Friedrich Engels
Panslawismus

[il] Panslavismus.

I Allgemeine Einleitung. Romanen, Germanen, Slaven. 2000jähriger
Kampf der ersten 2, beseitigt durch Civilisation, Revolution & Unmöglichkeit dauernder Herrschaft Eines Stammes über die andern. Eintritt

5 der Slaven als der dritten großen Race, reklamiren aber nicht allein
Gleichberechtigung sondern Herrschaft über Europa.

II. Die Slaven. 80 000 000: I. Südostslaven, Großrussen, Kleinrussen,
Weißrussen; Bulgaren, Serben, Slovenen. II. Nordwestslayen Czechen
(Slovaken) Polen, Sorben. - Geographische Zertheilung & Schwächung

10 durch den deutsch-magyarisch-rumänischen Keil der Donau entlang bis
zum schwarz. Meer; ferner die Zerrüttung der Oder- & Weichselgränze
durch Germanen, der Ostseeküste durch finnische, litthauische &
schwedische Striche. Petersburg fast der einzige Punkt wo slavische Sprache die Ostsee wirklich berührt.

15 III. Geschichte des Panslavismus. Dobrovsky, Kollar, Klagende Epoche, Predigen des geistigen Erwachens & der geistigen Einigung.
Gleichzeitig russische Kriegsdrohungen & Intriguen. Entstehen der wissenschaftlichen Slavistik. Schafarik, Vuk St. Karadzic, Metelko, Kopitar;
in Rußland Vostokow. Polnische Literatur 18 & 19 Jahrhundert, rus-

20 sische Derjavin & Puschkin; böhmische & serbische Volkslieder. Zweite
Epoche*):

*) Polemik gegen die deutsche Sprache in Böhmen etc. gegen
ungarische in Ungarn. Kaiser Josephs östreichische Regierung die die
deutsche Sprache herrschend erhielt, & der ungarische Reichstag. Ab-

25 Schaffung der lateinischen Sprache & Einführung der magyarischen. Also
Kampf gegen Deutsch & Magyarisch. Hier Ostreich zuerst Centrum des
Panslavismus.

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Deutschenhaß während Deutschland sich theoretisch für die Slaven
interessirt - Vuk & die serbischen Pfaffen mit direkter entweder unbewußter oder bewußter Anlehnung an Rußland. Ideenverwirrung entsprechend dem reactionären altdeutsch liberalen Gewirr in Deutschland
1810-1825. Die Böhmen Centrum & Südslayen. Polen direct antipans- 5
lavistisch.

IV. Epoche: Scheidung der Parteien: 1) reaktionär, direct russischer
Panslavismus, meist v. russischen Agenten unterhalten. Gurovski; 2) liberaler, republikanischer, sozialistischer Panslavismus, mit allen modernen europäischen Phrasen verbrämt, scheinbar fraternisirend mit dem 10
Westen, in der Wirklichkeit seine Leichtgläubigkeit exploitirend. Die Russen Centrum in dieser Epoche, der ganze Panslavismus erhält russischen
Charakter. Deutschenhaß bleibt. Bakunin, Golovin, Herzen. Die polnische Emigration hineinverstrickt - ebenso leichtgläubig & unwissend.
Die slavische Staatenföderation offen proclamirt, die Reunionskammern 15
offen thätig, Constantinopel, Ungarn, ganz Europa östlich v. Elbe &
Böhmerwald & Isonzo direct oder versteckt reclamirt. In der That aber
slavische Nationalität überall auf der Gränzlinie mit Deutschland &
fast überall in ganz Ungarn am Zurückdringen (dies hier erst anzudeuten). 20

V. 1848. Slavencongreß, Allgemeine Reaction der Slaven gegen die
Revolution in Deutschland, Ungarn & Italien.

VI Theoretische Begründung des Panslavismus I. Das alte Europa &
das junge Rußland. II. Die sozialistischen Institutionen Rußlands. Ad I:
Die theoretische Begründung erst möglich als die Bewegung ganz in den 25
Händen der Russen, der erobernden. Die andern Slaven fast so alt wie
Europa. Diese ganze Regeneration Idee v. Schlözer; die französische
Revolution bewies ihre Nullität. Jetzt taucht sie in den Perioden des Waffenstillstands & der Ermattung auf grade wie die orientalische Frage.
Dies Argument nützt zumeist den reactionären Russen, aber die liberalen 30
sozialdemokratischen Russen halten es auch fest & schwatzen es sogar
aus. Daß sie im Westen Alliirte finden beweist, welcher Dummheit die
Demokratie fähig. - Ad 2: Aus Haxthausen gestohlen, der sehr gut den
Unterschied zwischen dem Bauerncommunismus der Russen & dem revolutionären Communismus des Westens kannte. Gemeinbesitz der waste 35
lands ist die russische Realität voilà tout. Auch dies Argument nur für die
Reactionäre, nicht die Sozialdemokraten, aber diese kommen nun auch
damit & basiren darauf das Recht Rußlands Europa zu regeneriren, da
Europa nicht stark genug ist um die Krisis durchzumachen & selbst den
Communismus zu erobern. | 40

Panslawismus

I VII Panslavismus. Zweierlei: 1) die bloß die slovenska zemé haben
wollen, 2) die Regeneratoren v. ganz Europa. Aber auch dieser Unterschied ohne Grund, in Wirklichkeit beide dasselbe, Europa kann weder
das eine noch das andre dulden. Der wirkliche Unterschied also zwisehen: 1) die diversen kleinen slavischen Nationen & ihre Ansprüche.
2) die Russen & ihre großen Ansprüche. Ad 1 die Kleinen:

1) Die Sorben, out of the question. 2) Die Böhmen, 7 000 000, mit
einer anständigen Geschichte, aber bloß für Böhmen, d.h. Vi des Volks.
Hauptstolz das 15/16 Jahrhundert, aber wenn Deutschland im 15 fehlte,
10 im 16 alles gutgemacht - den 30jährigen Krieg für Böhmen unternom-

men. Das Gebiet der Cechosl. ein unmöglicher Staat. Gemeinsam nur die

Schriftsprache, nicht die Volkssprache, - noch die historischen Traditionen. Mähren & Slovaken stets getrennt v. Böhmen. Vi der Bevölkerung im cechoslowakischen Gebiet deutsch & ungarisch. Deutschland
15 no more than Ungarn kann eine solche Staatsbildung erlauben, es ist als
ob die deutschen Farmer v. Pensylvanien sich unabhängig erklären wollten. Die wahre Frage ist die historische Vitalität, & für diese ist die Stellung eines Volks in einer Revolution wie 1848 entscheidend.
VII Polen. Der Untergang Polens, seine eigene Schuld. Jetzt gegen
20 11 Millionen, aber nur 7 Millionen compact, ein Theil die Wasserpolakken & Masuren ohne historische Verbindung mit Polen seit
Jahrhunderten. Der Rest in Mischländern. Die Lage des Kerns indeß
günstig, compact, ein Viereck so günstig wie bei den Magyaren viel mehr
als bei den Cechen. Indeß 7 Millionen allein nicht hinreichend in Ost-
25 europa einen andren Staat als ein neues Belgien zu stiften - nothwendig
also die Assimilation fremder Bestandtheile: Können die Polen & Ungarn
dies? Polen war nicht nur revolutionär seit seinem Fall, es ist auch in die

Notwendigkeit versetzt stets revolutionär zu sein. Der Bauer muß frei

werden, sonst kein Polen möglich. Darin liegt die Garantie der Zukunft
30 Polens; andrerseits kann Rußland die polnischen Bauern auch niemals

russificiren. |
|[2]| Panslavismus IX. Die Westslayen ganz europäisirt, die Südostslaven
noch asiatisch in Lebensverhältnissen, Organisation, Eigenthum, Familie, Sitte & Denkweise. Dies asiatische Element wird sich später als die
35 Basis des Anspruchs für Jugend & Regenerationskraft erweisen.
Südslayen. Zahl an - 11 Millionen. Scheinbar sehr compact, in Wirklichkeit aber durchaus nicht. 1) 3 verschiedene Sprachen; die Bulgaren
den beiden andern nicht verständlich; serbische & slovenische sehr reich
an Flexionen, bulgarische gar keine. Nur wenn Serbisch ausschließliche
40 Schriftsprache würde, aufeine Einigung zu rechnen. 2) Jeder Stamm eine
eigne Geschichte: die Slovenen gar keine, zwischen Ungarn & Deutsch-

Nn

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land getheilt, die Serben & Bulgaren jeder für sich, stets in Kriegen, &
selbst fremde Feinde hereinrufend. 3) Die Bulgaren mehr entnervt durch
den türkischen Druck, ganz knechtisch & ohne Aspirationen; viel
türkische Colonien im Lande, das höchste bulgarische Ideal Befreiung
vom ungläubigen Joch durch Rußland. - Die Serben tapfer & 5
kriegerisch, haben durch ihre Revolution ihre Zukunftsbefähigung bewiesen, & ihr 14 & 15 Jahrhundert hat glorreiche Momente. Sie beweisen
sich jetzt als zukunftsfähig durch die Assimilation der westlichen
Civilisation. Aber all dies bloß auf die freien Serben anwendbar -
950 000, während über 4 Millionen entweder direct reactionär oder 10
apathisch sind. - 1% Millionen in der Türkei. - 1 Million zerdrückt wie
die Bulgaren, V2 Million mohamedanisch. Die Montenegriner reine
Räuber, berauben nicht sowohl die Türken als die christlichen Bauern
der Umgegend. Die Dalmaten haben eine andre Religion, Alphabet &
Literatur. 4) Die Religionsverschiedenheit sehr groß, unter den Südslaven 15
4 Millionen Römisch, 6 Millionen Griechisch, 700 000 Muhamedaner; in
Ländern wo die Pfaffen so mächtig, können sich diese Religionen nicht
vertragen & die Muhamedaner sind sogar direct feindlich, fanatisch.
5) äußere Schwierigkeiten, das türkische Reich schon zu beseitigen aber
dann kommt der Kampf mit Ungarn wegen des Banats & der Küste, mit 20
Deutschland wegen eines Theils der Steiermark & Illyrien.

X. Die Conflicte der Slaven mit anderen Nationen beschränken sich
auf die kleinen Slavischen Völker; & was die Slaven wollten, 1848 gezeigt.

In allen westlichen Ländern incl. Ungarn & Polen eine innere soziale
Revolution Grundlage der Erhebung, bei den Böhmen & Croaten nicht. 25
Bei ihnen kein Klassenkampf; der Versuch dazu galt für Landesverrath.

Slavenkongreß, Prager Aufstand, Wiener Reichstag - überall Reaction
der Slaven. Dann die Croaten & Serben - fast lauter Gränzsoldaten.
Verlangen die Wojwodina v. Ungarn zu trennen, wo die Serben nicht
einmal die Majorität. - Unmöglichkeit der südslayischen & czechischen 30
Restoration, soweit Ungarn & Deutschland betheiligt.

Polen & die türkischen Serben in einer andern Lage, sie haben eine
Zukunft. I

|[3]|XI. 1)Die Russen. Entwicklung wesentlich dieselbe wie die der
andern Slaven. Der Kampf um die natürlichen Gränzen, besonders die 35
Küsten. Nur bei den Russen verschiedene Resultate, Succeß.

2) Das russische Stammland: das InlandsGebiet d. oberen & mittleren
Don & Dnäpr, Dwina, Wolga. Ursprünglich Küste bloß bei Petersburg,
worum die Russen seit 1000 Jahren mit Finnen & Schweden gekämpft.
Dies schließlich behauptet, dazu wirklich russificirt die Nordküste des 40
schwarzen Meers v. Akerman bis Perekop, & die Asowsche Küste. Der
Rest bloß erobert, so die Ostseeküste & die Kaspische.

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3) Stämme: Großrussen & Kleinrussen. Erstere der Halt & Kern. Gro-
Be Entwicklungs- & Assimilationsfahigkeit, auch in der Russificirung der
barbarischen Gränzvölker besonders Tataren bewiesen. Dagegen ohnmächtig gegen Nationen gleicher oder höherer Bildung. Die Kleinrussen

5 behalten ihre Nationale Eigentümlichkeit noch, wo sie polonisirt behalten sie die polnische, Polen & Deutsche gar nicht zu russificiren, im Gegenteil in der deutschen Ostseeprovinz eine ganz eigne Nation entwikkelt, die baltische die vermöge ihres Zusammenhangs mit der deutschen
Bildung Rußland regirt.

10 Die Kleinrussen & Weißrussen ein Stamm der v. Slaven - Polen &
Großrussen ebenso zerstückelt & unterdrückt wie Czechosl. v. Deutschen
& Magyaren. Nie fähig selbst was zu sein, aber auch zu zertheilt & verpolnischt als daß die Russen sie je ganz reclamiren könnten.

15 XII 4) Natürliche Gränzen. Gegeben durch den Lauf der Flüsse die im
Inland entspringen. Der untere Don, Dnepr, Wolga, Neva, nördliche
Dwina unbedingt für Rußland nöthig. Aber weiter nach Westen ist Übergriff, durch kein materielles Interesse gerechtfertigt. Die Hauptkornausfuhr des eigentlichen russischen Gebiets braucht weder Riga noch Odes-

20 sa, beide sind die natürlichen Häfen des litthauisch polnischen Gebiets.
Rußland hat im Dnepr Bug Liman, in Kertsch & dem asowschen meer in
Petersburg & Reval seine Häfen. Petersburg selbst, als Hauptstadt, eine
Provocation, sollte bloß commercieller Vorposten sein. Je mehr die Communication & die Industrie & Bildung sich heben desto mehr wird Mos-

25 cou sich heben & Petersburg qua Hauptstadt um so weniger die enormen
Erhaltungskosten an Geld & Menschen werth. Dabei ist es apres tout
doch nicht einmal Seestadt.

Resultat: Rußland hat nach Westen seine natürlichen Gränzen überschritten, & mit dem Fortschritt der Civilisation nach Osten wird diese

30 Überschreitung für Rußlands freie Entwicklung immer überflüssiger, für
Europa immer drohender. Also Rußland muß entweder vorwärts oder
zurück, entweder Preußen, Galizien, die Moldau, u. schließlich Ungarn
& die große slavische Halbinsel erobern oder Polen & kleinrussisch Litauen aufgeben.

35 Das ist aber grade die Frage worum es sich handelt.

13. Manifest Destiny: (Regeneration Europas oder Regeneration Nordasien) I

I[4]I Panslavismus XIII Manifest Destiny: Regeneration Europas oder
Asiens? Die Russen wollen das Erstere, I VorderHand hier alle phi-

40 losophischen Argumente aus dem Spiel - bloß die Thatsachen. Romanisches & Germanisches Europa klein & dichtbevölkert gegen Rußland.

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150 Millionen gegen 80. Impossible. Befreiungskrieg gegen Napoleon.
Der Krimfeldzug beweist daß Rußland sich nicht wejt v. seinem
Schwerpunkt entfernen kann gegen Westen & Süden. Denn was bringt
Rußland Europa? Seht Polen an. Also hier kein Manifest Destiny.

Dagegen in Asien viel zu thun. Die Russen ganz die Leute, halb Bar- 5
baren, um mit ganzen Barbaren umzugehen. Die Tatarofinnen rasch assimilirt. Heidenstämme nie ausgerottet wie in Amerika & Australien -
Was die Russen Großes gethan, ist in dieser Art - Colonisation v. der
Ukraine & Südrußland, Statistik vgl. Petermann.

Sibirien besonders das Land. Allerdings manche geogr. Nachtheile, 10
aber diese selbst die Bedingung davon daß diese enorme Strecke zu
Rußland gehören kann. Mineralische Ressourcen. Position auf dem Pacific, dem Meer der Zukunft. Amur - nothwendig auch die Mandschurei
Rußlands Erbtheil. & Alles das zu haben & zu halten ohne Anstrengung.
Ein Bataillon hält den Amur - vergleicht Polen & sagt wo Rußland's 15
Destiny ist! Polen kostet Geld, Menschen etc. fruchtlos, Sibirien bringt
ein. Und erst der Versuch, Constantinopel zu nehmen, was wird er Rußland kosten! vgl. den letzten Krieg.

Wenn Rußland nicht anders will wird es Par force gelehrt werden was
seine Destiny ist. [5]| Panslavismus XIV. Soweit die praktische Befähigung & Beruf der

Russen Europa zu regeniren. Jetzt die theoretischen Ansprüche. Selbst
diese, wie schon gesagt, unrussischen Ursprungs, durch den Eindruck
den das rasch aufstrebende Rußland Peters des Großen & Katharinas auf
Schlözer machte, gegenüber dem verfallenden AdelsEuropa & besonders 25
dem in Kleinstaaterei & Zopfthum & dem heiligen römischen Reich
verkommenden Deutschland. Dieser Anschauungsweise durch die
französische Revolution & die napoleonischen Kriege ein Ende gemacht.
Neuerdings diese Anschauung, die Ursprungs neutral war, direct
reactionär von furchtsamen europäischen Reactionären & von der regie- 30
rungsfreundlichen russischen Partei in der Literatur (Panslavisme moscovite s. Herzen Idées) aufgewärmt. Hierin nur Eine Seite ehrlich & theoretisch gerechtfertigt: die altrussisch-reactionäre, die das entartete Europa gewaltsam wieder zum Glauben & Gehorsam zurückführen möchte.
Sie liegt übrigens auch wie sich zeigen wird, der modern sozialde- 35
mocratisch panslayistischen Seite zum Grunde sodaß diese nur als eine
Entartung der ersten behandelt zu werden braucht.

Rußland jung, Europa alt, Rußland einig & stark, Europa zerrissen, v.
Übercivilisation & Zwiespalt der Theorien zerfressen. Rußland gläubig,
Europa gottlos, Rußland gehorsam, Europa rebellisch. Das sind die ewi- 40
gen Grundideen, ganz richtig für einen Reactionären Russen oder Occi-

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dentalen, denn alles was sie verehren ist im Occident verfault, lebensunfahig, sterbend. Für den der die Bewegung des Westens tiber den als
höchstes Ziel der menschlichen Entwicklung anerkannten russischen
Stand als eine Entartung ansieht, muß Europa alt & der moderne Kampf
5 ein Kampf wie der der prätorianischen Kaiser oder der byzantinischen
Theologen sein, & die einzige Möglichkeit der Befreiung & Regeneration
in der russischen Eroberung liegen. Für eine solche ist die russische Leibeigenschaft, die patriarchalische Wirtschaft, Gemeinschaft des Grundeigenthums etc. etc. Normalzustand, die Freiheit der Bauern, das moderne

10 Privateigenthum, die Entwicklung des Handels & der Industrie consequent ein Ausgearteter Zustand. In allen diesen Sachen stimmen occidentale Feudalisten & moskowitische Patrioten genau überein. Ihnen hat
die moderne Bewegung keinen Sinn & muß in allgemeiner Verwüstung
endigen. Alles das aber beweist bloß daß sie diese Bewegung nicht ver-

15 stehen & nicht verstehen wollen. Haxthausen ein Exempel. Dabei oft sehr
schön daß Leute wie Haxthausen selbst der Büreaukratie angehören die
ihrer Zeit oft selbst diese revolutionären Enteneier als Bruthenne ausgebrütet & nun verzweifelt am Ufer auf & ab läuft wenn die jungen Enten
ot odnavo berega otstali: Die Bewegungslosigkeit - das ist die sogenannte

20 Jugend, Einheit, Stärke, der Glaube & Gehorsam Rußlands.

ad rem: Erstens die Ansicht v. jungen & alten Völkern ganz orientalisch. Je mehr Europa in die Geschichte hineingezogen desto mehr dies
verschwunden. Früher existirten Nationen nur nach einander, jetzt neben
einander (s. Notiz contra Herzen, 2. b. & wo dies näher behandelt.)

25 Zweitens was Jugendkraft angeht, England & Rußland zu vergleichen,
ihre resp. Entwicklung seit 100 Jahren. Drittens die größte Entwicklung
Rußlands, im Süden durch Colonisation, direct durch den industriellen
Aufschwung Europa's bedingt. Viertens die Welt seit 1500 zu groß geworden um „Weltreiche" & Völkerwanderungsverjüngungen zuzulassen.

30 Der directe Land & Seeverkehr, die gewaltigen CommunicationsMittel,
das verjüngt jetzt die Völker & rüttelt sie zusammen. Fünftens die industrielle Entwicklung auch in Rußland schon etablirt, & also Rußland
selbst angefressen; und w |

|[6]| Schluß: 1) Sind die Polen durch die russische Herrschaft & die Apa-

35 thie des Westens russificirt? Werden sie sich dem Panslavismus anschlie-
Ben? a) Den Bauer kann Rußland nicht russificiren, er ist 1) Bauer &
Knecht, erst 2) Pole, b) die paar Adligen & Bürger im Lande mögen zum
Teufel gehn.

2) Wie stehts mit der Eroberung der Westrussen & Ostseeprovinzen?

40 Durch Bauernemancipation. Sollte der russische Bauer auch aufstehn,
il faut voir was der westrussische macht

3) Deutschland - gütlicher Vertrag unvermeidlich. |

ANHANG

Dubiosa