Friedrich Engels an Karl Marx 
in Brüssel 
Paris, 18. September 1846 

ILieber Marx 

Eine Masse Sachen die ich Dir privatim schreiben wollte, sind mir in den 
Geschäftsbrief hereingerathen, weil ich den zuerst schrieb. Diesmal macht 
es nichts daß die andern den Dreck mitlesen. — Die Auszüge aus Fauerbach] 
zu machen habe ich mich aus einem gewissen Grauen bisher nicht ent- 
schließen können. Hier in Paris kommt einem das Zeug vollends laff vor. 
Ich hab das Buch aber jetzt im Hause und setze mich ehestens dran. Der 
süße Kohl Weyd[emeyer]s ist rührend. Der Kerl erklärt erst ein Manifest 
abfassen zu wollen, worin er uns für Lumpen erklärt, und wünscht dann, das 
möge keine persönlichen Differenzen absetzen. Sowas ist selbst in Deutsch- 
land nur an der hannoversch-preußischen Gränze möglich. — Das Dein 
Geldpech noch immer anhält ist schändlich. Ich weiß für unsre Manuskripte 
keinen Verleger außer Leske, den man während der Unterhandlung über die 
Kritik seines Verlags in Unwissenheit halten müßte. Löwenth[al] nimmts 
gewiß nicht, er hat dem B[ernay]s eine sehr gute Spekulation (das Leben des 
hiesigen Alten, in 2 Bänden, den I gleich zu drucken und mit dem Tode des 
Alten sofort zu expediren, den II dann gleich folgen zu lassen) unter allerlei 
lausigen Vorwänden abgeschlagen. Er ist auch feig, er sagt er könne aus 
Frankfurt geschaßt werden. B-s hat Aussicht bei Brockhaus unter- 
zukommen, der natürlich glaubt, das Buch werde Bourgeoismäßig abgefaßt. 
— Haben die Westphalen die Manuskripte an D[aniel]s geschickt? — Hast Du 
von dem Kölner Projekte etwas Näheres gehört? Wovon Heß schrieb, Du 
weißt. — Gottvoll ist aber vor Allem der Lüningsche Kohl. Man sieht den 
Kerl lebhaftig vor sich, wie er einen biedermännischen Schiß in die Hosen 
riskirt. Wenn wir ihre ganze Lumperei kritisiren, so erklärt der Edle das für 
eine „Se/ösrkritik". Es wird diesen Kerls aber bald widerfahren was ge- 
schrieben steht: „Und wenn er keinen Hintern hat, wo will der Edle sitzen?" 
Und Westphalen scheint allmählig zu merken, daß es keinen Hintern hat, 
oder um mit Mose zu sprechen, keine „materielle Basis" für seinen Com- 

munismus. 

Der Püttmann hat, was mich angeht, so unrecht nicht gehabt, zu sagen, 

die Brüsseler arbeiteten mit am Promfetheus]. Höre wie fein das Schindluder 
das angefangen hat. Da ich auch Geld brauchte, schrieb ich ihm, er solle 
endlich mit dem mir seit Jahr und Tag schuldigen Honorar heraus rücken. 
Der Kerl antwortet, was das Honorar für den einen Aufsatz angehe, den er 
im Bürgerbuch abgedruckt, so habe er Leske beauftragt, mir das zu zahlen 
(ist natürlich noch nicht da), was aber das für den andern Aufsatz, in dem 
2. Rhein. Jahrbuch betreffe so 
erhalten, aber da die deutschen soi-disant Communisten Ihn, den großen P, 

habe Er das zwar schon vom Verleger 

mit seinem andern großen P, dem Prometheus, aufs schändlichste im Stich 
gelassen hätten, so 

sei Er, P. N°. 1, genöthigt gewesen, die Honorare 
(worunter auch welches für E[werbe]ck pp.) zum || Druck von P Ms 2 zu 
verwenden, und werde uns selbiges erst nach x Wochen gezahlt werden 
können!! Schöne Kerls, wenn man ihnen kein Manuskript gibt, so machen 
sie main basse aufs Geld. So wird man Mitarbeiter und Aktionär am Pro- 
metheus. 

Die Londoner Adresse hab ich gestern Abend hier bei den Arbeitern 
bereits gedruckt gelesen. Schund. Adressiren sich an das „Volk", d.h. die 
vorausgesetzten Proletarier in Schleswig-Holstein, wo nichts wie platt- 
deutsche Bauerlümmel und zünftige Straubinger herumstrolchen. Haben von 
den Engländern gerade den Unsinn, die totale Ignorirung aller wirklich 
vorliegenden Verhältnisse, Unfähigkeit eine historische Entwicklung auf- 
zufassen, gelernt. Statt die Frage zu beantworten, wollen sie, daß das in ihrem 
Sinn gar nicht dort existirende „Volk" sie ignoriren, sich friedlich, passiv 
verhalten soll; sie denken nicht dran daß die Bourgeois doch thun was sie 
wollen. Mit Abzug der ziemlich überflüssigen und gar nicht mit ihren 
Schlußresultaten im Zusammenhang stehenden Schimpfereien auf die Bour- 
geois (die ebensogut durch free-trade-Phrasen ersetzt werden könnten) 
könnte die free-trade press von London, die Schleswig-Holstein nicht im 
Zollverein sehen will, das Ding erlassen haben. — 

Daß der Julius im preußischen Solde steht und für Rother schreibt, stand 
schon in deutschen Zeitungen angedeutet. Bourgeois der ja so entzückt von 
seinen edlen Werken war, wie D'Efster] erzählte, wird sich freuen wenn er 
das hört. — Apropos Schleswig-Holstein; der Kutscher hat vorgestern in 
3 Zeilen dem E-k geschrieben, man möge sich mit Briefen jetzt in Acht 
nehmen, die Dänen erbrächen Alles. Er meint, es könne doch wohl zu den 
Waffen kommen. Dubito, aber es ist schön daß der alte Däne die Schleswig- 
Holsteiner so derb zusammenfuchst. Hast Du übrigens das berühmte Ge- 
dicht „Schleswig-Holstein meerumschlungen", im Rheinlischen] Be- 
obachter] gelesen? Es macht etwa folgenden Eindruck, die Worte hab ich 

unmöglich behalten können: 

Schleswig-Holstein, meerumschlungen, Schleswig-Holstein, 
stammverwandt, 
Schleswig-Holstein, deutscher Zungen, — Schleswig-Holstein, 

deutscher Strand! 

Schleswig-Holstein, brunstdurchdrungen, Schleswig-Holstein, 
glutentbrannt, 

Schleswig-Holstein, ernst gerungen, Schleswig-Holstein, 
halte Stand! 

Schleswig-Holstein, frisch gesungen: „Schleswig-Holstein! 
Dän'scher Tand!" 

Schleswig-Holstein, bis erklungen: „Schleswig-Holstein", 
all durchs Land! 

Schleswig-Holstein, starke Lungen, — Schleswig-Holstein, 
schwache Hand, 

Schleswig-Holstein, dumme Jungen, — Schleswig-Holstein, 
Affenschand. 

Schleswig-Holstein, stammverwandt; Bleibe treu, mein Vaterland, schließt 
dann der Dreck. Es ist ein schauderhaftes Lied, werth von Dithmarschen 
gesungen zu werden, die wieder werth sind von Püttmann besungen worden 
zu sein. 

Die Kölner Bourgeois rüffeln sich. Sie haben einen Protest gegen die 
Herren Minister erlassen, der für deutsche Bürger das Mögliche ist. Der arme 
Berliner Kanzelredner! Mit allen Stadträthen seines Reichs liegt er in den 
Haaren, erst die Berliner theologische Disputation, dann die Breslauer item, 
jetzt die Kölner Geschichte. Der Bengel gleicht übrigens auf ein Haar dem 
Jacob dem Ersten von England, den er sich wirklich zum Muster genommen 
zu haben scheint. Nächstens wird er wohl, wie dieser, auch noch || Hexen 
verbrennen lassen. 

Dem Proudhon hab' ich im Geschäftsbrief wirklich himmelschreiendes 
Unrecht gethan. Da in diesem letzteren Brief kein Platz ist, so muß ichs hier 
redressiren. Ich habe nämlich geglaubt, er habe einen kleinen Unsinn, einen 
Unsinn innerhalb der Gränzen des Sinns gemacht. Gestern kam die Sache 
nochmals und ausführlich zur Diskussion, und da erfuhr ich, daß dieser neue 
Unsinn wirklich ein ganz unbegrenzter Unsinn ist. Stelle Dir vor: Proletarier 
sollen kleine Aktien sparen. Davon wird (unter 10—20000 Arbeitern fängt 
man natürlich gar nicht an) zuerst ein oder mehrere Ateliers in einem oder 
mehreren Handwerken errichtet, ein Theil der Aktionäre dort beschäftigt 
und die Produkte 1) zum Preis des Rohmaterials plus der Arbeit an die 
Aktionäre, (die so keinen Profit zu zahlen haben), und 2) der etwaige Über- 

Engels an Marx + 18. September 1846 

schuß zum laufenden Preise im Weltmarkt, verkauft. Sowie sich das Kapital 
der Gesellschaft durch neu Hinzutretende oder durch neue Ersparnisse der 
alten Aktionäre vermehrt, wird es zur Anlage neuer Ateliers und Fabriken 
verwandt, und so fort, und so fort, bis — alle Proletarier beschäftigt, alle im 
Lande befindlichen Produktivkräfte aufgekauft und dadurch die in den 
Händen der Bourgeois befindlichen Kapitalien die Macht verloren haben, 
Arbeit zu kommandiren und Profit zu bringen ! So hebt man dann das Kapital 
auf, indem man „eine Instanz findet, wo das Kapital, d.h. das Zinswesen" 
(Vergrünung des einigermaßen näher ans Tageslicht gerückten droit 
d'aubaine von ehedem) „so zu sagen verschwindet". Du wirst in diesem von 
Papa Eisermann zahllose Male wiederholten, also von Grün auswendig 
gelernten Satze, die ursprünglichen Proudhonschen Floskeln noch deutlich 
durchschimmern sehen. Die Leute haben nichts mehr und nichts weniger im 
Sinn, als einstweilen ganz Frankreich, später vielleicht auch die übrige Welt, 
vermöge proletarischer Ersparnisse und unter Verzichtung auf den Profit 
und die Zinsen ihres Kapitals, aufzukaufen. Ist so ein famoser Plan je erdacht 
worden, und ist es nicht ein viel kürzerer Weg, wenn man einmal einen tour 
de force machen will, lieber gleich aus dem Silber-Schein des Mondes 
Fünffrankenthaler zu prägen. Und die dummen Jungens von Arbeitern hier, 
die Deutschen mein' ich, glauben an den Dreck, sie, die nicht sechs Sous in 
der Tasche behalten können um am Abend ihrer Zusammenkünfte zu einem 
marchand de vins zu gehen, wollen mit ihren Ersparnissen toute la belle 
France aufkaufen. Rothschild und Consorten sind wahre Stümper neben 
diesen kolossalen Accapareurs. Es ist um die Schwerenoth zu kriegen. Der 
Grün hat die Kerls so versaut, daß die unsinnigste Phrase für sie mehr Sinn 
hat, als die einfachste, zum ökonomischen Argument vernutzte Thatsache. 
Daß man gegen solchen barbarischen Unsinn noch pauken muß, ist doch 
niederträchtig. Aber man muß Geduld haben und ich lass' die Kerls nicht 
laufen, bis ich den Grün aus dem Felde geschlagen und ihnen die verduselten 
Schädel geöffnet hab. Der einzige klare Kerl, der auch den ganzen Unsinn 
einsieht, ist unser J[unge], der in Brüssel war. Der E-k hat den Kerls auch 
den Kopf voll des tollsten Zeugs gesetzt. Der Kerl ist Dir jetzt in einer 
Konfusion || zum Schwanzausreißen, er gränztvon Zeit zu Zeitan Wahnsinn 
und kann was er gestern mit seinen eignen Augen gesehen, Dir heute nicht 
wiedererzählen. Geschweige was er gehört. Wie sehr der Kerl aber unter der 
Fuchtel des Grün gestanden, davon nur dies: als der Trierer Walthr vorigen 
Winter über die Censur nach allen Seiten hin jammerte, stellte Grün ihn als 
einen Märtyrer der Censur dar, der den edelsten und tapfersten Kampf führe 
usw. und exploitirte E-k und die Arbeiter dazu, daß sie eine höchst pomp- 
hafte Adresse an diesen Esel von Walthr aufsetzten und unterzeichneten und 
ihm Dank sagten für seinen Heldenmuth im Kampfe für die Freiheit des 

Engels an Marx + 18. September 1846 

Wortes!!!! Der E. schämt sich wie ein Mops, und ärgert sich wüthend über 
sich selbst; aber der Unsinn ist geschehen, und jetzt hat man ihm und den 
Arbeitern die paar Worte wieder auszupauken die er sich selbst mit saurem 
Schweiß in den Kopf hineingestiert und den Arbeitern dann mit eben so 
saurem Schweiß eingebläut hat. Denn er versteht Nichts, bis ers nicht aus- 

wendig gelernt hat, und dann versteht ers meist noch falsch. Wenn er nicht 
den enormen guten Willen hätte, und dabei sonst so ein liebenswürdiger Kerl 
wäre, was er jetzt mehr als je ist, so wäre gar nicht mit ihm fertig zu werden. 
Es soll mich wundern wie es mir mitihm geräth; zuweilen macht er ganz nette 
Bemerkungen, gleich drauf aber wieder den größten Unsinn — so seine, jetzt 

in Gott ruhenden deutschen Geschichtsvorträge, bei denen man sich wegen 
der in jedem Wort befindlichen Schnitzer und Tollheiten kaum das Lachen 
verbeißen konnte. Aber wie gesagt, enormer Eifer und Eingehen auf Alles, 
mit merkwürdiger Bereitwilligkeit, und ein unverwüstlicher guter Humor und 
Selbstironie. Ich mag den Kerl, trotz seines Unsinns, besser leiden als je. — 
Von B.s ist nicht viel zu sagen. Ich war mehrmals draußen, er einmal hier. 
Kommt wahrscheinlich Winter her, fehlt nur an Geld. Westphalen hat ihm 
fr. 200.- geschickt, ihn zu bestechen; er nimmt das Geld, läßt sie im Übrigen 
natürlich laufen. Weyd. hatte ihm das Geld vorher angeboten, er schreibt, 
er müsse fr. 2000.- haben, sonst könne ihms nicht nützen, ich sagte ihm, was 

die Westph. antworten würden, sie könnten nichts liquid machen pp. — traf 
wörtlich ein. Zum Dank behält er die fr. 200. Er lebt ganz fidel, aus seiner 
ganzen tragischen Geschichte macht er gegen Niemand ein Geheimniß, steht 
sich ganz fidel mit den Leuten, lebt wie ein Bauer, arbeitet im Garten, frißt 
gut; ich hab ihn im Verdacht ein Bauermädel zu beschlafen, und hat auch 

aufgehört mit seinen Leiden Etalage zu machen. Ist auch dahin gekommen, 
über die Parteistreitigkeiten klarere und verständigere Ansichten zu hegen, 
obwohl er selbst jedesmal wenn so etwas vorfällt, etwas Camille-Desmoulins 
spielen möchte und überhaupt zum Parteimann nicht taugt; wegen seiner 
Meinungen über das Recht ist ihm jetzt nicht gut beizukommen, weil er mit 

dem Einwurf: Ökonomie, Industrie pp. sei nicht sein Fach, jedesmal ab- 
zubrechen sucht und bei den seltnen Zusammenkünften keine ordentliche 
Diskussion zu Stande kommt; ich glaube indeß schon etwas Bresche ge- 
schossen zu haben und wenn er herkommt, werd' ich ihm sein Mißver- 
ständniß wohl schließlichnehmen können. — Was machen die Leute dort? 

Dein 
11, rue etc., 18 Septbr 46. 

Query: Ist die Geschichte mit dem Tolstoy, die vollständig richtig ist, nicht 
den Londonern mitzutheilen? Die Deutschen könnten, falls er bei ihnen seine 

Engels an Marx + 18. September 1846 

Rolle fortspielte, einmal ein paar Polen scheußlich kompromittiren. Wenn 
sich der Kerl auf Dich beriefe?\ 

Bern-s hat eine Broschüre in der Rothschildschen Polemik geschrieben, 
kommt in der Schweiz deutsch und in einigen Tagen hier französisch her- 
aus.