Karl Marx an Friedrich Engels 
in Manchester 
London, Samstag, 5. August 1865 

London. 5 August 1865. 
Lieber Engels, 

My best thanks for the £50, and die Raschheit, womit die Hilfe kam. 
Ich habe mich sehr amüsirt über den Theil Deines Briefs, der v. dem 
„Kunstwerk" to be handelt. Du hast mich aber doch mißverstanden. Der 
einzige point in question, ist, ob einen Theil des Manuscripts rein schrei- 
ben u. an den Buchhändler schicken, oder erst das Ganze fertig schrei- 
ben? Ich habe das letztere vorgezogen aus vielen Gründen. Es ist damit 
keine Zeit verloren gegangen, as far als die Arbeit selbst in Betracht 
kommt, wohl aber einige Zeit für den Druck, der andrerseits aber auch, 
einmal begonnen, jetzt in keiner Weise unterbrochen werden kann. Im 
übrigen ist, den Thermometerstand betrachtet, die Sache so rasch geför- 
dert worden, als es irgend Jemand, selbst ohne alle artistische Rücksich- 
ten, möglich gewesen wäre. Da ich, besides, ein Maximumlimit v. 
60 Druckbogen habe, ist es absolut nöthig das Ganze vor mir zu haben, 
um zu wissen, wie viel zu condensiren u. streichen ist, um innerhalb der 
vorgeschriebnen Grenzen die einzelnen Theile gleichmässig u. proportio- 
neil zu haben. Sonst kannst Du Dich darauf verlassen, daß alles ge- 
schieht, um möglichst bald zu Ende zu kommen, denn das Zeug lastet auf 
mir wie ein Alp. Es hindert mich nicht nur irgend etwas andres zu thun, 
sondern ist auch damnedly lästig, wenn das Publicum mehr od. minder 
mit Zukunftslorbeerkronen (zwar nicht v. mir, aber doch v. Liebknecht 
u. andern) unterhalten wird. Und ich weiß dazu, daß die Zeit nicht immer 
so still bleiben wird wie sie grade jetzt ist.
Eichhoff hat mir ein paar Zeilen geschrieben, war aber nicht bei mir 
aus Geschäftsdrang. In seinem Brief kündigte er einen Besuch Dronke's 
an (der gestern hier war), aber in einer so confusen Weise, daß nicht aus 
dem scriptum klug zu werden. Das „Referat" hängt unserm poor Eich- 

hoff an wie seine Haut, u. wird er durch keine Operation davon zu tren- 

nen sein. 


Was sagst Du von Siebeis patriotisch-liberal-poetischen Leistungen? 
Das Zeug scheint alles im dumpfsten Katzenjammer geschrieben. Es ist 
reiner Blödsinn u. schlägt everything, was unser Freund früher geleistet 
hat. 

Der Versuch der „Socialdemocraten" sich auf die bürgerliche Seite zu
werfen, ist Zeichen vollständigsten Fiaskos, obgleich ich mit Dir die An- 
sicht theile, daß die ersten Aufrufe in Berlin nicht ohne Anstoß v. der 
ministeriellen Seite erfolgt sind. Uebrigens ist die andre Sekte der Las- 
sallianer, die in Folge unsrer Erklärung volte-face gegen den Soc.-De- 
moc. machten, auch ganz erbärmliches Gesindel. Die Kerls streiten sich
nicht nur mit B. Becker u. Consorten, wer den wahren Glauben an Las- 
salle habe, sondern verschiedne Gemeinden derselben haben die von old 
Hatzfeldt inspirirte, u. direkt auf uns gemünzte Phrase drucken lassen, 
daß jeder für einen Verräther an dem „Volk" erklärt wird, der auch nur 
ein Tüttelchen an den von Lassalle offenbarten Wahrheiten umzustossen
od. zu ändern suche. 

Liebknecht habe ich seit sehr langer Zeit, trotz verschiedner Zettel, die 
er an mich schickte, noch nicht geantwortet, was ich jedoch jetzt thun 
will. Er ist jetzt einstweilen in Hannover, seine Frau noch in Berlin. Mein 
Schweigen rührte theils daher, daß ich sehr beschäftigt u. ausserdem mit
meinen eignen troubles genug zu thun hatte. Andrerseits war ich in der 
That wüthend über ihn wegen des Blödsinns, den er über mich im Ber- 
liner Lassalleverein debütirt hatte, u. der in dem vom alten Saumensch 
durch einen gewissen Schilling (Farthing wäre der mehr passende Name)
veröffentlichten Pamphletwisch über die Ausstossung B. Bekkers aus be-
sagtem Verein zu lesen steht. Mit seinem gewöhnlichen Talent aus Faul- 
heit mit den Thatsachen unbekannt zu sein, schwatzt der Kerl den größ- 
ten Blödsinn über das Bangyamanuscript, meine Vermittlung für den 
Becker quoad Wiener „Beobachter" etc. Und ausserdem die ganze Art, . 
wie er als mein „Patron" auftritt u. mich darüber bei den Berliner Knoten
„entschuldigt", daß sie meine Arbeiten nicht kennen; überhaupt macht, 
als hätte ich bisher noch nichts in der aktiven Welt gethan. Ich ließ daher 
einige Zeit verstreichen, um ihm keine Grobheiten zu sagen u. mich dabei 
zu beruhigen, daß Liebknecht als Liebknecht functioniren muß, u. daß 
seine Intentionen „gut" sind. Die 30000 Mitglieder des Berliner „Altge-
Sellenvereins", ditto der dortige Buchdruckerverein, veranstalteten ihm 
bei seiner Ausweisung eine Art v. Ovation. Mit seinem gewöhnlichen 
Optimismus sieht Wilhelmchen „das Berliner Proletariat zu meinen 
(nämlich seinen) u. unsern (Du und ich) Füssen". Dabei hat er es nicht 
fertig gebracht für die Intern. Association auch nur eine Branche v.
6 Mann in Dtschld zu bilden, obgleich dieser Sanguiniker doch einsehn 


muß, daß ich seine delusions nicht als baare Münze bei den Engländern 
verausgaben kann. Er schrieb mir auch beständig wegen meinem ,,Buch". 
Aber so oft ich ihm „Bücher" schickte (erst sämtlichen Rest v. ,,Vogt", 
dann den sämtlichen Rest der „Communistenprocesse") auf seinen san- 
guinischsten Wunsch, u. sobald er sie erhalten, habe ich nie mehr eine 
Sterbenssilbe davon gehört.- Herr Groote, Fortschrittlerdeputirter für 
Düsseldorf, hat ihm geschrieben, daß sein Auftreten in Berlin mehr ge- 
nützt habe als das von 100 Fortschrittsdeputirten.
Edgar hat sich in der letzten Zeit eine Verkältung zugezogen, die ihm 
in die Nase gestiegen ist, die ganz Bardolphmässig in Folge dieses acci- 
dents aussieht. 
Ich habe während des warmen Wetters beständig Tag u. Nacht bei 
offnem Fenster gearbeitet. Folge: ein Rheumatismus im rechten Arm, 
speziell Schulterblatt, der sehr schmerzlich u. mir das Schreiben, nament- 
lich aber jede Hebebewegung erschwert. Wie öklich die Sache, kannst Du 
daraus sehn, daß ich instinktiv schreie, wenn ich in Ungedenken Nachts 
im Bett den Arm hebe. Weiß Gumpert irgend ein nostrum hierfür? 
Du weißt wohl, daß der würdige Gottfried Kinkel, bei dem Turnerfest 
in Paris, die ihm v. einem Juden, der präsidirte, gereichte Lorbeerkrone 
abwies mit den Worten „Ich will keine Krone, auch keine Lorbeerkrone", 
zugleich aber zufügte in ziemlich ungeschminkten Worten, daß er seine 
Ansprüche auf die Präsidentur der deutschen Republik, das „Amt", das 
ihm zukomme, noch keineswegs aufgegeben. Der „Nordstern" verhöhnte 
ihn ganz gut so wohl über dieses Melodramatische als über seinen ganzen 
speech, der grundgemein war. Das Fest begann mit Toast auf Badinguet. 
Wo ist Strohn? 
Vergiß nicht, sobald Du Lust u. Muße, etwas „Continentales" mir für 
den „Miner" zu senden. 
Besten Gruß an Dich von der ganzen family u. von mir an Mrs. Lizzy . 
Dein 
KMarx