Friedrich Engels an Karl Marx 
in London 
Manchester, Dienstag, 31. Januar 1860 

I Manchester 31 Jan 60 
Lieber Mohr 

Ich denke morgen an Ephraim Gescheit zu schreiben, dies diplomatische 
Sendschreiben darf nicht unüberlegt fortgeschickt werden. Seit ein paar 
Tagen geht mir eine Art Fortsetzung von Po & Rhein durch den Kopf, 
„Savoyen, Nizza & der Rhein", ich habe fest vor dies Ding Duncker 
anbieten zu lassen, es wird nicht über 2 Bogen stark, & es böte einen 
guten Vorwand zum Anknüpfen mit Ephraim. Jedenfalls schreibe ich das 
Ding im Laufe der nächsten 8 Tage & schicke dann sofort das Ms. nach 
Berlin. Außer ein paar Geschichten über die französische Revolutions 
Campagnen in Nizza & Savoyen ist Nichts vorzuarbeiten, es macht sich 
also rasch. 

Daß Herr Vogt gehörig gedeckelt werden muß versteht sich, es ist aber 
schwer irgend etwas zu sagen ehe wir wissen was der Kerl hat drucken 
lassen. Jedenfalls ist Fischel ebenso benutzbar wie ein Anderer, wenn er 
wirklich Verbindungen hat. Jüdel Braun wird jetzt auch einsehn daß Dei- 
ne Erkl. & der ganze Krawall zwischen Vogt & der A.A.Z. doch eine 
ganz andre Bedeutung hat als der Berliner Philister sich im Anfang ein- 
bildete. Wie die Sachen stehn müssen wir uns all diese Verbindungen 
offen halten, & die Conspiration de silence & andre Intriguen, über die 
man vor der Hand ein Auge zudrücken muß, entbinden uns nachher v. 
jeder Verbindlichkeit sobald es nöthig werden sollte aus wirkl. politischen 
Gründen in einer Zeit der Entscheidung zu brechen. | 

I Wegen der Chancen neuer Krawalle ganz Deiner Ansicht. Ich glaube 
aber daß um uns trotz Vogt & Consorten beim Publikum auf den Beinen 
zu halten, es nöthig ist daß wir wissenschaftlich auftreten. Die Emigra- 
tionspresse zu organisiren dazu fehlt's uns an Geld; & wir haben mehr als 
einmal gesehn daß ein Emigrationsblatt oder in Lond. gedruckte deut- 
sche Brochüren nur dann sich ein Publikum erzwingen (in Dschl) wenn 
man das Ding ein Jahr lang mindestens im Gang halten kann. Direct 
politisch & polemisch in Dtschl selbst im Sinn unsrer Partei auftreten, ist 

180 

to 

rein unmöglich. Also, was bleibt? Entweder das Maul halten, oder efforts 
machen die nur der Emigration & den amerik. Deutschen, aber nirgends 
in Deutschland bekannt werden, oder aber, in der Weise fortfahren wie 
Du in Deinem 1 Heft & ich in Po & Rh. angefangen. Dies halte ich 
zunächst für die Hauptsache, & wenn das geschieht so mag Vogt nur 
schreien, & wir werden dann auch bald wieder so viel footing haben daß 
wir in der deutschen Presse hie & da die nöthigen persönl. Erklärungen 
(whenever required) erlassen können. Das baldige Erscheinen Deines 
2 Hefts ist dabei natürlich bei Weitem das Wichtigste, & ich hoffe daß Du 
Dich durch die Vogtsche Historie nicht wirst abhalten lassen daran fort- 
zuarbeiten. Sei endlich einmal etwas weniger gewissenhaft Deinen eignen 
Sachen gegenüber, es ist immer noch viel zu gut für das Lausepublikum. 
Daß das Ding geschrieben wird & erscheint || ist die Hauptsache, die 
Schwächen die Dir auffallen, finden die Esel doch nicht heraus; & wenn 
bewegte Zeiten eintreten, was hast Du davon daß das ganze Ding unter- 
brochen wird eh Du noch mit dem Kapital im Allgemeinen fertig wirst? 
Ich weiß sehr gut alle die andern Störungen die dazwischen kommen, ich 
weiß aber auch daß die Hauptverzögerung immer in Deinen eignen Scru- 
peln liegt. Am Ende ists doch besser daß das Ding erscheint als daß es 
aus dergleichen Bedenken gar nicht erscheint. 

Hr Orges hat eine pur persönl. Erklärung erlassen woraus man erfährt 
wer dieser Kauz ist. Ursprüngl. preußischer Leutnant der Artillerie in 
Berlin auf der Kriegsschule 1845-48, studirte & promovirte gleichzeitig, 
trat 1848 im März aus (sein Abschiedsgesuch datirt 19 März 48) & ging 
nach Schleswig Holstein zur Artillerie, 1850 auf ein Handelsschiff wo er 
„diente" & eine Reise um die Welt machte, 1851 zur Ausstellung in Lon- 
don, über die er für die A. A. Z. rapportirte, war damals mit Schimmel- 
pfennig, Willich, Techow etc zusammen, & übernahm später das milit. 
Dept. bei der A.A. Z. Der Kerl hatjedenfalls am meisten Zeug bei dem 
Blatt & hat es wieder auf den Strumpf gebracht. Die Leitartikel die ich 
Heilbronner zuschrieb, sind alle von ihm. Trotzdem werd' ich noch ganz 
gut mit ihm fertig. 

Die Knoten Einladung kommt ganz gelegen. Ich hoffe Du läßt Dich 
aber natürlich auf weiter nichts ein, dies Terrain kennen wir doch zu gut, 
& glücklicher Weise wohnst Du weit ab. 

Viele Grüße. 
Dein 
F. E. 

181 

Die Preußen haben bei meinem Alten für Th. 1005, 20, 6 Pfennige Be- 70 
schlag auf mein Vermögen legen wollen, weil ich Landwehrdeserteur sei. 
Mein Alter hat ihnen gesagt er habe kein Vermögen von mir in Händen, 
wobei sie sich beruhigt. Am 18' Febr. werd' ich verdonnert. | 

182 

106