Friedrich Engels an Karl Marx 
in London 
Manchester, Samstag, 15. Juli 1865 

15 Juli 1865. 
Lieber Mohr 

Der Liebknecht ist aus Preußen ausgewiesen, hat er Dir seitdem ge- 
schrieben & seine Adresse mitgetheilt? Der arme Teufel wird wahrschein- 

lich Geld nöthig haben, & ein paar Pfund werden ihm mehr werth sein in 
diesem Augenblick als sonst. Aber wohin schicken? 

Die Politik des Mr.Johnson gefällt mir auch immer schlechter. Der 
Niggerhaß tritt immer heftiger hervor, & gegen die alten Lords im Süden 
gibt er sich alle Macht aus den Händen. Wenn das so vorangeht sitzen in 

6 Monaten alle die alten Secessions-Spitzbuben im Congreß in Washing- 
ton. Ohne coloured suffrage ist da gar nichts zu machen, & darüber zu 
beschließen überläßt J. den Besiegten, den Ex-Sclavenhaltern. Es ist zu 
toll. Indeß muß man doch darauf rechnen daß die Sache sich anders 
entwickeln wird als die Herren Barone sich das vorstellen. Sie sind doch 

der Mehrzahl nach total ruinirt & werden froh sein Land zu verkaufen an 
Einwandrer & Speculanten aus dem Norden. Diese werden bald genug 
kommen & Manches ändern. Die mean whites, denk ich, werden allmäh- 
lig aussterben. Aus dieser Race ist nichts mehr zu machen; was nach 
2 Generationen übrig bleibt wird sich mit den Einwanderern zu einer 

ganz andren Race verschmelzen. Die niggers werden wahrscheinlich klei- 
ne squatters werden wie in Jamaica. So daß die Oligarchie doch schließ- 
lich caputt geht, aber der Prozeß könnte jetzt gleich auf ein Mal rasch 
abgemacht werden, während er sich nun in die Länge zieht. 

Ich glaube nicht daß Du Dir mit einem Federkampf gegen Mr. Weston 

viele Lorbeeren erobern würdest, & als Debut in die engl. Ökonom. Li- 
teratur wäre das gewiß nicht gut. Sonst sehe ich nicht was es viel schaden 
könnte Einzelnes vorweg zu nehmen von Deinem Buch - Nota Bene 
wenn Letzteres wirklich jetzt fertig wird - wie steht es damit? Am 1 Septbr 

war der Ultimatissimal-Termin, & es kostet 12Flaschen Wein wie Du 

weißt. 

Bei den Wahlen hier hat Jones body & soul für Heywood gearbeitet 
der aber als Teetotaller & permissive Bill-Mann bei den Arbeitern nicht 
ziehen will. Moore hat auch stark gearbeitet. An dem James werden die 
Manchester Snobs ihre Freude erleben, der Kerl willjudge werden, wei- 
ter nichts. Die Wahl kostet ihm ein schönes Geld, allein an Champagner 
den sein Comité & Consorten versoffen hatten. Talk about bribery, cor- 
ruption & treating, Kerle wie der dicke Knowles kamen zu Dutzenden ins 
Queen's Hotel wo das Hauptquartier war, fraßen sich satt, & soffen 
Champagner in Strömen, & Alles wurde abgemacht mit einem Zettelchen 
worauf ein Comitémitgl. schrieb: Gut für 2luncheons & 3 Bottles Cham- 
paign. In Lancaster haben die 3 Candidaten zusammen 20 000 £ spendirt, 

8 Tage lang war freier Soff in allen Wirthshäusern. Um 5 Uhr Nachmit- 
tags war ich hier im Queens Hotel, der feine Smoking Room sah aus wie 
die alte Bude in Windmill Street, & statt der barmaids in Atlaskleidern 
wurde man von cellar boys in weißen Hemdsärmeln & Schürzen bedient. 
Die ganze Gesellschaft war besoffen, & um halb sieben mußte der Wirth 
das Hotel von der Polizeimannschaft ausräumen lassen. Mein Dienst be- 
stand darin die Comitéleute des Hrn James bekneipt zu machen daß sie 
dienstunfähig wurden was mir auch bei Verschiedenen über Erwarten 
gelang. 

Ich habe eine sehr harte Zeit auf dem Comptoir gehabt, Charles war 
weg, Franz Ermen ditto, dazu kolossal viel Arbeit. Es geht jetzt besser. 
Ich treibe jetzt Grimms Märchen, deutsche Heldensage, altfriesisches 
Recht &sw. Sobald ich damit etwas durch bin, gehts ernsthaft ans Alt- 
nordische. Die Poesie darin ist ein harter Brocken, wegen der absichtli- 
chen Dunkelheit & der vielnamigen Mythologie, & ich sehe es ist no use 
dies so nebenbei zu treiben, ich muß einmal 4Wochen wo ich wenig zu 
thun habe, ausschließlich dran wenden. 

Viele Grüße an die Ladies. 

Dein 

Moore fragt mich wegen der Shares von der beehive wie ists damit? & 
how did you get on with Potter? |