Italien.
Neue Rheinische Zeitung
* Wie die neuesten Nachrichten besagen, wird der sardinische Admiral
Albini die sardinischen Truppen nicht einschiffen, weil General Della
Marmora nicht eher darauf eingehen will, bis er einen vom Turiner Ministerium an ihn selbst gerichteten Befehl erhalten. Der Waffenstillstand5
soll um 14 Tage verlängert worden sein. Nach einer Privatkorrespondenzaus
Mailand vom 30. August leben die Handwerker und übrigen Arbeiterin
schrecklichem Elende. Aller Verkehr stockt; nur die Gewalt und Brutalität der Sieger herrscht. Es finden viele Exekutionen statt. Die politischen Verurtheilten werden meist zur Nachtzeit erschossen. Maria Calderara, die bekannte Mätresse des Grafen Pachta in Mailand, wird jetztvon
letzterem mit Geschenken und Gunstbezeugungen überhäuft, undder
alte Radetzky verschwendet die gestohlenen Juwelen an seine theuere
Giovannina Meregalli, die er feierlich geehlicht hat. Die ex-provisorische
Regierung von Mailand war so gutmüthig gewesen gegen diese beiden15
Damen, deren Häuser der Mittelpunkt der östreichischen Spione und
Intriguen waren, keinerlei Maßregel zu ergreifen. – Garibaldi soll die
Straße über den Gotthard eingeschlagen haben und will sich nach Frankreich begeben. – Drei neapolitanische Kriegsdämpfer haben Messina
bombardirt; das Feuer wurde so kräftig erwidert, daß einer derselben in20
Grund gebohrt, die andern zum Rückzug genöthigt wurden. In Lucca
weigerte sich die Nationalgarde, wie das Militär, gegen Livorno zu marschiren; sie erklärten: gegen ihre eigenen Brüder würden sie nicht kämpfen.
Die provisorische Regierung in Livorno erließ am 28. August eine zur25
Ordnung, Einigkeit und Brüderlichkeit auffordernde Proklamation, dieden
gewünschten Erfolg hatte. In einer zweiten Kundmachung verwahren sich die Livornesen gegen alle Verleumdungen hinsichtlich der letzten