, wodurch ich 
aber dem edlen Eiserm. einen offnen Angriff auf den Kommunismus ent- 
lockte. Darauf deckelte ich ihn so rücksichtslos daß er gar nicht wiederkam. 
Jetzt knüpfte ich an die mir vom Eis. gegebne Handhabe — die Attaque 
gegen den Kommunismus — an, umsomehr als Grün in einem fort intriguirte, 
auf den Ateliers herumlief, Sonntags die Leute zu sich citirte pp. und den 
Sonntag nach der obigen Sitzung selbst die gränzenlose Dummheit beging, 
vor 8—10 Straubingern den Kommunismus zu attakiren. Ich erklärte also, ehe 
ich mich auf weitere Diskussionen einließe, müsse abgestimmt werden, ob 
wir hier qua Communisten zusammenkämen oder nicht. Im ersten Falle 
müsse Sorge getragen werden, daß Angriffe auf den Kommunismus wie die 
von Eis. nicht mehr vorkämen, im andern Fall, wenn sie bloß beliebige 
Individuen seien die hier über Dies und Jenes Beliebige diskutirten, könnten 
sie mir gestohlen werden und würde ich nicht wiederkommen. Dies erregte 
großes Entsetzen bei den Grünianern, sie seien hier „für das Wohl der 
Menschheit" zusammen, um sich aufzuklären, Männer des Fortschritts, und 
nicht einseitig, Systemfänger pp. und solche Biedermänner könne man doch 
unmöglich „beliebige Menschen" nennen. Übrigens müßten sie erst wissen 
was Kommunismus eigentlich sei (diese Hunde, die sich seitJahren Kommu- 
nisten genannt haben und bloß durch die Furcht vor Grün und Eiserm. 
abspenstig wurden, nachdem diese sich unter dem Vorwande des Kom- 
munismus bei ihnen eingeschlichen hatten!) Ich ließ mich natürlich nicht 
durch ihre liebevolle Bitte fangen, ihnen, den Unwissenden in2bis 3 Worten 
zu sagen, was Kommunismus sei. Ich gab || ihnen eine höchst simple De- 
finition, die gerade soweit g[ing], wie die vorliegenden streitigen Punkte, die 
die Friedlichkeit, die Zartheit und Rücksicht gegen die Bourgeois resp. das 
Straubingerthum und endlich die Proudhonsche Aktiengesellschaft, nebst 
beibehaltenem individuellem Besitz und was sich daran knüpft, durch Be- 
hauptung der Gütergemeinschaft ausschloß, und im Übrigen nichts enthielt 
was Anlaß zu Abschweifungen und zur Umgehung der vorgeschlagenen 
Abstimmung geben könnte. Ich definirte also die Absichten der Kommuni- 
sten dahin: 1) die Interessen der Proletarier im Gegensatz zu denen der 
Bourgeois durchzusetzen; 2) dies durch Aufhebung des Privateigenthums 
und Ersetzung desselben durch die Gütergemeinschaft zu thun, 3) kein 
andres Mittel zur Durchführung dieser Absichten anzuerkennen als die 
gewaltsame, demokratische Revolution. — Hierüber zwei Abende diskutirt. 
Am zweiten ging der Beste der 3 Grünianer, die Stimmung der Majorität 
merkend, vollständig zu mir über. Die andern beiden widersprachen sich 
fortwährend einer dem Andern ohne es zu merken. Mehrere Kerls, die noch 
nie gesprochen, thaten auf Einmal das Maul auf und erklärten sich ganz 
entschieden für mich. Bisher hatte dies nur Junge gethan. Einige dieser 
homines novi sprachen, obwohl zitternd vor Todesangst, stecken zu bleiben, 
ganz nett, und scheinen überhaupt ganz gesunden Verstand zu haben. Kurz 
als es zur Abstimmung kam, wurde die Versammlung für eine kommunisti- 
sche im Sinne der obigen Definition erklärt von 13 Stimmen gegen die beiden 
der zwei treugebliebnen Grünianer — von denen Einer auch nachträglich 
erklärt hat, daß er die größte Begierde habe sich zu bekehren. 

Hiermit ist endlich einmal tabula rasa gemacht, und man kann jetzt an- 
fangen etwas aus den Kerls zu machen, soweit dies geht. Grün, der sich aus 
seiner Geldgeschichte leicht herausreißen konnte, weil die Hauptgläubiger 
ebenselbige Grünianer waren, seine Hauptanhänger, ist jetzt bei der Majori- 
tät und einem Theil seiner Anhänger selbst sehr herunter und trotz aller 
Intriguen und Experimente (&.B. in der Mütze auf die Barriere-Versamm- 
lungen gehen pp.) mit seiner Proudhonschen Sozietät glänzend durch- 
gefallen. War ich nicht dagewesen, so hätte unser Freund E[werbec]k aller- 

dings tête baissée dahinein gegeben. — 

Was der Grün für ein schönes Stratagem hatte! An der Intelligenz seiner 
Kerls verzweifelnd, repetirt er ihnen seine Geschichten so oft vor, bis sie 
sie auswendig können. Nach jeder Sitzung — es war natürlich nichts leichter 
als so eine Opposition zum Schweigen zu bringen — lief die ganze geschlagne 
Bande zu Grün, erzählten was ich gesagt hatte — natürlich Alles entstellt — 
und ließen sich wieder wappnen. Wenn sie dann das Maul auf thaten und zwei 
Worte gesagt, so wußte man jedesmal den ganzen Satz vorher. Natürlich 
nahm ich mich bei dieser Zwischenträgerei sehr in Acht, den Kerls irgend 
etwas Allgemeines zu sagen, was || Herrn Grün zuneuen Ausschmückungen 
seines wahren Sozialismus dienen konnte; dennoch aber hat der Hund 
neulich in der Kölner mit diversen Entstellungen bei Gelegenheit der Genfer 
Revolution Sachen exploitirt die ich den Straubingern sagte, während er 
ihnen hier das Gegentheil einpaukte. Er treibt jetzt Nationalökonomie, der 
Brave. 

Das Buch von Proudhon werdet Ihr angezeigt gesehen haben. Ich werde 
es dieser Tage bekommen; es kostet 15 fr. man kann es nicht kaufen, das ist 
zu theuer. 

Das obige Publikum, vor dem die Geschichte aufgeführt worden, besteht 
aus ca 20 Schreinern, die sonst nur auf der Barriere noch mit allerlei Volks 

sich versammeln, außer einem Sängerclub keine eigentlich geschloßne 
Verbindung haben, sonst aber theilweise Rudera des Bundes der Gerechtig- 
keit sind. Könnte man sich öffentlich versammeln, so würden wir bald über 
100 Kerls aus den Schreinern allein haben. Von den Schneidern kenn ich nur 
einige, die auch in die Schreinerversammlung kommen. Von Schmieden und 

Gerbern ist in ganz Paris nichts zu erfahren. Kein Mensch weiß was von 
ihnen. 

Kriege hat dieser Tage seinen Bericht als Mann der Gerechtigkeit an die 
„Halle" (Centralverwaltung) abgestattet. Natürlich hab ich das Send- 
schreiben gelesen; da dies aber Eidesverletzung war worauf Todesstrafe, 

Dolch, Strang und Gift stehen so müßt Ihr das nirgends hinschreiben. Der 
Brief beweist, gerade wie seine Replik aufunsren Angriff, daß dieser Angriff 
ihm sehr genützt hat und er sich jetzt doch mehr um die Dinge dieser Welt 
kümmert. Er gab eine lange Erzählung ihrer Schwierigkeiten. Der erste 
Abschnitt dieser amerikanischen Straubingergeschichte enthielt ihr Pech — 

offenbar stand Kriege an der Spitze und betrieb die Geldgeschichten vom 

Standpunkt des weltumfassenden Herzens aus, der Tribun wurde ver- 
schenkt, nicht verkauft, Liebesgaben bildeten den Fonds, kurz man wollte 
Kapitel II—VI der Apostelgeschichte wieder aufführen, Ananias und Sap- 
phira fehlten auch nicht, und zum Schluß fand man sich voller Schulden. Die 

zweite Periode, wo Kriege zum bloßen „Registrator" wird und andre Kerle 
an die Verwaltung der Geldgeschäfte getreten zu sein scheinen, die des 
Aufkommens. Statt an die volle Brust der Menschen zu appelliren, wurde 
jetzt an ihre tanzlustigen Beine und überhaupt an die + unkommunistischen 
Seiten appellirt, und man fand zu seinem Erstaunen daß durch Bälle, Land- 
partien pp. das nöthige Geld vollständig aufzubringen sei, und daß auch die 
Schlechtigkeit der Menschen für den Kommunismus exploitirt werden 
könne. Jetzt seien sie vollständig pekuniär auf dem Strumpf. Unter den 
„Hindernissen" die sie zu überwinden hatten, zählt der tapfre Tecklenburger 
auch die allseitigen Verläumdungen und Verdächtigungen auf, die sie, u. A. 
„zuletzt noch von den .kommunistischen' Philosophen in Brüssel" zu erdul- 
den hätten. Im Übrigen schwatzt er Einiges triviale Zeug gegen die Kolo- 
nieen, empfiehlt ihnen (d. h. seinen entschieden||sten Feinde[n]) den „Bruder 
Weitling", hält sich aber im [gjanzen ziemlich irdisch, wenn auch etwas 
gesalbt, und nur von Zeit zu Zeit so etwas Gestöhn von Brüderlichkeit usw. 

Habt Ihr dort die Reforme? Wenn Ihr sie nicht lest, schreibt es mir, ich 
werd Euch dann berichten wenn was Besondres drin steht. Seit4 Tagen reitet 
sie auf dem National herum wegen seines refus, einer Petition die wegen 
Wahlreform hier cirkulirt seine unbedingte Adhäsion zu geben. Dies ge- 
schehe, behauptet sie aus bloßer Hinneigung für Thiers. Vor einiger Zeit 
cirkulirte hier, Bastide und Thomas seien vom National ausgetreten, Marrast 
sei allein geblieben, und dieser habe mit Thiers Allianz gemacht. Der National 
widerrief. Veränderungen in seiner Redaction sind allerdings vorgegangen. 
Genaueres weiß ich nicht; daß er seit einem Jahre besonders günstig für 
Thiers ist, ist bekannt; die Réf. setzt ihm nun auseinander wie sehr er sich 
durch diese Hinneigung in Blamagen verritten hat. — Übrigens hat der Nat., 
aus bloßer Opposition gegen die Réforme, in der letzten Zeit einige Dumm- 
heiten gemacht, so die von der Réf. zuerst erzählte portugiesische Con- 
trerevolution aus bloßer Malice geläugnet bis er nicht mehr konnte usw. Die 
Ref. plagt sich jetzt eine ebenso brillante Polemik zu führen wie der Nat., 

aber es geht nicht. — 

Nachdem ich bis hieher geschrieben, ging ich noch zu den Straubingern 
wo sich Folgendes herausstellte: Der Grün, zu ohnmächtig mir irgendwie 
Schaden anzuthun, läßt mich jetzt auf der Barriere denunziren. Der Eis. 
attakirt in der öffentlichen und von Mouchards besuchten Barriere-Ver- 
sammlung den Kommunismus, wo ihm natürlich Keiner antworten kann, 
ohne sich der Gefahr des Gechaßtwerdens auszusetzen; der Junge hat ihm 
sehr wüthend geantwortet, ist aber von uns gestern verwarnt. Darauf hat der 
Eis. den J. für das Sprachrohr eines Dritten erklärt (der natürlich ich bin), 
und der plötzlich wie eine Bombe unter die Leute gefahren sei, und er wisse 
wohl wie da die Leute zu den Barrierediscussionen eingepaukt würden pp. 
Kurz, er schwatzte da Dinge aus, die einer vollständigen Denunziation bei 
der Polizei gleichkommen; denn der Wirth wobei die Geschichte sich zutrug, 
sagte noch vor 4 Wochen il y atoujours des mouchards parmi vous, und der 
Polizeicommissär war zu jener Zeit auch einmal da. Den J. griff er geradezu 
als „Revolutionär" an. Herr Grün war während der ganzen Zeit gegenwärtig 
und paukte demE. ein was er zu sagen habe. — Diese Gemeinheit übersteigt 
doch Alles. Der Grün ist mir, wie ich die Sachen kenne, vollständig verant- 
wortlich für Alles, was der Eis. sagt. Dagegen ist nun platterdings nichts zu 
machen. Der Schafskopf Eis. kann auf der Barriere nicht attakirt werden, 
weil man da die Wochenversammlung nochmals denunziren würde, der Grün 
ist zu feige in eignem Namen selbst etwas zu thun. Das Einzige was man thun 
kann, ist, auf der Barriere die Leute erklären zu lassen, über Communismus 
diskutirten sie nicht weil das die Ganze Versammlung bei der Polizei gefähr- 
den könne. 
Schreibt endlich einmal. 
Euer 

Paris 23 Octbr 1846.