* Köln, 25. September
. Kaum ist die offizielle Nachricht von [ der] Bildung des kontrerevolutionären Ministeriums an den Rhein gedrungen: so
erwacht im hiesigen Parquet plötzlich nicht blos ein allmächtiges Verhaftungsgelüst, sondern ein Thateifer, wie er selbst im alten Polizeistaat
nicht vorgekommen.5
Diesen Morgen hat der kontrerevolutionäre Feldzug begonnen. Die
Helden desselben sind auf einigen Punkten siegreich gewesen, auf andern
zurückgeschlagen worden: – ein Schicksal, was selbst größere Feldherrn
betroffen hat. Man gedachte, wenige Dutzend kölnische Demokraten als
Morgenbeute davon zu führen und mit dieser Kunde die hiesigen Heulerbei
ihrem Frühstück zu erfreuen. Allein ein Theil der Beute ist den Herren abgejagt worden. So wurde Wachter, Hauptmann der 9. Bürgerwehrkompagnie vom Volke den Händen der heiligen
Hermandad entrissen.
Bei unserm Mitbürger Moll drangen 6 Wächter des Gesetzes ein. Die
schnell ums Haus versammelte Menge, ihre drohende Haltung veranlaßte
2 der Herren, sich auf den Hausboden, einen dritten sich in den Keller
flüchten zu wollen. Zum Unglück besitzt das Haus nur Einen Ausgang.
Moll gab dem Wunsche der Beängstigten nach und bat beim Volke für
ungefährdeten Rückzug der 6 Mann starken Brigade.
Was dagegen Becker und Schapper anlangt: so sind diese bei frühester
Morgenstunde ins Gefängniß abgeführt worden. Außer Bürgers sollen
noch mehrere andere Redakteure unseres Blattes auf der Proscriptionsliste stehen und Versuche zu ihrer Gefangennehmung gemacht worden
sein.
Schreiten die Herren mit Ausführung ihrer Pläne weiter vor, so wird25
unsere Zeitung bald nur noch auf mysteriöse Weise redigirt werden können. Doch glauben wir versichern zu können, daß alle gegen uns gerichteten Manöver der Hauptsache nach sich fruchtlos erweisen und unsere