Friedrich Engels an Karl Marx 
in London 
Manchester, Samstag, 15. September 1860 

I Mehr 15 Septbr 1860 
Lieber Mohr 

Inl. die Juristerei zurück. Morgen folgt der Brief von Jacob Wieselthier 
und der Eichhoff den Gumpert noch liest. Der Brief unsres Wieselthiers 
hat mich sehr erheitert oder vielmehr meine Lippe zum Lächeln gewölbt, 
das ist immer eine famose Medizin für Deine Leber. Die Sachen über die 
pr Regierung sind ganz interessant aber am Besten ist daß der Kerl die 
Vorstellung hat, jetzt würden wir ihm doch wohl in der ital. Frage Recht 
geben!!! Jetzt, wo Cavour durch die revol. Partei in Italien selbst direct 
angegriffen & bedroht wird. Das ist naiv. Jetzt, wo Garibaldi den Bo- 
naparte in Rom angreifen wird, sollen wir zugeben, daß wir im Frühjahr 
d.J. hätten mit Cavour & Bonap. gehn sollen & - qui sait? - jetzt noch 
vielleicht mit ihnen gehn! Über die Gegenwart ist Herr Wieselthier frei- 
lich sehr zurückhaltend. 

Der Druck Deiner Broschüre in London muß unter allen Umständen 
vermieden werden. Ich habe gleich noch einmal an Siebel geschrieben. 
Erstens würde die Geschichte gleich, vielleicht schon an der Gränze oder 
in Leipzig confiscirt, & zweitens wenn dies auch nicht geschähe, so würde 
die Verbreitung auch wieder so hundemäßig schlecht ausfallen, daß Nie- 
mand das Ding zu sehn bekäme. Wir haben die Erfahrung mit der Emi- 
grationsliteratur nun schon hundertmal gemacht, immer dieselbe Effect- 
losigkeit, stets Geld & Arbeit in den Dreck geworfen & den Ärger dazu. 
Dazu wo soll das Geld alle herkommen? Nach Deinem Briefmüssen über 
£ 50-60.- dazu nöthig sein, & Lassalle schafft die 30 £ sicher nicht. Üb- 
rigens muß das Ding auch so gehalten daß es in Dtschl. gedruckt werden 
& circuliren kann, was kann uns eine Antwort an Vogt )| nützen die Nie- 
mand zu sehen bekommt? Auch sehe ich absolut nicht ein warum hier 
confiscirlicher Inhalt nöthig sein soll. Selbst mit den jetzigen Preßzustän- 
den kannst Du immer soviel sagen, daß die Preußen sich todtärgern & 
das ist doch immer besser als eine Satisfaction in partibus, die nicht ins 
Publikum dringt & die Du Dir sozusagen bloß privatim machst. 

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Vor c' 3 Wochen schrieb ich einen Art. an die Allgemeine Militär-Zeitg 
in Darmstadt über das Riflemovement, & sagte den Kerls im Begleitbrief 
daß ich in Baden die Campagne auf Seiten der Insurgenten mitgemacht, 
weil ich bei diesen offiziellen Militärs nicht under false colors segeln durf- 
te. Sie haben den Art aber richtig abgedruckt, & er ist jetzt auch hier 
englisch erschienen. Ich schicke ihn Dir womöglich noch heut Abend, ich 
brauche ihn nicht zurück, da ich mein eignes Exemplar in 8 Tagen be- 
kommen werde. Diese Verbindung ist mir für militärische Sachen sehr 
viel werth. 

Die Geschichte mit der heil. Allianz ist sehr fatal, & hilft dem Bonap. 
in Frankreich enorm. Der Zwischenfall mit Garibaldi ist die einzige Ret- 
tung. Indeß bin ich begierig was das liberale Philisterium in Preußen dazu 
sagen wird daß es wieder unter Rußland kommt. Solche Saublätter üb- 
rigens wie die Berliner gibts auf der Welt nicht, sie scheinen auch dem 
Wieselthier zuletzt zu arg geworden zu sein. Ich sage Dir es ist unmöglich 
die National-; & Volksztg auch nur in die Hand zu nehmen, die lang- 
weilige Kohlerei & klugschisserige Fadaise stinkt Einem schon 
1000 Schritt weit entgegen. 

Auch Herr Miquel hat auf dem Nat. Verein gepaukt in ächter natio- 
nalvereinlicher Weisheit. Heinrich aber hat endlich seinen Standpunkt 
gefunden. 

Grüße Deine Frau & Kinder 

Dein 

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