Friedrich Engels an Karl Marx
in London
Manchester, Dienstag, 17. Februar 1863
(Schluß fehlt)


I Manchester 17 Febr 1863
Lieber Mohr
Du mußt mein langes Schweigen entschuldigen. Ich war in einem sehr
öden Zustand, aus dem ich mich endlich herausarbeiten mußte. Ich ver-

suchte slavische Sprachen, aber die Einsamkeit war mir unerträglich. Ich
mußte mich gewaltsam zerstreuen. Das half, ich bin jetzt wieder der alte
Kerl.

Die Polen sind ganz famose Burschen. Wenn sie sich noch halten bis
zum 15. März, so gehts in ganz Rußland los. Im Anfang hatte ich hölli-

sehe Angst die Sache müsse schief gehn. Jetzt aber sind die Chancen des
Siegs denen der Niederlage fast schon überlegen. Es ist nicht zu vergessen
daß die polnische jüngere Emigration eine eigne Militärliteratur hat, in
der alle Punkte mit specieller Berücksichtigung der poln. Verhältnisse
behandelt sind, & daß in dieser die Idee des Guerillakriegs in Polen eine

sehr bedeutende Rolle spielt & sehr ausführlich behandelt ist. Eigen ist
auch daß die beiden einzigen bis jetzt genannten Chefs ein Warschauer
Jude Frankowski & ein preußischer Lieutenant Langiewicz sind. Die
Herren Russen müssen bei dem Guerillakrieg bei ihrer Unbehülflichkeit
schrecklich leiden.

Hast Du gesehn daß Bakunin & Mieroslawski sich gegenseitig Lügner
schimpfen & über die russ.-polnischen Gränzen sich in den Haaren lie-
gen? Den Kolokol habe ich mir bestellt, & denke Näheres darüber drin
zu finden. Übrigens werde ich schwer ochsen müssen ehe ich mich wieder
hineinarbeite.

Niederträchtig wie immer benehmen sich die Preußen. Monsieur Bis-
marck weiß daß es ihm an den Kragen geht wenn Polen & Rußland
revolutionirt werden. Mit der || preuß. Intervention hat es übrigens keine
Eile. Solange sie nicht nöthig ist werden die Russen sie nicht zulassen, &
wenn sie nöthig wird, hüten sich die Preußen zu kommen.

Geht die Sache in Polen schief, so stehen uns wahrscheinlich ein paar
acute Reactionsjahre bevor, denn dann würde der npaBOCJiaBHtiii !!,apt


wieder Chef einer heiligen Allianz werden die den Monsieur Bonaparte
wieder bei den dummen Crapauds als großen Liberalen & Nationalen
erscheinen ließe. Wie komisch ist es übrigens daß jetzt die ganze engl.
Bourgeoisie über den Boustrapa herfällt, seit Kinglake einen kleinen &
halbverdauten & halbgehörten Theil des Klatsches über ihn & sein lot
veröffentlicht hat, den man uns seit 10 Jahren nicht glauben wollte! Die
Enthüllungsliteratur über den pariser Hof kommt wieder in Aufnahme,

& Herr Tom Taylor, im Guardian, macht sich wichtig mit all den Sachen
über die Solms, Bonap., Wyse, die Jeckergeschichte &c, die wir seit Jahr
& Tag viel genauer wissen. Nur Eins ist interessant: Jecker hat Geld
geschafft schon zum Straßburger oder Boulogner Complott, zu welchem,
weiß T. nicht. Daher also der Zusammenhang.

Im Yankeeland siehts faul aus. Zwar sind, mit der gewöhnlichen Ironie
der Weltgeschichte, gegenüber dem Philister, die Demokraten jetzt die
war-party geworden, & der bankrutte Poetaster Ch. Mackay hat sich
wieder gründlich blamirt. Auch || höre ich durch Privatquellen aus
NYork daß die Rüstungen des Nordens auf bisher unerhörtem Fuß fort-
gesetzt werden. Aber andrerseits mehren sich die Zeichen moralischer
Erschlaffung täglich, & die Unfähigkeit zu siegen wird täglich größer. Wo
ist die Partei, deren Sieg & avenement gleichbedeutend wäre mit Verfol-
gung des Kriegs a outrance & mit jedem Mittel? Das Volk ist beschissen,
das ist das Pech, & es ist ein Glück daß ein Friede eine physische Un-
möglichkeit ist, sonst hätten sie längst einen gemacht um nur wieder dem
almighty dollar leben zu können.

Ein Conföderirter Major der in Lee's Stabe die Gefechte bei Richmond
mitmachte, sagte mir dieser Tage, daß die rebels, nach Papieren die Lee
selbst ihm vorgelegt, am Ende dieser Gefechte nicht weniger als
40 000 Stragglers hatten! Er sprach namentlich von den westlichen Re-
gimentern der Federais mit großem Respect, ist aber im Übrigen ein
Esel. I