Friedrich Engels an Karl Marx 
in London 
Manchester, Sonntag, 5. Februar 1865 

I Mornington St. 5 Febr 1865 
Lieber Mohr 

vollkommen einverstanden wegen der Erklärung. Aber Du mußt sie 
selbst machen, sonst komm ich mit dem Milit. Artikel nicht durch. Das 
Ding wird fürchte ich so lang daß es nur als Brochure geht, I & II sind 
fertig (bis auf Revision) III noch nicht. Ich habe viel Störung gehabt, 
Blank war hier &c &c. Also mach die Erklärung. Zu dem Ausnahmsge- 
setz gehört auch die Beschränkung des Vereins- & Versammlungsrechts, 
die ganze Gesetzgebung über Wanderbücher, & endlich Art. 100 des Straf- 
gesetzbuchs: Aufreizung der Staatsangehörigen zum Haß & zur Verach- 
tung (auch ein napoleonisches Erbstück). Dann, wenn es hereinzubringen 
ist, eine Andeutung daß in einem vorwiegend Ackerbauland wie Preußen 
es eine Gemeinheit ist, im Namen des industr. Proletariats über die Bour- 
geoisie ausschließlich herzufallen, daneben aber der patriarchalischen 
Prügelexploitation des Landprolet'' durch den großen Feudaladel mit 
keinem Wort zu gedenken. Über die Militärfrage wäre weniger nöthig zu 
sprechen, aber die Budgetfrage wäre hervorzuheben: was nützt den Ar- 
beitern ein durch allg. Stimmrecht gewähltes Parlament wenn es so ohn- 
mächtig ist wie Bismarck das jetzige Bürgerparlament machen will- des- 
sen Erbe es doch wäre? & wenn es nicht einmal neue Steuern verweigern 

kann? 

Das sind so meine Ideen ad hoc. Also los damit & schick mir das Ding 
gleich. 

Meißner. So far, so good. Du müßtest natürlich selbst hingehn. Conto 
a meta hat seine Vorzüge, || wenn Du Dir contractlich Einsicht der Bücher 
& Belege vorbehältst & wenn M. einen % des von Dir sonst beanspruch- 
ten Honorars gleichkommenden Vorschuß zinsenfrei machen will. Aus 
dem Brief Strohns scheint hervorzugehn daß M. would rather not part 
with any money if he could help it. Jedenfalls mußt Du selbst mit dem 
Mscr. hin & abschließen. 

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113. Engels an Marx + 5. Februar 1865 

Mach jetzt übrigens rasch voran. Die Zeiten sind dem Buch sehr gün- 
stig, & unsre Namen wieder in achtunggebietender Weise vor dem Pu- 
blikum. Du weißt welche Verschleppung im Druck in Deutschland Mode 
ist. Versäume also den Moment nicht, es kann einen kolossalen Unter- 

35 schied in der Wirkung machen. 

Siebold. Ich habe es Dir vorhergesagt, daß auf diese Art Burschen kein 
Verlaß ist, & war von vorn herein überzeugt, daß er in London zu Blind 
gehen würde. Die Vermuthung von aufgeschnappten Glossen ad portam 
Gumperti ist dazu ganz unnöthig. Der Kerl hat's immer so gemacht & 

40 wirds immer so machen. Aber gut daß wir ihn „allbereits" unter Con- 
trolle haben. 

Der Lassalle-Verein, geht mir aus Siebeis Brief hervor, den ich hier 
behalte, wird sehr bald an Spitzbübereien & Unterschleifen der Beamten 
caput gehn, & sehr gut ist es, daß es „so geworden wird". Das Übrige 

45 dazu thut das alte Saumensch mit ihren Klüngeleien. Je weniger wir uns 
um den Dreck kümmern, je besser. Let it rot and be dam'd to it. 

Das Sozialdemokrätchen wird mir alle Tage widerlicher. Diese Scheiße 
Heß der sich uns gegenüber als wirklicher geheimer Lassallescher Ange- 
stellter II mit einer Protectormiene gerirt; die tiefsinnig beschissenen Ar- 

50 tikel des Herrn Schweizer über Encyklika & Bismark, die mit Allem 
Schund kokettiren & bloß auf die Bürger schimpfen, die totale Abmat- 
tung & Talentlosigkeit & selbst Abwesenheit alles gesunden Menschen- 
verstandes mit Ausnahme von ein paar Sachen, das Alles ist etwas zu viel 
für mich. Dreimal in der Woche Lassalle-Cultus, das halt der Teufel aus, 

55 & es ist gut daß die Krisis kommt. Ich werd's den Herren auch in meinem 
nächsten Brief sagen, hab' bis jetzt nur keine Gelegenheit gehabt. Apro- 
pos, unter welcher Adresse schreibst Du an Liebknecht? Ich möchte ihm 
doch auch von Zeit zu Zeit was aufs Dach geben resp. ihn encouragiren 
sil y a lieu. 

60 Jetzt muß ich schließen, beste Grüße & schick die Erklärung gleich. 
Den Artikel hab' ich bis Mittwoch oder Donnerstag fertig. 

Dein 
F. E. 

Meinen Schwager suchte ich über Siebel auszupumpen, konnte aber 
65 nichts erfahren als daß er „immer besoffen" sei, mit Schauspielerinnen 
herumliefe, & seine Frau sich von ihm scheiden lassen wolle. 

My best compliments to the ladies. | 

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