Karl Marx an Carl Siebel 
in Barmen 


Berlin, Donnerstag, 28. Marz 1861 


128 Marz. 1861. 
Ad. (Brief an mich unter Couvert zu 
legen) 13, Bellevuestrasse, 
Berlin. Dr F. Lassalle. 
Lieber Siebel, 


Das Geheimniß meiner Reise, das Dich gewissermassen will have puz- 
zled, ist folgendes: 

In Folge der amerikanischen Crise wurde die Cyclopädia Americana, 
an der ich Mitarbeiter war, ganz suspendirt; ditto meine Mitarbeit an der 

Tribune, meiner Hauptresource, bis Ende April suspendirt u. v. April an 

für die nächste Zukunft ausser mir haben sie alle europäische Corre- 
spondenz provisorisch abgeschafft) auf die Halfte hinabgesezt. Kam hie- 
zu doppeltes Unglück: „Herr Vogt", der mich, nebst Process etc an 
100 £.St. kostete, u. das furchtbare Malheur, daß meine Frau (obgleich 
2mal geimpft) die Pocken bekam, während welcher zweimonatlichen 
Krankheit ich doppelte Haushaltung führen mußte, indem die Kinder 
nicht im Haus bleiben konnten. | 

I Also nöthig mich nach andren Ressourcen umzusehn. Hier war mir 
schon v. Parteifreunden Stiftung einer Zeitung für Herbst angetragen. 
Dieß Grund warum ich hier. Näheres nächstens. 

Unterdeß bin ich hier (wo ich nicht mehr lang bleiben werde) in Ver- 
legenheit gerathen. Wenn Du mir 100-150 Th. leihen kannst, verpflichtest 
Du mich. 

Unter allen Umständen, will ich Dich, auch des Zeitungsprojects 
(20 000 Th. sind dafür ready) wegen vor meiner Rückreise nach England 
sehn. Schreib mir also dito unter allen Umständen, in welchem Lokal in 
Elberfeld ich für 24 Stunden am besten absteige. 

Dein 
K. MarxI 


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