Karl Marx an Johann Philipp Becker 
in Genf 
London, Samstag, 23. Juni 1860 

I 23 Juni 1860 
Lieber Becker, 

Wollen Sie so gut sein, einliegenden Brief an Lommel zu besorgen? Ich 
schicke selben durch Sie, weil ich in Genf nur Lommel's Adresse habe, 
die nicht mehr sicher zu sein scheint. Wenigstens erwähnt L. in seinen 
lezten Briefen weder der von mir versandten Briefe noch antwortet er auf 
Anfrage wegen Ausbleibens (wochenlangens) eines mir angekündigten 
Pakets. 

Grüssen Sie Schily bestens von mir. Den Brief des Ranickel's an ihn 
bitte ich mir möglichst bald zugehn zu lassen. 

Ich bin erst seit ein paar Tagen wieder arbeitsfähig u. immer noch 
gewissermassen Reconvalescent. 

Die Herausgeber der Anfang Juli zu Berlin erscheinenden „Deutschen 
Zeitung" haben sich durch eine dritte Person an mich gewandt um Mit- 
arbeit. Ich habe noch nicht definitiv )| mich erklärt. Ich verlange erst 
nähere Details über das Personal u. die Tendenz des neuen Instituts. 
Doch scheint es mir nach den bisher veröffentlichten Zeitungsannoncen 
„nationalvereinlich" zu sein u., wie ein Freund mir aus Berlin schreibt, 
wäre es thunlich von aussen stark auf seine Richtung zu wirken. 

Schreiben Sie mir, ob Sie u. Schily eine gemeinsame Correspondenz für 
das Blatt, das fonds zu haben scheint, übernehmen würden, falls eine 
Aufforderung in diesem Sinn Ihnen von Berlin direkt od. via London 
zugehn sollte? Ich bitte hierüber umgehend Antwort, weil ich natürlich 
nur dann in diesem Sinn in Berlin Andeutungen machen würde, wenn die 
Annahme zu Paris im voraus gewiß wäre. 

About's Pamphlet hat das Verdienst, daß die gothaischen Redensarten 
hier officiel für den Bonapartismus vindicirt werden. 

Sasonoff habe ich nicht hier gesehn. 

I Den Brief an Lommel bitte ich möglichst bald zu expediren. |