Karl Marx an Friedrich Engels 
in Manchester 
London, Freitag, 10. Februar 1865 

I 10 Feb. 1865. 
Lieber Frederick, 

Die Sache ist gut. Alles Feilen u. Ausarbeiten, obgleich der Styl hier u. da 
zu nachlässig, wäre jetzt nonsense, da es vor allem gilt in the nick of time 

5 zu kommen, da ,,allbereits" die Lösung dieser Collision vor der Thür 
steht. 

Mein Rath also der: 
Unmittelbar das Pamphlet einschicken an Meißner in Hamburg, u. ihm 
schreiben, daß rascher Druck die Hauptsache; daß er Dir sofort anzeigen 

10 soll, ob er's nimmt (das Honorar ihm überlassend zu bestimmen), weil 
Du dann in Berliner u. Rhein. Blättern schon vorher Aufmerksamkeit 
auf die Sache lenken würdest. 

Für den Soc. Dem. die Sache viel zu lang u. „zu frech" unter den 
bestehenden Verhältnissen. Dagegen würde ich für Notizen, kurze, im 

15 Soc. Dem. (durch Eccarius), in „Düsseldorfer Zeitg" durch Siebel sorgen 
u. selbst vielleicht der „Rhein. Zeit." Notiz zuschicken, dahin lautend, 
daß da u. da Brochure v. Dir erscheint, wo Du an dieser Spezialfrage, 
neben Behandlung der purely military question, unsre Stellung Reaction 
u. Fortschrittlern u. Lassalleanern gegenüber || einfach aussprichst. 

20 Hast Du noch Zusätze zu machen, so schick nicht desto weniger die 
Sache immediately ad Meissnerem (Hamburg) u. sag ihm daß zu pagina 
so u. so (Du kannst das ja durch Zeichen andeuten) noch ein paar Zu- 
sätze nachgeschickt werden. Etwas mehr hätte des Landvolks Erwähnung 
geschehn sollen, das der deutsche Knote gar zu gern als non-existent 

25 betrachtet. Nach Strohn's letztem Brief ist dieser wahrscheinlich wieder 
fort aus Hamburg, so daß die Sache nicht an ihn geschickt werden kann, 
sondern direkt an M. muß. 

Es bläst in Berlin ein übler Versöhnungswind, dießmal von russischer 
Seite angefacht, auch durch den schlechten Fortgang des Geschäfts mit 

30 Oestreich verstärkt. Die Petersburger Zeitung rath die Budgetfeststellung 

u. die zweijährige Dienstzeit der Kammer unbedingt zuzugestehn. Sie sagt 

225 

u.a.: „Die Gegenwart scheint uns wenn nicht beunruhigend, so doch 
ernst, u. wenn nicht ganz besonders günstige Umstände eintreten, so 
bleibt zu fürchten, daß die Zukunft trübe werden wird. In Zeiten der Noth 

u. Gefahr aber, das hat die Geschichte sattsam erwiesen, genügt eine 35 
strenge Disciplinirung v. Heer u. Beamten nur selten. Es beruht dann, wie 
im Allgemeinen immer, die wirkliche Macht des Staates bei weitem mehr 
auf der Einigkeit v. Regierung u. Volk. Obgleich wir nun die versöhnliche 
Form, in welcher die Regierung der Landesvertretung bei der dießjähri- 
gen Session entgegen kam, nicht unterschätzen, so können wir doch in 40 
Rücksicht auf das Gesagte den Wunsch nicht unterdrücken, daß diese 
Versöhnlichkeit auch in der That Platz greifen möge." Es scheint, die 
Moskowiter || brauchen ihre Preussen für die in der Moskauer Zeitung 
angekündigte, bevorstehende Schwenkung gegen Galizien - Oestreich. In 
derselben Mosk. Zeitung heißt es, mit dieser letzten Unterwerfung Po- 45 
lens, wo man aber die Mourawieffsche Politik schonungslos fortsetzen 
müsse, sei „ein Loch in das Herz Dtschds geöffnet". Unsre guten „Fort- 
schrittler" u. nicht minder guten „Lassalleaner" verschlafen all das. 

Einliegend Brief v. Schily. 

Zu des Moses grosser Qual macht die „Internat. Assoc." grosses Auf- 50 
sehen unter den Arbeitern in Paris. In Folge der Mosesschen Dummheit 
ist Tolaine abgetreten (wir haben seine Demission formell nicht acceptirt). 
H. Lefort (Redacteur des Avenir etc.), der auch im Redactionscomite der 
„Association" hat auf sein Verlangen seine Bestallung als literary defen- 
der (Attorney General) unsrer Association in Paris erhalten. Letztre ist 55 
bereits angegriffen v. Horn (ein Paragraph der Statuten). Dieser Jud 
Horn wird bald merken, daß es ausser Moses Hess noch andre Deutsche 
giebt. Fribourg hat für uns bureau de renseignement eröffnet; cards of 
membership sind ihm vorgestern zugeschickt worden. 

In der Vorbereitungssitzung für Poln. Meeting hab ich denn auch old 60 
Oborski wieder gesehn, der Dich nicht grüssen läßt. 

Salut 
Dein K. M. | 

I à Propos. Der Umstand, daß Lincoln uns so höflich u. der Bourgeois 
„Emancipation Society" so grob u. rein formell geantwortet, hat die 65 
Daily News so entrüstet, daß sie die Antwort an uns nicht abdruckte. Da 
sie aber zu ihrem Kummer sah, daß die Times es that, mußte sie es 
nachträglich im Express bringen. Auch Levy hat in den sauren Apfel 
beissen müssen. Der Unterschied zwischen der L'schen Antwort an uns 

u. an die Bourgeois hat hier solches Spectakel gemacht, daß die „Clubs" 70 
im Westend darüber den Kopf schüttelten. Du begreifst wie wohl das 
unsern Leuten thut. I 

226 

125