Friedrich Engels an Ferdinand Lassalle 
in Berlin 
Manchester, Donnerstag, 15. März 1860 

I Manchester. 15 Febr 1860 
Lieber Lassalle 

Meinen besten Dank für Ihre Bemühungen mit Duncker wegen meiner 
Broschüre. Auf das Arrangement mich zu nennen wäre ich eingegangen, 
hätte nicht inzwischen ein andrer Verleger schon acceptirt gehabt (das 
Ding wird bei Ankunft dieses wohl schon heraus sein) & läge mir nicht 
dran dem „Verfasser von Po & Rhein" erst eine Position in der milit. 
Literatur zu machen eh er als Civilist offiziell (d. h. auf dem Titel) vor die 
Lieutenants tritt. Ihr Argument daß Sie uns ganz sicher überzeugen wür- 

10 den & deßwegen es in unsrem Interesse halten, nicht mit Namen in unsrer 

bisherigen Auffassung der ital. Geschichten compromittirt zu sein, hat 
subjectiv gewiß entscheidenden Werth, wie wir Sie denn auch versichern 
können daß wir ebenso sicher sind, Sie zu überzeugen, um so mehr als 
unsre Auffassung auf genauem Studium eines diplomatischen Materials 
beruht, das in London wenigstens in einzelnen Punkten ziemlich voll- 
ständig, in Berlin aber sicher nicht dem Publikum benutzbar ist (& groß- 
entheils in Berlin überhaupt nicht existirt). 

Marx hat Ihren Brief vorgestern erhalten & wird antworten, einstwei- 
len erfolgt hierbei der früher vergessene Ritter vom edelmüthigen Be- 
wußtsein. 

Apropos. Vor einigen Tagen erhalten wir einen Brief von Nothjung. 
Dieser arme Teufel ist nach seiner Freilassung „wegen langjähriger Ab- 
wesenheit" (!!!) seines Heimathsrechts in Mülheim verlustig erklärt & ihm 
verboten worden sich innerhalb fünf Meilen von Köln sehen zu lassen. Er 
ist in Breslau Photograph geworden & hat dort mit vieler Mühe das 
Einwohnerrecht erhalten. Nun soll er Einzugsgeld, Hausstandsgeld & 
noch x andre nur in preußischen Wörterbüchern vorkommende Ge- 
schichten bezahlen. Daß der arme Bursche nach dem || langen Arrest, der 
ihn noch dazu heimathlos gemacht hat (in welchem Lande kommen sol- 
che Geschichten vor!) nicht im Stande dazu ist können Sie sich denken, & 
bei den heitren Gesetzen die dort noch herrschen kann er nicht existiren 

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ohne all diesen Kram abzumachen. Wäre es nicht möglich dort etwas für 
ihn zu thun? Vor 1848 waren solche Dinge in der Rheinprovinz unerhört, 
& selbst die Bourgeois die geholfen haben uns solche Schandgesetze auf- 
zuoctroyiren sind verpflichtet einem solchen armen Teufel zu helfen. Hei- 
mathlos wegen langjähriger Abwesenheit aufeiner preußischen Festung - 
das soll man einem Engländer erzählen! Seine Adresse ist P. Nothjung, 
Photograph, Zwingergasse N° 7, in der Badeanstalt. Bei Ihren Verbin- 
dungen in Breslau wird es Ihnen ein Leichtes sein, etwas für ihn zu thun. 
Übrigens hat sich unser Exschneider auf der Festungsuniversität ganz 
nett herausgebildet wie es scheint, & schreibt ganz civilisirt. 
Ich schreibe jetzt Kleinigkeiten über die neue preuß. Militärorganisa- 

tion, & habe sie Duncker offerirt. 

Tout a vous 

F. Engels. 

Daß ichs nicht vergesse: dem rothen Wolff hat Marx geschrieben, wir 
haben aber seit Jahren Nichts von ihm gehört. Inzwischen hat Vogt wie- 
der mit dem homme entretenu & swindler Klapka einmal bei Plonplon 
dinirt. 

Ich öffne den Brief wieder den ich schon ohne den „Ritter" geschlossen 
hatte um Ihnen zu sagen daß wir das einzige hier in Mehr noch an- 
wesende Exemplar des Dings nicht finden können, es muß von Jemand 
geschossen sein. Marx hat noch welche in London, & schreibt daß uns 
sofort welche hergeschickt werden, worauf wir Ihnen gleich eins zusen- 
den. I 

I Einen großen Gefallen würden Sie mir thun wenn Sie mir p. Post 
umgehend & unfrankirt einige Nr. der Volksztg & Nationalztg worin die 
Heeresverfassung besprochen sowie auch 1 oder 2 dort erschienene kleine 
Brochiiren tiber den Gegenstand - Alles in Ein Kreuzband gethan - zu- 
schicken wollten. Bis ich die Sachen herbekomme, dauert sonst eine 
Ewigkeit, & die Zeitungen sehe ich sonst gar nicht. | 

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